Raff - So lang der alte Peter... (Seite 124)
Die Neue Veste hat viel Prunk und denkwürdige Schauspiele, auch Zuzug von fremden Gästen gesehen, bei fürstlichen Hochzeiten und Leichenbegängnissen und Herrschaftsantritten. Das glanzvollste Fest aber, von dem weit über Bayern hinaus gesprochen ward, war die Hochzeit, die Herr Wilhelm — nachmals Herzog Wilhelm V. — mit Renata von Lothringen hielt im Jahre 1568. Dazu hatte sein Vater, Herzog Albrecht V., alles aufgeboten, was künstlich und köstlich war: die Stadt wimmelte von fremden Fürstlichkeiten und ihrem Gefolge, die sämtlich auf das prächtigste gekleidet waren. Der Bischof von Augsburg, als Kardinal und päpstlicher Legat, vollzog die Trauung. Verschiedene neue Kompositionen Orlando di Lassos wurden von der Hofkapelle aufgeführt; ja, Orlando verfaßte mit Massimo Trojano zusammen eine Harlekinskomödie, bei der er als Dichter und Musiker, Kapellmeister und Schauspieler glänzte. Ein großes Jesuitenspiel „vom star- ken Samson" ward zu höchster Bewunderung der Gäste dargestellt. Die Festlichkeiten, Tanz, Turnier, Tafelfreuden, Schauspiel währten über vierzehn Tage. Bei der Festtafel am Tage nach der Vermählung wurde unter der Menge der Gerichte eine Pastete aufgetischt: aus der stieg ein Zwerg des Erzherzogs Karl von Österreich, nicht ganz zwei Spannen hoch, in silberweißer Rüstung, der alle Anwesenden, vorab das fürstliche Brautpaar, aufs zierlichste begrüßte.
Welches Aufsehen die Hochzeitsfeier machte, zeigt sich auch daraus, daß eine darauf bezügliche Sage in das 1587 erschienene Volksbuch von Dr. Faust überging.