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Sagen & Geschichten

Blatt 45

Blatt 45 ist die Kopie einer Votivtafel in der Pfarrkirche zu Egern am Tegernsee mit der Abbildung der Sendlinger Bauernschlacht vom Christtag 1705 und dessen Aufnahme in diesem Buche wohl durch die Bedeutung dieses Vorganges für die Landeshauptstadt und die Thatsache gerechtfertigt, dass die Gebeine der wackeren Kämpfer, welche in München starben, auf dem alten südlichen Kirchhofe beerdigt sind. Auf künstlerischen Werth kann die Arbeit des Dorfmalers natürlich keinen Anspruch machen. Der Kern der bayerischen Kämpfer bestand aus den sogenannten Landfahnen, gedienten Soldaten, die nun in Schützenvereine organisiert waren. Sie zogen in zwei Kolonnen gegen die Stadt, die eine durch die Au über die Isarbrücken und gegen den rothen Thurm nächst der heutigen Kürassierkaserne, den sie auch nahm, die andere von Sendling her. Aber die verabredete Hilfe der Stadt blieb infolge Verrathes des Pflegers Joh. Jos. Öttinger von Starnberg aus. Inzwischen brachte Oberst Kriechbaum von Anzing her den Oesterreichern Verstärkung, rückte über die unbesetzte Isarbrücke und brachte den Landsturm zwischen sich und den General von Wendt, der aus dem Isar- und Schifferthor ausfiel. So zog sich der Kampf die Isar hinauf gegen Sendling, wo die Bauern sich zum letzten Male festsetzten und niedergemacht wurden, nachdem sie von drei Seiten zugleich angegriffen worden. Was den riesenhaften Schmiedbalthes, Sebastian Maier von Kochel anlangt, der auf dem Sendlinger Kirchhof als der Letzte gefallen sein soll, so muss derselbe nach den neuesten Forschungen in’s Reich der Sage verwiesen werden. An 600 verwundete Bauern brachten die Oesterreicher vom Schlachtfelde in die Stadt und warfen sie — pro terrore, d. h. zum abschreckenden Beispiel, wie der damalige amtierende Bürgermeister von Bacchieri erzählt — in der Dezemberkälte in der Neuhausergasse auf das Pflaster, wo die meisten elend verbluteten, ohne dass derselbe gut kaiserlich gesinnte Herr etwas für sie that, wie denn fast der ganze bayerische Adel zu den Kaiserlichen stand. Herr v. Bacchieri konnte es vielmehr über sich bringen, an diesem Morgen beim heil. Geist „seine drei heiligen Messen“ zu hören und dann seine Frau Mutter zu besuchen, als ob gar nichts Besonderes vorgefallen wäre. Bald darauf wurden der bayerische Lieutenant von Lange, der Adjutant Abel, der Eisenhändler Senser, ein anderer Bürger Namens Ridler und der in Tölz geborene Weinwirth Johann Jäger in München auf dem heutigen Marienplatz enthauptet und letztere beide geviertheilt. Jäger und Ridler hatten den Aufstand organisiert und von Sensers Haus am Neuhauserthor sollten zwei Raketen das Zeichen zum Angriff geben.