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Philipp, Pfalzgraf

Haus: Wittelsbach Linie: Pfalz-Neuburg

* 12.11.1503 (Heidelberg) – † 04.07.1548 (Heidelberg) · Heiliggeistkirche

Philipp

Kinder

Keine Kinder erfasst
Pfalzgraf Philipp, oft als „der Streitbare“ bezeichnet, war eine markante Persönlichkeit aus der pfälzischen Linie des Hauses Wittelsbach im 16. Jahrhundert. Gemeinsam mit seinem Bruder Ottheinrich wuchs er am Heidelberger Hof auf, bevor er die Herrschaft über das junge Fürstentum Pfalz-Neuburg antrat. Sein Leben war geprägt von den religiösen und politischen Verwerfungen seiner Zeit, wobei er sich durch eine besondere Loyalität zum Haus Habsburg und eine bemerkenswerte militärische Tatkraft auszeichnete.

Sein Ruf als „Streitbarer“ festigte sich vor allem durch seine aktive Teilnahme an der Verteidigung Wiens gegen das osmanische Heer. In einer Zeit, in der Europa den Vormarsch der Türken fürchtete, bewies Philipp außergewöhnlichen Mut und strategisches Geschick, was ihm hohes Ansehen am kaiserlichen Hof einbrachte. Trotz dieser militärischen Erfolge und seiner engen Bindung zum Kaiser war seine Regierungszeit in Neuburg oft von finanziellen Schwierigkeiten und den Spannungen der beginnenden Reformation überschattet. Philipp suchte lange nach einem religiösen Mittelweg, neigte jedoch schließlich den protestantischen Lehren zu, was ihn in einen schwierigen Spagat zwischen seinem Gewissen und seinen katholischen Verbündeten brachte.

Ein weiteres zentrales Motiv seines Lebens war das Streben nach einer standesgemäßen Ehe, die ihm neue politische Horizonte hätte eröffnen können. Seine Bemühungen um eine Verbindung mit dem englischen Königshaus – insbesondere die Werbung um Prinzessin Maria Tudor – zeugen von seinem Ehrgeiz auf dem europäischen Parkett, blieben jedoch letztlich ohne Erfolg. In der Münchner Stadtgeschichte wird Philipp als ein Wittelsbacher erinnert, der den Übergang vom Rittertum zum modernen Fürstenstaat verkörperte. Sein Erbe ist eng mit der Unabhängigkeit des Neuburger Territoriums verbunden, und sein Porträt steht für eine Generation von Fürsten, die sich in einer Welt zwischen Kaisertreue und Glaubenserneuerung neu positionieren mussten.