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Sagen & Geschichten

Blatt 29

Blatt 29. Der gegenwärtige Kupferstich stellt das Haus im Angerviertel, Rosenthal Nr. 120, jetzt Nr. 1 und Eigenthum der Kaufmannswittwe Frau Pauline Gist, vor. Es gehörte 1558 dem Patrizier Georg Ligsalz, kam 1580 an den Herzog Ferdinand, 1611 an den Herzog Maximilian I., 1621 an die Füll von Windach auf Eresing, Grainerzhofen und Piflitz, darauf an Johann Paul Langenmantel auf Purlach, nachmals an Franz Josef Nothhaft Freiherrn von Weißenstein auf Anterkofenkofen, Oberpöring, Alt- und Neubeuern, Rohr und Nußdorf, 1690 an den Kurfürsten Max Emanuel, der darin eine Hauptelisée-Fabrik [Tapetenmanufaktur] errichtete, hierauf 1799 an den Landesdirektionsrath Jos. Ludw. Wolf, kurfürstlichen Landesdirektionsrath, hierauf an den Handelsmann Vit. Fleckinger und 1801 an den Handelsmann Franz Xav. Ruedorfer. „Zu ebener Erde sind die schönsten Gewölber, welche München aufzuweisen hat und welche an die von einer Sozietät betrieben werdende Kattunfabrik allhier zum Verkaufe vermiethet sind.“

Die Geschichte der Münchener Gobelinfabrikation darf hier nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Herzog Maximilian I. ließ 1604 zunächst für seine neue Residenz eine eigene Fabrik zum Weben von für die Wände bestimmten Tapeten errichten und hatte hiefür aus den Niederlanden die Werkmeister Delibet, Kannenthal und Dietrich Wouters berufen. Im Jahre 1604 kam Hans van der Biest als Tapezierermeister. Der Hofmaler Peter Candid machte die Cartons. Die erste große Arbeit waren Darstellungen aus der Geschichte Ottos des Großen von Wittelsbach, und zwar in zwei verschiedenen Ausführungen: in Seide und in Gold. Im Jahre 1608 beschäftigte die Fabrik schon 19 Gesellen und 4 Lehrjungen, und später stieg die Zahl der Arbeiter auf 37. Im Jahre 1611 wurde Hans van der Bosch aus den Niederlanden nach München berufen, fünf Jahre später indeß die Fabrik geschlossen, da alle Teppiche vollendet waren. Mit Max Emanuel begann 1718 die zweite Periode der Fabrik. Nun entwarf der Hofmaler Balthasar Albrecht aus Berg am Starnbergersee (1687—1765) die Cartons gleichfalls aus der bayerischen Geschichte und französische Arbeiter führten sie aus. Maximilian III. berief 1760 Jakob Santigny und 1769 Chedeville und beauftragte die Maler Wink und Winter mit dem Zeichnen der Cartons, während Max Joseph IV. 1799 die Fabrik auflöste.