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Karoline von Pfalz-Zweibrücken Große Landgräfin, Landgräfin

Haus: Wittelsbach Linie: Pfalz-Zweibrücken

* 09.03.1721 (Straßburg) – † 30.03.1774 (Darmstadt) · Herngarten

Ehen:
1. — · mit Ludwig IX. Hessen-Darmstadt
Karoline von Pfalz-Zweibrücken

Kinder

Karoline von Pfalz-Zweibrücken, auch bekannt als die „Große Landgräfin“, war eine der außergewöhnlichsten Frauenfiguren der Aufklärung. Als Tochter von Christian III. von Pfalz-Zweibrücken und Karoline von Nassau-Saarbrücken geboren, wuchs sie in einem Umfeld auf, das Bildung und geistige Freiheit schätzte. Durch ihre Heirat mit Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt im Jahr 1741 wurde sie zur prägenden Gestalt am Darmstädter Hof, doch ihr Einfluss reichte weit über die Grenzen ihres kleinen Territoriums hinaus.

Sie war eine Frau von seltener Gelehrsamkeit und korrespondierte mit den größten Denkern ihrer Zeit, darunter Friedrich der Große und Voltaire. Friedrich der Große schätzte sie so sehr, dass er sie als „Zierde ihres Geschlechts“ bezeichnete und ihr nach ihrem Tod eine Urne mit der Aufschrift „Femina sexu, ingenio vir“ (Ihrem Geschlecht nach eine Frau, ihrem Geist nach ein Mann) widmete. In einer Ära, in der Frauen oft auf repräsentative Rollen beschränkt waren, agierte Karoline als politisch kluge Beraterin und Förderin der Künste und Wissenschaften.

Für den bayerischen Stammbaum und die Stadt München ist sie von zentraler Bedeutung, da sie die Mutter der ersten bayerischen Königin, Karoline von Baden, war. Zudem war sie die Mutter von Friederike Luise, der späteren Königin von Preußen. Über ihre Kinder und Enkelkinder ist sie mit fast allen bedeutenden Herrscherhäusern Europas verwandt, was ihr den Ruf einer „Schwiegermutter Europas“ einbrachte. Ihr Erbe an Disziplin, Bildung und diplomatischer Weitsicht prägte die Erziehung der nachfolgenden Generationen der Wittelsbacher entscheidend mit.

Ihr Hof in Darmstadt wurde zu einem Zentrum der Empfindsamkeit und der Literatur, wo sie unter anderem den jungen Johann Wolfgang von Goethe empfing. Trotz einer oft schwierigen Ehe mit einem militärbegeisterten Ehemann gelang es ihr, Darmstadt zu einem kulturellen Leuchtturm zu machen. Ihr politisches Vermächtnis bestand darin, die Stellung Hessens durch kluge Heiratspolitik abzusichern und gleichzeitig die Ideale der Aufklärung in der praktischen Politik zu verankern.

Karoline von Pfalz-Zweibrücken verstarb 1774 in Darmstadt. Ihr Grabmal im Herrngarten ist bis heute ein Ort des Gedenkens an eine Frau, die durch ihren Intellekt und ihren Charakter die Geschicke ihrer Familie und ihrer Zeit maßgeblich beeinflusste.