Blatt 22

„Gegenwärtiger Kupferstich stellt die Ansicht des Rathhauses allhier vor, wie sich selbes zeigt, wenn man (im Thal) an der rothen Rinne steht, die das Stadtgerichtsgebäude (Haus Nr. 1) von dem Kaufmannshause (Haus Nr. 2) daneben trennt.
A. Was von dem Stirnaufriß auf dem vorigen Blatte gesagt worden, gilt auch von dieser Seite; — doch ist
a. der Thurm hier mit dem Brustbilde des Lycurgus und der Jahreszahl MDCCLXXVIII geziert.
b. Der Rathhaussaal hat oben an der Spitze die Inschrift: Renovirt MDCCLXXIX, dabei das Stadtwappen. — In Lebensgröße ist hier gemalt Ludovicus severus comes pal. Rheni sup. Dux. Bav. etc. (Ludwig der Strenge, Pfalzgraf bei Rhein und der oberen Pfalz, Herzog von Baiern etc.) Zwischen den 3 Fenstern und Säulen sind Medaillons angebracht, nämlich Caius Julius Caesar — Publius Cornelius Scipio — Marcus Antonius und Marcus Tullius Cicero. Von dieser Stelle geht ein Gang von Holz aus dem Rathhaussaale in das Stadtgerichtsgebäude hinüber.
c. Wo jetzt die schöne breite steinerne Stiege steht, verbarg ehehin das Kochbänkel das hintere Thor des Brodhauses, welches einen garstigen und schmutzigen Winkel bildete. — Oberhalb dieser Stiege ist jetzt die offizielle Anschlagstafel des Stadtgerichtes und Magistrates festgemacht.
e. Zwischen der Stiege und den Buden ist eine große Oeffnung um das Ab- und Regenwasser in den Pfisterbach zu führen, das vom schönen Thurme, von der Weinstraße, vom Landschafts- und Filserbräugäßl angefangen, bis zur Hauptwache — sofort den ganzen Platz Mariä am Fischbrunnen vorbeiläuft, dort alles Wasser von der Dienerstraße zu sich nimmt, den Kräutlmarkt gegen den Raththurm hinabläuft, dort alles Wasser von der Burggasse auffängt und sich endlich an dieser Stelle in den Pfisterbach ergießt.
B. Neben dem Bogen des Raththurmes links befindet sich die Kammer, worin sich beständig die Truhenlader und Spanner aufhalten, welche zum Dienst der Stadtwaage bestimmt sind. Das Geschäft des Spanners ist, die Güter an den Wägen mit Stricken und Ketten beim Ausladen zu befestigen, und beim Abladen aufzulösen. — Das Geschäft des Truhenladers aber besteht in dem Auf- und Abladen selbst.
C. Der Eintritt der Stadtwaage ist oben mit einer Malerei, die Sinnbilder der Waage vorstellend, geziert.
D. Unmittelbar über der Waage befindet sich das Rathszimmer des bürgerlichen Magistrats (nun Saal des Standesamtes).
E. An diesen Theil des Rathhausgebäudes stößt die bürgerliche untere Metzge an. Selbe ist oberhalb des Eintrittes in die Bank mit einem Freskobilde von Lor. Hübner von 1733 geziert. Die Mauerwand, worauf dieses gemalt ist, deckt den Dachstuhl des ganzen Metzggebäudes und einen Gang, welcher vom Rathhaus zum Heil. Geist hinüberführt.“