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Ruprecht I. der Rote, Kurfürst von der Pfalz

Haus: Wittelsbach Linie: Pfalz

* 09.06.1309 (Wolfratshausen) – † 16.02.1390 (Neustadt an der Weinstraße)

Ehen:
1. — · mit Elisabeth von Namur
2. — · mit Beatrix von Berg
Ruprecht I.

Kinder

Keine Kinder erfasst
Ruprecht I. von der Pfalz, auch „der Rote“ genannt, war eine der bedeutendsten Herrscherfiguren des Spätmittelalters und der eigentliche Schöpfer der pfälzischen Machtstellung. Er wurde 1309 in Wolfratshausen als Sohn des Pfalzgrafen Rudolf I. geboren und war ein Neffe von Kaiser Ludwig dem Bayern. Seine Regierungszeit dauerte über ein halbes Jahrhundert und prägte die Kurpfalz nachhaltig.

Nach dem Tod seines Bruders Rudolf II. im Jahr 1353 übernahm Ruprecht die alleinige Herrschaft über die Pfalz und die Oberpfalz. Sein größter politischer Triumph war die Verbriefung der Kurwürde in der Goldenen Bulle von 1356. Kaiser Karl IV. legte darin fest, dass der Pfalzgraf bei Rhein dauerhaft zum Kreis der sieben Kurfürsten gehörte, die den deutschen König wählten. Damit wurde die Pfalz rechtlich gegenüber der bayerischen Linie der Wittelsbacher privilegiert, was das politische Gewicht Heidelbergs massiv steigerte.

Ein ebenso bedeutendes Erbe hinterließ Ruprecht auf kulturellem Gebiet. Im Jahr 1386 gründete er die Universität Heidelberg, die nach Prag und Wien die dritte Universität im Heiligen Römischen Reich und die erste auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands war. Er wollte damit seinem Territorium eine eigene geistige Elite sichern und die Verwaltung durch geschulte Juristen und Theologen modernisieren. Bis heute trägt die Universität seinen Namen im Titel „Ruprecht-Karls-Universität“.

Unter seiner Herrschaft wurde Heidelberg zur glanzvollen Residenz ausgebaut. Ruprecht I. festigte die territoriale Geschlossenheit der Pfalz durch geschickte Zukäufe und Verträge. Trotz zweier Ehen – zunächst mit Elisabeth von Namur und später mit Beatrix von Berg – blieb er ohne männlichen Erben. Er regelte die Nachfolge jedoch vorausschauend, indem er seinen Neffen Ruprecht II. zu seinem Nachfolger bestimmte, wodurch die Stabilität des Landes gewahrt blieb.

Ruprecht I. verstarb 1390 in Neustadt an der Weinstraße. Sein Grabmal in der dortigen Stiftskirche zeigt ihn als würdevollen Herrscher im Alter. Er wird als der Gründerfürst erinnert, der aus der Pfalz ein intellektuelles Zentrum und ein politisches Schwergewicht des Reiches machte.