Zum Inhalt springen
Menü

Sagen & Geschichten

Blatt 21

„Gegenwärtiger Kupferstich stellt die Ansicht des Rathhauses und Raththurmes vor, wie sich selbe gegen den Schrannenplatz zu präsentiren.

A. Dieser Raththurm war ehehin ein Stadtthor, das untere oder Thalbruckthor genannt. Er besteht aus 3 über dem Bogen stehenden Etagen, über welchen sich noch eine mit Blech gedeckte Kuppel befindet.

a. Dieser Thurm ist in Verbindung auf der einen Seite mit dem großen Rathhaussaale und auf der anderen Seite mit den übrigen Rathhausgebäuden. Er ist am Sonntag vor Egydi (1460) vom Wetterstrahle getroffen worden und abgebrannt.

d. In diesem Hause befinden sich 4 Keuchen [Gefängniszellen] und 2 Zimmer um Arrestanten von verschiedenen Verhältnissen darin zu verwahren. Unmittelbar über dem Bogen ist das Criminal-Verhör-Zimmer des Münchener Stadtgerichts, welches zur Recognoscirung bei Criminalvorfallenheiten mit einer besonders bequemen Vorrichtung versehen ist — worum das Armeninstitut jeden Dienstag das Almosen austheilt — und woselbst bey den Lottoziehungen die Trompeten und Pauken gerührt werden.

c. Diejenige Parthie dieser Rathhausgebäude, welche von der Petersseite gegen die Burggasse hineinsieht, enthält unten die Wohnung des magistratischen Rathdieners, dann oben die Zimmer des Stadtsteueramts und des Stadtkammeramts.

d. Der Raththurm selbst ist gelb in gelb mit Festons übermalt, in der Mitte befindet sich das Bild Solons, und unten eine Glocke, welche sonst eine Stunde zuvor, ehe die Magistrats-Rathssitzung anfing, geläutet wurde.

e. Der hier vorgestellte Stirnaufriß des großen Rathhaussaales ist

a. oben an der Spitze mit einem römischen Kopfe von Stein geziert und unter diesem befindet sich die Jahreszahl MDCXXV. — Die 3 großen Fenster sind mit Trophäen, dann mit den gemalten Bruststücken der Römer Olybrius, Probinus, M. Theodorus, und Honorius Augustus geziert.

b. Oben steht zwischen Trophäen, und zwischen 2 Figuren, welche Fasces tragen, in Lebensgröße gemalt Otto M. Bojorum Dux, erster Herzog aus dem wittelsbachischen Hause.

c. Zwischen dem großen Rathhausthore und dem Bogen unter dem Raththurme befindet sich oben zwischen 2 Fenstern das Bild der Zeit, dann sind unten Verkaufsgewölbe. — Unter dem Bogen des Raththurms ist ein Platz, um Komödienzettel und andere Annoncen anzuheften.

d. Das große Thor führt auf die breite Treppe, die auf den Rathhaussaal hinauf geht, und neben dieser befindet sich das Brodhaus, welches gegenwärtig auch von hinten gegen das Thal zu geöffnet ist, so dass man zu Fuß nicht mehr den Raththurm passiren darf; welcher Weg wegen der häufig dort durchgehenden schweren Güterwägen für die Fußgeher sonst um so beschwerlicher war, weil theils der Bogen selbst, theils der Platz außerhalb desselben an der Stadtwage und gegenüber sonst mit den Ständchen sämmtlich bürgerl. Seifensieder, dann der Zwiebel-, Schwammen-, Tobackpfeifen-, lederne Beutel-, Zwetschgen-, Haarhändler- und Bändlmacher besetzt war, welch sämmtliche Ständchen und Tische gegenwärtig in dem Brodhause untergebracht worden sind.

e. Auf dieses Brodhaus ist ein eigener Bäck zum Verkauf verpflichtet, wöchentlich haben jedesmal 2 Bäcken nach der Reihe die Obliegenheit auf sich, Brod zum Verkauf hieher zu bringen. — Wenn einem Bäcken das Brod durch irgend einen vorgegangenen Fehler mißlingt, so kann er es hier unter dem Satz verkaufen lassen etc.

f. Neben dem Brodhause ist das Bänkel der bürgerl. Köche, woselbst jeder bürgerl. Koch, wie ihn die Reihe trifft, 8 Tage lang rohes und geselchtes Schweinfleisch und anderes verkaufen kann.

g. Nunmehro kömmt man zur Thüre des Stadtgerichts-Gefängnisses, welches eine sogen. Burgerstube für leichtere Vergehungen, und 4 Keuchen [Gefängniszellen] hat.

h. Am Ecke der großen Rathhausstiege verkaufen Besen-Weiber. Weiters sitzen von da bis gegen die Burggasse zu die Weiber der eingebürgerten Gärtnersgesellen mit ihren Gemüse-Waaren.

Die dermalen äußere Verzierung hat das Rathhaus im Jahre 1778 unter dem Stadt-Oberrichter von Bergmann erhalten, als Kurfürst Karl Theodor höchstsel. Gedächtnis seinen feierlichen Einzug in München hielt. — Die Malerei ist von dem Maler Augustin Demmel.