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Luise Charlotte Radziwill, Kurfürstin der Pfalz

Haus: Radziwill

* 27.02.1667 (Königsberg) – † 25.03.1695 (Brieg)

Ehen:
1. 07.01.1681 in Königsberg · mit Ludwig von Brandenburg
2. 10.08.1688 in Berlin · mit Karl III. Philipp von der Pfalz
Luise Charlotte Radziwill
Eltern
Keine Eltern erfasst

Kinder

Luise Charlotte Radziwiłł war eine der reichsten Erbin ihrer Zeit und stand im Zentrum eines der spektakulärsten dynastischen und juristischen Konflikte des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Als einzige Tochter des litauischen Magnaten Fürst Bogusław Radziwiłł und der Anna Maria Radziwiłł erbte sie nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1669 unermessliche Ländereien in Litauen und Weißrussland. Dieser enorme Reichtum machte sie zu einer der begehrtesten Partien Europas und rief die großen Mächte der Zeit auf den Plan, die ihren Besitz strategisch nutzen wollten.

Ihr Lebensweg ist ein klassisches Beispiel für die Verknüpfung von privaten Schicksalen und internationaler Machtpolitik. Zunächst war sie mit ihrem Cousin, dem Markgrafen Ludwig von Brandenburg, verheiratet, was das Haus Hohenzollern tief in die Angelegenheiten des polnisch-litauischen Reiches hineinzog. Nach dessen frühem Tod brach ein erbitterter Streit um ihre Hand aus, an dem sich der polnische König Jan Sobieski, das Haus Habsburg und die Wittelsbacher beteiligten. Jeder versuchte, durch eine Heirat mit Luise Charlotte die Kontrolle über die strategisch wichtigen Radziwiłł-Güter zu erlangen.

Für die Geschichte der Wittelsbacher wurde sie durch ihre zweite Ehe mit Karl III. Philipp von der Pfalz (dem späteren Kurfürsten) im Jahr 1688 von Bedeutung. Diese Verbindung brachte die pfälzische Linie der Wittelsbacher in direkten Kontakt mit dem osteuropäischen Hochadel und sicherte ihnen vorübergehend einen enormen finanziellen Zuwachs. Die Ehe war jedoch auch der Auslöser für die langwierigen „Neuburgischen Vorstreitigkeiten“, einen diplomatischen und rechtlichen Konflikt mit Brandenburg-Preußen, der die Beziehungen zwischen den beiden Häusern über Jahrzehnte belastete.

Luise Charlotte verbrachte einen Großteil ihrer Zeit in Berlin und auf ihren litauischen Gütern, doch ihr Wirken strahlte bis nach Neuburg an der Donau aus. Sie galt als hochgebildet und war eine leidenschaftliche Förderin des reformierten Glaubens in ihren Gebieten, was sie oft in Konflikt mit der katholischen Umgebung ihres zweiten Ehemanns brachte. Ihr Reichtum ermöglichte es Karl III. Philipp später, prachtvolle Bauprojekte in der Kurpfalz zu finanzieren.

Sie verstarb im Jahr 1695 in Brieg (Schlesien) nach der Geburt ihrer Tochter. Da sie keine männlichen Erben hinterließ, die das Radziwiłł-Erbe in der Pfälzer Linie hätten sichern können, fiel ihr Besitz nach langen juristischen Kämpfen schließlich wieder an andere Zweige ihrer Familie zurück. Luise Charlotte bleibt in der Geschichte als die „große Erbin“ in Erinnerung, deren Hand fast einen europäischen Krieg ausgelöst hätte.