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Sagen & Geschichten

Wagners Abschied

Wie die Dinge lagen, musste der König schließlich Wagner ziehen lassen. Seine Stimmung vertraute König Ludwig am 8. Dezember 1865 diesem Brief an Richard Wagner an:

Mein teurer, inniggeliebter Freund!

Worte können den Schmerz nicht schildern, der mir das Innere zerwühlt. — Was nur irgend möglich, soll geschehen, um jene elenden, neuesten Zeitungsberichte zu widerlegen. Dass es bis dahin kommen musste! Unsere Ideale sollen treu gepflegt werden; dies brauche ich Ihnen kaum erst zu versichern. Schreiben wir uns oft und viel, ich bitte darum. Wir kennen uns ja; wir wollen von der Freundschaft nie lassen, die uns verbindet. Um Ihrer Ruhe willen musste ich so handeln.

Verkennen Sie mich nicht, selbst nicht auf einen Augenblick, es wäre Höllenqual für mich. — Heil dem geliebtesten Freunde! Gedeihen seinen Schöpfungen! Herzlichen Gruß aus ganzer Seele von Ihrem treuen Ludwig.

Richard Wagner (1813—1883) musste weichen. Neuere Forschungen ergaben, dass daran weniger die Münchner Bürger und die Hofgesellschaft als die Kreise um Richard Wagner selbst durch fortwährende Taktlosigkeiten schuld trugen. Wagner übersiedelte im Dezember 1865 nach Tribschen bei Luzern und vollendete dort „Die Meistersinger von Nürnberg". Sie wurden am 21. Juni 1868 in München uraufgeführt, dabei saß Wagner in der Königsloge an der Seite Ludwigs: Horaz neben Augustus, wie man im Wagnerlager sagte. Auch die vier „Abende" des „Rings des Nibelungen" erlebten in München ihre Uraufführung. Schließlich erkaltete das Freundschaftsverhältnis zwischen König und Komponist, und Bayreuth wirkte fast wie eine Verbannung.