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Sagen & Geschichten

Brauchtum

Das tägliche Leben

Raff - So lang der alte Peter... (Seite 194)

Das tägliche Leben

Das Bezeichnende ist für München, daß es die Hauptstadt eines Volkes von Bauern und Hirten, Jägern und Fischern war, aus dem umgebenden agrarischen Hinterland nicht nur mit leiblicher Nahrung, sondern auch mit alter Überlieferung und bodenständigen Anschauungen gespeist. Der Name „Kulturdorf", den München gelegentlich empfing, hebt das Schollenhafte, Wurzelechte hervor, wodurch die Kultur Münchens sich von der anderer Großstädte von jeher unterschied. Was an alten Sitten heute noch in München lebt, ist ländlichem Volkstum entsprossen; was in der Stadt längst nicht mehr gilt, ist auf dem Lande, in den Bergen teilweise noch lebendig.

Auch das Münchner Straßenbild erhält ein besonderes Gepräge durch die verhältnismäßige Häufigkeit volkstümlicher Typen, die namentlich an Festtagen zwischen der modisch langweiligen Allerweltstracht einherwandeln. Ehemals freilich bot auch die Kleidung der Städter einen abwechslungsreichen Anblick, zumal die Freude am Farbigen und Prächtigen in München trotz sonstiger Einfachheit stets hervortrat. Seit dem 13. Jahrhundert schon machten Luxusgesetze sich notwendig. Zu Beginn des l 5. Jahrhunderts war der Aufwand, der in der guten Stadt München mit Kleidern getrieben ward, so groß, daß er einem hohen Rate bedenklich erschien. Die Münchner Bürger verschmähten es, sich, ihre Frauen und Töchter in schlichte Stoffe zu kleiden, sie trugen feine flandrische Tücher, davon die Elle 50 Pfennige kostete, auch Mäntel und Wämser von Seide, wohl gar mit kostbaren Pelzen verbrämt und mit Gold, Perlen und Edelsteinen geziert, bald mit

offenen (sogenannten „zerhauenen") oder mit einfachen langen Ärmeln. Die Frauen trugen lange Schleppgewänder, dazu Silberketten und Goldgeschmeide, kostbare Gürtel, das Haar mit Bändern und Perlenkränzen — Schapeln oder Gebende genannt — durchflochten. Im Jahre 1405 sah der Stadtrat von München sich genötigt, eine strenge Kleiderordnung zu erlassen, darin er den Frauen und Jungfrauen alle Perlenkränze, auch Haarbänder von Gold und Perlen verbietet und ihnen nur Haarbänder von Seide oder von zwei Lot Perlen erlaubt. Keine soll mehr als anderthalb Mark Silber auf ihrem Leib tragen, es soll fürder keine Frau noch Jungfrau einen Rock tragen mit Vehen (ausländischem Pelzwerk) gefüttert und verbrämt. Auch die Sitte der offenen Ärmel wird untersagt, sowie das Tragen eines Mantels oder Rockes, der länger als zwei Finger auf der Erde nachschleift. Die Verletzung dieser Gebote wurde nicht an den schönen Übertreterinnen, sondern an deren Mann oder Vater mit einer Geldstrafe gebüßt.

Solche Verordnungen halfen jedoch immer nur für gewisse Zeit; bald war die alte Üppigkeit wieder eingerissen und eine abermalige strenge Mahnung notwendig. Die letzte derartige Kleiderordnung datiert von: Jahre 1749, also aus der Regierung Kurfürst Max III. Joseph. Die komischen Folgen derselben schildert eine „Relation" vom Beginn des Jahres 1750: „Am heiligen Neujahrstag", — heißt es da — „sind verschiedenen Weibsbildern, und wie man sagt bey 60 Personen ihre schönen bordierten Hauben von den Stadtamtleuten vom Kopfe weggerissen und abgenommen worden. Sodann bis 12 Uhr haben.. meistens vor den Gotteshäusern sehr viele Hauben von den Weibsköpfen springen müssen. Einige Weibsbilder haben auf der Gaffen gleich anderen schwarze Hauben bis zum Eingang der Kirche getragen, unterm Portal aber solche abgetan und verborgene bei ihnen getragene reiche Hauben aufgesetzt, beim Ausgang aus der Kirche abgetan und versteckt; eS sind aber dergleichen Vortel den Amtleuten sogleich bekannt und folglich die Weibsbilder endlich gar ausgesucht worden".

Solche, die Ratsfrauen waren, wurden nicht angegriffen, sondern notiert. Diesen wurde dann solange, bis sie zu gesetzlicher Strafe gezogen waren, zur Nachtzeit militärische Exekution in die Häuser gelegt. „Einem Bräuknecht sind die seidenen Strümpfe von den Füßen abgezogen, dann mehr anderen Bräu- und Metzgerknechten ihre auf dem Hut gehabten Borden, weiters einigen Bürgers- auch Bauernmenschern die Brustflecke herausgerissen und die darangewesten Borden abgetrennt worden."...

Daß diese übermäßige Strenge nicht lange vorhielt, beweist die übliche Münchner Kleidung im 18. Jahrhundert bis zu Anfang des 19., wie sie vornehmlich Westenrieder beschreibt. Darnach trug der

Münchner Bürger an Werktagen Rock und Weste von Landtuch, letztere auch von Leinwand, eine Halsbinde von Flor oder weißer sehr feiner Leinwand und einen großen runden, mit Schnüren zu drei Flügeln aufgeschlagenen Hut, ferner lederne Beinkleider nebst grauen, blauen oder weißen baumwollenen Strümpfen. An Feiertagen trug er Rock und Weste von feinem ausländischen Tuch und einen ebensolchen sehr weiten Mantel, der ihm in vielen Falten von den Schultern bis zu den Schuhen hinabging. Der Kragen des Mantels war nicht selten mit silbernen oder goldenen Borten verbrämt; von geschlagenem Silber waren auch die Schnallen am Hute und an den Schuhen, sowie die Knöpfe an Rock und Weste. Dazu kam noch ein silberner oder goldener Ehering und eine Sackuhr.

Außerdem gehörte zur Feiertagskleidung ein spanisches Rohr mit silbernem Knopfe. „Auch ein Degen, aber niemals beides zugleich". (Nach der vorerwähnten Kleiderordnung vom Jahre 1749 war den Lakaien oder Handwerksburschen das Tragen eines Degens untersagt.) Der Bürger trug abgeschnittenes Haar, zuweilen auch die Perücke. Das Gesicht war glatt rasiert. Die meisten Zünfte hatten an feierlichen Tagen ihre besondere Tracht, z. B. die Müller hellblaue Röcke, die Schmiede und Schlaffer braune, die Metzger hochrote Westen usw. Ratsherren und Doktoren trugen sich meist dunkel und bedienten sich der Perücke. Merkwürdigerweise ward den Weltpriestern noch 1789 vom bischöflichen Ordinariat Freising eingeschärft, schwarze Kleidung mit einem Kollar oder, da dies sehr teuer kam, doch dunkle Farben zu tragen. Die Tracht der geistlichen Orden blieb sich natürlich gleich. Eigentümlich will uns Heutigen der Brauch erscheinen, die Kinder in OrdenShabite zu kleiden, wozu sie noch „Gehänge" trugen, nämlich ein Amulett, das an einem schönen Bande von der rechten Schulter herabhing, an dessen Seiten aber Denkmünzen mit Öhrlein oder andere Raritäten festgemacht wurden. So ward Kurfürst Karl Theodor durch seine fromme Mutter Maria Anna, in Folge eines Gelübdes, schon als zartes Kind in das Ordensgewand der Paulaner gekleidet.

Die Bürgersfrauen trugen gewöhnlich einige Unterröcke; der Oberrock war von Leinenzeug, ost auch von Seide oder feinstem Tuch, unten mit einem Silber- oder Goldspitz verbrämt. Dazu kam ein Fürtuch (Schürze), dann ein Oberleib oder Mieder mit Fischbein auögespannl und überaus steif. Dies Mieder aus Brokat oder Seide mit einem dazu passenden Bruftfleck wurde geschlossen durch ein Geschnür aus silbernen Ketten, woran etliche Schaumünzen, Kreuzchen und dergleichen „angeöhrlt" waren. Darüber eine kurze Weste, Wams genannt, von Tuch oder Zeug und ein Brusttuch aus Seide oder feinem Linnen. Den Hals schmückte eine silberne oder gar goldene Kette von 10—18 „Gängen" (Reihen) mit reicher Schließe; auch waren die Finger mit Ringen und die Schuhe mit silbernen Schnallen geziert. Zur völligen Tracht der Bürgersfrauen und Bürgerstöchter an Sonntagen gehörte ein mit Silber beschlagenes Gebetbuch und ein Rosenkranz von kostbaren Korallen oder Steinen. An feierlichen Tagen war die Kleidung gewöhnlich schwarz oder braun; statt der Westen wurden die sogenannten „Schal- keln" getragen und mit silbernen Ketten zugeschnürt. Das Haar ward nicht gepudert; die Frauen trugen es geflochten und in Knoten um den Kopf gebunden. Im Winter setzten sie darauf große Hauben, deren äußerer Boden von Seiden oder Samt, die Verbrämung aber von Pelz war. Auch die Jungfrauen trugen im Winter Hauben, welche den ganzen Kopf bedeckten. (Späterhin, als der Dreispitz auf den Männerköpfen dem hohen zylinderförmigen Hut gewichen war, diente zur allgemeinen Zier der Bürgerstöchter die den Vorderscheitel freilassende Riegelhaube aus Silber- oder Goldstoff.) Im Sommer ward um das Haar eine Krone geflochten, „welche von schwarzen Bändern oder gemeinen Perlen, oft aber mit kostbaren Steinen besetzt ist und diese machen sie mit einer silbernen oder goldenen Nadel, welche sie durch die Krone und die Haare stechen, fest." So trug sich namentlich die ehrsame Jungfrau als Antlaßjungfer bei kirchlichen Umgängen, oder als Kranzljungfer bei Hochzeiten, nachdem der Kranz, resp. die Krone das Zeichen der Jungfräulichkeit — anstatt des vormals frei herabwallenden Haares — geworden war.

Diese Trachten beschränkten sich auf die eigentlich bürgerlichen Kreise. Der Hof und die adelige Gesellschaft, denen die reichsten und angesehensten Bürger gern nacheiferten, kleideten sich im 17. Jahrhundert auf spanische, im 18. auf französische Art, machten alle „Faxens" der Zopf- und Empirezeit mit, parlierten und gebarten „ä la mode“. Der Bürger- und Handwerkerstand jedoch behielt auch in Sitte und häuslichem Leben die schlichten altväterischen Daseinsformen bei. Die Eh- halten (das Gesinde) aßen am Tische der Dienstgeber, desgleichen am Tische des Handwerksmeisters dessen Lehrlinge und Gesellen. Früh ward aufgestanden, wenn irgend möglich der Frühmesse beigewohnt; gefrühstückt wurde eine einfache Morgensuppe, wenn das Frühstück nicht ganz ausfiel. Der Kaffee, dessen erstes Auftreten zur Zeit und an dem Hofe Karl Albrechts stattfand, hat sehr langsam sich in der eigentlichen Münchner Bevölkerung eingebürgert. Um 11 Uhr ward zu Mittag gegessen — noch jetzt ist die durchschnittliche Essenszeit um 12 Uhr — die Zeit des Abendessens war um 6 Uhr. Die häufigsten Gerichte waren: Suppe, Voressen (Lungenragout), gesottenes und geselchtes Fleisch, Gemüse und Salat, auch Knödel verschiedener Art. Braten gab es nur an Sonn- und Feiertagen und dann vornehmlich Kalbs- oder Gansbraten. Im Backen und Bereiten von Mehlspeisen hat die Münchner Hausfrau stets eines guten Rufes-genoffen. Bestimmte Gewerbe halten herkömmliche Vorzugsspeisen: so mußte bei den Schustern des Abends stets Kopfsalat aufgesetzt werden. Das gemeinsame Tischgebet, das der jüngste Tischgenoffe vorzubeten pflegte, sowie der abendliche Rosenkranz waren allerwärtS. üblich.

Nach dem Abendessen ging der Hausherr, auch etwa der erwachsene Sohn gern noch zu einem guten Abendtrunk in irgend eine Wirtschaft oder späterhin auf einen Keller; wohlgemerkt durfte er nur so lange beim Trünke sitzen, bis die Bierglocke läutete und ihn mahnte, daß es für ehrbare Leute Zeit zum Heimgehen sei. Hatte er außerhalb der Tore gezecht, so mußte er auch der Torsperre gedenken, die das Vergnügen etwas verteuerte. Die kleine Torsperre trat sogleich nach dem Gebetläuten ein, also an kurzen Wintertagen schon um halb fünf Uhr, im Hochsommer dagegen um halb neun Uhr. Die Stadttore blieben dann zwar geöffnet, aber jede eintretende Person bezahlte einen Kreuzer und für ein Pferd zwei Kreuzer. DaS Zeichen zur großen Torsperre gab eine Glocke vom Frauenturm und zwar im Winter um neun, im Sommer um zehn Uhr. Darnach wurden die Tore geschloffen, und nur bei dem sogenannten Einlaßtor, das davon seinen Namen hatte, war der Eintritt für jeden Menschen und für jedes Tier, gleichviel ob Pferd oder Hund, zu 6 Kreuzer. Natürlich kam es vor, daß besondere Güte des BiereS oder Weines einen Trinkluftigen Maß und Stunde überschreiten ließ. Herzog Wilhelm IIL legte 1410 während seines Tiroler Feldzugs beim Magistrat München briefliche Fürbitte ein für seinen Werkmann (Hofmaurermeifter), den Pogl Mauerer, der sich „von Weins wegen vergeffen und etwas töricht .... gehandelt habe". Der Herzog gibt hinsichtlich desselben zu: „wenn er sich überweint, daß dann Niemand übler Behandlung vor ihm sicher ist"; weil er aber sonst ein guter und bescheidener Werkmann ist, bittet der Herzog, ihm die Geldstrafe, die er verwirkt hat, zu erlaßen. Im Mittelalter wurde in Bayern selbst der Weinbau emsig getrieben, am linken Donauufer zumal, von Kelheim bis nach Donaustauf, aber auch an der Altmühl, an der Isar, am Inn und am Lech. Der eigentliche „Baiernwein", eben aus jener Donaugegend, soll in heißen Jahren wirklich gut geraten sein, während der bei Landshut oder bei der Herzog Maxburg in München selbst gewachsene Tropfen eS über den Rachenputzer nicht viel hinausbrachte. Die Herbigkeit solchen einheimischen Rebensaftes ward durch Zusatz von Honig gemildert. Auf die Einfuhr fremder Weine war ein „Ungeld" (Steuer) gesetzt; eingeführt wurden Weine aus Franken, aus Österreich und Tirol, ferner Neckarwein, Romanier, Wälschwein (aus Südtirol), Malvasier, Rainval (aus Rivoglio inIstrien). Zur Niederlage und zum Faßverkauf der fremden Weine diente der „Weinstadel" in der Dienersgaffe. Der Weinmarkt aber wurde in der Weinstraße gehalten, woran der Name der Straße noch gemahnt. Bezüglich des Weinausschankes und des etwaigen Wein- pantfchens bestanden ebenso ausführliche und strenge Gesetze, wie hinsichtlich des Bierausschankes. Es war verboten, Branntwein oder Weidenasche oder anderes „Gemächt" in den Wein zu tun, aus zweierlei Zapfen zu schenken und den guten Wein mit geringerem zu mischen. Wenn bei der magiftratlichen Weinbeschau gefälschter Wein sich vorfand, so wurde der Weinschenk mit strenger Strafe belegt. Seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hat das Bier den Wein aus der Volksgunft verdrängt.

Bei dem Beleuchtungszustand der Straßen verstand es sich von selbst, daß der Biedermann, der sich zu später Stunde heimbegab, eine Laterne mit sich führte, denn wer ohne Licht in den Straßen betroffen ward, den hielten die Sicherheitswächter an, abgesehen von allem Unlieben, was ihm sonst zuftoßen konnte. Oft ließ der Hausvater sich von seinem Knecht oder Lehrling, die Frau von ihrer Magd vorleuchten. Übrigens waren im Jahre 1782 die Straßen Münchens bereits durch mehr als 600 Laternen erhellt; auch gab es damals bei weiteren Wegen oder schlechtem Wetter schon die Kutsche und daneben den Tragseffel (portechaise), dessen vornehme Damen sich gern bedienten.

Als ausgesprochener Freiluftmensch verlegte der Münchner von jeher seine liebste Erholung hinaus in Gottes Natur. Die Fahrten nach einem der Belustigungsorte, die uns heute ganz nah dünken, Schleißheim, Nymphenburg, Starnberg, Großheffelohe, galten damals freilich als weite Ausflüge, die mindestens einen ganzen Tag erforderten und mit der Kutsche unternommen wurden. Aber die allernächste Umgebung bot genügende Wanderziele: die Jsarauen, das Jsarbergl, den englischen Garten, die zahlreichen Biergärten, in denen es sich so gemütlich saß. Wohlgemerkt durften nur in den vier Sommermonaten die Brauer auf ihren Kellern vor der Stadt „Gäste setzen und Bier in ininutc, verschleißen." Nichts anderes als Bier durfte gereicht werden, weshalb sich bis in neueste Zeit die Münchner ihr Effen auf den Keller mitbrachten.

Im Frühjahr, wo nach allgemeiner Ansicht etwas zur Erneuerung des Geblütes geschehen mußte, war es Sitte, entweder zum Maibock oder zum „Schön- und Stärketrunk", nämlich zum Met, zu gehen. Dies geschah vorzugsweise am ersten Sonntag nach Ostern. Die beliebteste Metschenke war in der Neuhausergaffe beim Lebzelter Thumberger. Ein besonderer Brauch war, daß die Dienstmädchen am Tage des Dienstwechsels, dem sogenannten „Schlenkltag", im Sonntagsstaat von ihren Liebhabern zum Thumberger geführt wurden. Die gebräuchlichen Ziele zum schlenkeln waren: Lichtmeß (2. Februar), Georgi (23. April), Jakobi (25. Juli) und Michaeli (2.9. September). Die paar Tage, die sich der Dienstbote zwischen dem Verlasien des alten und dem Antritt des neuen Dienstes gerne gönnte, hießen die „Schlenklweil". Vorzugsweise an Georgi gingen die Pärchen zum Metschenken, saßen dort in den Gartenlauben, „Beichtstühle" genannt, und verzehrten zum süßen Würztrunk die Lebkuchen, die „Schiffer!" hießen.*)

Als Frühlingskur wurde ferner nach altem Brauch die Ader geschlagen, und die Wundärzte hatten genug zu tun. Mit fortschreitender Jahreszeit dachten die Begüterten auch daran, eine Landfrische, ein „Badl" aufzusuchen. Das Volk im allgemeinen hielt sich an die herkömmlichen Ausgänge, die meist ein kirchliches Ziel hatten. Am Ostermontag, wo es Brauch war „nach Emmaus zu gehen", wurde, wie schon erwähnt, das Gasteigbergl erklommen und dort im Nikolauökirchl eine Andacht gehalten. Ein Gleiches geschah an Pfingsten in der St. Nikolauskapelle zu Schwabing, neben der sich wie am Gasteig ein Siechen- oder Leprosenhaus befand. Bei dem Pfleger desselben „war gutes, weißes Bier zu trinken". Von der allgemeinen Wanderung der Münchner in die Au zum Kloster der Paulaner am Feste des heiligen Ordensvaters, wo es die geweihten St. Vaterkerzen und das süße starke Salvatorbier gab, ist auch schon gesprochen worden, ebenso vom großen vielbesuchten Ablaßfest in Harlaching, dem das zu Ramersdorf gleichkam.

Außer diesen freundlichen Unterbrechungen des täglichen Lebens wurden besonders in Ehren gehalten und ausgiebig gefeiert sowohl die Feste des Familienlebens, wie die hohen Kirchenfeste. Von den ersteren möge zunächst die Rede fein.

*) In den 80er Jahren vorkgen Jahrhunderts sah dke Schrelberkn dleser Blätter in einer damals kn der Auguskenstraße befindlichen Filiale der Seidl- Bäckerei noch ein altes Gemälde, das eine männliche und weibliche Figur kn Altmünchner Tracht, umgeben von obigen Leckereien, zeigte mit der Unterschrift:

„Komm her meine liebe Gret,
Hier gibt es guten Meth.
Willst du auch was guats dazua
Das kannst du haben alles gnua."