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Sagen & Geschichten

Außerhalb der Tore

Die Entstehung von Thalkirchen

Raff - So lang der alte Peter... (Seite 176)

Die Entstehung von Thalkirchen

Als Herzog Stephan, zubenannt Fibulatus, mit den Augsburgern in Fehde lag, da haben ihm vornehmlich die tapferen Grafen und Gebrüder Christian und Wilhelm von Frauenberg Beistand getan. Es war ihm aber, trotz solcher Hilfe, das Kriegsglück nicht immer hold, und die Fehde war gar lang und blutig. Anfang des Jahres 1372 zog der Herzog mit seinem Volk an der Würm entlang, da sperrten die Kriegsknechte derer von Augsburg ihm in großer Zahl den Weg. Weil die Feinde die mehreren waren, blieb dem Herzog und seinem Haufen nichts, als sich zurückzuziehen. Graf Christian von Frauenberg hatte den Auftrag, den Rückzug zu decken und führte ihn mannhaft aus, geriet aber dabei in große Not, denn die Feinde drängten ungestüm hinterdrein, und die kleine herzogliche Nachhut befand sich unversehens eingeklemmt zwischen die feindliche Reiterei und die reißende Isar bei Thalkirchen. Da mochte der tapfere Graf Christian gedenken, daß Gott die Kinder Israel glücklich durch das rote Meer geführt habe, während ihre Verfolger ertrunken seien. Also rief er Gottes Hilfe an und gelobte, wenn ihnen hinübergeholfen würde, an dieser Stelle eine Kirche samt Kloster zu Ehren der Gottesmutter zu erbauen. Darauf sprengte er beherzt mit seinen Reitern in die Isar hinein und durchschwamm sie glücklich, ohne daß Einer von ihnen ums Leben kam. Die nachsehenden Feinde aber ertranken. Seinem Gelöbnis treu, ließ der Graf Christian alsbald die Kirche erbauen, hatte auch die Absicht, ein Kloster dabei zu errichten. „Als er" — so meldet ein Chronist — „darnach anno 1396 mit Pfalzgraf Rupprecht auch anderem Bayerischen Adel König Sigmund von Ungeren wider die Türken zuzogen, soll er endtlichen Vorhabens gewest seyn, auf seine Wiederkunft das Kloster vollends zu bauen, derhalb auch etlich Geld verordnet, aber er ist daselbst sammt vielen anderen umbkommen in der Schlacht bei Nikopolis, 26. September 1396." So weit die Meldung, die auch durch zwei alte Ver- löbnistaseln in der WallfahrtS- und Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Thalkirchen bekräftigt wird. Das eine Bild zeigt den Vorgang, wie der Graf mit den Seinigen die Isar glücklich überseht, während die feindlichen Krieger verdutzt und enttäuscht am jenseitigen Ufer zurückbleiben. DaS Gemälde pflegt große Befriedigung bei den Betrachtern hervorzurufen, weil die feindlichen Kriegsknechte „gar so dumm schauen", wie einmal eine Kirchenbesucherin sich ausdrückte. Die, zweite Votivtafel zeigt eine Jsarlandschaft mit der bereits im Bau befindlichen Gnadenkirche, im Vordergründe den Grafen Christian, dem der Baumeister den Plan des Gotteshauses überreicht. Das erste Gemälde hat eine erklärende Aufschrift in Prosa; die des zweiten Gemäldes 'lautet: „Dies Gotteshaus im schönsten Flor1 Stieg 1372 hier empor 1 Durch Grafen von Frauenberg, als er hier war 1 Mit seinen Kriegern in Gefahr.1 Es wurde erbaut zur Muttergottes Ehr'1 Weil sie mit Sieg gekrönt das bayerische Kriegesheer."

Urkundlich erwiesen ist aber, daß allerdings Graf Christian der Frauenberger diese Kirche hat erbauen lassen und daß er im Falle seiner glücklichen Rückkehr aus dem Türkenkriege einen halben Dom gelobte. Doch hat offenbar einzig seine Frömmigkeit ihn zum Kirchenbau bewogen, während die Erzählung von der glücklichen Errettung aus Feindeshand und aus den Fluten der Isar nur schöne Sage ist.

Besonders verdienstlich haben sich, nachdem 1632 die Kirche von den Schweden arg verwüstet worden, ihrer die kurfürstlichen Hofmusiker Münchens angenommen, indem sie 1656 zusammentraten und einen frommen Bund schlossen mit der Absicht, für den Schmuck des aller Zierde beraubten Gotteshauses Sorge zu tragen und daselbst den Frauendreißiger durch ihr Zusammenwirken möglichst feierlich zu begehen.

Aus diesem Bunde entwickelte sich das jetzt noch bestehende „Ma- rianische Ehr- und Zierbündnis". Von innen und außen gänzlich erneuert, ist die ehemals gotische Kirche in ihrer heutigen Gestalt vollkommen eine Schöpfung des 18. Jahrhunderts.

Wo von Kirchenschmuck und vom achtzehnten Jahrhundert die Rede ist, darf billigerweise Maria Einsiedel nahe Thalkirchen nicht unerwähnt bleiben und zwar um der Brüder Asam willen, die 1763 die Kapelle dort erbauten, in Erinnerung ihrer vorhergegangenen Arbeit an der gleichnamigen berühmten Wallfahrtskirche in der Schweiz. Das Landhaus, das sie sich selbst neben der, jetzt abgebrochenen, Kirche geschaffen, mit ehemals reichem äußeren Schmuck, ist als Gasthaus noch erhalten.