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Sagen & Geschichten

Aus Münchens Fürstenschlössern

Doktor Faustus zu München

Raff - So lang der alte Peter... (Seite 125)

Doktor Faustus zu München

Es saßen auf eine Zeit drei Grafen, die zu Wittenberg studierten, beisammen und redeten von der herrlichen Pracht, die auf der Hochzeit von des Bayernfürften Sohn zu München sein würde, wünschten, auch dabei sein zu können. Da riet einer von ihnen: sie sollten Doktor Faust darum angehen, und ihm eine Schenkung tun; der möchte ihnen wohl dazu helfen, daß sie die Hochzeit sehen und zur Nacht wieder in Wittenberg sein könnten. Nach dem Rat taten sie; und Faustus war's wohl zufrieden, und sagte ihnen zu. Auf den Tag, da des Fürsten von Bayern Sohn Hochzeit halten sollte, hieß Faustus die Grafen sich aufs Schönste kleiden, führte sie dann in seinen Garten und breitete einen großen Mantel aus; darauf setzte er die drei und sich selber, gebot ihnen aber strengstens, daß keiner, so lang sie außen wären, ein Wort reden oder einer Frage antworten dürfte. Das versprachen sie ihm. Darauf Hub Faustuö seine Beschwörungen an, und eö kam ein starker Wind und führte den Mantel mit ihnen durch die Luft davon, daß sie rechtzeitig gen München kamen. Und sie fuhren unsichtbar, daß niemand ihrer gewahrte. Nachdem sie die Pracht der Hochzeit den ganzen Tag zugeschaut hatten, kamen sie am Abend, da es zum Nachtessen ging, in den Palast. Das nahm der Marschall wahr und sagte eS dem Herzog an, wie alle Fürsten, Grafen und Herren schon zu Tische säßen; draußen aber stünden noch drei Herren mit einem Diener, die erst gekommen wären. Da ging der alte Herzog, sie zu empfangen, aber sie antworteten auch dem alten Fürsten nicht auf seine Rede, neigten sich nur. Derweil reichte man ihnen das Handwasser, da vergaß sich der eine Graf und bedankte sich der Ehre. Es war aber zwischen ihnen ausgemacht, daß sie, sobald Doktor FaustuS sprechen würde „Wohlauf", allesamt an seinen Mantel greifen und mit ihm davonfliegen sollten. Da nun der Graf das Gebot des Schweigens verletzte, rief FaustuS: „Wohlauf!", und die zwei anderen Grafen, sich an seinem Mantel haltend, wischten mit ihm davon; der Dritte aber ward ergriffen und ins Gefängnis geworfen. Da wurde er befragt, wie das Ding zugegangen sei, und wer die drei Anderen gewesen? Aber der Graf gab keine Antwort, besorgte, was daraus entstehen möchte, wenn er seine Gesellen verriete. Also ließen sie ihn für die Nacht geschloßen und mit Hütern bewahrt und bedräuten ihn, daß man ihn morgen peinlich befragen wollte. Der Graf aber getröstete sich, daß Dr. FaustuS, auf das Anhalten seiner Vettern, ihn wohl erledigen würde. So geschah eS auch: ehe der Tag anbrach, kam FaustuS zurück, und durch seine Zauberkunst fielen die Wächter in tiefen Schlaf, und alle Türen und Schlöffer sprangen auf. Da fuhr er mit dem Grafen durch die Luft nach Wittenberg, und die Drei taten ihm eine stattliche Verehrung dafür.

Die zu München aber hatten das Nachsehen.