Franziskaner

Die Franziskaner in München
Vom ersten Kloster am Anger über das große Franziskanerkloster am Max-Joseph-Platz bis St. Anna im Lehel

Die Geschichte der Franziskaner gehört zu den langen Kontinuitäten der Münchner Stadtgeschichte. Seit dem 13. Jahrhundert waren die Minderbrüder, wie die Franziskaner im Mittelalter häufig genannt wurden, in München tätig. Sie wirkten als Prediger und Seelsorger, betreuten Frauenklöster und religiöse Gemeinschaften, unterhielten Schulen und geistliche Einrichtungen und standen über Jahrhunderte in enger Verbindung mit dem bayerischen Herrscherhaus.

Ihr bedeutendstes Münchner Kloster lag seit dem späten 13. Jahrhundert unmittelbar nördlich der herzoglichen Residenz auf dem Gelände des heutigen Max-Joseph-Platzes. Die gewaltige Klosteranlage mit ihrer rund 74 Meter langen Kirche prägte diesen Teil der Stadt fast fünfhundert Jahre. 1802 fiel sie der Säkularisation zum Opfer und wurde vollständig abgebrochen. Ein Vierteljahrhundert später kehrten die Franziskaner nach München zurück und bezogen das ehemalige Hieronymitenkloster St. Anna im Lehel. Damit begann ein neuer Abschnitt ihrer Münchner Geschichte.

Die Anfänge am Anger

Die Franziskaner kamen wahrscheinlich bereits vor 1257 nach München. Eine spätere Ordensüberlieferung setzte die Gründung des Münchner Konvents sogar in das Jahr 1221. Als Gründer wurde ein Bruder namens Kastinus genannt, der ein Gefährte des Ordensmissionars Caesar von Speyer gewesen sein soll. Für diese frühe Datierung gibt es jedoch keinen sicheren Beleg.

Gesichert ist dagegen die erste urkundliche Nachricht: Am 13. Januar 1257 stellte Papst Alexander IV. einen Ablassbrief für die Kirche der Münchner Franziskaner aus. Damit ist spätestens zu diesem Zeitpunkt eine feste Niederlassung des Ordens in München nachgewiesen.

Das erste Kloster befand sich bei St. Jakob am Anger. Die Franziskaner gehörten zu den neuen Bettelorden, die im 13. Jahrhundert in den wachsenden Städten eine besondere Bedeutung erlangten. Anders als die älteren Klöster, die häufig außerhalb oder am Rand städtischer Siedlungen lagen, suchten die Bettelorden bewusst die Nähe zur Bevölkerung. Predigt, Beichte, Seelsorge und persönliche Betreuung gehörten zu ihren wichtigsten Aufgaben.

Auch in München entstand bald ein enges Netz franziskanischer Einrichtungen. Die Franziskaner übernahmen beispielsweise die geistliche Betreuung der Pütrich-Schwestern und später der Ridler-Schwestern. Dadurch entwickelte sich rund um das neue Männerkloster ein franziskanisch geprägtes Stadtquartier.

Das neue Kloster vor der herzoglichen Burg
1282–1284: Der Umzug nach Graggenau

In den 1280er Jahren veränderte sich die Situation grundlegend. Herzog Ludwig II. der Strenge ließ nördlich seiner herzoglichen Burg ein neues Kloster für die Franziskaner errichten.

Der Baubeginn wird mit 1282 angegeben. Das Gelände bestand damals noch weitgehend aus Wiesengrund. Auf dem Bauplatz befand sich bereits eine der heiligen Agnes geweihte Kapelle, die in die neue Klosteranlage einbezogen wurde. Mit ihr war das Begräbnisrecht der Familie Haslang verbunden.

Die Verlegung der Franziskaner stand wahrscheinlich in einem größeren Zusammenhang mit der Entwicklung Münchens. Ludwig der Strenge betrieb eine Erweiterung der Stadt über den alten Mauerring hinaus. Die Verlegung des Klosters in die Nähe der herzoglichen Burg, aber zunächst noch außerhalb des alten Mauerrings, kann deshalb als Teil dieser Stadtentwicklung verstanden werden.

Am 16. Oktober 1284 verließen die Franziskaner das Angerkloster und zogen in ihre neue Niederlassung. Gleichzeitig wechselte das bisherige Kloster am Anger seine Funktion: Klarissen aus Söflingen übernahmen die Anlage. Die Franziskaner hatten damit ihren neuen Standort nördlich der herzoglichen Burg bezogen.

Der Neubau wurde vom Herzog finanziert. Zusätzlich unterstützten Angehörige des Münchner Patriziergeschlechts der Sendlinger das Vorhaben. Sie hatten ein eigenes Interesse an der Entwicklung des ehemaligen Angerklosters zu einem Frauenkloster und kauften deshalb den Franziskanern deren bisheriges Haus zu einem ungewöhnlich hohen Preis ab. Das Geld konnte in den Neubau investiert werden.

Die Franziskanerkirche St. Franziskus

Die Wohn- und Konventbauten waren spätestens 1289 weitgehend fertiggestellt. Die Kirche entstand anschließend. Ihre Weihe wird in den Quellen unterschiedlich datiert; Kücker folgt der Überlieferung einer Weihe des Klosters beziehungsweise Chores 1294.

Die neue Franziskanerkirche war ein für eine Bettelordenskirche ungewöhnlich großer Bau. Nach der Rekonstruktion Wilhelm Kückers war sie etwa 74,4 Meter lang und rund 24,6 Meter breit. Das Langhaus bestand aus drei Schiffen, der Chor war einschiffig und gewölbt. Insgesamt umfasste das Langhaus acht Joche, der Chor vier Joche mit Fünfachtelschluss.

Ursprünglich besaß die Kirche den Charakter einer dreischiffigen Basilika. Das Mittelschiff war höher als die Seitenschiffe und besaß einen eigenen Lichtgaden. Die Mauern bestanden aus Backstein, dem für die Münchner Region typischen Baumaterial.

Besonders interessant ist die architektonische Stellung des Baus. Kücker sieht die Münchner Franziskanerkirche in einer Entwicklungslinie, die vom Freisinger Dom über das Kastulusmünster in Moosburg und die Klosterkirchen von Indersdorf und Fürstenfeld bis zur Franziskanerkirche in Ingolstadt führt. Auch zur gleichzeitig entstandenen Münchner Augustinerkirche bestanden enge Beziehungen.

Die Kirche war nicht nur Gotteshaus der Mönche. Nach den Regeln der Bettelorden war zwischen dem Chor als Bereich der Mönchsgemeinschaft und dem Langhaus als Laienkirche zu unterscheiden. Ein Lettner trennte beide Bereiche. Das Langhaus diente vor allem der Predigt und der Seelsorge an der Bevölkerung.

Ein geistliches und politisches Zentrum

Im frühen 14. Jahrhundert gewann das Münchner Franziskanerkloster eine Bedeutung, die weit über die Stadt hinausreichte.

Der Münchner Konvent stand zunächst der besonders strengen Richtung der Spiritualen nahe. Im Mittelpunkt stand das Ideal der vollkommenen Armut. Gerade diese Frage führte zu einem grundlegenden Konflikt innerhalb des Franziskanerordens und schließlich zu einer Auseinandersetzung mit Papst Johannes XXII.

Der Streit erhielt in München eine politische Dimension, weil der Franziskanergeneral Michael von Cesena und der Philosoph und Theologe Wilhelm von Ockham hier im Umfeld Kaiser Ludwigs des Bayern lebten. Michael von Cesena war 1328 zum Kaiser geflohen; Ockham folgte ihm nach München. Beide wandten sich von hier aus gegen die päpstliche Politik.

Ockham blieb bis zu seinem Tod in München. Am 9. April 1347 starb er hier als Exkommunizierter. Damit war das Münchner Franziskanerkloster zeitweise Schauplatz einer Auseinandersetzung, die zu den bedeutenden kirchenpolitischen Konflikten des europäischen Mittelalters gehörte.

Auch der Franziskaner Heinrich von Thalheim, seit 1325 Hofkanzler Ludwigs des Bayern, gehörte zu diesem Münchner Gelehrtenkreis. Die Schriften der hier wirkenden Franziskaner lösten zahlreiche Gegenschriften in Italien, Frankreich, Flandern und Westdeutschland aus.

Das Kloster wurde darüber hinaus zu einem wichtigen Tagungsort des Ordens. 1311 fand hier erstmals ein Provinzkapitel statt, 1359 ein weiteres. 1405 wurde in München sogar ein Generalkapitel des Franziskanerordens abgehalten.

Brände und Wiederaufbau
Der Stadtbrand von 1327

Die Geschichte des Klosters war immer wieder von Bränden geprägt. Bereits 1311 brach in der Kirche ein Feuer aus, das auch die Sakristei und Teile der Konventgebäude erfasste. Der Schaden konnte noch im selben Jahr behoben werden.

Viel schwerer traf das Kloster der große Münchner Stadtbrand vom 14. Februar 1327. Das Feuer hatte im Angerkloster der Klarissen begonnen und breitete sich über die östlichen Teile Münchens aus. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt; auch das Franziskanerkloster war betroffen.

Nach der Überlieferung wurde die Anlage „bis auf den Kreuzgang“ vernichtet. Die Mönche mussten teilweise in anderen Ordensniederlassungen untergebracht werden.

Der Wiederaufbau zog sich über Jahrzehnte hin. Eine herausragende Rolle spielte der Münchner Patrizier Gabriel Ridler, der allein 600 Gulden stiftete und deshalb später als „zweiter Gründer“ des Klosters bezeichnet wurde.

Der Chor konnte 1375 neu geweiht werden. Anschließend wurden die Konventgebäude wiederhergestellt; um 1385 waren sie erneut bewohnbar. Das Langhaus wurde erst 1392 fertiggestellt.

Die Antoniusreliquie

Eine besondere Bedeutung für die Frömmigkeit des Klosters erhielt die Reliquie des heiligen Antonius von Padua.

Nach der Überlieferung hatte Kaiser Ludwig der Bayer einen Oberarmknochen des Heiligen nach München gebracht. Während der Pestzeit soll die Reliquie verborgen beziehungsweise eingemauert worden sein. Im späten 14. Jahrhundert wurde sie wiederentdeckt.

Die Wiederauffindung machte das Kloster zu einem Ziel von Wallfahrern. Die Franziskaner versuchten, mit der Antoniusreliquie an die Bedeutung der berühmten Andechser Reliquien anzuknüpfen und München als Wallfahrtsort aufzuwerten. Eine große Wallfahrtstradition wie in Andechs entwickelte sich daraus allerdings nicht.

Die Verehrung des heiligen Antonius blieb dennoch über Jahrhunderte ein wichtiger Bestandteil der Münchner Franziskanertradition.

Vom Konventualismus zur Reform

Im Laufe des 15. Jahrhunderts hatte sich das ursprüngliche Armutsideal deutlich verändert. Stiftungen hatten dem Kloster zunehmenden Besitz verschafft. Damit wuchs auch die Kritik an der Lebensführung der Mönche.

1431 unternahm der Münchner Rat einen Versuch, gegen den beklagten Sittenverfall vorzugehen. Im selben Jahr fand eine außerordentliche Visitation statt. Eine grundlegende Veränderung brachte jedoch erst die Reform von 1480. Herzog Albrecht IV. setzte mit Zustimmung von Papst Sixtus IV. eine strengere Ordensrichtung durch.

Die bisherigen Konventualen mussten das Kloster verlassen; an ihre Stelle traten Observanten. München wurde Teil der oberdeutschen beziehungsweise Straßburger Observantenprovinz.

Die Entwicklung innerhalb des Ordens setzte sich fort. 1620 führte Herzog Maximilian eine weitere Reform durch. Strengere italienische Reformaten wurden aufgenommen. Gleichzeitig wurde das Münchner Kloster zum Hauptkloster der neu gegründeten Bayerischen Reformatenprovinz.

Das große Kloster im 17. und 18. Jahrhundert

Das Franziskanerkloster war inzwischen zu einem umfangreichen Gebäudekomplex angewachsen. Um die Kirche gruppierten sich zahlreiche Kapellen und Konventbauten. Zum Kloster gehörten unter anderem Kreuzgänge, Refektorien, Dormitorien, Kapitelsaal, Bibliothek und Archiv sowie umfangreiche Wirtschaftsgebäude.

Zum Wirtschaftsbereich gehörten unter anderem Küchen, Waschhaus, Brauhaus, Bäckerei, Schreinerei und weitere Werkstätten. Seit 1434 ist ein Brauhaus nachgewiesen.

Auch ein großer Klostergarten gehörte zur Anlage. Der Franziskanerfriedhof war nicht nur den Ordensangehörigen vorbehalten. Auch Bürger und Adelige konnten sich dort bestatten lassen – ein besonderes Privileg der Patres. Für die Ordensangehörigen gab es eigene Grüfte. 1776 wurde der Friedhof jedoch eingeebnet; die Gebeine der Verstorbenen wurden auf den neuen Gesamtfriedhof, den späteren Südlichen Friedhof, überführt.

Der Umbau von 1611/12

Eine entscheidende Veränderung erfuhr die mittelalterliche Kirche unter Guardian Kaspar Koller in den Jahren 1611/12.

Das Innere erhielt eine Renaissanceausstattung. Zugleich veränderte man das äußere Erscheinungsbild grundlegend. Die Dächer der Seitenschiffe wurden mit dem Dach des Mittelschiffs zu einer mächtigen Dachfläche vereinigt. Dadurch verschwand der ursprüngliche Eindruck der gotischen Basilika weitgehend und die Kirche wirkte nun eher wie eine Hallenkirche.

Der Umbau war außerordentlich teuer. Zwischen März 1611 und Februar 1613 wurden 8.629 Gulden 54 Kreuzer an Spenden gesammelt. Zu den bedeutendsten Unterstützern gehörte Herzog Maximilian, der allein 1.000 Gulden gab.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Ausstattung weiter ergänzt. Es entstanden zusätzliche Kapellen, darunter die Kurzkapelle 1655/56. Auch die Wirtschafts- und Wohnbereiche wurden erweitert.

Im 18. Jahrhundert bestimmten zahlreiche Reparaturen und Instandsetzungen das Leben des Klosters. Vor allem die großen Dachflächen mussten immer wieder ausgebessert werden. Die Finanzierung führte wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen dem Kloster und der kurfürstlichen Verwaltung.

Das Ende des alten Franziskanerklosters
Säkularisation und Abbruch

Am Ende des 18. Jahrhunderts zeichnete sich das Ende des großen Klosters ab.

Bereits 1792 hatte die kurfürstliche Hofbauintendanz den Abbruch des Franziskanerklosters für den Bau eines neuen Theaters ins Auge gefasst. Der Standort unmittelbar neben der Residenz war für einen repräsentativen Theaterbau besonders attraktiv.

Die eigentliche Aufhebung erfolgte jedoch im Zusammenhang mit der Säkularisation.

Am 25. Januar 1802 erging das Dekret zur Aufhebung der Bettelordensklöster in Bayern. Es betraf in München neben den Franziskanern unter anderem Kapuziner, Karmeliten und weitere religiöse Gemeinschaften. Das Vermögen der aufgehobenen Klöster sollte unter anderem zur Finanzierung eines staatlichen Schulfonds dienen.

Am 12. Februar 1802 wurden die Räume des Franziskanerklosters kontrolliert und das Provinzarchiv versiegelt. Kurz darauf begann die Auflösung des Konvents.

Am 3. März wurden die Mönche über ihre bevorstehende Abreise informiert. Am folgenden Morgen mussten die Franziskaner München verlassen. Am 4. März 1802 reisten die Patres nach Ingolstadt, wo das ehemalige Augustinerkloster als Aussterbekonvent für die Franziskaner bestimmt worden war. In ihrem Besitz befand sich dabei die wertvolle Reliquie des heiligen Antonius.

Die Zerstörung der Klosteranlage

Das Aufhebungsdekret bedeutete nicht automatisch, dass die Gebäude sofort verschwinden mussten. Doch die Planungen für das neue Theater beschleunigten den Abbruch.

Am 20. März 1802 ordnete der Kurfürst den Abbruch des gesamten Gebäudekomplexes an. Kirchliche Ausstattungsstücke sollten vorher an andere Orte gebracht werden, Grabdenkmäler an die Familien zurückgegeben oder auf dem allgemeinen Friedhof aufgestellt werden. Das übrige Inventar wurde versteigert.

Die Versteigerungen führten zu erheblichen Verlusten für das künstlerische Erbe des Klosters. Ein Teil der Bibliothek und insbesondere Handschriften gelangte in die Hofbibliothek, die später zur Bayerischen Staatsbibliothek wurde. Die Archivalien gingen weitgehend in staatlichen Besitz über.

Auch zahlreiche Kunstwerke wurden verkauft. Einige Werke konnten gerettet werden, weil sie von Stiftern oder Familien beansprucht wurden. Das Gemälde des Ivoaltars von Johann Degler gelangte beispielsweise über den Dritten Orden in das Annakloster. Auch das Gemälde des Margaretenaltars blieb nach der Säkularisation im Besitz der Tertiarier und kam schließlich nach St. Anna.

Die Gebäude wurden im Sommer und Herbst 1802 abgebrochen. Dabei kam es zu mehreren Unfällen. Als der massive Dachreiter niedergelegt wurde, stürzten drei Arbeiter in die Tiefe, überlebten jedoch mit leichten Verletzungen. Weitere Zwischenfälle ereigneten sich beim Einsturz von Chorstreben und Pfeilern.

Im November 1802 war das Franziskanerkloster vollständig verschwunden. Das Gelände wurde eingeebnet. Der Platz erhielt den Namen Max-Joseph-Platz, und auf dem ehemaligen Klostergelände entstand schließlich das neue Hof- und Nationaltheater.

Damit war ein Kloster verschwunden, das fast fünf Jahrhunderte lang zu den markantesten geistlichen Einrichtungen Münchens gehört hatte.

Die Franziskaner kehren nach München zurück

Die Aufhebung von 1802 bedeutete jedoch nicht das endgültige Ende der Franziskaner in München.

Nach ihrem Weggang lebten die Mönche zunächst im Franziskanerkloster Ingolstadt. 1827 erlaubte König Ludwig I. ihre Rückkehr nach München. Der Orden erhielt das ehemalige Hieronymitanerkloster St. Anna im Lehel.

Damit wechselte der Mittelpunkt der Münchner Franziskaner von der Graggenau in das Lehel.

St. Anna war bereits vor der Übernahme durch die Franziskaner ein bedeutender geistlicher Ort. Die neue Klosterkirche war 1738 geweiht worden. Eine spätbyzantinische Marienikone hatte dort seit dem 18. Jahrhundert besondere Verehrung genossen.

Nach ihrer Rückkehr entwickelten die Franziskaner St. Anna zu einem neuen Zentrum ihrer Münchner Tätigkeit. 1828 übernahmen sie auch die pfarrlichen Aufgaben.

Damit verband sich nun erneut das franziskanische Klosterleben mit der Seelsorge an einer Münchner Stadtpfarrei.

St. Anna und die Franziskaner im 19. Jahrhundert

Mit dem Einzug der Franziskaner begann die zweite große Münchner Epoche des Ordens.

Anders als am ehemaligen Standort nördlich der Residenz waren die Franziskaner nun nicht mehr in erster Linie durch die unmittelbare Nähe zum Hof geprägt. Das Lehel entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem dicht bebauten Stadtteil, und St. Anna wurde zu einem wichtigen Zentrum katholischen Lebens.

Die Verbindung von Kloster, Kirche und Pfarrei gab den Franziskanern neue Aufgaben. Neben dem gemeinschaftlichen Ordensleben standen Predigt, Beichte, Seelsorge und die Betreuung der Gläubigen.

Ein Teil des Erbes des alten Klosters überlebte in St. Anna. Mehrere Kunstwerke, die 1802 gerettet oder dem Dritten Orden zugesprochen worden waren, fanden hier eine neue Heimat. Damit wurde St. Anna auch zu einem Ort der Erinnerung an das untergegangene Franziskanerkloster am Max-Joseph-Platz.

Franziskaner in der Münchner Stadtgesellschaft

Im 20. Jahrhundert blieben die Franziskaner in München nicht auf das Kloster St. Anna beschränkt.

1923 übernahmen sie zusätzlich die neu errichtete Pfarrei St. Gabriel in Haidhausen. Damit erweiterten sie ihre seelsorgliche Tätigkeit innerhalb Münchens.

Auch die franziskanische Tradition wirkte über die eigentlichen Klostergebäude hinaus. Der Name „Franziskaner“ wurde in München beispielsweise mit Einrichtungen und wirtschaftlichen Unternehmen verbunden. Die Brauerei zum Franziskaner-Leistbräu entwickelte sich zu einem bekannten Münchner Unternehmen und fusionierte 1922 mit der Spatenbrauerei.

Die Geschichte der Franziskaner ist deshalb auch Teil der Wirtschafts- und Alltagsgeschichte Münchens.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Die Franziskanerkirche St. Anna blieb vom Schicksal vieler Münchner Kirchen im Zweiten Weltkrieg nicht verschont.

In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 brannte die Kirche nahezu vollständig aus. Dabei ging auch die spätbyzantinische Marienikone verloren, die seit dem 18. Jahrhundert in St. Anna verehrt worden war.

Die Zerstörung stellte einen tiefen Einschnitt in die Geschichte der Franziskaner in München dar. Erneut musste eine ihrer Kirchen wiederaufgebaut werden.

Doch anders als beim mittelalterlichen Kloster am Max-Joseph-Platz blieb St. Anna erhalten und konnte nach dem Krieg wiederhergestellt werden.

Die Franziskaner heute

Die Geschichte der Franziskaner in München lässt sich deshalb als eine Geschichte von zwei großen Klosterstandorten erzählen:

St. Jakob am Anger war der Ausgangspunkt der ersten Niederlassung.

Das Franziskanerkloster am heutigen Max-Joseph-Platz wurde ab 1282 zum großen mittelalterlichen Zentrum des Ordens. Hier wirkten Franziskaner über fast fünf Jahrhunderte. Das Kloster war religiöses Zentrum, Predigtkirche, Begräbnisstätte, Studien- und Gelehrtenort und zeitweise Schauplatz europäischer Kirchenpolitik.

St. Anna im Lehel wurde nach der Rückkehr von 1827 zum neuen Mittelpunkt. Hier konnten die Franziskaner ihre Tradition trotz der Säkularisation fortsetzen und wieder dauerhaft in der Stadt Fuß fassen.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass vom mittelalterlichen Kloster am Max-Joseph-Platz heute oberirdisch kaum etwas zu erkennen ist. Das Gelände wurde vollständig neu überbaut. Die Rekonstruktion Wilhelm Kückers zeigt jedoch, wie groß und bedeutend die Anlage einst war. Sein Grundriss lässt sich in den heutigen Stadtgrundriss einpassen: Das Kloster erstreckte sich über einen beträchtlichen Teil des heutigen Bereichs zwischen Max-Joseph-Platz, Nationaltheater und Residenz.

Die Franziskaner gehören damit zu den Orden, deren Geschichte unmittelbar mit der Entwicklung Münchens verbunden ist. Ihre Geschichte spiegelt zugleich die Veränderungen der Stadt wider: vom mittelalterlichen Herzogtum über die wittelsbachische Residenzstadt und die Reformen der frühen Neuzeit bis zur Säkularisation und zur modernen Großstadt.

Quellenbasis: Vor allem Wilhelm Kücker, Das alte Franziskanerkloster in München. Baugeschichte und Rekonstruktion, insbesondere der historische Teil und die Rekonstruktion der ehemaligen Klosteranlage; ergänzt durch die vorliegende Chronik Münchner Zeitensprünge – Franziskaner und die Dokumentation zur Geschichte des Hof- und Nationaltheaters.

Kunst & Denkmal

NameKünstlerStraßeJahr
Gedenktafel - Franziskaner-FriedhofMax-Joseph-Platz
Gedenktafel für den Friedhof des FranziskanerklostersMax-Joseph-Platz
KriegerdenkmalVersaillerstraße 20

Baudenkmäler

NameStraßeStadtteil
FranziskanerklosterMax-Joseph-Platz 01. Altstadt-Lehel – Graggenau
FranziskanergruftMax-Joseph-Platz 01. Altstadt-Lehel – Graggenau
Franziskanerkloster - 2. Hälfte 17. Jhd. 01. Altstadt-Lehel – Graggenau
Franziskanerkloster - Sandnerisches Stadtmodell 01. Altstadt-Lehel – Graggenau
Geschäftshaus mit Gaststätte zum Franziskaner (Heilmann und Littmann)Perusastraße 51. Altstadt-Lehel – Graggenau
Franziskanerkeller (Seidl Gabriel von)Hochstraße 65. Au-Haidhausen – Haidhausen Süd
Gaststätte FranziskanerBraunstraße 618. Untergiesing - Harlaching – Harlaching
Klosterkirche St. Anna im LehelSt.-Anna-Straße 191. Altstadt-Lehel – Lehel
FranziskanerklosterVersailler Straße 205. Au-Haidhausen – Haidhausen
Franziskaner-, ehem. Hieronymiten-Klosterkirche St. Anna (Fischer Johann Michael)St.-Anna-Straße 211. Altstadt-Lehel – Lehel

Münchner Geschichte

Verwandte Begriffe

Bayerische Franziskanerprovinz Franziskanerkloster Franziskaner Franziskanerkloster St. Anna Hieronymiten-Klosterkirche St. Anna Franziskaner-Klosterkirche St. Anna Säkularisation