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Sagen & Geschichten

Blatt 44

Blatt 44 „stellt die Häuser Nr. 191, 192 und 193 in der Sendlingergasse im Angerviertel vor.“

A. Das Haus Nr. 191 — nun 21 und Eigenthum des Bäckermeisters Herrn Egid Viernstein — gehörte im Jahre 1395 dem Stadthafner Joh. Grigg und 1696 dem Bürgermeister Max von Alberti.

B. Das Haus Nr. 192 hatte ehedem einen Garten, kommt urkundlich zuerst 1447 vor und war seit 1531 bis in unsere Zeit herab fast ununterbrochen im Besitz von Bäckern. „Das Haus hat einen Hof, Keller und Priveten [Toiletten], dann einen Stall auf 8 Pferde, welcher bestimmt ist, dass die Bauern daselbst an Schrannentagen Pferde einstellen können. Der Bauer verpflegt auf solchen Fall sein Pferd selbst, und bezahlt nichts als 1 kr. (3 Pf.) per Pferd, im Fall er selbes über Nacht stehen lässt. Der Nutzen des Bäckers besteht im Dung, und dass solche Bauern dann das Brod an solchen Plätzen kaufen.“ Im zweiten Stocke wohnte 1805 „der Antiquarius Philipp Falter, welcher churfürstl. Artillerist war, und damals anfing, mit einigen wenigen alten Büchern, die er unter dem Arme tragen konnte, zu handeln; darauf wurde er Antiquarius und trieb durch seinen Fleiß seinen Büchervorrath auf 22.000 Stücke, worunter sich eine complette Sammlung von mehreren 1.000 Bänden Boica [Bavarica/Bayerische Geschichte] befindet.“

Jetzt ist das Haus mit Nummer 22 bezeichnet und Eigenthum des Bäckermeisters Herrn Simon Kagerbauer.

C. Das Haus Nr. 193 — nun 23 und Eigenthum des Hutmachers Herrn Georg Haßler — kommt 1397 zum erstenmale urkundlich vor und war von 1596 bis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts im Besitz von Webern. „Vor dem Hause steht ein Gemeindsbrunnen, von welchem der Hausbesitzer Brunnenführer ist. — Zu diesem Brunnen tragen 13 Häuser bei, von denen jedes, wenn ein neuer Hausbesitzer ansteht, zum Brunnen 1 fl. (1 fl. 30 kr.) bezahlt. Alle 6 oder 7 Jahre, wenn der Brunnen eine Reparation bedarf, tragen die interessierten Häuser bei, und da kann der Beitrag eines Hauses 12 kr. (36 Pf.) betragen.“

D. „Die untere Hälfte dieses Kupferstiches zeigt einen Münchener Bäckerladen, worauf die bereits bekannten verschiedenen Arten Brods verkauft werden. — Diese Bäckerladen von Außen haben den Vorzug, dass man sich das Brod daselbst aussuchen kann.“ Es gab im Jahre 1782 bayerische und Mannheimer Bretzen, Eierweckel, Pfistersemmeln, Pfisterlaibel, ganze und halbe Kreuzersemmeln, Spitzweckel, Zweipfenniglaibel, Gaunken (zu 1 Pf.), Hallerrockel, Groschenwecken, Batzenlaibel, Siebener- und Fünfzehnerlaibe.