Raff - So lang der alte Peter... (Seite 186)
Als der vielgeliebte und vielgeprüfte Kaiser Ludwig schon sechzig Jahre seines Alters zählte, pflegte er noch körperliche Gebresten, die ihn befielen, am liebsten durch Bewegung in frischer Luft zu vertreiben. Am elften Oktober des Jahres 1547 spürte er während der Mittagsmahlzeit Schmerzen im Unterleib; da ließ er fein Roß aufzäumen, bestieg es und ritt auf die Bärenhatz gen Fürstenfeld. Da er hinter dem Dorfe Puch über eine Wiese sprengte, sah sein Gefolge, dem er weit voraus war, ihn plötzlich im Sattel wanken und vom Roste herab zu Boden sinken. Etliche Landleute, die draußen arbeiteten, liefen erschrocken hinzu; in den Armen eines Bauern verschied der Kaiser. Seine letzten Worte waren: „Süße Künigin, unser Frau, bis (sei) bei meiner Scheidung!" Als die Seinen herbeieilten, war er schon tot. Der Anger, da dies geschehen, wird noch heute die Kaiserwiese genannt. An der Stelle, wo der Kaiser starb, wurde ihm zum Gedächtnis eine kleine Kapelle erbaut; nachmals verfiel sie, und heute steht dort ein Gedenkstein in Pyramidenform aus Ettaler Marmor.
„Am andern Tag nach dem Tode des Kaisers" - so meldet die Überlieferung — „ist geschehen in einem Kloster zu Slams — (andere sagen: bei den Patres Franziskanern zu München) — daß ein überaus frommer und andächtiger Pater den Gottesdienst vollbrachte und Meste las. So er nun gekommen war bis auf die heil. Wandlung, schwieg er eine kleine Zeit gar still, darnach sprach er zu deutsch dreimalen: ,O wie weh ist dir, und wird dir doch schier wohl bester!' Nach diesen Worten vollbrachte er sein Amt und wandelte. Auch so er wollte genießen das hochwürdige Sakrament, verzog er abermals eine kleine Zeit und schwieg still. Darnach sprach er, wie vor, in deutsch zu dreimal: ,O wie weh ist dir, und wird dir doch schier wohl bester!' Nach dem genoß er das heil. Sakrament. Das alles vernahm der Altardiener, und so die Meß vollendet war, fragte der Diener gar demütiglich den Priester, was er doch mit den deutschen Worten, die er in dem Amt der Meß also gemeldt, gemeint oder angezeigt hätte. Antwortete ihm der Priester und verkündt ihm, wie Kaiser Ludwig gestorben und ihm in der Meß fürkommen in großer Pein, aber doch daraus erlöst worden sei. Daraus männiglich mag merken, daß er ist in den Gnaden Gottes des Allmächtigen."