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Sagen & Geschichten

Maximilianstraße und Nationalmuseum

Im Gegensatz zu seinem königlichen Vater Ludwig I. war König Maximilian II. den Wissenschaften mehr zugetan als der bildenden Kunst. Gleichwohl beschäftigte er sich angelegentlich mit städtebaulichen Problemen. Sein Werk ist die Erbauung des nach ihm Maximilianstraße genannten, auf Grund eines Preisausschreibens vom Jahre 1857 in einheitlichem Geiste gestalteten Straßenzuges, der vom Max-Ioseph-Platz, wo früher das Franziskanerkloster mit seinem berühmten Braustübl sozusagen das Stadtende bildete, hinausleitet zur Isar, auf deren jenseitiger Löhe das Maximilianeum den etwas pathetischen, aber gleichwohl großartigen Abschluß bildet.

Aber der städtebaulichen Tätigkeit des jungen Königs, der sich dabei vornehmlich der Architekten Friedrich Bürklein (1813—1872), Kreuter und E. Riedel und der Gartenbaukünstler Effner und Lenee bediente, schwebt der wissenschaftliche Geist einer übertriebenen Gründlichkeit; so mußte Lofsekretär von Pfistermeister den Oberbaurat Bürklein auf den vom König gelesenen Essay des Bacon de Berulam aufmerksam machen und auf das darin befindliche Kapitel über Baukunst Hinweisen; einen Palast, wie er dort beschrieben wird, solle ihm Bürklein entwerfen.

Bürkleins Stadterweiterungsvorschlag von 1851 gipfelt in der Ausführung:

„Die größte Zierde jeder Stadt ist eine Akropote, welche in direkter Verbindung mit der Stadt selbst steht. Eine solche fehlt hier vollständig. Dies wäre am einfachsten dadurch zu erreichen, daß das alte rechte Isarufer (Gasteig) durch eine direkte Straßenführung gleichsam in die Stadt hereinsieht und wenn durch ein bedeutendes Objekt, in der Langenachse der Straße gelegen, diese Löhe bekrönt wird. Am eine vollständige Wirkung zu erzielen, wäre es notwendig, daß das Ende der neuen, etwa 80 Fuß breiten Straße nach Art des römischen Forums erweitert und insbesondere an dieser Stelle mit Anlagen, Bildwerken, Fontänen ausgestattet würde. Die so gestaltete neue Straße könnte am zweckmäßigsten parallel mit dem K. Hof- und Nationaltheater zur Isar gebaut werden."

Luise von Kobell läßt sich zu diesem Vorschlag, der fast buchstäblich genau ausgeführt wurde, im Jahre 1894 folgendermaßen vernehmen:

Münchens schönste Straße die Maximilians Namen trägt, verdankt ihm ihre Entstehung, wenn auch der dabei gemachte Versuch, einen neuen Baustil zu ersinnen, nicht vollständig geglückt ist. Das darin befindliche Nationalmuseum ist ein imposantes Monument seines Bestrebens, die geistigen Güter, Kunstdenkmale und Schätze seines Volkes aufzubewahren und zu vermehren. Nun ist diese Schöpfung Maximilians II., welche durch dessen Nachfolger vollendet wurde, eine Lochschule geworden für Künstler, Gelehrte und Gewerbetreibende. — Ein Monumentalbau bildet den perspektivischer: Abschluß der Straße, das Maximilianeum, eine Pflanzstätte zukünftiger höherer Staatsbeamten, für welche Stiftung der König für alle Zeiten Sorge getragen.

Um den Ausbau des vom König 1853 „Meinem Volk zu Ehr und Vorbild" gestifteten, als Museum vaterländischer Altertümer gedachten Bayerischen Nationalmuseums (vordem „Wittelsbacher-Museum") machten sich vor anderen die beiden ersten Direktoren v. Hesner-Alteneck und H. W. Riehl verdient. Seit 1900 beherbergt der von G. v. Seidl an der Prinzregentenstraße errichtete Neubau die umfangreichen einzigartigen Sammlungen.

Das Maximilianeum, zugleich Erziehungsinstitut für Hochbegabte, die künftig dem Staat dienen sollen, und Gehäuse einer Sammlung bedeutender Geschichtsbilder, wurde erst 1874, nach Bürkleins Tod durch Gottfried Semper, mit einer in Renaistanceform umgewandelten Fassade vollendet.