Name Prinz-Carl-Palais
Architekt Fischer Karl von  Gablonsky Fritz  
Stadtbezirk 3. Maxvorstadt
Stadtbezirksteil Schönfeldvorstadt
Straße Franz-Josef-Strauß-Ring 5
Jahr Baubeginn 1804
Jahr Fertigstellung 1806
Baustil Klassizismus
Kategorie Adelssitze & Höfe
Palais
Baustil Klassizismus
Klassizismus
Unterkategorie Palais  
Suchbegriffe Prinz-Carl-Palais Palais Salabert Adelspalais 
Personen Prinz Carl  
Prinz-Carl-Palais
Prinz-Carl-Palais Franz-Josef-Strauß-Ring
Bildrechte: © Gerhard Willhalm, <a href='https://fotoagentur-muenchen.de/bilder/d_bilder.php?id=11202'>Prinz-Carl-Palais</a>, <a href='https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode'>CC BY-NC 4.0</a>

Bemerkung

Ehem. Adelspalais, sog. Prinz-Carl-Palais, klassizistischer Walmdachbau mit Portikus und Dreiecksgiebel, erbaut für Abbé Pierre de Salabert von Karl von Fischer, 1804-06, von Fritz Gablonsky 1937 nach Westen erweitert, 1971-75 durch das Landbauamt München zum Dienstsitz des Bayerischen Ministerpräsidenten umgebaut; mit Ausstattung; westlicher Abschluss der Prinzregentenstraße.

Beschreibung

<p><strong>Prinz-Karl-Palais</strong> Nach Plänen von C. v. Fischer für den ehemaligen herzoglich-zwei-brückischen Staatsminister, Abbe undTitularabtder Benediktinerabtei Tholey Pierrede Salabert 1804-06 nördlich des Hofgartens am Übergang zum Englischen Garten errichtetes Gartenpalais (&gt;Palais Salabert&lt;). Nach dem Tod des Abbe (1807) durch König Max l. Joseph erworben (als &gt;Palais Royal&lt; oder &gt;Pavillon Royal&lt; bezeichnet), nach Tod des Königs 1825 im Besitz von Ludwig l., der es seinem jüngsten Bruder Karl (und dessen männlichen ehelichen Deszendenten) als Residenz überließ. Karl erteilte 1826 Me-tivier den Auftrag zur Renovierung des Palais und seiner Innenausstattung (Beteiligung von A. Schwanthaler), zur Errichtung eines Anbausar) Nordseite des Palais, der mit dem Bau eines lang gestreckten Seitenflügels (1828-31) entlang der damaligen Frühlings-(seit! 872 Von-der-Tann-)Straße als &gt;Gelenkbau&lt; fungierte. Nach KarlsTod 1875 das gesamte Anwesen in Verwaltungsbereich des Finanzministeriums (mit Sitz des Obersten Rechnungshofs im Erdgeschoss) übergegangen: von 1876 bis zum Abbruch des Seitenflügels 1937 im oberen Stockwerk Dienstwohnung der Finanzminister mit Nutzung des von Mannlich für Salabert angelegten &gt;Palaisgartens&lt; (deshalb &raquo;Finanzgarten&laquo;), 1937 erneuert, ebenfalls 1971 und saniert: gegen Ausgang Galeriestraße letzter Rest der Wallbefestigung des 17. Jh., -&gt; Plan S. 27; in derem Gewölbe &gt;Heinrich-Heine-Brun-nen&lt; mit Bronzefigur &raquo;Nausikaa&laquo; vonT. Stadier 1957/58, aufgestellt 1962. - Das Palais selbst von 1875-1919 Sitz der k. und k. österreichisch-ungarischen Gesandtschaft. Während der Rätezeit 1918/19 Sitz des &gt;Sozialisierungskommissärs&lt; im Erdgeschoss, im Obergeschoss von 1919-23 Repräsentationsräume des Landesfinanzamts. Nach Behebung der Schäden durch Zweckentfremdung von 1924-33 Dienstwohnung des Bayerischen Ministerpräsidenten; ab dieser Zeit allmählich Bezeichnung &raquo;Prinz-Karl-Palais&laquo; üblich. 1933 Sitz des NS-Ministerpräsidenten, 1937 Umbau und Erweiterung zum Gästehaus des Staats: Planung von Gablonsky; Innenausbau und Inneneinrichtung der neu hinzugekommenen Räume nach Entwürfen von G.Troost. Dabei Erneuerung des Parks und Abbruch des Seitenflügels wegen Verbreiterung der Von-der-Tann-Straße auf 27 m im Zug des Verkehrsausbaus von Bogenhausen nach Nymphenburg. - Das durch Krieg kaum beschädigte Palais nach Zusammenbruch von Plünderungen nicht verschont; 1947-69 im Erdgeschoss Ausstellungsräume füreinen kleinenTeil derSfaaf-lichen Antikensammlung (-&gt; Königsplatz 1), im Obergeschoss von 1948 an Sitz der 1948 gegründeten Bayerischen Akademie der Schönen Künste (seit 1972 im 2. Obergeschoss des Königsbaus der Residenz). Nach erneuter Renovierung 1971-75 (Architekt: Heid) Amtssitz des Bayerischen Ministerpräsidenten (nicht zugänglich). Projekt Neubauflügel für Staatskanzlei entlang Von-der-Tann-Straße 1977 aufgegeben (Entwurf Kiessler 1969).</p> <p><strong>Beschreibung: </strong>Die zu Anfang des 19. Jh. noch in Grünflächen eingebettete Villa sub-urbana von Fischer ursprünglich umfangreicher konzipiert, in der Ausführung auf hakenförmigen Baukörper mit nur zwei architektonisch gestalteten Schauseiten reduziert: nach Osten gegen südlichen Englischen Garten Hauptfassade (auf die 1891 die -* Prinzregentenstraße ausgerichtet wurde), nach Süden Seitenfassade; die beiden anderen Seiten (die Westseite mit kleinem Wirtschaftshof) untergeordnet behandelt. Nach Anlage der Frühlings-/Von-der-Tann-Straße (1826) Auftrag von Prinz Karl an Metivier zur Errichtung eines Trakts entlang der neuen Straße anstelle eines irregulären frei&nbsp;stehenden Vorgängerbaus, mit der Nordseite des Palais durch einen Gelenkbau verbunden: Neubau (zu 20 Fensterachsen, flankiert von einachsigen Risaliten) mit Ställen, Remisen, Appartements der &gt;Aides de Camp&lt; (Ceneraladjudanten), Bibliothek und Dienerschaftsunterkünften, ausgeführt 1828-31 durch Maurermeister Röschenauer; 1841 durch einstöckigen Anbau (Entwurf von Eichheim) nach Westen verlängert.</p> <p>Das <strong>Palais</strong>*selbst als einziger Teil der ursprünglichen Anlage original erhalten: Über niedrigem Rustikasockel (Souterrain) zwei annähernd gleich hohe Obergeschosse, durch ionische Kolossalpilasterzusammengefasst, darüber breites ionisches Gesims unter hohem Walmdach. Hauptfront*: neun Achsen, davon drei durch vorgezogenen Mittelteil mit vorgestellten, freistehenden Säulen betont, durch Dreiecksgiebel zu-sammengefasst; zusätzlich hervorgehoben durch Rundbogenfenster im Obergeschoss; Rundbogenportal seit 1937 über Stufen zugänglich (ursprünglich Durchfahrt). Südfront zurückgehaltener als Hauptfront: fünf Achsen, Mitteljoch durch Halbsäulen gerahmt; darüber ursprünglich Architrav. (Die Nordfront bei Erweiterung 1937 von drei auf fünf Achsen verlängert, der Südfront nachgebildet.) Erweiterungsbau: UnterVerzicht auf Pilastergliederung um fünf Achsen nach Westen verlängert; Weiterführung der Bos-sierung des Erdgeschosses; einfache Rahmung der Obergeschossfenster; Einfügung eines Mezzanis in die vom Fischer-Bau übernommene Gebälkzone. Die Gartenfassade (9 Achsen) durch dreiachsigen, schwach vortretenden Mittelrisalit (nur hier Pilastergliederung und Rundbogenfenster) mit Giebel betont; bei Umgestaltung 1971 dieser Teil mit neuem Eingang um 1,5 m vorgezogen.</p> <p><strong>Inneres:</strong> Nutzung ab 1937 beließ Raumanordnung in beiden Geschossen des historischen Kernbaus: in ihm liegen die weitgehend original erhaltenen (öffentlich nicht zugänglich) Metivier-Räume*, die von Gablonsky durch Verlegung der Treppe, Einbau von Wohnräumen und eines Vortrags-saal nicht tangiert wurden -ebenso wenig durch den Umbau der 1970er Jahre in der von Gablonsky geschaffenen Raumschale: Haupteingang nun an Westseite (Zufahrt vom Finanzgarten) mit Vestibül und Zugang zu zweigeschossiger Empfangshalle in Blankziegelmauerung, asymmetrisch platzierter Haupttreppe zu Obergeschoss umlaufender Galerie. Von hier aus Zugang zum Konferenz-(Ministerrats-)saal sowie zu den Arbeits- und Empfangsräumen des Ministerpräsidenten im Altbau: vom Vor-bzw. Warteraum zum &gt;Gelben Salon&lt; (Kabinettsraum) und &gt;Grünen Salom (Speiseraum) im Nordflügel, im Südflügel zum Vorzimmer und &gt;Blauen Salon&lt; (Arbeitszimmer des Ministerpräsidenten), in der Mitte gegen Osten der &gt;Marmorsaal&lt; (Festsaal).</p> <p><strong>Bedeutung:</strong> Einziger annähernd original erhaltener Fischer-Bau; an städtebaulich exponierter Stelle behauptet sich dieses durch überlegte Gestaltung ausgezeichnete Bauwerk, in dem sich Nachklänge eines Palais des Ancien regime mit klassizistischen Formen verbinden. Nach Wölfflin der &raquo;schönste Aristokratensitz Münchens seit Cuvillies Bauten&laquo;. Bereits durch Anlage der -&gt; Prinzregentenstraße (ab 1891) und ihre Bebauung an der Südseite Zerstörung der engen Beziehung von Hofgarten und Englischem Garten: damit Verlust des Charakters einer Gartenvilla (nach Muster der Villa Valmarana). Durch phantasielos-technokratische Straßenführung und Untertunnelung in seiner künstlerischen und städtebaulichen Funktion schwer beeinträchtigt. - Im Zusammenhang mit Errichtung der neuen Staatskanzlei (-&gt; Franz-Josef-Strauß-Ring 1) Milderung der dominierenden Straßenführung am Drehkreuz von Ring/Von-der-Tann-/Königin-/ Prinzregentenstraße durch Neugestaltung der Grünanlagen zwischen Hofgarten und Englischem Garten sowieVergrößerung des Areals vor dem Palais mit Anlage einer Fontäne; zugleich Revitalisierung des Köglmühlbachs und seine Einleitung in den Englischen Garten. - Im Altbau klassizistische Raumausstattung weitgehend erhalten, v. a. Marmorsaal und Blauer Salon erweisen Metivier als hervorragenden Innenarchitekten.</p> <p><strong>Nachtrag 2009 </strong>zum Finanzgarten (künftig Dichtergarten) Südl. vor Heine-Denkmal lebensgroßes Bronzestandbild des russ. Dichters F. I. Tjutschew von A. Kowaltchuk aufgestellt.<br /> &nbsp;</p>

Quellen

Royal-Palais
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)

Royal-Palais. Königinstr. 1. Von Karl Fischer 1803 als Ministerhotel für den herzoglich Zweibrückenschen Minister Abbe von Salabert erbaut, der mit seinem Herrn, dem Herzog Max aus der Wittelsbacher Linie Zweibrücken-Birkenfeld, (als Kurfürst Max IV. und später König Max I. Nachfolger des kinderlos verstorbenen Kurf. Karl Theodors) an den Münchner Hof übersiedelte. Der Bau steht auf dem Terrain des früheren Klostergartens der Theatinermönche und zwar in jenem Teil, der den heute noch bestehenden bedeutendsten Rest des Stadtwalles mit der Bastion am alten Schwabinger Tor aus der Zeit des Kurfürsten Maximilian I. enthält und von Salabert in eine englische Parkanlage umgewandelt wurde. Von Salabert ging das Palais an den Prinzen Karl über (daher auch Prinz Karl-Palais geheißen) und nach dessen Tod 1875 wurde es Staatseigentum (daher wohl der Name „Palais Royal“) und an die österreichische Gesandtschaft vermietet.

Der Bau selbst wurde von Fischer, einem Schüler des Mannheimer Verschaffelt, noch von Wien aus geleitet, von woher er nach München an die Bauakademie als Lehrer berufen wurde. In dem Bestreben, „die private Existenz zu steigern bis auf die Höhe eines königlichen Daseins“, ist der Mitteltrakt nicht als ein vorspringendes Risalit mit besonderer Dekoration herausgezogen worden, sondern stark vor- •springend und auf vier freistehenden Säulen ruhend tritt der Giebel als Hauptmotiv vor das Dach. Diese Säulen sind nun insofern noch nicht streng disponiert, als ohne weitere Legitimation das mittlere Intervall breiter genommen ist, ein Motiv, das überdies noch, der alten Tradition gemäß, ins „Malerische“ ausgestaltet wurde, indem hinter diesen Säulen ein Balkon sichtbar wird, überschnitten von der großen vorderen Form — alles Ueberschnittene aber und Halbverdeckte bewirkt malerischen Reiz. Gerade hier aber würde der „strenge“ Klassizismus, im Sinne Klenzes, korrigierend eingetreten sein: der Erbauer der Glypothek und alten Pinakothek würde weder diese rhythmische Folge von Säulen gegeben noch diese Verdeckung der Motive gebilligt haben.

Unser Bau entstand eben noch in der Vorperiode des Klassizismus, und — mag es auch unentschieden bleiben, wohin sich unser ästhetisches Urteil billigend wenden will — jedenfalls ist es zu Unrecht geschehen, daß der Architekt dieses Baues, Karl Fischer, der Vergessenheit, wenigstens heim Publikum, vollständig anheimgefallen, während der Name Klenzes in aller Munde ist. Jedenfalls ist „nach dem Tode Cuvillies kein Aristokratensitz mit soviel Feinheit und anspruchsloser Eleganz ausgestattet worden. Von Anfang an als das Sanssouci eines Gargon gedacht, ist das Palais nicht umfangreich in seinen Gesellschaftsräumen und noch weniger in seinen wirtschaftlichen Dependencen; ursprünglich hatte der Plan nach beiden Seiten der Front eine größere Ausdehnung. Die Vornehmheit der Säle atmet noch ganz die feine Elegance des „ancienne regime“. Daß die robuste Säulenstellung an der Front als hübscher Schlußpunkt einer großen Prachtstraße (Prinzregentenstraße) eine unerwartete Aufgabe zu erfüllen hatte, konnte der Architekt freilich nicht vorausahnen — wie sehr kam er aber seinen modernen Kollegen entgegen, die am gegenüberliegenden Ende die Säule mit der goldenen Viktoria (Friedenssäule) errichteten [W 199]“, ferner [E u. Eb].

Wikipedia

Literatur

Wikipedia: Prinz-Carl-Palais_(München)

Alte Ansichten

Prinz-Carl-Palais
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