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Sagen & Geschichten

Blatt 36


„stellt das Kapuzinerkloster vor, wie es gleich hinter dem Palais Max auf dem Graben gestanden ist, nach einer älteren Zeichnung des Herrn Dillis von Ferdinand Schießl frei bearbeitet und mit einer Zeichnung der vormals bei den Kapuzinern gehaltenen Suppen-Spende versehen.“ Maximilian I. hatte im Jahre 1600 die Kapuziner nach München berufen, wo sie bis zum 27. März 1802 verblieben, an welchem Tage ihr Kloster aufgehoben wurde. Es lag innerhalb der Courtine und Bastion gegen das heutige englische Café hin. Der Klostergarten war wegen seiner schönen Blumen bekannt. In der sogenannten unteren Gruft befand sich eine Familie Christi von Peter Candid. Die Mönche dieses Klosters versahen von 1626 bis zur Aufhebung ihres Klosters im Jahre 1802 die Kanzel von St. Peter und stellten im Schwedenkriege vier Geißeln. Nach Abbruch des Klosters wurde dort die viel besuchte Promenade über den inneren Kapuzinergraben angelegt.

„Die untere Hälfte des Kupferstiches stellt die Pforte des Klosters in dem Augenblicke vor, wo täglich um 12 Uhr die Suppe an die armen Leute in dieser Pforte vertheilt wurde. — Die Väter des Ordens hatten wirklich die wohlthätige Absicht, mit dem, was von ihrem Tische übrig geblieben war, bedürftigen Menschen zur Nahrung einen Beitrag zu machen; allein sie konnten nicht hindern, dass sich unter diese Bedürftigen nicht viel fremdes müßiges Gesindel mischte, welches in der Hoffnung, sich auf diese Art etwas für den Magen zu verschaffen, sich auf Nichtsthun legte, und nicht selten nicht so fast der Suppe wegen, sondern in der Absicht hinging, aus der Suppe ein paar andere Brocken herauszufangen. — Man sieht hier ein Landfahrerweib mit ihren Kindern. Den Buben plagt das Ungeziefer; er und die Schwester sind in Kleider gesteckt, die vielleicht schon aus der zehnten Hand weggeschenkt worden sind. — Ein armer verhungerter Schreiber, dem es jetzt gewiss leid thut, dass er kein Handwerk gelernet hat, wartet auf einen warmen Löffel voll Suppe. — Neben seiner zur Linken theilt sich eine Gruppe in Fischgräten und Knochen, die sie herausgeholt haben. — Auf der anderen Seite sitzt ein blinder Mann, den ein Bube zu bestehlen scheint. — Ein Handwerksbursche sieht seine Kundschaft nach, und ein vazierender Jäger, dem ein Wildschütze ein Bein abgeschossen hat, hört ihm zu.“

Als Ersatz für diese Klostersuppe wurde die Rumford’sche Suppenanstalt eingeführt.