Alter Botanischer Garten
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Bemühungen um die Anlage eines Botanischen Gartens für Lehre und Forschung - neben der höfischen Gartenkunst - gab es in Bayern seit 1700.
Der Botanische Garten in München wurde, nach Vorläufern an der Universität in Ingolstadt und Landshut, zwischen 1804 und 1814 nach Plänen des bedeutenden, in München wirkenden Gartenkünstlers Friedrich Ludwig Sckell (1750-1823) auf einem 15 Tagwerk großen Wiesenhalbrund zwischen Elisen- und Sophienstraße angelegt.
Vorher hatten sich auf diesem Terrain nordwestlich des Neuhauser Tors Krautäcker, Hopfengärten und der Schießplatz der Stachel- oder Armbrustschützen befunden.
Der neue Botanische Garten sollte zunächst zur praktischen Ausbildung junger Mediziner dienen und stand 1804 im Zusammenhang mit der vorgesehenen Neuordnung der Mediziner-Ausbildung.
Seine Realisierung wurde von der Königlichen Akademie der Wissenschaften vorangetrieben.
1809 wurde der an der Universität Landshut lehrende Botaniker und Zoologe Franz von Paula Schrank (1747-1835) zum Konservator des neuen Botanischen Gartens in München und wenig später zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften berufen.
Die erste Anlage des neuen Gartens war das Arboretum. Schon 1811 waren mehr als 5000 Bäume und Sträucher gepflanzt und fast alle Arbeiten an der Gestaltung der Anlage vollendet.
Das noch heute existierende, in klassizistischer Architektur von Emanuel Joseph von Herigoyen (1746-1817) 1812 errichtete Eingangsportal trägt die, angeblich von Goethe stammende lateinische Inschrift „Florum Daedalae Telluris Gentes Dissitae Maximiliani Jos. R. Numine Consociatae MDCC- CXH" („1812 hat das Gebot König Maximilian Josephs die über die Erde verstreuten Pflanzengeschlechter kunstvoll vereint") Die schwer verständliche Inschrift wurde in der Folgezeit Ziel allgemeinen Spotts und Kritik am Botanischen Garten sowie an der Akademie.
Die Bestückung des Gartens machte in den Anfangsjahren rasche Fortschritte. König Max Joseph, ein großer Blumen- und Gartenliebhaber, ließ aus den Gewächshäusern des königlichen Gartens in Nymphenburg große Mengen seltener Pflanzen in den Botanischen Garten bringen. Darüber hinaus wurden aus dem In- und Ausland Saatgüter angekauft und gesammelt. Die einheimischen Pflanzen brachte der Konservator meist selbst von seinen ausgedehnten Gebirgsreisen mit. „Reichliche Gaben von Pflanzenfreunden vermehrten den Vorrath", wie die Denkschrift der Akade- mie für das Jahr 1813 vermerkt. „So schenkte der Sohn des hiesigen Tabakfabrikanten, Hr. Maffei, die Samen von mehr als 300 Pflanzenarten, die er auf seinen Reisen durch das südliche Frankreich und das untere Italien von dortigen Botanisten erhalten hatte."
Nachdem die Einrichtung des Gartens vorläufig abgeschlossen war, wurde die Anlage von der Hofgartenintendanz im Frühjahr 1812 förmlich der Königlichen Akademie übergeben.
In den Jahren 1812/13 wurde im Nordteil des Gartens ein großes, von Sckell entworfenes klassizistisches Gewächshaus angelegt, das 1853/54 dem Bau des Glaspalastes weichen musste. Der Glaspalast war ursprünglich nur für die Industrieausstellung 1854 geplant gewesen, danach sollte er wieder abgebrochen oder als Gewächshaus benutzt werden. Der Abbruch unterblieb, ebenso wie die verschiedenen Vorschläge der Weiterverwendung als Gewächshaus, Kaufhaus, Markthalle, Wintergarten mit Bad. Er wurde bis zum vernichtenden Brand am 6. Juni 1931 ein Zentrum für große Veranstaltungen aller Art und für Kunstausstellungen.
Eine bedeutende Bereicherung erfuhr der Botanische Garten durch die beiden Gelehrten Carl Friedrich Philipp Martius und Johann Baptist von Spix, die von ihrer spektakulären Forschungsreise nach Brasilien 1817-1820 riesige Sammlungen an Samen, Früchten und Pflanzen nach Hause schickten und selbst mitbrachten.
Trotz vieler widriger Umstände - der Garten war lange der höchst gelegene in Deutschland und litt unter rauem Klima und späten Frösten - galt er als Musteranstalt und als einer der reichsten in Deutschland. Sein prächtiges Gedeihen verdankte er dem unermüdlichen Wirken seines langjährigen Direktors Schrank sowie der besonderen Förderung des bayerischen Königs Max Joseph, als dessen Lieblingsschöpfung der Garten galt.
Gründe, den Botanischen Garten 1914 nach Nymphenburg zu verlegen waren die begrenzte Ausdehnungsfähigkeit des Arboretums, das sich schon bald als zu klein erwies, und die Belastung der Pflanzen durch die rauchige Stadtluft, vor allem nach dem Bau des Hauptbahnhofs. Er wurde nun, zur Unterscheidung zum neuen Botanischen Garten „Alter Botanischen Garten" genannt.
1937 baute Paul Ludwig Troost den Alten Botanischen Garten zu einem Erholungspark um, der sich um einen monumentalen Neptunbrunnen gruppiert. Aus der Gartenanlage des frühen 19. Jahrhunderts haben sich einige wenige exotische Bäume erhalten, die der Feinstaubemission des modernen Stadtverkehrs widerstehen.
Kunst & Denkmal
| Name | Künstler | Straße | Jahr |
|---|---|---|---|
| Eingangsportal zum Alten Botanischen Garten | Herigoyen Emanuel Joseph von | Sophienstraße | 1812 |
Baudenkmäler
| Name | Straße | Stadtteil |
|---|---|---|
| Alter Botanischer Garten (Sckell Friedrich Ludwig von) | Alter Botanischer Garten 0 | 3. Maxvorstadt – Königsplatz |
| Tor zum Alten Botanischen Garten (Herigoyen Joseph Emanuel) | Alter Botanischer Garten 0 | 3. Maxvorstadt – Königsplatz |