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Sagen & Geschichten

Außerhalb der Tore

Maria Eich

Raff - So lang der alte Peter... (Seite 180)

Maria Eich

„Es hielt einstmals der Kurfürst von Bayern in den Wäldern um Planegg eine große Hofjagd ab. Dabei ging es laut und wild her und wurde von den Jägern, Hofherren und Rittern manch ein edles Wild zur Strecke gebracht. Da ersah der Fürst selber von ferne einen prächtigen Hirschen mit mächtigem Geweih, so stattlich, wie er meinte, noch keinen erblickt zu haben. Asbald ward auf diesen Jagd gemacht: die Schar der Jäger und die Meute der Hunde war hinter ihm drein, aber der schnellfüßige Hirsch floh allen weit voraus. Plötzlich gewahrten die Verfolger, wie der Hirsch bei einem großen Eichbaum stehen blieb, sich an den Stamm hindrückte und unverwandt an ihm emporschaute. Der Kurfürst mit seinem Jagdgefolge nahte heran, allein das edle Tier blieb ruhig stehen. Als sie nun zu dem Eichbaum hinkamen, sahen sie oben daran ein Bildnis der allerseligsten Mutter Gottes befestigt, wie wenn es droben gewachsen wäre. Der Fürst, ergriffen und gerührt, schenkte dem Hirschen, der seine Zuflucht zu der Himmelsherrin genommen hatte, Leben und Freiheit. Um den Eichbaum herum aber ließ er ein Kirchlein nebst einer Klausnerhütte erbauen."

So meldet die Sage. Richtig ist, daß ein frommer Knabe aus Planegg in einem hohlen Eichbaum ein tönernes Marienbild aufstellte und häufig davor betete, auch daß solche Andacht von anderen Nach- ahmung fand. 1743 ward ein Kapellchen über dem Baum erbaut und fünfundzwanzig Jahre später zur heutigen Kapelle umgemodelt. 1809 fuhr während des Gottesdienstes ein Blitz in den Baum, ohne jedoch das Gnadenbild zu beschädigen. Darnach ward der zerspellte Baum bis auf den Strunk abgesägt, doch steht das wundersame Marienbild noch dort über dem Tabernakel und ist Gegenstand hoher Verehrung von allen den vielen Wallfahrern, die jahraus jahrein den Gnadenort Maria Eich besuchen. Eine große Zahl von Votivtäfelchen, die an den Wänden des Kirchleins aufgehängt sind, kündet den Dank für göttliche Hilfe und Gebetserhörung. An der Außenwand ist auf einer Tafel der wirkliche Hergang jenes Jagdabenteuers gemalt zu sehen. Das begab sich am 12. Oktober 1775, dem Namenstage des Kurfürsten Max HI. Joseph, folgendermaßen: Der von kurfürstlichen Jägern gehetzte Hirsch war endlich gestellt worden, dicht bei der Kapelle, an die er sich nun zitternd hinschmiegte. Der Kurfürst, als ein inbrünstiger Verehrer der Gottesmutter und zugleich ein besonderer Tierfreund, ehrte das Asyl des Hirschen, wie die Verse unter dem Bilde verkünden:

„Ein abgejagter Hirsch in seiner vollen Flucht
Hat Schuh und Sicherheit an diesem Ort gesucht.
Und was er hat gesucht, das hat er auch gefunden;
Die Jäger haben sich zu seinem Tod verbunden:
Der Churfürst selber kommt und sieht das Schauspiel an,
Er giebt dem Tiere Schutz und wandle seine Bahn.
O Vater, welcher Preis muß Deinen Namen zieren:
Der beßte kommt Dir zu, bei Menschen und bei Tieren."