1894 Rambaldi
498. Pilotystraße. Zweigt unfern der St. Anna-Kunstmühle
in nördlicher Richtung als Fortsetzung der Wurzerstraße von der
Sigmundstraße ab und zieht sich, die Galleriestraße kreuzend, zur Prinzregentenstraße. Zur Ehrung des Historienmalers und Professors der Kunstakademie Karl von Piloty, geb. 1. Oktober 1826 zu München,
gest. daselbst 21. Juli 1886. Piloty besuchte 1840 die Münchener Akademie, wo er sich besonders an Schnorr anschloß, und arbeitete dann an dem lithographischen Werke seines Vaters; 1856 wurde er, nachdem er vorher Antwerpen und Paris besucht hatte, als Professor
der Münchener Kunstakademie angestellt. Karl von Piloty ist der
Schöpfer des Kolossalgemäldes im neuen Rathaus zu München »die
Allegorie der Munichia«, welches er in dem Zeitraum von1874—79
schuf, und zu welchem dann der Geschichtsprofessor Karl Theodor Heigel
einen Kommentar schrieb *). Bis zum 16. März resp.6. April 1886
hieß diese Straße vorher ,,Tannenstraße«, welcher Name davon herrührte, weil vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert sich noch
mehrere Nadelholzpflanzungen längs der Straßen im Weichbilde der
Stadt befanden, da unsere Vorfahren sich auch während des Winters
den Anblick des Grünen verschaffen wollten. Eine solche Anlage soll
in der Nähe des Löwenstalles (Nr. 2) gewesen sein. Der Hofgärtner Heusler erbaute hier unter Karl Theodors Regierung die ersten
am sogenannten Rempart stehenden Häuser. Zu erwähnen sind--
Nr. 1. Kainstühle, früher Mittermühle, seit 1319 zu dem von
Kaiser Ludwig gestifteten St. Lorenzs und Margarethen-Beneficium,
heute dem Kunstmahlbesitzer Christ. Meyer gehörig. Nr. 2. Der
sogenannte Löwenstall (s. Alter Hof).
An der Stelle, wo heute das Haus Nr. 21 der Galleriestraße
sich befindet, stand früher das sogenannte ,,Rockerl« **). Diese Benennung ist durch den Volksmund aus dem französischen Worte »Rocailleur« entstanden. Rocailleur nannte man nämlich zur Zeit des
prachtliebenden Kurfürsten Max Emanuel einen Stuckator, der nach
damaligen französischem Geschmacke die Residenz und deren Hofe mit
Grotten (franz. roeailles; d. i. künstliche mit Tropssteinen und Mu-
scheln verzierte Höhlen) auszuschmücken hatte. Dieser französisch titulierte Hofbaumeister — übrigens ein guter Deutscher Namens Georg
Hördt — besaß im Jahre 1712 auf der damals noch bestehenden
Bastei ein Wohnhaus, das vom Jahre 1759 bis 1774 als Sternwarte der Akademie diente (s. Osterwaldstraße) und später zu einer
Wirtschaft eingerichtet wurde. Nach dem französischen Titel des ersten
Besitzers hieß diese Wirtschaft anfangs »zum Rocailleur«. Das Volk
aber, das mit dem ungewohnte und nach wenigen Jahrzehnten ganzlich unverständlichen französischen Worte nichts anzufangen wußte, verwandelte es bald indas ächt münchnerisch klingende »zum Rockerl.«
Indessen konnten nach einer anderen Ansicht an diesen Erhöhungen
früher Vogelherde, das sind Lauben und Vorrichtungen zum Vogelfang (italiellisch Roceoli) gestanden haben und der Name hievon herrühren. Für letztere Anschauung würde sprechen, was Lipowsky in
seiner Urgeschichte Münchens II, 455 mitteilt. Derselbe schreibt:
»Außerhalb des Schwabingerthores wurde rechts hinter dem dermaligem Hofgarten bei Befestigung der Stadt München ein doppeltes
Bollwerk (Cavalier) angelegt, um das sich ein großer und breiter
Wassergraben zog, in dem sich, da er stark mit Schilf bewachsen war,
viele Wasservögel und Fischgeier aufgehalten hatten. Da Churfurst
Max Emalluel in der Herbstzeit öfters auf diesem Bolllverke sich einfand, und nach diesen Vögeln schoß, so erbaute sich mit dessen Bewilligung Ignatz Herd, Rocailleur bei der churf. Falkenjagd ein Wohnhaus auf dasselbe, wobei dem Churfürsten die Bequemlichkeit zuging sich daselbst während einer solchen Jagd aufzuhalten· Von diesem
Rocailleur erhielt dieses Bollwerk in der gemeinen Mlilldsprache den
Namen »Rockerl.« Graf Königsfeld ließ dieses Haus in ein Schloßchell verwandeln und dabei einen Garten anlegen, wonach es der
churbayerische Minister Graf von Berchelll gekauft. Wen die Bedeutung und Ableitung des Wortes interessiert, der möge Schmeller-Frommans bayerisches Wörterbuch Il, 47 aufschlagen; wer aber
mehr Interesse am Schlößchen und Wirtshaus »Rockerl« hat, lese
Destouches München (1827) S. 332 ***).
*) Münchens Geschichte 1158—1806, München 1882 M. Riegersche
Universitäts-Buchhandlung.
**) Regnet S. 49; Burgholzer S. 441 und 257; Frz. Trautmann Alt-Münchner Wahrzeichen S.251.
***) Jahrbücher für Münchner Geschichte Ill, 42.
1943 Adressbuch
Karl von Piloty, Historienmaler und Direktor der bildenden Künste, Schöpfer des Kolossalgeschichtsbild im neuen Rathaus zu München, * 1.10.1826 und † 21.7.1886 München.
Zieht als Fortsetzung der Wurzerstraße von der Christoph- an der Sigmundstraße vorbei, die Galeriestraße kreuzend, zur Prinzregentenstraße (Lehel).
1965 Baureferat
Pilotystraße: Karl von Piloty (1826-1886), Historienmaler, Prof. und Direktor der Akademie der bildenden Künste in München, schuf 1879 das Kolossalgeschichtsgemälde „Monachia" im Neuen Rathaus; viele seiner Werke in Münchner Galerien. *1886