Geschichte - Zepter

Zeitensprünge





  • Andechs * Auf dem halbverfallenen Burgberg in Andechs machen die Herzöge Stephan und Johann unter dem Altar zufällig einen Fund.  

    Sie entdecken eine eisenbeschlagene Holztruhe, die selbst 150 Jahre nach der Zerstörung der Andechser Burg, nicht einmal nennenswert Rost angesetzt hat, und in welcher zahlreiche Reliquien eingelagert sind.  

    Darunter befinden sich  

    • drei Hostien,  
    • das Spottzepter und  
    • das Schweißtuch Christi,  
    • ein Teil der Dornenkrone,  
    • ein Stück der Lanze des Longonius,  
    • das Brautkleid und das Kreuz der heiligen Elisabeth,  
    • das Siegeskreuz Karls des Großen,  
    • sowie zahlreiche Hirnschalen, Rippen, Fuß- und Armknochen.  

    Allerdings war bis zu ihrem wundersamen Auftauchen von diesen Reliquien niemals die Rede.  

    Die baierischen Herzöge bringen das Schatzkästlein samt Inhalt in die „Lorenzkapelle“ des „Alten Hofes“.  
    Die Kapelle hat schon vorher zur Aufbewahrung der Reichsinsignien gedient.  
    Der Aufbewahrungsort und die Art der Reliquien sind eine bewusste Anspielung auf die verlorenen Reichsinsignien.  

    Ob es Zufall oder ein geschickt eingefädelter Coup ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen.  
    Auch deshalb, weil gleichzeitig eine Vernebelungstaktik beginnt.  

    Die Einträglichkeit eines solchen Fundes ist den Herzögen freilich bekannt.  
    Und der seit 1385 begonnene Bau der „Neuen Veste“ kostet viel Geld. 


  • München - Paris * Da man für die Königskrönung die entsprechenden Insigien braucht, wird der Pariser Juwelier Borgnis mit der Anfertigung der beiden Kronen, des Szepters, des Reichsapfels und des Reichsschwerts beauftragt. 


  • München * Das „Königreich Baiern“ gibt sich ein neues Wappen. 

    Die 42 baierischen Rauten bleiben. Die Symbole im Herzschild beziehen sich jetzt aber auf die Souveränität des Königreichs und zeigen Zepter, Schwert und Krone auf rotem Grund, der Farbe der „Hochgerichtsbarkeit“

    Dieses Wappen bleibt bis 1835 gültig. 


  • Berlin * Die rechtsorientierte Deutsche Zeitung aus Berlin distanziert sich als erste Zeitung von Kaiser Wilhelm II.: „Wer sich das Zepter aus der Hand winden lässt, der kann es nicht führen. Für uns gibt es nur die Frage, was wird aus unserem Reich?“.

    Die übrigen Zeitungen halten sich noch bis Ende Oktober an das Verbot, nichts über Rücktrittsforderungen an den Kaiser zu berichten. 

© Rudolf Hartbrunner