Prinz-Carl-Palais
erbaut von Karl von Fischer
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Von den vornehmen privat Willen, die in den klassizistischen Stadterweiterungen Münchens - der Schönfeld- und Maxvorstadt - zunächst vorherrschen, ist das Prinz-Carl-Palais die bekannteste: aufgrund seiner künstlerischen Qualität wie seiner schönsten Lage am Verbindungsweg zwischen dem Hofgarten und im Englischen Garten bzw. am übergang vom Residenzbereich zum Schönfeldviertel. Bestärkt wurde seine städtebauliche Wirkung durch die Anlage der Prinzregentenstraße ab 1891, deren westlichen Blickpunkt die Eingangsfront des Palais bildet. die gravierenden Störung des Achsenbezugs durch die 1972 eröffnete Straßentunnelrampe konnte glücklicherweise durch die infolge der Errichtung der Staatskanzlei revitalisierende Nordsüdverbindung zwischen den beiden Grünanlagen durchLandschaftsarchitekt Gottfried Hansjakob wieder ausgeglichen werden.
Vom Palais Salabert zum Sitz des bayerischen MinisterpräsidentenBauherr war die aus Lothringen stammende Abbeé Pierre de Salabert (1784-1807), im ehemals Abt von Tholey, dann Großkomtur des Malteserordens und Erzieher von Kurfürst Max IV. Joseph.
Im waren umfangreiche Grunderwerbungen im Bereich der ehemaligen Wallbefestigung gelungen, welches die Anlage der später so genannten Finanzgartens ermöglichten. Mit der Planung des Palais wurde im März 1804 den erst 21-jährige Karl von Fischer beauftragt, auch ihr ein kurzer Zeit, die es einem Lehrer Maximilian von Verschaffelt nach Wien gefolgt war.
Den ersten dort noch ausgearbeiteten Entwurf musste er auf Veranlassung des Abbés unter Beibehaltung der Repräsentativen Hauptfassade erheblich reduzieren. Ausgeführt wurde schließlich ein Komplex aus Haupttrakt und kurzem linksseitigen Flügel an der Rückseite. Der Grundstein wurde am 24.05.1804 und vier gelegt, der Bau im August 1806 bezogen. Nach Salaberts Tod 1807 erwarb König Max 1. Joseph das Gebäude, das nun Palais (oder Pavillon) Royal genannt wurde, Kurz nach derThronbesteigung übertrug es Ludwig 1. 1825 seinem Bruder, dem Prinzen Carl (1795-1875), der seinen neuen Wohnsitz durch Jean Baptiste M6tivier beträchtlich erweitern und kostbar einrichten ließ.
Nach dem Tod des Prinzen Carl war das Palais 1876-1919 Sitz der österreichisch-Ungarischen Gesandtschaft. 1924 wurde es zur Dienstwohnung des Bayerischen Ministerpräsidenten bestimmt. Nach der Aufhebung der Länderregierungen durch die NS-Machthaber fand 1937 ein aufwendiger Umbau zum Gästehaus statt. Das Palais wurde dabei beträchtlich nach Westen verlängert und der wegen der gleichzeitigen Verbreiterung der Von-der-TannStraße abgerissene Nordflügel Mätiviers durch einen neuen nach dem Vorbild des Südflügels ersetzt.
Das im Zweiten Weltkrieg nur wenig beschädigte Gebäude war dann 1948 Sitz der neu gegründeten Bayerischen Akademie der Schönen Künste, überdies ab 1967 Notquartier der Glyptothek und Antikensammlung: Seit 1969 schließlich ist das Palais der zu Repräsentationszwecken genutzte Dienstsitz (nicht Wohnung) des Bayerischen Ministerpräsidenten. Nachdem beim Bau des Straßentunnels 1970 die Kellerräume der Unterfangung mit einer Stahlbetonplatte zum Opfer fielen, wurde das Palais 1971-1975 durch das Landbauamt München restauriert und umgebaut, wobei die Gartenfront leicht vorgerückt und eine zentrale zweigeschossige Empfangshalle in modernen Formen mit Treppe, Galerie und Oberlicht eingefügt wurde.
Meisterwerk eines HochbegabtenRepräsentative Fernwirkung und Ausstrahlung sind vor allem der Würdeform des viersäuligen Portikus zu verdanken, der die Mitte der östlichen Schauseite bildet. über dem vorgezogenen großen Rundbogentor der ehemaligen Einfahrt ist dem Saal im ersten Stock ein knapper Balkon vorgelegt. Die große Säulenordnung des Vorbaus setzen Kolossalpilaster fort, die beide Geschosse zusammenfassen. An den beiden fünfachsigen Seitenfronten begrenzen Dreiviertelsäulen die Mittelrisalite, vorspringende Bauteile, die im Obergeschoss durch schmale Relieffelder und einen Balkon akzentuiert sind. Der Sockel und die Wandflächen des Erdgeschosses sind zart gequadert, das hohe, dreiteilige Gebälk ist reich profiliert. Der Putzbau ist traditionell gelb gestrichen, nur Portikussockel, Basen und Kapitelle sind aus Tuffkalkstein. Die harmonische Proportionierung und die ausgewogene, alle Flächen überdeckende Anordnung der Gliederungselemente kennzeichnen Fischers Erstlingswerk als frühes Meisterstück. Er verstand hier Anregungen verschiedener Epochen in einer überzeugenden Neuschöpfung zusammenzufassen.
Im Altbau ist die klassizistische Raumausstattung - vor allem Tafelparkett, geschnitzte Füllungstüren, Stuckdekor und reiche Dekorationsmalerei an den Spiegeldecken - weitgehend erhalten geblieben. Sie wird wohl im Wesentlichen Metivier zuzuschreiben sein. Der querrechteckige Festsaal im Obergeschos: öffnet sich mit drei Rundbogentüren zum Balkon. Mit seinen korinthischen Pilastern zu Seiten der Mitteltüren jeder Wand (an den Längsseiten sogar verdoppelt), mit dem Intarsienfußboden, den vergoldeten Türflügeln, den rötlich marmorierten Stuccolustro-Wandfeldern, dem stuckierten Girlandenfries und der reich bemalten Deckenzone mit kuppelähnlich in Wirbelform kassettiertem Mittelfeld gehört er - wie das weiß-blau gehaltene „Ministerpräsidenten-Zimmer" - zu den bedeutensten noch erhaltenen Palastinnenräumen Münchens.
Quellen
- Das Prinz Carl-Palais
Feuchtmayr Inge (1966)
Kunst & Denkmal
| Name | Künstler | Straße | Jahr |
|---|---|---|---|
| Springbrunnen vor dem Prinz-Carl-Palais | Franz-Josef-Strauß-Ring |
Baudenkmäler
| Name | Straße | Stadtteil |
|---|---|---|
| Prinz-Carl-Palais (Fischer Karl von, Gablonsky Fritz) | Franz-Josef-Strauß-Ring 5 | 3. Maxvorstadt – Schönfeldvorstadt |
Verwandte Begriffe
Prinz-Carl-Palais Palais Salabert Adelspalais