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„Gegenwärtiger Kupferstich stellt die Häuser im Kreuzviertel an der Promenade-, vormals Kreuzgasse genannt, Nr. 193, 194 und 195 vor. — Auf dem Platze vor diesen Häusern standen ehehin die Salzstädel, welche im Jahre 1778 abgebrochen und vor das Karlsthor hinaus verlegt worden sind. Der Platz wurde hierauf zum Paradeplatz hergerichtet, angeebnet, mit Barrieren eingefangen, mit hölzernen Kanapees und mit schönen Laternen besetzt und — da der Max-Joseph-Platz neben der Residenz bis auf weiteres zum Paradeplatz bestimmt worden war, so wurde dieser vormalige Paradeplatz mit Lindenbäumen besetzt und zur Promenade umgeschaffen.“ —
Das Haus Nr. 193 (Haus Nr. 9 und 10) war seit dem XVII. Jahrhundert wiederholt im Besitze von Bäckern, 1650—51 aber in dem des kurfürstlichen Oberküchenmeisters Guido, Reichsgrafen von Tauffkirchen, der 1736 bereits Einfahrt und Garten hinter dem Hause erworben hatte. Letztere waren 1690 an J. Max, Reichsgrafen von Tauffkirchen, Vicedom zu Burghausen und Landschaftsverordneten des Rentamts Landshut gekommen. Im zweiten Stocke wohnte 1805 die geschickte Miniatur-Malerin Eugenie Schoepfer. Jetzt ist das Gesammtanwesen Eigenthum des Branntweinbrenners Herrn Jakob Pinker. Der Pumpbrunnen mit einer Büste vor dem Haus ist längst verschwunden.
Haus Nr. 194 war unter Anderen von 1774—1792 Eigenthum der Frau Maria Theresia, Gemahlin des oben genannten Grafen Guido von Tauffkirchen und dann des Grafen Jos. von Tauffkirchen. Im ersten Stockwerke wohnte 1805 der Graf Rambaldi, Oberstlieutenant bei der kurfürstl. Trabanten-Leibgarde, und im dritten der kurfürstl. Oberst-Wachtmeister beim Generalstab, Graf Pocci. Dermal ist Eigenthümer der Spänglermeister Herr A. Hergl, das Haus aber mit Nummer 11 bezeichnet.
Das Haus Nr. 195 — nun Nr. 12 und Eigenthum des Kaufmanns Hrn. Aug. Ostermaier — gehörte im XVII. Jahrhundert dem fürstl. Kammerrath Karl Keckh von und zu Maierstetten, dann den Gießhaimb, hierauf (1690—1725) dem Freiherrn Franz Ignaz von Alt- und Neufraunhofen, kam 1725 an den Baron Max von Perfall auf Greifenberg, Pfleger von Bechlarn in Oberösterreich, 1764 an Emanuel Baron von Perfall und dann an Max Baron von Perfall, kurfürstl. Regierungsrath in Straubing, endlich 1796 an den Reichsgrafen Fried. von Vieregg, Generalmajor etc. etc.

„Die untere Hälfte des Kupferstiches stellt einen Backofen vor, in welchen eben Brod geschossen wird.“