Der Konz und der Danz
Schelme hat’s aller Zeiten gegeben. Davon stellt sich hier ein Exempel heraus und erhellt, wie man auf der Hut sein müsse.
Das ist so: Als man 1434 schrieb, sah es einmal recht kriegerisch her. Der Herzog Ernst, so dazumal regierte, war aber von München abwesend.
Nun schrieb er an den Rat daselbst, er sollte Pulver machen lassen, und Herr Danz, so den Brief bringe, verstehe sich aufs Beste darauf. Er bestimmte auch einen guten Lohn, und was der Pulvermacher verlange, um sein Werk zu fördern, das sollte ihm unverweigerlich ausgehändigt werden.
Inzwischen ward der Pulvermacher auf dem Wege gen München von einem Stegreifritter, namens Seifried Konz, überfallen, aller Habe beraubt, davongeführt und in einen festen Turm geworfen. Der Stegreifritter, Herr Seifried Konz aber nahm ihm sein Gewand ab, steckte des Herzogs Brief zu sich, ritt zu München ein und gab sich beim Rat für den Pulvermacher Danz aus – dem hatte er sein Geheimnis abgezwungen.
Weil nun der Rat des Herzogs Schrift erkannte, war er, wie billig, zu allem bereit, und da er vom Pulvermachen nichts verstand, weil bis jetzt meist mit gekauftem Pulver geschossen ward, setzte er höchstes Vertrauen in den Schelm Konz und bezeigte sich überaus dienstfertig.
Der kecke Gesell aber tat dem Rat desgleichen, war überaus freundlich und sagte: Er habe zwar nicht gar viel Zeit zu spenden, wolle sie aber doch so bedienen, dass sie ihn wieder gerne zu München hätten.
Darauf verlangte er tausend Gulden, davon er Salpeter, Quecksilber, Salmiak, Essig und Branntwein kaufen wolle, weil er dessen sämtlich bedürfe. Damit aber das Pulver die rechte Kraft erlange, bedang er einen halben Eimer welschen Weines dazu.
Wie er nun das alles hatte, war er weiters ganz wohlgemutet, ließ sich trefflich zum Willkomm traktieren – im Ammertalerhof schlief er auf Ratskosten, und am nächsten Tag hatte er eine große Zahl Krämer in den alten Zeugstadel an der Kühgasse bestellt, auf dass sie aller Dinge Muster vorlegten.
Als nun die daherkamen, feilschte er von dem und jenem ein Lot, schickte sie dann alle von dannen und schloss sich ein.
Des Abends fand er sich wieder im Ammertalerhof ein und schüttelte da den Kopf, als ob es hier zu Stadt nur schlechte Kaufware gäbe.
Also zog er auf Quecksilber, Salmiak und all Übriges los. Nur dem welschen Wein ließ er Gerechtigkeit widerfahren.
So hielt er’s volle sechs Tage. Am siebenten kam er nicht. Und da man am achten nachsah, war er keineswegs im Zeugstadel, vielmehr verschwunden – was lotweise er gefeilscht hatte, das war alles durcheinander gestreut – das Weinfässlein war rein ausgetrunken und umgestellt. Droben aber lag ein Zettel, und auf dem Zettel stand:
„Von all eurem Quark taugt nichts, dann das blanke Geld.
Der Wein war so übel nicht, hätt’ aber besser sein mögen.
Wär sein’s mehr gewesen, verblieb ich dann etwa ein Tag länger,
so aber bin ich von dannen. Lasst euch nun euer Pulver machen,
von wem ihr wollt. Ich hab mein Wort gehalten, alldieweil ich euch so wohl bedienet,
dass ihr mich sicher gern zu München hättet, auch an einen Pfosten zu hängen!
Damit fahrt wohl, und der Nächste macht’s euch nicht besser.
Solches sagt euch
Seifried Konz, Ritter.“
Da machten die Ratsherren große Augen und beschlossen, sich nicht mehr übers Eis führen zu lassen.
Als hierauf drei Tage später der rechte Pulvermacher, Herr Danz, einritt, dem der Schelm die Freiheit gegeben hatte, und sich auf das und jenes berief, dachten sie, es sei des anderen Helfer und Genosse und habe einen anderen Schlich im Kopf, legten ihn sofort ins Stüblein am Rathaus und verhörten ihn da aufs Schärfste.
Da war es das größte Glück, dass der Herzog Ernst nach München zurückkam und den Pulvermacher Danz für recht erkannte, so dass er frei und aufs Beste bedauert wurde. Denn er, der Unschuldige, war bei Brot und Wasser gesessen, der Schuldige, der Herr Konz hingegen, hatte bei guter Speise und welschem Wein geschlemmt.
Als es aber aufs Pulvermachen ankam, zeigte sich, dass Herr Danz auch nicht viel weniger brauche als sein Stellvertreter und zuletzt, dass er auch nichts zustande bringe.
Da waren die Herren schnell beschlossen und mit ihrem Bedauern rasch zu Ende. Und wäre der Herr Danz nicht übereins fort, so wäre er nochmals dahin eingesperrt worden, worin er sich bereits befunden hatte und wohin Herr Konz von Rechts wegen gehört hätte.
Hätt’ aber doch nichts gefrommt. – Man hatte eben zweimal bezahlt und zuletzt doch kein Pulver.
So tät’s der Stadt dazumal ergehen – mein’, heutzutag könnt’s doch nimmer geschehen.