Blatt 5

Blatt 5 zeigt in seiner oberen Hälfte die vor wenigen Jahren abgebrochene Hochbruck-, ursprünglich Horbruckmühle und das gleichfalls abgebrochene Bäckerknecht-Bruderschaftshaus im Thal. Der Wunsch, in nächster Nähe der Stadt eine Mühle zu haben, gab wohl Veranlassung dazu, einen Theil der Isar quer durch das sogenannte Thal zu leiten. Diese Mühle reicht bis in’s XIII. Jahrhundert zurück. Möglich dass bei dem großen Brande von 1327 das thurmartige Gebäude neben derselben von den Flammen verschont blieb. Es war das Haus, das Kaiser Ludwig den Bäckerknechten Münchens zur Belohnung für ihre Tapferkeit in der Schlacht bei Ampfing 1322 zum Geschenk machte, wobei er gleichzeitig ihre Bruderschaft bestätigte. In demselben wurde der jeweilig älteste Bäckerknecht der Stadt versorgt.
Von der Hochbruckmühle schreibt Baumgartner: „Das Haus ist roth herabgemalt, mit dem Bilde des hl. Johannes von Nepomuk im Kerker und unten mit der Vorstellung des Auges Gottes geziert und hat einen Hof, der bis auf den Gern durchgeht, woselbst er eine Einfahrt hat. Weiters befindet sich vor diesem Hause eine Laterne und ist selbes mit einem Schöpfbrunnen, Keller, Stallung, Ausguß und Retiraden versehen. In der kleinen hölzernen Hütte unmittelbar vor dem Hause befinden sich Mühlsteine und andere Mühlrequisiten. — Die Mühle hat 5 Gänge, wovon einer auf das Hinterwasser geht.“
Vom Bäckerknecht-Bruderschaftshaus schreibt Baumgartner: „Das Haus ist geziert mit der Vorstellung des Kaisers Ludwig, wie er den Bäckerknechten ihre Privilegien ertheilt, so wie mit den Bildern Mariä und Josephs, dann der Apostel Petrus und Paulus, Johannis Evangelistä, Jakobi des Aeltern und des heil. Augustinus und Benno.“ — Der Zweck der Bruderschaft war, die Verstorbenen aus ihren Mitgliedern zu Grab zu tragen, für sie gewisse Aemter und Messen lesen zu lassen und den Kranken aus ihren Mitteln durch verschiedene Beiträge in das Stadtbruderhaus und zu den barmherzigen Brüdern beizustehen. An die Schlacht bei Ampfing und die Verdienste der Münchener Bäckerknechte in selber um Kaiser Ludwig erinnerten folgende an der Vorderseite des Hauses angebrachten Reime:
Kaiser Ludwig der theure Held,
Ein Fürst in Bayrn auserwählt,
that der Becken-Knechtbruderschaft
Bestetn mit Briefen großer Kraft
von wegen ihrer ritterlichen That,
weil sie kaiserliche Majestät
In einer Schlacht errettet haben,
Thät sie auch mit dem Haus begaben,
Und setzet ihnen in ihr panier
Den Adler schön mit großer Zier.
Man thet in alten Briefen lesen
Der Becken-Knecht seynd fünff gewesen
o diese Bruderschaft haben aufgericht.
Geb Gott allen Bruedern und Schwestern Glück.
Geschehen nach der Geburth Christi 1322.
Andere Reime zu beiden Seiten des Hauses erzählten Genaueres. Zur Rechten hieß es:
Als man ein tausend drey hundert Jahr
und zwey und zwanzig zählen war,
Nach der Geburt Christi hinforth
hat sich begeben an den Orth.
weil die statt noch war schmal und klein,
stund an der Stätt ein Linden fein.
Gar oft die Becken-Knecht besonder
hielten ihr Versammlung darunder.
Brachten ihren Rathschlag zur Kauff,
Ein Bruderschaft zu richten auf,
In der Ehr unser lieben Frauen,
Theten die Sach fleißig anschauen,
Legten die Ding dem Kaiser für
und als er verstund ihr Begür
verwilligt er ihnen herzlich gehen,
Thet sie auch noch dazu hoch verehren,
Als der so ihn vergünstigt war
Dieweil sie ihn aus der Gfahr
Erst in der Schlacht errettet haben,
thet sie dazu noch mehr begaben,
Ließ ihnen bauen das Häuslein klein,
gab ihnen Brief und Siegel drein,
vergunnt ihnen auch darneben ehrlich
zuführen des Reichs Adler herrlich
den sonst kein Handwerk führen darf,
ob es gleich künstlich und scharf,
so thet die Bruderschaft bauen
zum Lob Gottes und unser Frauen
und sich hernach erstrecken thet
bis auf drey hundert Markt und Statt.
Zur Linken:
Als man zählt ein tausend drey hundert
und drey und zwanzig auch besondert
Nach Christi Geburt auserwählt
thet regieren der theure Held
Kaiser Ludwig ganz offenbar,
Ein frommer Fürst von Bayrn war,
wider ihn zog gewaltiglich
Herzog Friederich von Oesterreich
Mit einer großen Heeres Macht.
Bei Mühldorf da geschah die Schlacht
Unglück thet ob dem Kaiser schweben,
Der Feind hett ihn gar hart umgeben
Da solches die Becken-Knecht ersachen,
Theten sie sich dem Kaiser nachen
trieben mit ihrer Gegenwehr
Zurück das österreichisch Heer
und erretteten den Kaiser bald,
gewunnen die Schlacht mit großer Gewalt.
Darauf der Kaiser ihnen mit Zier
Den Adler setzet in ihr panier
Bestett ihnen auch mit großer Kraft
Unser lieben Frauen Bruderschaft.
bauet ihnen zu Münch und auch zu mahl
ein Haus, welches liegt in dem Thal,
Fangt an der Hochbruckmühl darneben.
Gott geb dem Kaiser das ewig Leben
wünschen all Brueder und Schwester eben.
Ursprünglich war an der Fassade ein Fresko gewesen, das die Schlacht bei Ampfing darstellte, dessen Spuren aber schon im vorigen Jahrhundert verschwunden waren. In der Stube des obersten Stockwerks versammelten sich die Bäckerknechte jeden Sonntag zur „Lade“, wobei ein schönes Marienbild, anscheinend aus demselben Steine wie das berühmte Ettaler, auf den Tisch gestellt ward. Von der Decke hing der große zinnerne Willkomm (Krug) der Zunft mit dem Reichsadler und den Beckenzeichen: Semmel, Bretze und Spitzwecken.
