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Sagen & Geschichten

Von der Studentenkompagnie

Ein heiteres Gemälde aus ernster Zeit entwirft Otto von Völderndorff in seinen „Larmlosen Plaudereien eines alten Münchners":

Ein lustiges Bild entschleiert sich meiner Erinnerung bei der Tagebuchnotiz vom 26. März, welche lautet: „Wache bezogen; Nachricht vom Einfall der Franzosen". Ich hatte an diesem Tage als Hauptmann der zweiten Studentenkompanie unsere Lauptwache im Akademiegebäude, rechts von der Normaluhr, als mir gemeldet wurde, in der Stadt verbreite sich die Nachricht, die Franzosen hätten bei Kehl den Rhein überschritten, durchzögen plündernd und sengend bereits Baden und Württemberg, und die Avantgarde sei schon bei Dachau gesehen worden. Damals glaubte man so etwas ohne weiteres, und ich hielt es sofort für meine Pflicht, meine Wache in sicheren Verteidigungszustand zu sehen. Zu diesem Behuf stellte ich auf den nach meiner Meinung bedrohtesten Punkten Posten aus, so unter anderen einen solchen vor die Hintere Türe des Akademiegebäudes. Ich instruiere denselben, auf das zum Dultplah mündende Tor der Lerzog-Max-Burg sorgfältig Obacht zu geben, sobald sich etwas Verdächtiges zeige, zu schießen und dann sich nach Kräften zu verteidigen. Hierauf sperre ich die Türe hinter ihm zu. Kaum ist dies geschehen, so höre ich ein heftiges Poltern an der Türe, ich sperre wieder auf und frage: „Was gibt es?" „Ja, Sie sperren ja hinter mir zu, da kann ich doch nicht hinein, wenn ich überfallen werde." „Natürlich sperre ich zu, sonst kommt ja der Feind mit Ihnen herein." „So, was ist denn aber mit mir, wenn ich da nicht zurück kann?" „Ja, haben Sie denn noch nie von verlorenen Posten gehört? Ich habe Ihnen schon gesagt: Verteidigen Sie sich, so gut Sie können." „So und dann?" „Nun dann sterben Sie den ehrenvollen Tod fürs Vaterland." In meiner damaligen Begeisterung meinte ich, der betreffende junge Krieger werde mir für diese ihm zugedachte Ehre dankend um den Hals fallen, aber quod non. „Das fällt mir denn doch nicht im Traum ein," sagt derselbe, stellt sein Gewehr an die Mauer, legt Säbel und Patronentasche dazu und geht davon. Ich war außer mir vor Entrüstung über diesen Mangel an Patriotismus; heute sinde ich freilich, daß er der Gescheitere von uns beiden gewesen ist.