Blatt 46
Blatt 46. „Gegenwärtiger Kupferstich stellt den Kirchner-Wirthsgarten auf dem Rampart [Wall] zwischen der Kostthor-Kaserne und den kurfürstlichen Hofställen vor.
A. Dieses nach der alten Beschreibung zwischen der Schanze am Hirschbichl liegende Haus nebst Garten war ursprünglich die Remise der schönen Hofwägen, diente hierauf für die Hofwäsche und kam im Jahre 1650 an den kurfürstlichen Hofbaumeister Heinrich Schön, 1684 an Georg Riedl, Hofgärtner allhier, und Christ. Oeffner (Effner), Hofgärtner in Dachau, endlich 1781 an Baptista Holzer, Handelsmann und die Compagnie der Tabakfabrik. — Dieser bewirkte, dass 1786 eine Real-Bierschenks-Gerechtigkeit auf das Haus verliehen wurde. — In dem Hause ist ein sehr geräumiger Tanzsaal mit 16 Tischen und ein Salettl mit 8 Tischen, wozu man durch eine helle geräumige Stiege kommt. Diese Säle sind mit Spiegeln und Leuchtern geziert. — Sonn- und Feiertags wird von morgens 6—8 Uhr und nach dem Gottesdienste von 10 Uhr bis mittags von dem Schuhmachergesellen Math. Gerstenegger daselbst Tanzschule gehalten, welche von Bäcken [Bäckern], Müllnern, Bräu- und Hausknechten, dann Dienstmägden und Näherinnen besucht wird, und woselbst die Person, die Menuet und Deutsch ausgelernt hat, 2 fl. (3 fl. 36 kr.) bezahlt.
Der Garten ist mit Kastanien- und Fichtenbäumen bewachsen, mit 34 Tischen versehen, nachts mit gläsernen Laternen beleuchtet, wegen dem vorbeifließenden Bache sehr kühl und sehr reinlich und geräumig. — Zugleich befindet sich eine gedeckte, mit illuminirten Bataillen-Kupferstücken [Schlachtengemälden] gezierte Kegelbahn, welche sich von der Langauskegelbahn mit dem Ausdruck Pudel unterscheidet, in diesem Garten.“
Die untere Hälfte des Kupfers zeigt eine auf dieser Kegelbahn beschäftigte Spielgesellschaft.