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Der Münchener Bierkrawall 1843

Wolf - Ein Jahrhundert München (Seite 266)

In dieser Zeit (1843) brachen die ersten Unruhen aus, welche das Jahr 1848 voraus verkündeten. Ganz charakteristisch für München hatten sie als Veranlassung eine unbedeutende Erhöhung des Bierpreises, welche aber die Massen sehr erbitterte. Am Vorabend derselben schlug ein Pöbelhaufe bei einer Anzahl Bräuer die Fenster ein und verübte anderen Unfug, ja das angesichts der Akademie liegende Pschorrbräuhaus wurde förmlich demoliert, trotz Polizei, Landwehr- und Kürassierabteilungen, die alle zu spät ankamen und, selber ärgerlich über die Bräuer, sehr wenig guten Willen zur Steuerung des Unfugs bezeugten. Ein paar Tage herrschte nun ein förmlicher Belagerungszustand, der freilich nicht verhinderte, daß das Krawallmachen in die Mode kam und alle Welt sich an den Gedanken bewaffneten Widerstandes gegen die Staatsgewalt gewöhnte. — Die vielen Willkürakte von oben, wie die Brutalität der Polizei hatten eine gereizte Stimmung erzeugt, und die frühere große Beliebtheit des Königs Ludwig ging rasch auf die Neige. (Pecht „Aus meiner Zeit".)