Papa-Schmid-Straße in München Altstadt-Lehel
 

Münchner Straßenverzeichnis

* vor 200

† vor 110


Schmid Josef Leonhard
Josef Leonhard Schmid
Bildrechte: © Gerhard Willhalm, Papa Schmid, CC BY-NC 4.0

Josef Leonhard Schmid (* 29. Januar 1822 in Amberg; † 31. Dezember 1912 in München) war ein deutscher Puppenspieler und Theaterleiter.

Erst durch die Vermittlung des Hofbeamten Franz von Pocci (1807–76) erhielt Schmid am 15. November 1858 die Spielerlaubnis für ein nicht auf Kinder beschränktes, sondern jedermann zugängliches Münchner Marionettentheater, das am 5. Dezember 1858 mit dem von Pocci verfassten Stück „Prinz Rosenrot und Prinzessin Lilienweiß oder Die bezauberte Lilie“ eröffnet wurde. Nach Poccis Tod verfügte Schmid als alleiniger Rechteinhaber über 53 für das „Münchner Marionetten-Theater“ geschriebene Kasperlkomödien, Ritterstücke, Märchenspiele, Prologe und Intermezzi. Stückvorlagen von weiteren Autoren bereicherten den Spielplan, der sich auch trivialen Stoffen nicht verschloß. Schmid wusste seinen Hausautor gewiss zu schätzen, blieb letztendlich aber als „Papa Schmid“ in einem naiven, durch Religion und kleinbürgerliche Sittsamkeit geprägten Kunstverständnis befangen.

Schmid brachte das gesamte historische Spektrum von Darstellungsformen des traditionellen Puppenspiels wie Handpuppen- und Schattentheater, Varieté- und Verwandlungsfiguren, Theatrum mundi und mechanisches Theater sowie Projektionskünste zur Anwendung; sein Theater war so erfolgreich, dass die ursprüngliche Spielstätte in der Prannergasse bald zugunsten eines größeren Lokals aufgegeben wurde. Schmid, der beinahe bis zuletzt selbst den Kasperl sprach, konnte zahlreiche Münchner Künstler, unter ihnen Simon Quaglio und den Hoftheatermaler Johann Mettenleiter, zur Mitwirkung gewinnen; die Orientierung an der miniaturisierten Nachahmung historisch-realistischer Ausstattungen mutete indes bereits zum Zeitpunkt seines Todes künstlerisch museal an.

Mit der Aufführung der Kasperlkomödien Poccis, die der „Lustigen Figur“ einen ironisch-phantastischen und bei aller zeitgebundenen Perspektive universal-humanen Charakter verliehen, erfüllte das „Münchner Marionetten-Theater“ jedoch eine Katalysatorfunktion: Die nachfolgende Generation von Puppenspielern, die Schmids Spielauffassung ästhetisch überwand, konnte auf einer soliden literarischen Überlieferung aufbauen, die inzwischen zum klassischen Repertoire zählt. Die Stadt München errichtete 1900 dem Theater ein festes Haus des Architekten Theodor Fischer, das bis heute bespielt wird.

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Straßenname Papa-Schmid-Straße
Benennung 30.9.1950 Erstnennung
Plz 80469
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel | Angerviertel
RubrikPersonen
Kategorie Marionettenspieler  Theaterleiter  
Lat/Lng 48.13164 - 11.57121   
Straßenlänge 0.075 km
Person Schmid Josef Leonhard
geboren 29.1.1822 [Amberg]
gestorben 31.12.1912 [München]
Kategorie Marionettenspieler  Theaterleiter  
Nation Deutschland
Konfession katholisch
GND 117499269
Leben

Josef Leonhard Schmid (* 29. Januar 1822 in Amberg; † 31. Dezember 1912 in München) war ein deutscher Puppenspieler und Theaterleiter.

Erst durch die Vermittlung des Hofbeamten Franz von Pocci (1807–76) erhielt Schmid am 15. November 1858 die Spielerlaubnis für ein nicht auf Kinder beschränktes, sondern jedermann zugängliches Münchner Marionettentheater, das am 5. Dezember 1858 mit dem von Pocci verfassten Stück „Prinz Rosenrot und Prinzessin Lilienweiß oder Die bezauberte Lilie“ eröffnet wurde. Nach Poccis Tod verfügte Schmid als alleiniger Rechteinhaber über 53 für das „Münchner Marionetten-Theater“ geschriebene Kasperlkomödien, Ritterstücke, Märchenspiele, Prologe und Intermezzi. Stückvorlagen von weiteren Autoren bereicherten den Spielplan, der sich auch trivialen Stoffen nicht verschloß. Schmid wusste seinen Hausautor gewiss zu schätzen, blieb letztendlich aber als „Papa Schmid“ in einem naiven, durch Religion und kleinbürgerliche Sittsamkeit geprägten Kunstverständnis befangen.

Schmid brachte das gesamte historische Spektrum von Darstellungsformen des traditionellen Puppenspiels wie Handpuppen- und Schattentheater, Varieté- und Verwandlungsfiguren, Theatrum mundi und mechanisches Theater sowie Projektionskünste zur Anwendung; sein Theater war so erfolgreich, dass die ursprüngliche Spielstätte in der Prannergasse bald zugunsten eines größeren Lokals aufgegeben wurde. Schmid, der beinahe bis zuletzt selbst den Kasperl sprach, konnte zahlreiche Münchner Künstler, unter ihnen Simon Quaglio und den Hoftheatermaler Johann Mettenleiter, zur Mitwirkung gewinnen; die Orientierung an der miniaturisierten Nachahmung historisch-realistischer Ausstattungen mutete indes bereits zum Zeitpunkt seines Todes künstlerisch museal an.

Mit der Aufführung der Kasperlkomödien Poccis, die der „Lustigen Figur“ einen ironisch-phantastischen und bei aller zeitgebundenen Perspektive universal-humanen Charakter verliehen, erfüllte das „Münchner Marionetten-Theater“ jedoch eine Katalysatorfunktion: Die nachfolgende Generation von Puppenspielern, die Schmids Spielauffassung ästhetisch überwand, konnte auf einer soliden literarischen Überlieferung aufbauen, die inzwischen zum klassischen Repertoire zählt. Die Stadt München errichtete 1900 dem Theater ein festes Haus des Architekten Theodor Fischer, das bis heute bespielt wird.

Grabstätte
Grabstätte
Alter Südlicher Friedhof

Sektion: 33 - Reihe: 03 - Nummer: 15
Bavarikon Wikipedia Deutsche Biografie Deutsche National Bibliothek
Benennung 30.9.1950 Erstnennung
Offiziell Nach dem Begründer des1.Marionettentheaters in München, Josef Schmid genannt Papa Schmid.
Straßenverlauf Verbindet die Blumen- mit der Müller- und Fraunhoferstraße.
1965 Baureferat  
Papa-Schmid-Straße: Josef Schmid (1822-1912), Aktuar, gründete 1858 das erste Marionettentheater in München. *1950 - auch Schmidstraße.
DatumQuelleA
30.09.1950Hausnummerierung, Straßenbenennung
Übersicht Nr. 6/1950
DE-1992-STRA-40-63 Straßenbenennungen 1939 - 1952
Wiederaufbaureferat -> Stadtarchiv
Wikipedia Google Maps


Straßen sind das Gedächtnis der Stadt



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