Geschichte - Refektorium

Zeitensprünge





  • München-Graggenau * Es ergeht eine weitere wichtige „Instruktion zur Klosteraufhebung“.

    Sie ist unmittelbar für das „Franziskanerkloster St. Anton in München“ bestimmt, wird aber richtungweisend für die tatsächliche Durchführung der „Klosteraufhebungen“.

    Sofort nach Erhalt der „Instruktion“ muss sich Graf Arco in das Kloster begeben, das „Bargeld“ zählen und das übrige „Klostervermögen“ feststellen. Anschließend haben sich alle Klostermitglieder im „Refektorium“ zu versammeln, wo ihre Personalien, Beschäftigungen und besonderen Einsätze schriftlich festgehalten werden.
    Bei diesem überfallartigen Vorgehen geht es um Geld und sonstiges für die „Staatskasse“ interessantes Vermögen und um weitere Einsparungen für den Staat.

    Dem „Kommissar“ ist eingeschärft worden, „diesen Auftrag in der vorgeschriebenen Ordnung mit allem Eifer, Schnelligkeit und der Sache angemessenen Anstand in Vollzug zu bringen“. Die Ergebnisse gehen an die „Spezial-Klosterkommission“.

    Der weitere Inhalt der „Instruktion“ lautet kurzgefasst:
    Alle „Ausländer“ sind umgehend in ihre Heimat zu schicken; sie erhalten 25 Gulden „Zehrgeld“ und einen Reisepass; aber Abreisetag und Reiseroute werden genau festgelegt.
    Wer gesund und nicht zu alt ist, muss drei Tage nach der Mitteilung auswandern; nur einige Alte und Gebrechliche erhalten Aufschub bis April.
    Das „Sammeln“ auf der Reise ist den Mönchen strengstens verboten.

    Alle inländischen „Laienbrüder“, die in das bürgerliche Leben zurückkehren wollen, erhalten zum „Auszug“ 25 Gulden und die nötigen Kleider.
    Diejenigen, die den Ordensstand nicht verlassen wollen, sind - bis auf wenige, die noch zu den nötigsten Hausarbeiten als Gärtner, Köche, in der Brauerei und so weiter benötigt werden - auf die oberpfälzischen oder baierischen „Prälatenklöster“ als „Konventdiener oder Pfründner“ zu verteilen.
    Die nach Abzug der „Kranken“ und „Ausländischen“ verbliebenen sieben „Laienbrüder“ des Münchener „Franziskanerklosters“ sind in „ständische Abteien“ zu schicken.

    Die „kurfürstliche Verordnung“ gibt auch Anweisung über den möglichen Rücktritt von „Priestermönchen der Mendikantenorden“ in den „Weltpriesterstand“.
    Diese Mönche müssen sich einer Prüfung durch die „Spezial-Klosterkommission“ unterziehen. Dabei werden weniger ihre theologischen Kenntnisse begutachtet, sondern vielmehr festgestellt, „ob die Austretenden auch im Sinne der Staatsauffassung genügend aufgeklärt“ sind.
    Haben die „Aspiranten“ ihre Prüfung bestanden, erhalten sie von der Kommission die „Erlaubnis zum Überwechseln“ mit einer jährlichen Pension von 125 Gulden.


  • München-Graggenau * Nachmittags um 16 Uhr erscheint Generallandesdirektionsrat Freiherr von Leyden mit einigen Amtspersonen im Franziskanerkloster und lässt alle Insassen ins Refektorium rufen. Dort teilt er den Ordensmännern mit, dass der Abtransport nach Ingolstadt unter den Bedingungen der „kurfürstlichen Instruktion“ am „kommenden Morgen um 3 Uhr, längstens 4 Uhr“, zu erfolgen hat.

    Freiherr von Leyden hat die Weisung erhalten, dafür zu sorgen, dass „die hier bleibenden Individuen“ im Kloster verbleiben und nicht durch ihr „Ausgehen in die Stadt dem neugierigen Volke zu vielem Geschwätz Veranlassung“ geben.

© Rudolf Hartbrunner