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Maria Anna von der Pfalz, Königin von Spanien

Haus: Wittelsbach Linie: Pfalz-Neuburg

* 28.10.1667 (Düsseldorf Schloss Benrath) – † 16.07.1740 (Guadalajara) · Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial (Pantheon der Infanten)

Ehen:
1. — · mit Karl II.
Maria Anna von der Pfalz

Kinder

Keine Kinder erfasst
Maria Anna von der Pfalz war eine zentrale Figur in der europäischen Großpolitik des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Als Tochter des Kurfürsten Philipp Wilhelm von der Pfalz aus der Linie Pfalz-Neuburg gehörte sie einer Geschwisterschar an, die systematisch auf den Thronen Europas platziert wurde. Ihre Heirat war kein bloßer Familienakt, sondern ein Versuch des Hauses Wittelsbach und des Kaisers in Wien, den französischen Einfluss in Südeuropa einzudämmen.

Im Jahr 1689 wurde sie die zweite Gemahlin des kinderlosen Königs Karl II. von Spanien. Als Königin von Spanien (1690–1700) stand sie im Zentrum eines harten Machtkampfes am Madrider Hof. Da ihr Mann schwächlich und ohne Erben war, drehte sich alles um die Frage, wer das riesige spanische Weltreich erben würde. Maria Anna, die in Spanien oft als herrschsüchtig und geldgierig beschrieben wurde, versuchte mit allen Mitteln, die Interessen ihres Bruders und des Hauses Habsburg gegen die Ansprüche der französischen Bourbonen zu verteidigen.

In dieser Zeit war sie eine der mächtigsten Frauen der Welt, doch ihr politisches Kalkül scheiterte letztlich. Nach dem Tod Karls II. im Jahr 1700 und dem Ausbruch des Spanischen Erbfolgekriegs verlor sie ihren Einfluss. Der neue bourbonische König Philipp V. verbannte sie aus Madrid. Sie lebte viele Jahre in Bayonne und später in Toledo, weitgehend isoliert vom politischen Geschehen, das sie einst mitbestimmt hatte.

Für die Geschichte der Wittelsbacher bleibt Maria Anna ein Symbol für den enormen dynastischen Aufstieg der Neuburger Linie. Obwohl sie keine Kinder hatte und ihre Zeit in Spanien tragisch endete, festigte sie durch ihre Position den Ruf ihrer Familie als „Lieferant“ für die höchsten Throne Europas. In ihrer bayerisch-pfälzischen Heimat wurde sie trotz der Distanz als glanzvolle Vertreterin des Hauses wahrgenommen, deren Schicksal die Weltpolitik von München bis Mexiko-Stadt beeinflusste.

Maria Anna verstarb 1740 in Guadalajara und wurde im Pantheon der Könige im Escorial beigesetzt. Ihr Erbe ist vor allem in den diplomatischen Archiven und den Berichten über die prunkvollen, aber krisengeschüttelten letzten Jahre der spanischen Habsburger lebendig.