Blatt 33
Blatt 33. „Gegenwärtiger Kupferstich stellt die Häuser Nr. 76 und 77 im Hackenviertel in der Kaufingergasse vor. A. das Baron v. Ruffinische Haus Nr. 76 ist mit gelb übermalter Stukadorarbeit und einem Bruststücke der heiligen Maria an der Façade geziert. Es gehörte im J. 1565 dem Bürger Hanns Riedler, und kam von diesem 1600 an Herrn Hans Hörl zu Forchach und Kempfenhausen, Bürgermeister und Landschafts-Verordneten in München. Das Haus blieb bei ihm und seiner Familie bis 1708, wo es durch Vermächtnis an das Kloster der B. P. Augustiner allhier gelangte. Diese verkauften es 1708 an den Bürger und Sattler Franz Nesel. — 1716 kam es an Frau Margaretha Leopoldina, verwitwete Gräfin zu Rheinstein und Tattenbach, geb. Gräfin von Colonna, Frau zu Mallerstorf, — 1731 an Frau Maria Josepha vermählt mit Franz Grafen von Lamberg auf Amerang, — 1752 an Herrn Max Franz des H. R. R. Grafen zu Rheinstein und Tattenbach, Frei- und Panierherrn zu Gaumowitz, Herrn zu St. Martin und Eberschwang, Graf Kurzischen Majorats-Innhaber, kaiserl. auch churfürstl. geheimen Rath, Obersthofmarschall, Konferenzminister und Oberstkämmerer, wie auch des königl. polnischen weißen Adlerordens Ritter, — 1792 an den gegenwärtigen (1805) Besitzer Herrn Franz Xaveri Baron von Ruffini auf Tiefenbach, Weihern, Planeck, und St. Valentin in Tyrol, churfürstl. Kämmerer und Hofrath.
Das Haus hat eine Kapelle, Laterne, 2 Höfe, einen Rohrbrunnen, Gewölber, Remisen, Keller, Waschhaus, Holzlege, Stallung und Retiraden, und geht bis in die Fürstenfeldergasse durch. Die Höfe sind gelb und gelb hübsch ausgemalt und mit den Bildern des heil. Josephs, Franziskus Xaverius und Florians geziert."
Dieses Haus erfuhr im Laufe der Zeit sehr weitgehende Veränderungen. Nachdem es Jahre hindurch eine Niederlage der k. Porzellan-Manufaktur Nymphenburg und in den oberen Stockwerken die neuentstandene k. Glasmalanstalt in sich geschlossen, ging es in unseren Tagen in Privathände über und ist jetzt mit der Hausnummer 9 bezeichnet und Eigenthum des Privatiers Herrn Elias Schüssel, der die nach ihm genannte Passage herstellen ließ.
B. „Das Kaufmann Oberhueberische Haus Nr. 77 ist weiß, mit Stukatorarbeit geziert und gehörte im Jahre 1531 an Georg Lung zu Planeck, — von diesem kam es 1549 an den Weinschenk Zacharias Metzger", — dann 1629 an den kurfürstlichen Rath und Rechnungskommissär Seb. Konrad Weiß, — 1658 an den Grafen Ferdinand zu Törring-Seefeld, — 1666 an Hieronym. Sterz von Stötzling, kurfürstlichen geheimen Rath und Hofkanzler, — 1699 an Gall. Seb. Freiherrn von Deuring von und zu Hohenthann, kurfürstlichen geheimen Rath und Landrichter zu Friedberg; im selben Jahre noch an Michael Jung von Goldstein, kurfürstlichen kölnischen Rath, Major der kurfürstlichen Residenzstadt Bonn und Baudirektor, — 1715 an den kurfürstlichen Hofkammerrath und Wechselherrn Baptista Ruffini, — 1752 an Frz. Ant. Oberhueber, des Raths und Handelsmann. Jetzt ist das Haus mit Nummer 11 bezeichnet und Eigenthum des Schreibmaterialienhändlers Herrn Max Jos. Huber.
C. Die untere Hälfte des Kupferstiches stellt das Äußere des Oberhueberischen Handlungsgewölbes vor. Diese Handlung, welche bereits seit 100 Jahren existirt, besteht aus Woll-, Baumwoll-, Seiden- und reichen Waaren, dann Violinsaiten von eigener Fabrique."