Geschichte - Werdenfels

Zeitensprünge





  • Werdenfelser Land * Ritter Swiker von Mindelberg verkauft sein Gut, „das Garmisch genannt wird“, um 250 Pfund Augsburger Pfennige an den Freisinger Bischof Konrad I. von Tölz und Hohenburg, „mit allem was dazu gehört“


  • Freising - Werdenfelser Land * Der Freisinger Bischof Emicho Wildgraf erwirbt von Berchtold Graf zu Eschenloch die „Grafschaft ze Mittenwald und Partenkirchen“.   

    In der Kaufurkunde taucht erstmals der Name „Werdenfels“ auf. 


  • Mittenwald * Das Speditionswesen ist in Mittenwald durch den „Verein der bürgerlichen Fuhrleute“, der sogenannten „Rott“, organisiert.

    Die „Strata inferior“, die „Untere Straße“, die über den „Brenner“ durch die „Grafschaft Werdenfels“ führt, ist eine der „Haupttransitstrecken“.
    Zahlreiche Ortschaften entlang dieses Verkehrsweges verdanken ihren Aufschwung diesem spätmittelalterlichen Handel und Verkehr. Neben den Städten Bozen, Meran, Innsbruck oder Schongau, sind dies in der „Grafschaft Werdenfels“ Mittenwald und Partenkirchen.  

    Für diesen Handel bildet sich ein Frachtwesen heraus, das unter dem Namen „Rottfuhrwesen“ bekannt ist.  

    Und so ist die „Rott“ organisiert:
    An der Handelsstraße werden in Tagesabständen [20 bis 30 Kilometer] „Rottstationen“ [= Niederlagen] errichtet.
    Den „Rottfuhrleuten“ dieser Stationen steht das alleinige und ausschließliche Recht zu, „Rottgüter“ gegen „Niederlagegeld“ und „Fuhrlohn“ von ihrer Station zur nächsten zu befördern.

    Außerdem wird bereits von einem regen „Floßverkehr“ auf der ab Mittenwald floßbaren Isar berichtet. 


  • Mittenwald * Der Freisinger Fürstbischof und Landesherr über das Werdenfelser Land, Berthold von Wehingen, verleiht dem Markt Mittenwald ein eigenes Wappen und Siegel.


  • Mittenwald * Der Freisinger Landesherr über das „Werdenfelser Land“, Bischof Johann III. Grünwalder, gewährt den Mittenwaldern die Abhaltung von zwei Jahrmärkten. 


  • Mittenwald * In Mittenwald entsteht ein eigener, 50 Meter langer und 16 Meter breiter „Ländhafen“ für den Flusswarentransport, der „Nassen Rott“


  • Mittenwald * Für die aufgespeicherten Waren wird in Mittenwald ein gemeindliches „Ballenhaus“ gebaut. 


  • Mittenwald * In Mittenwald sollen mindestens 32 Wagen für die Rott bereitgehalten werden. 


  • Werdenfelser Land * Elsbeth Schlamp aus Garmisch, „ein seltsames Mensch von Ansehen“, und Maria Neuwirth aus Klagenfurt werden in der „Grafschaft Werdenfels“ der „Zauberei“ beschuldigt. 

    Ihnen wird die Erzeugung einer Seuche und eines schwerer Hagelschauers vorgeworfen. 

    Da aber weder der „Pfleger der Grafschaft“, noch die „Freisinger Regierung“ an einer Verfolgung interessiert sind, verläuft der Vorgang im Sand. 


  • Freising - Werdenfelser Land * In der zum Fürstbischof von Freising gehörenden Grafschaft Werdenfels beginnt mit der Verhaftung der 55-jährigen Ursula Klöck sowie Elsbeth Schlamp und ihre Tochter Appolonia eine große Hexenverfolgung, in deren Verlauf fünfzig Frauen und ein Mann der Hexerei beschuldigt werden.

    Als Landesherr des Freisinger Kirchenstaates steht ebenfalls ein Bruder des baierischen Herzogs Wilhelm V. an der Spitze: Fürstbischof Ernst von Freising ist zugleich Kurfürst des Fürstbistums Köln am Rhein. 


  • Freising - Werdenfelser Land * Aus Freising geht der Befehl in die „Grafschaft Werdenfels“, gegen die der „Hexerei“ Angeklagten Ursula Klöck sowie Elsbeth Schlamp und ihre Tochter Appolonia die „Folter“ anzuwenden.

    Damit ist der Ausweitung des „Hexenprozesses“ Tür und Tor geöffnet.
    Durch die über die „Folter“ herausgepressten Geständnisse werden etwa 180 Personen in den Prozess einbezogen.

    Am Ende werden 50 Frauen und ein Mann der „Hexerei“ schuldig befunden und zum „Tod auf dem Scheiterhaufen“ verurteilt. 


  • Werdenfelser Land * Mit Brigitta Krätzler und Barbara Feurer werden die beiden letzten Beschuldigten des „Werdenfelser Hexenprozesses“ hingerichtet.

    Dann endet zunächst die „Hexenverfolgung im Werdenfelser Land“.
    Das liegt einerseits am verstärkt auftretenden Widerstand aus der Bevölkerung, andererseits an den hohen Kosten.

    Alleine der „Nachrichter“ erhält für jede „Besichtigung“ zwei Gulden, dazu täglich ein „Wartegeld“ von zwei Gulden und für jede Hinrichtung nochmal acht Gulden.
    Auch Verpflegung und Unterkunft trägt die Staatskasse.
    Insgesamt kostet der „Werdenfelser Hexenprozess“ rund 4.000 Gulden.

    Am Ende dieser Verfolgungs-Periode zählt man 49 auf dem „Scheiterhaufen“ zum Teil „lebendig verbrannter Angeschuldigter“, zum Teil werden sie vorher erwürgt oder geköpft.

    Zwei Frauen sterben während ihres Gefängnisaufenthalts, eine davon verübt Selbstmord. 


  • Mittenwald * Für die aufgespeicherten Waren wird ein Mittenwald ein zweites gemeindliches „Ballenhaus“ gebaut. 


  • Freising * Der Freisinger Bischof Veit Adam von Gepeckh stirbt.  

    Sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wird der 28-jährige Baiernherzog Albrecht Sigismund.  

    Ihm gehört damit - neben seiner Residenzstadt Freising samt ihrem Burgfrieden - die „Grafschaft Ismaning“, die „Herrschaft Isen-Burgrain“ und die „Grafschaft Werdenfels“


  • Mittenwald * Matthias Klotz führt in Mittenwald den „Geigenbau“ ein. 


  • Werdenfelser Land * Kurfürst Max IV. Joseph lässt die zu Freising gehörende „Grafschaft Werdenfels“ durch baierische Truppen besetzen. 


  • Freising - Mühldorf * Kurfürst Max IV. Joseph ernennt Johann Adam Freiherr von Aretin zum „Generalkommissar für die Zivilbesitzergreifung des Hochstifts Freising sowie der Stadt Mühldorf“ und gibt ihm weitreichende Vollmachten. 


  • Freising * Da sich der kranke Freisinger Bischof Joseph Conrad Freiherr von Schroffenberg-Mös in Berchtesgaden aufhält, überreicht der kurfürstliche „Generalkommissär“ Johann Adam von Aretin dem Freisinger „Hofrat“ das „Besitzergreifungspatent“.

    Damit nimmt er für das Kurfürstentum Baiern zivilrechtlich Besitz von Freising, wozu auch die „Herrschaft Isen-Burgrain“ und die „Grafschaft Werdenfels“ gehören.

    Damit werden nicht nur viele Untertanen, sondern auch die „Zugspitze“ baierisch.

    Für Freising bedeutet das das Ende der geistlichen Herrschaft.
    Die Stadt wird eine ganz normalen baierischen „Municipalgemeinde“


  • Werdenfelser Land * Freiherr Johann Adam von Aretin erhält den kurfürstlichen Auftrag, die „Zivilbesitzergreifung der Reichsgrafschaft Werdenfels“ nicht auf dem normalen Verwaltungsweg über Freising aus, sondern vor Ort durchzuführen. 


  • Mittenwald - Garmisch * Um 10:30 Uhr vormittags trifft Johann Adam Freiherr von Aretin in Mittenwald ein.
    Er wird von einer jubelnden Menschenmenge begrüßt.

    Gleiches passiert bei seiner Ankunft in Garmisch gegen 15 Uhr. 


  • Werdenfelser Land * Freiherr Johann Adam von Aretin eröffnet um 8:30 Uhr mit einem Festgottesdienst die „Besitzergreifungsfeierlichkeiten der Reichsgrafschaft Werdenfels“. Damit endet die über 500 Jahre andauernde bischöfliche Herrschaft über das Werdenfelser Land. 

    An den öffentlichen Gebäuden wird das kurbaierische Wappen angebracht und die „Zivilbesitzergreifung durch Verruf“ bekannt gemacht. An der großen mittäglichen Festtafel dürfen allerdings nur geladene Gäste teilnehmen. 


  • Regensburg * Die letzte Tagung des „Immerwährenden Reichstags“ befasst sich mit der Annahme des „Reichsdeputationshauptschlusses“.  

    Es ist das letzte bedeutende Gesetz des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ und behandelt die Neuordnung des Reiches.

    Im „Reichsdeputationshauptschluss“ erfolgt die „Kompensation“ für die Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich.  
    Grundlage für den Text ist ein im Juni 1802 zwischen Frankreich und Österreich vereinbarter „Entschädigungsplan“, der wiederum auf den am 9. Februar 1801 geschlossenen „Friedensvertrag von Lunéville“ zurückgeht.

    Die Wittelsbacher haben aber nicht nur die Herzogtümer Zweibrücken und Jülich sowie die linksrheinische Kurpfalz verloren, sondern müssen jetzt auch noch die rechtsrheinische Kurpfalz um Mannheim und Heidelberg an Baden abgeben.

    Doch durch den § 2 des „Reichsdeputationshauptschlusses“ erhält das kurfürstliche Baiern das „Fürstbistum Freising“ mit der dazugehörigen „Grafschaft Werdenfels“ und die „Herrschaft Isen-Burgrain“ offiziell überschrieben; dazu die „Fürstbistümer Augsburg“, „Bamberg“ und „Würzburg“ sowie Teile von „Eichstätt“, „Passau“ und „Salzburg“.
    Zu den genannten Territorien kommen noch 15 „Reichsstädte“ und 13 „Reichsabteien“ dazu. Freilich noch nicht die Großen: Augsburg und Nürnberg.
    Doch damit werden wesentliche Teile Schwabens und Frankens bairisch.

    Insgesamt stehen dem Verlust von 200 Quadratmeilen und 730.000 Einwohnern ein Gewinn von 288 Quadratmeilen und 834.000 Einwohnern aus den aufgelösten geistlichen Staaten und wirtschaftliche Werte von über 43 Millionen Gulden von den Klöstern gegenüber. 


  • Garmisch * In Garmisch und Umgebung werden Aufrufe zum Eintritt in das Freikorps Werdenfels öffentlich angeschlagen und in den Zeitungen veröffentlicht.


  • Garmisch - Bernried * Das aus circa 250 Männern bestehende Freikorps Werdenfels fährt mit dem Zug nach München.

    Bei Bernried wird der Zug von einer Schublokomotive angefahren. Drei Verletzte und ein Toter müssen vermeldet werden. Der Unfall führt zum verspäteten Eingreifen des Freikorps Werdenfels in die Kampfhandlungen. 


  • München-Großhesselohe * Das Freikorps Werdenfels wird um 10 Uhr in Großhesselohe ausgeladen. Um 12 Uhr marschiert die Kompanie Garmisch zum Isarthalbahnhof in Thalkirchen, um dann im „Krüppelheim“ [= Orthopädische Klinik] in Obergiesing zu verbleiben. Dort wird das Freikorps Werdenfels dem Bayerischen Schützenkorps unter Führung von Oberst Franz Xaver Ritter von Epp als Reserve zugeteilt.

    Die Kompanie Partenkirchen vereinigt sich mit dem Korps Schwaben und begibt sich zur Humboldtstraße, wo es zu Kampfhandlungen kommt. Leider geben uns weder der Gefechtsbericht noch der Erlebnisbericht eines Ettaler Schülers genauen Bericht davon.

    Jedenfalls beteiligt sich das Freikorps Werdenfels bis zum 6. Mai an den „Säuberungsmaßnahmen“ in Harlaching und Giesing, die als „Hochburg kommunistischer Verseuchung und Verhetzung“ angesehen werden.

    Mehr Informationen über die Giesinger Vorgänge liefern Berichte des Freikorps Schwaben


  • München * Das Freikorps Werdenfels präsentiert sich der Bevölkerung bei einem Marsch durch die Münchner Innenstadt.


  • München - Weilheim - Garmisch * Das Freikorps Werdenfels verlässt München. In Weilheim, Garmisch und Partenkirchen werden die Befreier Münchens begeistert empfangen.

© Rudolf Hartbrunner