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Sagen & Geschichten

Blatt 20

Ridler-Kloster

„Das gegenwärtige Blatt stellt das Kloster auf der Stiege vor, im Jahre 1395 unter Ludwig dem Strengen von dem Münchener Bürger und Stadtpatricius Heinrich Riedler gestiftet. Die ursprüngliche edle Bestimmung dieser Schwestern war, den kranken Frauenzimmern, besonders in den Herzogl. Burgen auszuwarten, bis selbe die Regel des heil. Franziskus annahmen, sich vom Krankendienste zurückzogen und dem betrachtenden Leben widmeten. — Bereits unter Kurfürst Karl Theodor im Jahre 1782 wurde das Kloster aufgehoben, und 38 Nonnen an der Zahl wurden in ein unfern der Elisabethinerinnen gelegenes schönes neu erbautes Haus verlegt, wo sie bis zum Jahre 1803 verblieben sind, und die bis dahin noch am Leben Verbliebenen eine Wohnung im Gejaidamtshause in der Sendlingergasse bezogen, und sich in weltliche Kleider gekleidet haben. — Die Ruinen dieses Klosters standen für die Vorübergehenden fast lebensgefährlich bis zum Jahre 1803, wo selbe mit dem aufgehobenen Franziskaner-Kloster abgebrochen worden sind.“

Das erste Haus der Riedler-Schwestern hatte sich in der äußeren Schwabingergasse außerhalb der alten Stadtumwallung befunden; 1395 aber erkaufte ein anderer Riedler, Namens Gabriel, ein in der inneren Schwabingergasse gelegenes, den Pienzenauern gehöriges Haus, ließ es gehörig zurecht richten und übergab es den Schwestern als Eigenthum und 1409 war auch die von ihm erbaute Kirche fertig und eingeweiht.

Riedler-Nonnen

Die Riedler-Nonnen — solche waren sie nämlich seit 1621 — besaßen „ein kleines Crucifix-Bild, dem die Haare wuchsen“, „etwas Blutiges in einem Schleierle“ und ein „ganz außerordentlich heiliges Hauptstücklein“, wie bei Joh. Leop. v. Eckhart auf Oberbachern, Capitularherrn zu München und kurfürstl. geistl. Rath in seiner „Lob-, Dank- und Ehrenreichen Gedächtnis von dem Geist- und löblichen Jungfern-Kloster des III. Ordens des hl. Franzisci bei den zweien h. Johannes den Täufer und dem Evangelisten auf der Stiegen (deren Ridler benamset) den 6. Mai im J. 1693“ zu lesen.