Geschichte - Auer Mühlbach

Zeitensprünge





  • Untergiesing * Der Bischof von Freising erhält die „Mühle zu Kiesingenum“ samt dem dazugehörigen Grundbesitz vom Edlen Wolftregil übertragen.

    Sie ist die älteste Mühle von Giesing und steht  in der Lohstraße 46, nahe dem Candidplatz, dort wo heute der Mittlere Ring - lärmend und stinkend - den „Auer Mühlbach“ überquert.


  • Au * Am Haßlang-Schlösschen in der heutigen Lilienstraße wird ein Triebwerk in den Auer Mühlbach eingehängt. Damals übergeben die Herzöge Sigmund und Albert dem Hanns Platner von der Rosen einen Platz zum Lehen, damit er eine Mühle und einen Hammer erbauen kann.

    Die Urkunde hat folgenden Wortlaut: „Von gottes gnaden Wir Sigmund vnd Wir Albrecht gebrüdere Phallenz grauen bey Reine Hertzogen in Obern vnd Nidern Bairn [...] tun kunnt [...], Das wir vnnserm getrewen Hannsen Platner mit der Rosen von sunndern gnaden ainen Mulslag gelegen enthalb der Yser an dem Rain auf dem pach zwischen der Mul Neydegk und der Yserbrugken, Darauf er machen vnd slagen mag ain Sleifmul vnd obe er ainen platthamer auch darauf richten mocht [...]“.


  • Au * Georg Schobinger kauft auch den an der Lilienstraße gelegenen „Klingenhammer mit Werkzeug, Polier- und Schleifmühle, die oberen und unteren Gärten, Röhrlwasser, Brunnstuben und Fischgerechtigkeit am Mühlbach um 8.000 Gulden“.

    Die Klingenschmiede hatte zwar ihren Ruf und ihre Bedeutung verloren, war aber nachweislich noch als „Schobinger Mühle“ in Betrieb.


  • München - Au * Der Jahrhunderte lange „Wasserkrieg“ zwischen den Münchner und den Auern erreicht seinen Höhepunkt.

    Nach einer der vielen überschwemmungen nutzen die Auer die Gelegenheit, möglichst viel Wasser in ihren Mühlbach zu leiten. Als Antwort zerstören die Münchner die Auer Wehranlagen.


  • Au * Lorenz Westenrieder lobt das „Hofkrankenhaus“ am heutigen Kolumbusplatz in seinen „Beschreibungen des kf. Gerichts Au“ in den schillerndsten Farben:

    „Es hat für epidemische Kranheiten eine vortreffliche Lage an einem reinen Isarkanal, genießt der gesündesten Luft, und hat eine musterhafte Einrichtung.

    Anfangs waren fünf Krankenzimmer, jedes mit sieben Betten vorhanden, wozu aber durch die Sorgfalt des itzigen Pflegers im Jahre 1782 von großmüthigen Gutthätern noch zwey schöne Zimmer mit 14 Betten errichtet wurden, welche zuverläßig unter die reinlichsten, und niedlichsten Krankenzimmer in ganz Deutschland zu rechnen sind“.


  • Vorstadt Au * Die Vorstadt Au erhält eine Wasserleitung.

    Bis dahin entnehmen die Auer das Wasser dem Mühlbach, dem Grundwasser oder Zisternen.


  • Vorstadt Au - Haidhausen - Giesing * Der Auer „Armenarzt“ Anselm Martin schreibt:

    „In den Herbergen sind nicht nur Menschen, sondern auch noch alle Gattungen Hausthiere Katzen, Kaninchen, Vögel, Mäuse und dergleichen, so wie alle nur erdenklichen Handwerksgeräthe, Hausutensilien, alte, bereits halb verfaulte, zusammengesammelte Leinwand, zerbrochenes Glas, neugewaschene zum Trocknen aufgehängte Wäsche und dergleichen in den kleinsten, mit zurückstoßender Luft angefüllten Gemächern anzutreffen.

    Die Öfen sind gewöhnlich von Ziegel, selten von Eisen.
    Die Feuerung geschieht mit Holz und zwar mit den schlechtesten und wohlfeilsten Holzgattungen, oft mit halbverfaulten, in der Isar aufgefangenen Gerten und Prügeln“
    .

    Die „Höhe der Wohnräume“ liegt bei 180 bis 192 Zentimetern; die „Dachdeckungen“ aus Ziegel oder Blech lösen erst im 19. Jahrhundert die Schindel- oder Strohdeckung ab; ihre „Galerien und Träger“ verzieren die Bewohner mit Schnitzereien.

    „Gemeinsamer Besitz“ aller Hausbewohner sind das „Grundstück“, die „Umfassungsmauern“ und das „Dach“.

    Diese komplizierten Eigentumsverhältnisse führen häufig zu ausgiebigen Streitereien.
    Wird das Dach undicht, so sind in erster Linie nur die Parteien des obersten Stockwerks vom Schaden betroffen, die Bewohner des Parterres dagegen haben nur sehr wenig Interesse an einer kostspieligen Reparatur.
    Deshalb soll es vorgekommen sein, dass die „Oberen“ kübelweise Wasser auf den Fußboden schütteten, um die „Unteren“ drastisch an die gemeinsamen Verpflichtungen zu erinnern.

    Nicht umsonst heißt es in den Akten des Landgerichts: „So viele Herbergsbesitzer sich in einem Hause befinden, ebensoviele Hauseigentümer gibt es im selben; keiner lässt sich vom andern etwas einsprechen, jeder tut in seiner Herberge, was er will“.

    Auch die „hygienischen Zustände“ sind katastrophal.
    Das „Trinkwasser“ muss von weit entfernten „Pumpbrunnen“ geholt werden.

    Da eigene „Abtritte“ fehlen, benutzt man „Häfen und Leibstühle“.
    Wegen der fehlenden Kanalisation werden „Abfälle und Abwässer“ jeglicher Herkunft in den „Auer Mühlbach“ geschüttet.
    Eine „städtische Verordnung“ bestimmt deshalb, dass dies nur während der Nacht geschehen darf, da tagsüber die Frauen ihre Wäsche im „Auer Mühlbach“ waschen.

    Das Fehlen der „Abfalltonnen“ bedingt viele unreinliche Wohnungen.
    Dadurch sind die „Herbergsviertel“ in „Seuchenzeiten“ Brutstätten von Krankheiten.

    Es ist also kein Wunder, dass viele Bewohner an den „Typhus- und Choleraepidemien“ sterben und die Einwohner oft hohen Blutzoll zu entrichten haben.


  • Untergiesing * Das „Schyrenbad“ wird als „städtisches Männerfreibad“ eröffnet.

    Schwimmen dürfen hier in der Anfangszeit allerdings nur Männer, da Gleiches für Frauen als „unschicklich“ gilt.

    Vorkämpfer für die Errichtung von „Badeanstalten“ sind die Anhänger der deutschen „Volksbadebewegung“.
    Sie wollen durch eine „Verbesserung der Körperpflege“ die „sittliche Verwahrlosung und den sozialen Unfrieden in der Arbeiterbevölkerung“ abschaffen.
    Die minderbemittelte Bewohnerschaft soll einen Teil ihrer Freizeit in einer „Badeanstalt“ verbringen können.

    Die Gruppierung teilt sich in die Befürworter der „Regenerationsbäder“ und in jene, die den „Reinigungsbädern“ den Vorrang einräumen.

    Das „städtische Männerfreibad“ wird damals vom „Aubach“ oder „Auerbach“ gespeist.
    Er zweigt im heutigen „Tierpark Hellabrunn“ aus dem „Auer Mühlbach“ ab.
    Nach dem Auslass unterhalb der „Thalkirchner Überfälle“ wechselt der Bach seinen Namen in „Freibadbächl“.

    Da das Wasser direkt aus der Isar kommt und schon aufgrund seiner Temperatur nicht unbedingt für das Badevergnügen einladend ist, muss das Wasser erst in zwei großen, flachen „Aufwärmseen“ gesammelt und wird erst danach dem „Schyrenbad“ zugeführt.
    Einer dieser „Aufwärmseen“ hat sich noch bis heute im „Rosengarten“ erhalten.
    Kein Wunder also, dass selbst der „Münchner Magistrat“ das „Schyrenbad“ als „ein hervorragendes Bad“ bezeichnet.

    Das Schwimmbad war etwa dreihundert Meter lang und rund zwanzig Meter breit.
    Es verfügt über einen schönen Baumbestand und über ein „angenehmes Bachwasser“, das „stets mild bleibt“.

    Das „Freibadbächl“ fließt heute unterirdisch durch das „Schyrenbad“ und mündet als „Freibad-Auslaufkanal“ zwischen der „Reichenbachbrücke“ und der „Corneliusbrücke“ in die „Kleine Isar“ zurück.


  • München-Au - München-Giesing - München-Haidhausen * Noch eine Interessengemeinschaft zur Standortfrage des „Ostbahnhofs“ tritt auf.

    Ihr gehören „Handels- und Gewerbetreibende“ aus der Au, Giesing, Haidhausen und „südlicher Stadtteile“ an.
    Sie wollen einen „Südbahnhof“ in Untergiesing, südlich des im Jahr 1847 als „Männerfreibad“ eröffneten „Schyrenbades“ installiert sehen.
    Der Bahnhof soll die Anlage eines ausgedehnten Industrieviertels in den Isarauen ermöglichen.
    Ein Vorschlag, der heute möglicherweise Erstaunen hervorruft.
    Aber am „Auer Mühlbach“ war von „Hellabrunn“ bis hinauf zur „Bäckerkunstmühle“ sogar ein Gebiet für schwerindustrielle Güter im Entstehen.

    Mit den genannten Vorschlägen liegen vier Standorte für einen Bahnhof und zwei alternative Streckenführungen zur Auswahl:  

    • eine „innere“, unmittelbar am Haidhauser Zentrum, und
    • eine „äußere“, am östlicher gelegenen „Kuisl-Anwesen“ vorbeiführende Linie. 

  • München-Haidhausen * Das „Brunnhaus auf der Kalkofeninsel“ wird zu Münchens erstem Elektrizitätswerk umgebaut.

    Die dazu notwendige Energie liefert der Auer Mühlbach.


  • München-Untergiesing * Die „Giesinger Mühle“ gehört der „Münchner Bäcker-Innung“, deshalb der Name „Bäcker-Kunstmühle“.

    Sie kauft die Mühle „mit allem lebenden und toten Inventar“ für 482.000 Mark. Nach umfangreichen Umbauarbeiten kann die Mühle noch im gleichen Jahr als „Bäcker-Kunstmühle der Bäcker-Innung München“ eröffnet werden.

    Die Wasserkraft des „Auer Mühlbachs“ erzeugt hier 200 PS. Die Turbine wird circa 50.000 Stunden im Jahr betrieben. Der Elektromotor leistet 50 PS und läuft an etwa 1.500 Stunden im Jahr.

    In dem vollautomatischen Mahlbetrieb gibt es zwei getrennte Mahlsysteme, in denen 2.995 Tonnen Roggen und 6.412 Tonnen Weizen, also eine Gesamtleistung von 9.407 Tonnen im Jahr, gemahlen werden können.


  • München-Untergiesing * Am Rechen der Bäckerkunstmühle wird eine uniformierte Leiche aus dem Auer Mühlbach gezogen. Es handelt sich um den früheren Stadtkommandanten Willy Weinberger. 


  • München-Untergiesing * Nachdem die Turbinen der ehemaligen „Bäcker-Kunstmühle“ mehrere Jahre stillstanden, erweckt sie der Kfz-Mechanikermeister Günter Tremmel - mit viel Geld, Engagement, Überzeugungskraft und noch mehr Eigenarbeit - zu neuem Leben.

    Diese Fähigkeiten sind die notwendigen Voraussetzungen dafür, dass der aus Bad Feilnbach stammende Techniker sein Ziel erreichen kann.


  • München-Untergiesing * Alfons Scharf beginnt mit der Sanierung seines in „Blockbauweise“ erbauten Hauses „Am Mühlbach 4a“ aus dem Jahr 1860.


  • München-Haidhausen * Die „Mammut Electric GmbH zur Gewinnung regenerativer Energie“ nimmt am Muffatwerk ein Elektrizitätswerk in Betrieb.

    Hier erzeugt der Auer Mühlbach Strom für bis zu 1.500 Haushalte.


  • München-Au * Der Mietvertrag des Sanitärgroßhandels im „Kegelhof“ läuft aus.  

    Nun kann die städtische Wohnungsbaugesellschaft „GWG“ mit der „Weiterentwicklung des Komplexes Kegelhof“ beginnen. 


  • München-Au *Das Konzept für das Großprojekt Kegelhof wird vorgestellt. Das Gebäude entlang dem Auer Mühlbach wird abgerissen und mit 27 Wohnungen für Senioren neu aufgebaut. Unter dem Gelände entsteht eine Tiefgarage.

    Der Gebäudekomplex am Imma-Mack-Weg wird saniert und umgebaut. Unten bezieht die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG Büros, darüber kommen elf Wohnungen. 

© Rudolf Hartbrunner

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