1879 Fernberg
Sendlinger-Feldweg, Sendlingerstraße, Sendlingerthorplatz, Sendlingerweg. Alle diese Verkehrswege haben ihren Namen von der Vorstadt Sendling, welche seit 1. Januar 1877 mit München vereinigt ist; wegen ihrer hübschen Lage auf der Höhe nebst Aussicht ín`s Gebirge über das Isarthal hinweg war sie von jeher ein beliebten Ausflugsorte der Münchener. Uebrigens ist diese jüngste Vorstadt eine ältere Ansiedelung als München selbst, denn schon im Jahre 782 ist in Urkunden von einem Dorfe Sentilinga die Rede, und ursprünglich gehörte München zur Pfarrei Sendling, von der es freilich schon 1170 abgetrennt wurde. Auch die Vorstädte Giesing und Haidhausen als frühere Dörfer ("Kiesinga" und "Heidhusir") ---- dann die Orte Perlach ("Peraloh"), Föhring ("Feringa"), Feldmoching ("Feldmochinga") sind um 3 bis 4 Jahrhunderte älter als die Stadt, zu deren Umgebung sie jetzt gehören.
1880 Adressbuch
Wurde1810 durch Abtragung der Basteien und Wälle hergestellt; doch erst als der seit 1812 festgesetzte, zuerst auf 4000 Fuß brstimmte, dann auf 2000 Fuß ermäßigte „Gesundheitszirkel“ um das allgemeine Ktankenhaus am 5. Juli 1827 aufgehoben wurde, konnten die Häuser in der Umgebung des Sendlingerthorplatzes und auf einer Seite der Sendlingerstraße (jetzt Lindwurmstraße) entstehen. – Das den südlichen Abschluß der Sendlingerstraße bildende „Sendlingerthor“ wird seit 1319 urkundlich erwähnt und bestand anfänglich nur aus dem Hauptthurm; erst beinahe hundert Jahre später erhielt es eine Verstärkung durch zwei mächtige Seitenthürme. Ersterer, der in der inneren Stadt zugekehrte ältere Thorturm, wurde 1810 abgetragen, während die äußeren Flankenthürme noch gegenwärtig in ihrer frühesten Gestalt erhalten sind. 1860 entsprechend restauriert und mit der Umgebung und den noch aufrecht gebliebneen Mauern in Einklang gebracht, wurden neben ihnen, resp. dem Hauptthore kleine Pforten für die Fußgänger durchbrochen. An jenen Theile der Stadtmauer, welcher südöstlich hinzog und 1873 sank, sollen der Sage nach in alter Zeit die Selbstmörder begraben worden sein, daher noch zu Anfang dieses Jahrhundert die Leute, welche vorbeigingen, schei und unheimlich sich bekreuzten. Wahrscheinlich hat aber auf jene Sage das nahe, innerhalb dieser Mauer hinabziehende „Henkerhäßl“ (s. Blunemstraße) eingewirkt. Damals, im Sommer 1873, fand sich auch bei dem Abbruch des vielbesprochenen „Fausttürmchens“ nichts Besonderes, und erweies sich die „“drohende Faus als steinerner, gänzlich verwitteter Thurmknopf, dessen ursprüngliche Gestalt nicht mehr zu erkennen war.
1894 Rambaldi
613. Sendlingerthorplatz.Beginnt außerhalb des Sendlingerthores und zieht sich halbbogenförmig am Anfange der Lindwurm-, Nußbaum- und Findlingstraße vorbei zur Sonnenstraße. Dieser
Platz wurde 1810 durch Abtragung der Basteien und Wälle hergestellt; doch erst, als der seit 1812 festgesetzte, zuerst auf 4000 Fuß
bestimmte, dann auf 2000 Fuß ermäßigte »Gesundheitszirkel« um
das allgemeine Krankenhaus am 5. Juli 1827 aufgehoben wurde,
konnten die Häuser in der Umgebung des Sendlingerthorplatzes und
auf einer Seite der Sendlingerland-, jetzt Lindwurmstraße entstehen. Das den südlichen Abschluß der Sendlingerstraße bildende in
neuester Zeit so angefeindete ,,Sendlingerthor« wird seit 1319 urkundlich erwähnt und bestand anfänglich nur aus dem Hauptturmz
erst beinahe hundert Jahre später erhielt es eine Verstärkung durch
zwei mächtige Seitentürme mit einem Thorausgange. Ersterer, der
der inneren Stadt zugekehrte ältere Thorturm, wurde 1810 abgetragen,
während die äußeren Flankentüme noch gegenwärtig in ihrer frühesten
Gestalt erhalten sind. Nachdem sie 1860 entsprechend restauriert und
mit der Umgebung und den noch aufrecht gebliebenen Mauern in
Einklang gebracht waren, wurden neben ihnen, resp. dem Hauptthore
kleine Pforten für die Fußgänger durchgebrochen. An jenem Teile ber
Stadtmauer, welcher südöstlich hinzog und 1873 sank, war ein absonderliches spitzes Türmlein zu sehen und auf dessen Spitze eine Faust,
die in Nähe und Ferne drohte. Der Sage nach sollen in alter Zeit
die Selbstmörder dort begraben worden sein, daher noch zu Anfang
dieses Jhdts. die Leute, welche vorbeigingen, scheu sich bekreuzten.
Wahrscheinlich hat aber auf jene Sage das nahe, innerhalb dieser
Mauer hinabziehende ,,Henkergäßel« (s. Anger, oberer) gewirkt. Nach
anderer Sage sollte da einmal ein Hofnarr eingemauert worden sein,
welcher die Thorfchlüssel dem Feinden aushändigte.*) Mit der Aushändigung und der Einmauerung soll es denn seine Richtigkeit haben,
aber nicht mit dem Hofnarren. Mag dem nun sein, wie ihm wolle.
Als im Jahre 1873 das vielbesprochene .,Fausttürmchen« abgebrochen
wurde, fand sich nichts Besonderes, und erwies sich die »drohende
Faust« als ein steinerner gänzlich verwitterter Turmknopf, dessen ursprüngliche Gestalt nicht mehr zu erkennen war. Letzterer wurde den
Sammlungen des historischen Vereines von Oberbayern einverleibt.
*) Cfr. Mayer, Münchener Stadtbuch S. 538; Franz Trautmann, Alt-
Münchner Denk- und Wahrzeichen S. 11 und S. 101.1965 Baureferat
Sendiinger-Tor-Platz: Sendlinger Tor, aus dem 14. Jhdt. stammendes Stadttor an der äußeren Stadtmauer. *nach 1810