Geschichte - Jurisdiktion

Zeitensprünge





  • Rom-Vatikan * In der Bulle „Omne datum optimum“ gibt Papst Innozenz II. den „Tempel-Rittern“ eine umfangreiche „Ordensregel“, die mit Ergänzungen im Jahr 1230 und 1260 auf insgesamt 678 Artikel anwachsen wird.

    Durch die „päpstliche Bulle“ werden die „Tempelherren“ als „extemt“ erklärt, also aus dem kirchlichen Gesamtorganismus heraus genommen.
    Sie sind damit die erste Gemeinschaft von „Rittermönchen“, die jeglicher „bischöflicher Jurisdiktion“ entnommen und alleine und direkt dem „Heiligen Stuhl“ unterstellt sind.

    Er erklärt die „Templer“ auch zu „Vorkämpfer der Christenheit“ und hebt sie damit über alle anderen „Orden“

    Dadurch nehmen die „Templer“ in der Gesamtkirche eine elitäre Ausnahmestellung ein, die von den Folgepäpsten fortgeschrieben und durch eine Vielzahl von „Privilegien“ erhärtet wird. 

    So darf kein Kirchenmann oder Laie, lediglich der „Templer-Meister“ mit Zustimmung des „Kapitels“, die „Ordens-Statuten“ ändern. 
    Das Recht der „Tempel-Ritter“ eigene „Priester“ zu haben, wird in der „Bulle“ ebenso festgeschrieben wie die „Freistellung vom Zehent“.

    Die „Templer-Kapläne“ sind berechtigt „Spenden“ zu sammeln, um „Almosen“ zu bitten und einmal im Jahr in jeder Kirche die „Kollekte“ für sich zu behalten.

    Einmal jährlich dürfen sie in den unter „Interdikt“, dem „Verbot gottesdienstlicher Handlungen“, gestellten Regionen die „Messe“ halten.

    Die Kirche macht - nicht nur aus Sicht der „Templer“ - viel zu viel Gebrauch von dieser Strafmaßnahme, die darauf abzielt, jede religiöse Aktivität, ob das nun Messen oder die Segnungen der Sakramente sind, in einer Ortschaft, einer Region oder einem ganzen Königreich zeitweilig zu verbieten. Damit wollen die Kirchenmänner die Sünden eines Herren, einer Gemeinde oder eines Königs bestrafen.

    Gottesdienste, die in solchen vernachlässigten und teilweise auch vollkommen ungerechtfertigt bestraften Regionen abgehalten werden, ziehen freilich viele Gläubige an und bringen schon deshalb außergewöhnlich hohe Einnahmen von „Almosen und Opfergaben“.

    Darüber hinaus dürfen die „Tempelherren“ eigene „Kirchen und Friedhöfe“ besitzen, worin sie auch „Exkommunizierte“ beerdigen können, was ihnen häufig großzügigst gedankt wird.

    Schließlich ergänzt Papst Coelestin II. die „Privilegien der Templer“ indem er die „Ritter-Brüder“, ihre „Vasallen“ und „Grundholden“ von den durch die Bischöfe ausgesprochenen „Exkommunizierungen“ und „Interdikten“ als ausgeschlossen erklärt.
    Dies geschieht sehr zum Ärgernis des „Weltklerus“ und vergiftet das eh schon angespannte Verhältnis zwischen dem „Ritterorden“ und den „Weltpriestern“.

    Dennoch hält der „Heilige Stuhl“ beständig seine „schützende Hand“ über die „geistlichen Ordensritter“ und stellt die gewährten „Privilegien“ nie in Frage.

    Seit Hugo von Payns den „Tempelherren“ seine Besitzungen schenkte, folgte jeder, der in den „Orden“ eintritt oder sich ihm anschloss, diesem Beispiel.

    Durch Schenkungen von Land und Vermögen sind die „Ordensritter“ sehr schnell reich geworden.
    Und nachdem heimgekehrte „Kreuzfahrer“ Wunderdinge über das „Heldentum der Templer“ berichten, führt dies in ganz Europa zu einer großzügigen Spendentätigkeit für die Ordensgemeinschaft.


  • München * Die Grenzen des Münchner „Burgfriedens“ werden im „Burgfriedensbrief“ festgelegt. 

    Das auf der rechten Isarseite gelegene Gebiet gehörte ursprünglich zum „Landgericht Wolfratshausen“, das dort auch die „Jurisdiktion“, die „Gerichtsbarkeit“, ausübte. 
    Die Stadtherren beantragten bei den regierenden Herzögen Johann und Sigmund die Erweiterung des „Münchner Burgfriedens“.  

    In dem Erlass wurde daraufhin für den Bereich des „Gasteigs“ bestimmt:
    „Es soll auch das Siechhaus auf dem Gastay enhalb der Yserpruckh vnnd auch dieselb Yserpruckh auch In vnnserer Statt München Burckfrid ligen.
    Doch so behalten wir vnns den wasserstromb der Yser, das vnns der mit Herrlichkeit soll beleiben vnnd zustehen“
    .


  • Haidhausen - Taufkirchen * Die „Jurisdiktion“ über den Haidhauser „Jesuitengarten“ wird von der „Jesuiten-Hofmark Taufkirchen“ wahrgenommen.


  • Au - Haidhausen - Untergiesing * Der „Gerichtsbezirk ob der Au negst München“ wird wegen seiner besonderen Sozialstruktur geschaffen.  

    Die vergleichsweise große Einwohnerzahl der Ortschaften Haidhausen, Au und Niedergiesing, das sich in der Gegend um den heutigen „Nockherberg“ befindet, und der daraus resultierende Verwaltungs- und Jurisdiktionsbedarf erfordert diese Sonderstellung.

    Gerade auch deshalb, weil das „Landgericht“ weit entfernt liegt und der „Richter von Wolfratshausen“ sowie der „Amtmann von Perlach“ den Verhältnissen nicht mehr gewachsen sind.

    In einem ersten Schritt werden diese Orte dem „Hofoberrichter“ unterstellt. 


  • Haidhausen * Zu ersten Würden kommt das von Freiherr Franz Pongraz von Leiblfing errichtete „Haidhauser Schloss“, nachdem Kurfürst Max Emanuel als „Türkenbefreier“ aus Wien zurückkehrt. 

    Adelige, Hofbedienstete und einflussreiche Münchner Bürger haben sich auf dem Anger vor dem Landgut - auf dem heutigen Johannisplatz - versammelt, um ihrem „Helden“ einen feierlichen Empfang zu bereiten.  

    Leiblfing darf den Kurfürsten in seinem prächtig geschmücktem Schlösschen noch bewirteten, bevor sich der „Triumphzug“ - zur weiteren Huldigung - in Richtung München in Bewegung setzt.  

    Der Freiherr versteht es natürlich, aus diesem Umstand seinen Nutzen zu ziehen.  
    Da „sein armes Haus und Garten“ so glücklich gewesen sei, den Kurfürsten bei seiner Rückkehr „so freundlich und frohlockend zu empfangen“, wendet sich Franz Pongraz von Leiblfing an den Landesherrn, damit der dieses zum „adeligen Sitz“ erheben und ihm die dem „Hofkastenamt“ zinsbaren 44 Untertanen in der „Schwaig“ mitsamt der „Jurisdiktion“ abtreten soll.  
    Die dort zinspflichtigen Haus- und Herbergenbesitzer haben jährlich 11 Gulden und 32 Kreuzer zu versteuern. 

    Mit der Bitte des Freiherrn Franz Pongraz von Leiblfing ist jedoch die Abtrennung der „Schwaige“ von Haidhausen und damit vom Bezirk des „Gerichts ob der Au“ verbunden.  

    Dies führt zwangsläufig zu verwaltungstechnischen Problemen, da der „Gerichtsbezirk“ erst im Mai 1610 aufgrund seiner besonderen Sozialstruktur geschaffen worden ist. 


  • Haidhausen * Aus Anlass der Hochzeit des Kurfürsten Max Emanuels mit der österreichischen Kaisertochter Maria Antonia erlebt Haidhausen erneut ein aufwändiges Fest.

    Nachmittags um drei Uhr versammeln sich auf dem Anger vor dem Besitztum des Freiherrn Franz Pongraz von Leiblfing die Kavaliere mit Kutschen und Handpferden.  
    Auch die kurfürstliche Leibgarde zu Pferd und eine Kompagnie der Bürgerschaft zu Pferd ist angetreten.  

    Nach dem Eintreffen der frisch vermählten Eheleute, die zuvor ihr Mittagsmahl in „Schloss Berg am Laim“ eingenommen haben, werden sie nun am Haidhauser „Schlossanger“ von den dort versammelten Anwesenden feierlich empfangen.  
    Nach einer ausführlichen Huldigung des jungen Ehepaares erfolgte der triumphale Einzug in die nahe Residenzstadt München.  

    Für die erwiesene Gastfreundschaft wird Kurfürst Max Emanuel dem Haidhauser Schlossbesitzer wieder ein kleines Stück entgegenkommen.  

    Der Landesherr akzeptiert zwar die von seiner „Hofkammer“ gemachten Einschränkungen, wonach Haidhausen nicht zur „geschlossenen Hofmark“ ernannt werden darf, weil dort auch andere die „Jurisdiktion“ ausüben, nämlich:  

    • das „Leprosenhaus am Gasteig“ über den „Kotterhof“,  
    • Graf Preysing, die Ridler und die Jesuiten über ihre Gartengüter sowie  
    • der Kurfürst selbst über das „Brunnhaus“ und den „Jäger im Brunntal“.  

    Außerdem, so die „Hofkammer“ weiter, darf der Kurfürst die „Jurisdiktion“ für eine so große Ortschaft nahe der Landeshauptstadt nie vergeben, da er sich sonst bei auftretenden Unregelmäßigkeiten zuerst an den „Hofmarkherren“ wenden muss, statt sofort selbst einzuschreiten.  

    Dies könnte besonders beim „Ausbrechen der Pest“ oder bei der unerwünschten Ansiedelung von „Bettlern und vagierendem Gesindel“ nötig sein. 


  • Haidhausen * Kurfürst Max Emanuel verleiht - trotz der von seiner „Hofkammer“ dargelegten Einwände mit einem 2. „Gnadenbrief“ dem Freiherrn Franz Pongraz von Leiblfing die „Jurisdiktion“ über die übrigen Häuser und Gründe in Haidhausen, als „ungeschlossene Hofmark“.  

    Max Emanuel behält sich wiederum das „Jagdscharwerk“ vor und verlangt außerdem für sich und seine Nachkommen das Recht, die Abtretung der „Hofmark“ gegen ein anderes „Aquivalent“, ein gleichwertiges Objekt, zu verlangen. 


  • München - Haidhausen * Einen kurfürstlicher Erlass verfügt, dass in einer Entfernung von vier bis fünf Meilen um die Hauptstadt keine weitere „Jurisdiktion“ und kein „Scharwerk“ veräußert werden darf und die bereits veräußerten wieder einzuziehen sind.  

    Dies trifft freilich auch auf die „Hofmark Haidhausen“ zu. 


  • Untergiesing * Kurfürst Carl Theodor erhebt - ohne allerdings die zuständigen Stellen einzubinden - das Anwesen des Franz Anton von Pilgram unter dem Namen „Pilgramsheim“ zum „Adelssitz mit allen Rechten“.

    Das bringt nun aber die Baronin von Kern auf die Palme, da die Rechte, insbesondere die „Jurisdiktion“ über den ganzen „Pilgramsheim-Sitz“ ja der „Hofmark Falkenau“ untersteht.
    Die Baronin erhebt Einspruch und der „Hofbankier“ Pilgram erhält den „allerhöchsten Befehl“, sich mit „derselben zu vergleichen“.

    Die Einigung kommt aber erst zustande, nachdem die Baronin von Kern ihren Besitz an die Gräfin von Toerring-Seefeld verkauft hat.


  • Au - Untergiesing * Franz Anton von Pilgram erhält das Obereigentum und die „Jurisdiktion“ für seine Besitzungen.

    Er muss dafür aber der Gräfin Toerring-Seefeld ein jährliches „Aversum“ bezahlen. Und weil das der Gräfin noch nicht reicht, verlangt diese nun vom Kurfürsten die „Jurisdiktion“ über weitere 24 bis 26 Häuser in der „Falkenau“, in denen 68 Familien leben und zum „Gericht ob der Au“ gehören.

    Außerdem verlangt sie die Erhebung der „Falkenau“ zur „wirklichen und geschlossenen Hofmark“. Sie begründet die Forderungen damit, dass der Kurfürst nicht über das Recht verfüge, im „Bezirk der Falkenau“ eine neue „Conzession“ zu erteilen und damit der „Hofmark“ Schaden zugefügt hat.

    Maria Josepha von Toerring-Seefeld ist eine geborene Minucci und ehemalige Mätresse des Kurfürsten.


  • Untergiesing * Der Gräfin Maria Josepha von Toerring-Seefeld werden alle Forderungen gebilligt. 

    Voraussetzung ist allerdings die Erfüllung von zwei Auflagen.

    • Zum einen muss die Gräfin die dem „Landrichter“ und dem „Amtsknecht“ entgangenen Einnahmen in Höhe von 175 Gulden im Jahr ersetzen,
    • zum anderen die „Inleute der Falkenau“ gegen den herkömmlichen Lohn zur „kurfürstlichen Jagdlust“ sowie zur „Räumung der kurfürstlichen Fischweiher“ gebrauchen lassen.

    Dagegen wehrt sich die Gräfin und verlangt nun ihrerseits die Überlassung des „Paulanerstocks“ in der Au.

    Damit jedoch verärgert die Gräfin Maria Josepha von Toerring-Seefeld den Kurfürsten und die den Vorgang bearbeitende Administration massiv.

    Sie kann nichts mehr erreichen und versucht nun, die „Hofmark Falkenau“ an den Landesherren zu veräußern.
    Dafür verlangt sie 45.000 Gulden und begründet den Preis mit dem Argument, dass das Anwesen durch die „Jurisdiktion“ so wertvoll geworden sei.
    Sie vergisst geflissentlich zu erwähnen, dass sie selbst genau diesen Preis bei ihrem Kauf bezahlen musste.

    Doch am kurfürstlichen Hof empfindet man diese Preisvorstellungen als ungehörig hoch - und geht deshalb gar nicht darauf ein.
    Statt dessen wird ein Untersuchungsverfahrens eingeleitet, ob bei der Verleihung der „Hofmarksrechte“ denn wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen war.


  • Untergiesing * Die eingeleiteten Untersuchungen, ob bei der Verleihung der „Hofmarksrechte“ alles mit rechten Dingen zugegangen ist, ziehen sich bis zum Jahr 1804 hin und werfen alles über den Haufen.

    Sie kommen zum Ergebnis, dass sowohl die Erteilung der „Jurisdiktion“ über die 68 „Untertanenfamilien“, als auch die „Edelsitzverleihung“ an Franz Anton von Pilgram unstatthaft war und damit ungültig sei.

    „Pilgramsheim“ muss wieder der „Niedergerichtsbarkeit“ der „Hofmark Falkenau“, die einverleibten Auer Häuser wieder der „Auer Gerichtsbarkeit“ unterstellt werden.

    Im Laufe der Untersuchungen geht das Pilgram'sche Besitztum in mehrere Hände über.

© Rudolf Hartbrunner

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