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Sagen & Geschichten

Außerhalb der Tore

Wolfratshausen - Vom seligen Konrad Nantwein

Wolfratshausen - Vom seligen Konrad Nantwein

Um das Jahr 1286 kam ein Pilgrim mit Namen Konrad Nantwein nach Wolfratshausen, der wollte gen Rom wallfahrten gehen. Der Richter dort war aber ein ungerechter und habgieriger Mann; dem stand der Sinn nach dem Reisegeld des Pilgers. Darum ließ er ihn durch falsche Zeugen einer schändlichen Tat verklagen, in den Kerker werfen und nach gefälltem Spruch den Feuertod erleiden. Das Urteil ward dem Pilger auf dem GerichtSplah der Burg Wolfratshausen angekündigt. Als er nun - so meldet die Sage — von den Schergen befragt worden, wo er seinen Geist aufgeben wolle? da hätte er den Knopf seines Pilgerstabes gelockert und gesagt, wo der beim Hinwegschleudern niederfalle, dort wolle er gerichtet sein; darauf habe er den Knopf des Stabes mit Macht hinausgeschleudert und wo dieser niedergefallen, sei er verbrannt worden.

Noch andere erzählen, daß er nicht verbrannt, sondern auf einem glühenden Rost zu Tode gemartert worden sei; und das wäre im sogenannten Deisenbergerhaus geschehen.

An der Stelle aber, da Nantwein den Henkerstod erlitten hatte oder (wie Etliche sagen) da er verscharrt worden war, geschahen mannigfache Wunderzeichen, aus denen die Unschuld des Gerichteten offenbar ward. Alsbald strömten von allerwärts die Andächtigen herbei, und schon nach wenigen Jahren ward die Verehrung des Seligen eingeführt und erlaubt. Über derselbigen Stätte erhob sich später die Wallfahrtskirche St. Nantwein (geweiht dem hl. Laurentius), etwa zwanzig Minuten von Wolfratshausen.

Im Deisenbergerhaus wurde noch lange das Gewölbe gezeigt, wo Konrad Nantwein eingekerkert gewesen. Als ein früherer Besitzer des Hauses, seines Zeichens ein Schlosser, die Ketten, an denen der Selige gelegen hatte, wiffentlich verarbeitete, soll er drob närrisch geworden sein. Das hölzerne „Pilgramsflaschl" und die in Silber gefaßte Hirnschale des seligen Nantwein wurden lange Zeit mit großen Ehren aufbewahrt; und an seiner Kirchweih wurde noch im 17. Jahrhundert den Wallfahrern Wein aus dem Fläschchen gereicht. 1862 jedoch wurde beides angeblich nach London verkauft.



 Nantwein Konrad