Geschichte 1800 - 1890

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  • München * Mit 74 bürgerlichen Brauereien - plus 6 Klosterbrauereien - erreicht man den Höchststand in der Geschichte Münchens.


  • Au * Die durchgeführte vollständige Erneuerung des „Isarberg-Brunnhauses“ verschlingt über 5.000 Gulden.


  • München * Unter Herzog Maximilian I. wird erstmals nach den Ursachen der „Armut“ gefragt.

    Folgende Erkenntnisse fassen die Untersucher zusammen:
    Verantwortlich für die „Armut“ ist

    • die „Überbevölkerung der Städte“,
    • die „Überbesetzung der Zünfte und Gewerbe“,
    • die allzu großen „Freiheiten des Handels“,
    • die „Vernachlässigung der Polizeigewalt“ und
    • der „Verfall der Religion und der Sitten“.

    Das Ergebnis ist die Einführung restriktiver Maßnahmen.
    Dazu gehören unter anderem „Zuzugsbeschränkungen“ sowie „Festnahmen und Einkerkerung von Bettlern und Vagabunden“.


  • Altmannstein * Die Familie Pämb lebt beim Kleinbauern Ulrich Schölz bei Riedenburg.

    Da taucht der Amtmann von Altmannstein auf und verhaftet die komplette Familie bis auf den inzwischen zehnjährigen Hansel, der bei den Bauersleuten zurückbleibt.
    Ein verurteilter, inzwischen in Wörth an der Isar hingerichteter Dieb namens Geindl hat die beiden Pämb-Brüder Michael und Gumpprecht als angebliche Komplizen angeschwärzt.

    Schnell kann der wahre Hintergrund aufgeklärt werden.
    Geindl und Michael Pämb haben sich einmal geschlägert, wobei Geindl unterlegen ist.
    Wutentbrannt hat der Dieb danach geschworen, er werde es den Pämbs schon noch heimzahlen.

    Der Amtmann sieht ein, dass die Denunziation wohl nur ein Racheakt gewesen war, schickte das Protokoll nach München und wartet auf die Nachricht, dass die Familie freizulassen sei. 


  • Altmannstein * Die aus München kommende Antwort ordnet die „hochnotpeinliche Befragung“ der Familie Pämb an.

    Unter der „Tortur“ der „Folterknechte“ gestehen die 59-jährige Anna, der 57-jährige Paulus und die Söhne Michael [20] sowie Gumpprecht [22] jede Menge Diebstähle, Brandstiftungen und Raubüberfälle.
    Michael und Gumpprecht bekennen sich zudem, „Hexer“ zu sein.

    So wirr, unlogisch und widersprüchlich die unter der „Folter“ erpressten „Geständnisse“ auch sind, der Altmannsteiner Amtmann verständigt daraufhin umgehend den „Hofrat“ in München. 


  • Altmannstein - München * Die Familie Pämb nach München überführt und im „Falkenturm“ eingekerkert.

    Die Männer kommen in einzelne, „Keuchen“ genannte Zellen.
    Nur Hansel durfte bei seiner Mutter bleiben.

    Nun beginnt der sogenannte „Pappenheimer-Prozess“


  • München-Graggenau * Eine vierköpfige Kommission untersucht die „Landfahrerfamilie“ Pämb.

    Auf Wunsch von Herzog Maximilian I. soll zunächst geprüft werden, ob sich die Familie tatsächlich für ein öffentlichkeitswirksames Exempel eignet.

    Die Kommission scheint zufrieden.
    Denn vor ihnen stehen zwei alte, ausgezehrte Menschen und zwei Burschen, die alle vier bereits durch die „Folter“ gezeichnet sind, dazu ein zehnjähriges Kind.

    Sie sind davon überzeugt: diesen Delinquenten kann man alles mögliche andichten, auch eine „Teufelsanbetung“.
    Begeistert erstattet man dem Herzog davon Bericht.

    Den „Hexen-Prozess“ leitet der „Hofratskommissar“ Dr. Johann Simon Wagnereckh.
    Zunächst befragt er den kleinen Hansel.  

    Mit anwesend sind dabei die „Hofräte“ Jacob Hainmüller und Ernst von Roming, ein „Schreiber“ sowie der „Eisenmeister“ Sebastian Georg, der zugleich der Verwalter des „Falkenturms“ und oberster „Folterknecht“ ist.

    Zunächst soll Hansel nur sagen, ob seine Brüder jemals „abgeschnittene Kinderhände“ mit sich geführt hätten.
    Schockiert schüttelt Hansel den Kopf und gab damit das Zeichen für die „Folterknechte“.

    Nach der „Tortur“ gesteht der Zehnjährige alles, was man ihm an Unterstellungen über seine Brüder eingeredet hat.
    Ja, sie haben Kindern die Hände abgeschnitten,
    ja, sie haben Schwangere ermordet, um an die Hände der Ungeborenen zu kommen.
    „Ja“, immer wieder „ja“


  • München-Graggenau * Die „Inquisitoren“ nehmen sich den Vater Paulus Pämb vor.

    Er kommt an den „Wippgalgen“, bei dem man an nach hinten gestreckten Armen und einem Gewicht an den Füßen hochgezogen wird.
    Auch sein Widerstand bricht schnell und er bestätigt jede nur mögliche Grausamkeit, die man ihm und seinen erwachsenen Söhnen unterstellt.

    Die „Verhandlungsführer“ gehen immer nach dem gleichen Muster vor.
    Die gewünschten Antworten werden quasi vorformuliert und müssen von dem Opfer nur noch bestätigt werden.

    Was dann im „Geständnis“ steht, ist also in der Regel der „Phantasie der Befrager“ entsprungen.


  • Wien * Maria Anna, die Schwester von Herzog Maximilian I., wird mit Erzherzog Ferdinand II. von Innerösterreich, dem späteren Kaiser, verheiratet.


  • München-Graggenau * Nach dem Vater muss Michael in den „Wippgalgen“.

    Doch der Bursche hält länger durch als sein Vater.
    Erst als man ihn zusätzlich mit einer brennenden Fackel unter den Achseln foltert, ist auch sein Wille gebrochen.

    Er bestätigt, dass er „Kinderhände“ zum Zaubern genutzt hat, gesteht Morde, Brandstiftungen, Einbrüche, Raubzüge und alle sonstigen Verbrechen, die man ihm suggeriert.
    Die Mutter habe ihm das „Hexen“ beigebracht.

    Bei seinem älteren Bruder Gumpprecht erzwingen die „Folterknechte“ die Bestätigung für alles sowie weitere Gräueltaten. 


  • München-Graggenau * Zuletzt widmen sich „Hofkommissar“ Dr. Johann Simon Wagnereckh und die „Hofräte“ Hainmüller und Roming der betagten Mutter Anna.

    Bei ihr fragt man nicht erst nach Morden oder anderen Verbrechen, sondern widmet sich gleich dem schlimmsten aller Verbrechen: der „Hexerei und Teufelsanbetung“.

    Dabei steht gar nicht zur Frage, ob sie eine „Hexe“ sei.
    Das wird als Tatsache vorausgesetzt.

    Die gemarterte Frau erfindet äußerst wilde Geschichten von der alten „Zieglerin“ und dem Knecht, der der „Satan“ gewesen sei, um den Qualen endlich ein Ende zu bereiten.

    Insgesamt gibt Anna Pämb zu, dass sie 100 Kinder und 19 alte Menschen mit ihren „Zauberkünsten“ brutal ermordet habe.  
    Ferner nennt sie rund 400 weitere Personen, die ebenfalls „Hexerei“ betreiben. 


  • München-Graggenau * Einige Tage nach ihrem „Folterverhör“, nachdem sich die alte „Pämbin“ wieder ein wenig erholt hat, widerruft sie ihre Aussage.

    Der Widerruf führt sie jedoch direkt zurück in die „Folterkammer“, wo sie erneut alles zugibt, was ihr die „Inquisitoren“ des Herzogs Maximilian I. unterstellen. 


  • München-Graggenau * Unter der „Tortur“ bezichtigen die Pämbs auch die Familie des Klostermüllers aus dem niederbaierischen Tettenwang der „Hexerei“.

    Der Klostermüller, seine Frau Anna und beider Tochter Agnes, später auch Ursula genannt, sowie weitere Bekannte der Pämbs werden umgehend verhaftet, nach München gebracht und dort so lange gefoltert, bis auch sie grauenhafte, hexerische Untaten gestehen.

    Dabei hatte der Klostermüller von Tettenwang den Pämbs lediglich geholfen und den fahrenden Bettlern Unterkunft und Essen gewährt. 


  • München-Graggenau * Zur Erpressung von „Geständnissen“ unter der Anwendung der „Folter“ gehört auch das Denunzieren von Mitmenschen als „Hexen, Zauberer“ und „Teufelsbündler“.

    Es war deshalb nicht verwunderlich, dass bei Erreichen des Höhepunkts der „Hexenverfolgung“ im Herzogtum Baiern der „Falkenturm“ bald überfüllt ist und aus diesem Grund ein „Stadtmauerturm“, unmittelbar neben der „Alten Münze“, als zusätzlicher „Hexenturm“ eingerichtet werden muss. 


  • München-Graggenau * Paulus, Michael und Gumpprecht bestätigen im Lauf der nächsten Wochen, selbst „Hexer“ zu sein, den Teufel anzubeten und grässliche Verbrechen, die sie durch „Zauberei“ begangen haben.

    Paulus Pämb hat im „Dienst des Teufels“ 44 Morde begangen.
    Gumpprecht hat sogar 54 Menschen auf seinem jungen Gewissen und als ganz besonders blutrünstig erweist sich Michael mit 103 Morden.

    Dass die über 300-fachen Mörder außerdem unzählige „Schadenzauber“, Diebstähle und Brandstiftungen begangen haben, spielt da kaum noch eine Rolle.

    Aufgrund der „Denunziation“ werden zwei ihrer skrupellosen Gefährten verhaftet und mit den Pämbs vor Gericht gestellt: der Bauer Ulrich Schölz sowie ein Schneider namens Georg Schmälzl, die ebenfalls „gefoltert“ und zu „Geständnissen“ gezwungen werden.

    Einzig den kleinen Hansel verschont man mit weiteren „Folterungen“


  • München * Die „Hofkommissare“ unter der Leitung von Dr. Johann Simon Wagnereckh fällen ihr Urteil.

    Nachdem sie es ausformuliert haben, begeben sie sich in den „Falkenturm“, wo sie den „Malifikanten“ die „Geständnisse“ vorlesen.

    Es ist üblich, den Delinquenten drei Tage vor der „Hinrichtung“ diese sogenannten „Urgichten“ noch einmal zur Kenntnis zu geben, damit sie die Gelegenheit zur Korrektur haben und eventuell „Denunziationen“ zu widerrufen.

    Aus panischer Angst vor weiteren „Folterungen“ verzichten die Pämbs und ihre Mitangeklagten darauf, den „Urgichten“ zu widersprechen.

    Danach gewährt man ihnen eine „Henkersmahlzeit“, die auch gebratenes Fleisch und Wein umfasst. 


  • München-Graggenau * Am Morgen führt eine Delegation von berittenen Amtmännern, zwei Priestern und bewaffneten Soldaten die Delinquenten in Ketten vom „Falkenturm“ zum „Schrannenplatz“, dem heutigen „Marienplatz“, zum „Malefizrechtstag“.

    Der gerade elf Jahre alt gewordene Hansel muss beim „Bußamtmann“ der Stadt München auf dem Pferd mitreiten und alles mit ansehen.

    Eine geifernde Menschenmenge wartet vor dem „Rathaus“ und hofft auf eine spektakuläre Hinrichtung der Pämbs und ihrer Leidensgenossen.
    Obwohl der Herzog den Prozess führt, muss die Stadt München den Schauprozess und die Hinrichtung ausrichten.  

    Als der „Bannrichter“ Christoph Neuchinger schließlich die „Todesurteile“ verkündet, wollen die Jubelschreie der Münchner kein Ende nehmen. 


  • München * Nun demonstriert die herzogliche Justiz ihre unvorstellbare Bestialität.

    Noch auf der Freitreppe des „Rathauses“ reißen der „Henker“ und seine Helfer den Männern mit glühenden Zangen jeweils sechs Fleischstücke aus den Armen und dem Oberkörper.

    Danach schneidet man Anna Pämb die Brüste ab und schmiert sie ihr und den beiden Söhnen dreimal „umb das Maul“, mit dem Hinweis, dass aus diesen Brüsten solche abscheuliche Bubenstücke „gesogen“ wurden.

    Schließlich verfrachtet man die Schwerstverwundeten auf zwei „Schandkarren“, um sie zum „Galgenberg“ zu bringen, der vor den Toren der Stadt liegt, etwa an der Stelle, an der heute die „Hackerbrücke“ auf die Landsberger Straße trifft.

    Tausende Schaulustige begleiten die Wagen, Hansel Pämb reitet auf dem Pferd des „Bußamtmanns“ mit. 


  • München-Maxvorstadt * Am „Galgenberg“ werden die fünf Männer „gerädert“.

    Dazu bindet  man die „Malefikanten“ auf ein scharfkantiges Balkengerüst und zerschmettert ihnen mit einem eisenbeschlagenen „Richtrad“ die Gliedmaßen.

    Für gewöhnlich beginnt diese Bestialität bei den Unterschenkeln.
    Die Zahl und der Rhythmus der Schläge sowie die Reihenfolge der Gliedmaßen sind genau vorgeschrieben.

    Paulus Pämb wird nun zusätzlich „gespießt“.
    Der „Henker“ rammt ihm einen kurzen „Jagdspieß“ durch den After in den Unterleib.

    Der letzte Akt der „Justizwillkür“ im Namen des Herzogs Maximilian I. ist der „Feuertod“.
    Man zerrt die Pämbs und ihre Bekannten zu ihren „Scheiterhaufen“, bindet sie an - Anna setzt man dabei auf einen Stuhl- und verbrennt die „Teufelsbrut“ lebendig und „unter jämmerlichem Geschrei“


  • München-Maxvorstadt * Das wohl mit weitem Abstand Verabscheuungswürdigste der Hinrichtung aber ist, dass der inzwischen elfjährige Hansel Pämb, auf dem Pferd des „Bußamtmanns“ sitzend, der qualvollen Hinrichtung seiner Eltern und Brüder beiwohnen muss.

    Doch auch dem Kind bleibt der spätere „Feuertod“ nicht erspart, da Hansel ja schon „im Mutterleibe dem Teufel geweiht und an seiner Stelle ein anderes gestohlenes Kind getauft worden sei“


  • München-Graggenau * Die zwanzigjährige Agnes Klostermüller wird elfmal „aufgezogen“, davon zehnmal belastet mit einem fünfzig Pfund schweren Stein.

    Das Mädchen bleibt standhaft, obwohl ihm alle Glieder zerrissen werden.
    Nichts, außer der Beteuerung ihrer Unschuld, ist aus ihr herauszubringen.

    Vor dem Beginn der „Folter“ spricht „Hofrat“ Dr. Johann Simon Wagnereckh lateinische Verse und Psalme über sie, um sie zu „entzaubern“

    Da hier der Name Jesus vorkommt, sagt Agnes Klostermüller: „sie wolle diesen Jesus nit [in dessen Namen man Unschuldige martert] sondern wolle den haben, der sie erschaffen und für sie am Stamme des Kreuzes gelitten“.

    Nach der „Folter“ lässt man Agnes für etwa zehn Wochen in Ruhe. 


  • München-Graggenau * Agnes Klostermüller wird erneut zur „Tortur“ geschleppt.

    Dann, nach viermaligen „Aufziehen“ ist ihre Kraft endgültig gebrochen.


  • München-Graggenau * Ein „Selbstmordversuch“ der eingesperrten und gefolterten Agnes Klostermüller scheitert.

    Gebrochen und verzweifelt erzählt sie nun alles, was man von ihr hören will: 

    • „Sie habe eine Menge Kinder umgebracht,
    • habe an dreißig Herzlein [von Kindern] gegessen,
    • habe acht alte Leute durch Bestreichen mit der Salbe getötet,
    • sei ausgefahren, besonders zu Brunn im Schloss in den Keller, wo sie guten Wein getrunken.
    • Des Edelmanns Weib dort habe sie‚erkrümbt‘. 
    • Sie habe an 20 Rinder gefällt, vielen Kühen die Milch benommen, fünf Wetter [...] gemacht“

  • Vatikan * Papst Clemens VIII. teilt den „Karmeliter-Orden“ in zwei selbstständige „Kongregationen“ auf.

    • In eine Spanische, die für die Länder der spanischen Krone, also Spanien, Portugal und Mexiko, zuständig ist.
    • Und in eine Italienische, die sich in der übrigen Welt ausbreiten soll.

  • München-Maxvorstadt * Die „Scheiterhaufen“ lodern auf dem Münchner „Galgenberg“ erneut.

    Diesmal befindet sich neben der Agnes Klostermüller und ihrer Mutter Anna, der „Weber“ Hans Stumpf, „Glashansl“ genannt, und der „Brotträger“ Augustin Baumann.
    Auch der elfjährige Hansel Pämb wird dem Feuer übergeben.

    Der alte Klostermüller stirbt noch im „Falkenturm“.
    Es ist ungewiss, ob an den Qualen der „Folter“ oder durch einen „Selbstmord“


  • Lüttich * Der Baiernprinz Ferdinand wird Bischof im Bistum Lüttich. 


  • München * In der „Haußpolicey“ findet man zu den Schauspielern folgenden Text: 

    „Nicht die geringste ursach warumb die Jugent in die unzucht und geilheit gerahtet seind die Comedien Spektackel und Schawspiel / welche an etlichen orten an den Fürstlichen Höfen oder in den Heusern der Mechtigen oder in den offentlichen darzu bestimbten Heusern gehalten werden. 

    Dann sie [die Schauspieler] seindt gemeinklich eitele / liderliche / verschlagene / arglistige / unverschambte und gottlose leut / ja was mehr ist / man findt under jhnen Landverwisene / ehvergessene / Landstürtzer / Zigeiner und arge Ketzer.“

    Es ist die Zeit der „Gegenreformation“ und schon deshalb hat alleine das „Schauspiel der Jesuiten“ Niveau und ist staatlicherseits legitimiert worden.


  • Degenberg * Hans VIII. von Degenberg stirbt ohne Nachkommen.

    Damit geht aufgrund eines „Erbschaftsvertrags“ aus dem Jahr 1488 der gesamte Herrschafts- und Besitzkomplex in den Besitz der Wittelsbacher über.


  • Degenberg * Der „Degenbergische Pfleger und Bräuverwalter“ Leonhard Mair wird beauftragt das „weiße Brauwesen“ wie bisher und mit dem selben Personal als landesherrliches Unternehmen weiterzuführen.

    Das ist die „Geburtsstunde des wittelsbachischen Weißbierbrauwesens“.
    Die Brauereien befinden sich in Schwarzlach, Zwiesel und Linden.

    Weil auch sämtliche weiteren Einnahmen der Degenberger Güter an den Herzog gehen kommt es zu einem langjährigen Rechtsstreit.


  • Rom * Der „Karmeliter-Pater“ Dominicus a Jesu Maria ist in Rom tätig.


  • München-Kreuzviertel * Der heilige Benno wird von Herzog Maximilian I. zum „Stadtpatron Münchens“ erklärt.

    Der triumphbogenartige „Bennobogen“ wird in der „Frauenkirche“ erstellt.


  • München-Graggenau * Das „Herzogliche Hofbräuhaus“ braut insgesamt 2.256 „Eimer“ Winter- und Sommerbier.
    Da ein „Eimer“ 64 Liter fasst, sind das 1.444 Hektoliter.

    Davon werden 705 „Eimer“ an die Münchner Bevölkerung verkauft, weshalb die Bilanz mit einem Reingewinn von fast 200 Gulden abschließt.


  • München * Der „Landtag“ beschäftigt sich mit dem herzoglichen „Weißbier-Brauwesen“ mit heftiger Kritik.

    Herzog Maximilian I. zahlt freiwillig jährlich eine sogenannte „Komposition“ in Höhe von 10.000 Gulden.


  • München-Kreuzviertel * Herzog Maximilian I. lässt das „Hochgrab“ Kaiser Ludwigs des Baiern abbauen.

    Die „Deckenplatte“ wird jetzt nur knapp über dem Boden verlegt.


  • München-Kreuzviertel * Die vergoldete Madonnenfigur, die später die „Mariensäule“ schmücken soll, kommt auf den provisorischen Hochaltar der „Frauenkirche“.


  • Donauwörth * In Donauwörth zieht die katholische Minderheit - unter Verletzung des „Augsburger Religionsfriedens“ - aus Anlass einer jährlich stattfindenden „Bittprozession“ mit „fliegenden Fahnen“ vom „Kloster Heiligenkreuz“ aus. 

    Es kommt zum Konflikt mit der protestantischen Mehrheit, die die Katholiken spontan verprügelt.

    Donauwörth ist eine der acht „Freien Reichsstädte“, in denen nach den Bestimmungen des „Augsburger Religionsfriedens“ Katholiken und Protestanten das „Recht freier Religionsausübung“ genießen.


  • Donauwörth * Laurentius von Brindisi, ein führendes Mitglied des „Kapuzinerordens“, befindet sich auf dem Weg ins kaiserliche Wien.

    In der „Reichsstadt“ Donauwörth wird er von einer Menge umzingelt und mit den Worten „Kapuziner, Kapuziner, Speck, Speck!“ verunglimpft und am Weitergehen behindert.


  • München-Graggenau * Der Erfolg des „Herzoglichen Hofbräuhauses“ bringt die bürgerlichen Brauer derart in Rage, dass sie sich über die staatliche Konkurrenz beschweren.

    Das „Hofbräuhaus“ darf ab 1607 nur mehr „zur Nothdurft des Hofstaates“ brauen.


  • München-Angerviertel * Als man den abgebrannten Turm der „Peterskirche“ inspiziert, trinken die Beauftragten 27 Mass Wein.


  • München-Kreuzviertel * Der alte „Drei­flügelaltar“ aus dem 15. Jahrhundert wird im Rahmen der Neugestaltung des „Chorraumes“ der „Frauenkirche“ abgerissen.  

    An seine Stelle tritt ein Provisorium, für das die von Hubert Gerhard geschaffene „Madonna mit dem Kind“ verwendet wird.  
    Allerdings fehlt dieser Lösung die absolut nötige Monumentalität für den Chorabschluss der „Frauenkirche“


  • Degenberg * Die Erben der Degenberger führen einen langjährigen Prozess gegen den baierischen Herzog. 

    Maximilian I. erhält zwar den gesamten Degenbergischen Herrschaftsbesitz, muss dafür aber 62.000 Gulden bezahlen.
    So viel ist ihm aber das „Weißbiermonopol“ wert.


  • Wien - München - Donauwörth * Kaiser Rudolf II. bevollmächtigt Herzog Maximilian I. mit dem Schutz der katholischen Minderheit von Donauwörth.


  • Donauwörth * Zur nächsten „Markusprozession“ schickt der Kaiser „Kommissare“ nach Donauwörth, die einen geregelten Ablauf sicherstellen sollen.

    Doch die Protestanten belagern das „Kloster Heiligkreuz“ und lassen weder die „Kommissare“ noch die „Katholiken“ zur Prozession aus dem Kloster.
    Der ausschließlich aus Protestanten bestehende Stadtrat toleriert dieses Verhalten.


  • Wien - Donauwörth * Kaiser Rudolf II. verhängt - auf Antrag Maximilians I. - die „Reichsacht“ über Donauwörth und beauftragt den baierischen Herzog mit ihrer „Exekution“.


  • Donauwörth * Donauwörth muss vor der baierischen Militärmacht kapitulieren.


  • München * Die „schwarze Christlin“ mit etlichen „Ansegenweibern, die sich des Ansegnens und Zauberwerks gebrauchen“ kommen in Haft. 


  • Haidhausen * Zu Ehren des heiligen „Johannes Baptist“ wird jährlich zwischen dem 24. Juni und dem 25. Juli in Haidhausen der sogenannte „Johannesdreißiger“ gefeiert.


  • Regensburg * Auf dem „Regensburger Reichstag“ kommt es zum Eklat zwischen Protestanten und Katholiken.

    Die katholischen Fürsten stellen einen Antrag auf „Restitution aller Kirchengüter“, die seit 1552 säkularisiert worden sind. 
    Davon betroffen wären rund 500 Klöster und Konvente vor allem in Niedersachsen und Württemberg, die Erzbistümer Bremen und Magdeburg sowie 15 reichsunmittelbare Bistümer in Norddeutschland.

    Die protestantischen „Landesstände“ verlassen daraufhin den „Reichstag“.

    Das „Restitutionsedikt“ wird erst 1629 beschlossen.


  • München * Dr. Johann Simon Wagnereckh präsentiert einen ersten Entwurf des von ihm ausgearbeiteten baierischen „Aberglaubens- und Hexenmandat“

    Mehrere „Räte“ kritisierten seine „übergroße Schärfe“.

    Zu einer Verabschiedung des „Mandats“ kommt es nicht mehr, weil dadurch ein Machtkampf zwischen den „Zelanten“ [= „Eiferer“] und den „Politikern“ ausgebrochen ist und sich die beiden Gruppen gegenseitig blockieren. 


  • Markt Schwaben * Der „Beyerin von Winden“, einer Bäuerin aus der Gegend um Markt Schwaben, wird der Prozess gemacht. 

    „Ankläger“ ist erneut der „Hofrat“ Dr. Johann Simon Wagnereckh.

    Es kommt wiederholt zur Auseinandersetzung mit dem „Hofoberrichter“ Dr. Bernhard Barth von Hermatingen, sodass sich der Prozess monatelang hinzieht und die Frau im Mai 1608 einen Selbstmord verübt. 


  • Auhausen * Aufgrund der Donauwörther Ereignisse und zunehmender Spannungen mit den Katholiken gründen protestantische „Reichsstände“ in Auhausen an der Wörnitz im Fürstentum Ansbach die „Union“, ein Defensivbündnis.

    Durch den Beitritt weiterer „Stände“ wächst die Zahl der Mitglieder auf insgesamt acht Fürsten, den Grafen von Oettingen und 17 Städte an. 

    Christian I. von Anhalt-Bernburg übernimmt das „Direktorium der Union“, die er durch Bündnisse mit England, den Niederlanden und Schweden außenpolitisch absichert. 


  • Donauwörth * Während der „Fronleichnams-Prozession“ geht ein schweres Gewitter über der Stadt Donauwörth nieder, das man sich nur mit „Schadenszauber und Hexerei“ erklären kann.

    Birgit Schuster und Paul Ritter werden als „Verursacher des Unwetters“ verhaftet.

    Birgit Schuster gesteht unter der „Tortur“, nennt über hundert weitere „Hexen“ und wird „verbrannt“.
    Paul Ritter wird „verbannt“.

    Durch die Denunziation werden weitere 17 „Unholdinnen“ angeklagt. 


  • Graz * Ferdinand III., der spätere Kaiser, wird in Graz geboren. 


  • München * Herzog Maximilian I. will eine Verbesserung der mittelalterlichen Stadtbefestigung, da diese den Anforderungen der neuen Kriegstechnik nicht mehr entspricht.

    Der Stadtmagistrat lehnt den Vorschlag aus Kostengründen ab.


  • Wemding * Der „Donauwörther Hexenprozess“ greift durch Denunziation auf Wemding über.

    Auch der dortige „Pfleger“ Konrad Bemelberg d. J., der Sohn des Donauwörther „Statthalters“, erhält vom Münchner „Hofrat“ Dr. Johann Simon Wagnereckh eine „Blankovollmacht“ zur „Folteranwendung“.
    Das Amt des „Richters“ übt Dr. Gottfried Sattler aus.

    Neun Frauen und ein Mann werden daraufhin der „Hexerei“ bezichtigt und später hingerichtet. 


  • München - Wien * Herzog Maximilian I. präsentiert dem Kaiser für die „Exekution“ von Donauwörth eine Rechnung in Höhe von 255.403 Gulden. 
    Kaiser Rudolf II. verpfändet daraufhin dem baierischen Herzog dafür die „Reichsstadt Donauwörth“.

    Maximilian I. lässt umgehend die Ausübung des protestantischen Glaubens verbieten und führt die „Gegenreformation“ ein.


  • Prag * Kaiser Rudolf II. und zugleich König von Böhmen stellt den sogenannten „Majestätsbrief“ aus.

    Er gewährt den „evangelischen Landständen“ des Königreichs Böhmen besondere Privilegien zu.

    Der „Majestätsbrief“ beinhaltet

    • das Recht der „Stände“ den König zu wählen,
    • er erlaubt den Protestanten den Bau von Kirchen und Schulen in den Städten und auf dem Land,
    • er beendet die gegenreformatorischen Bestrebungen der katholischen Adeligen, indem er die „gewaltsame Bekehrung“ der Untertanen verbietet, und
    • er überträgt den Protestanten die bis dahin angeeigneten Kirchengüter.

  • München * In München gründen katholische Fürsten die „Liga“, die zunächst nur ein Bündnis oberdeutscher katholischer „Reichsstände“ darstellt.

    Baierns Herzog Maximilian I. wird ihr „Bundesoberst“.


  • München * Die drei geistlichen Kurfürsten (Köln, Mainz, Trier) treten der katholischen „Liga“ bei.

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