Zum Inhalt springen
Menü

Sagen & Geschichten

Aus Münchens Fürstenschlössern

Von den Burgen und Schlössern

Raff - So lang der alte Peter... (Seite 114)

Von den Burgen und Schlössern

Die ersten Herzöge aus dem Hause Scheyern-Wittelsbach haben eine Burg oder Veste in München nicht besesien. Einer Überlieferung nach hatte Heinrich der Löwe, der Gründer Münchens, ein HauS oder Absteigequartier auf dem Markt, dem heutigen Marienplatz; neuere Meinung ist, daß sein angebliches Hoflager sich wohl schon an der Stelle des späteren „alten Hofes" befunden hätte. Weder Otto der Große noch Ludwig der Kelheimer noch Otto II. haben eine richtige Burg in München gehabt, das ihnen ja auch noch nicht als ständiger Wohnsitz diente. Erst der vierte Wittelsbacher, der in Bayern herrschte, Herzog Ludwig II-, der „Strenge", errichtete zwar innerhalb der Stadtmauer, aber in derem äußersten Winkel, eine wirkliche befestigte Fürstenburg, die „Alte Veste" oder den „Alten Hof". Ludwig der Bayer hat sie dann erweitert, zumal die St. Lorenzkapelle, die zur Burg gehörte, neu und größer gebaut. Eine ganze Reihe von Herzögen hat im Alten Hof gehaust: Ludwig II., Ludwig der Bayer und sein Bruder Rudolf, Stephan I., Johann und dessen Söhne, Albrecht III. und sein Sohn, der kunstfreundliche Herzog Sigmund, der den „alten Hof" abermals verschönern und durchaus mit farbigen Malereien zieren ließ. Davon ist heute freilich keine Spur geblieben; der einzige Überrest aus alter Zeit ist der „schöne Erker" an der Südseite neben dem zur Burggasse führenden Torbogen — das Türmlein, von dem es in Thomas Greillsgereimtem Lobspruch auf München heißt, daß dieser Turm „spitzig ist unten und oben",

.. „Rührt weder Erd noch Himmel an, Tut dennoch unbeweglich stahn..."

Durch den großen Stadlbrand 1327 war die Burg schwer beschädigt worden; gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts bot sie angesichts der beständigen Bürgerunruhen nicht mehr Sicherheit genug. Eine „Neue Veste" erbauten sich die Herzoge außerhalb der Stadtmauer, im „GreymoltSwinkel" der Graggenau, eine Art Trutz-München mit Wehrtürmen, breitem Wassergraben und einer Brücke, die stracks ins Freie führte. Oft ward auch diese Veste durch Brand versehrt, stets wieder auf- und reicher ausgebaut; jeder Fürst fügte das Seinige hinzu. Albrecht IV. bezog die Neuvefte nachträglich in die Stadtumwallung hinein, erweiterte gleichzeitig Burg und Stadtgebiet, ließ durch Leonhard Halder den großen Festsaal erbauen. Von der Zeit, da er seinen Bruder Herzog Christoph, der ihm die Mitregierung abtrohen wollte, gefangen hielt im nordwestlichen Rundturm, blieb diesem Turm der Name Christophöturm. Den Festsaal, der unter Wilhelm IV. erst vollendet worden, den St. Georgssaal, ließ Albrecht V. schon umgestalten zu einem Prunksaal im Renaissancestil. Der Meister dieses Saales, Wilhelm Egkl, schuf auch den ersten Bau für die Sammlungen der Kunftkammer: das heutige Münzgebäude mit dem prächtigen Kolonnadenbau des — fälschlich so genannten — Turnierhofs, während die Büchersammlung im „alten Hof" untergebracht wurde bis zum Bau des „Antiquariums" beim Brunnenhof. Unter Wilhelm V- ward am alten Residenzgarten der „Grottenhoftrakt" aufgeführt und der Neuveste ein besonderer Stock als Witwensih hinzugefügt.

Gleichfalls zu Wilhelm V. Zeit, als 1580 ein Brand die neue Veste verheerte, ward die sogenannte Wilhelminische Residenz (spätere Staatsschuldentilgungskaffa) erbaut. In ihr hat, nachdem er die Regierung seinem Sohne, Maximilian I. abgetreten, Herzog Wilhelm dauernd gewohnt. Der Bau war mit dem gleichfalls von Wilhelm V. gegründeten Jesuitenkollegium durch den sogenannten Wilhclmsbogen verbunden, den heute noch die Büste deö fürstlichen Erbauers schmückt. Der spätere Bewohner der Wilhelminischen Neuveste war Prinz Max Philipp, der zweite Sohn Kurfürst Max I-, und nach ihm erhielt die Burg den Namen „Herzog Maxburg".

Der eigentliche Begründer der heutigen Residenz und zugleich derjenige, in dem die absolute Herrschergewalt, aber auch die Herrscherverantwortung ihren stärksten Ausdruck fand, war Maximilian I. Bekanntlich entstammt seiner Zeit der alte, der Residenzstraße zugewandte 

Teil mit dem die Fasiade bekrönenden Madonnenbild zwischen den Portalen. Nie hat sich recht ermitteln lasten, von wem die Pläne stammten. Gewiß ist, daß der Herzog, spätere Kurfürst, selbst sehr viel Anteil an dem Entwurf gehabt haben muß; wenigstens wurde Gustav Adolf, als er bei seinem Aufenthalt in München nach dem Baumeister des Residenzschloffes fragte, die Antwort zu teil: der Kurfürst sei sein eigener Baumeister gewesen. 1598 begann der Bau; Hans Simon Reifenstucl aus Gmund am Tegernsee war der Bauleiter. Die Reiche Kapelle, die Hofkapelle, der ganze Block um den Kaisersaal mit den älteren Fürstenzimmern, der größte Teil der inneren Umgebung der Höfe entstammen jener Zeit. Auch der heutige Hofgarten wurde schon 1614 angelegt und mit Bogengängen umgeben; desgleichen ist der Rundtempel in der Mitte, den die (häufig als Diana bezeichnete) entzückende Bronzefigur der Bavaria schmückt, von Maximilian I. errichtet.

Unter Maximilians Nachfolgern hat die von ihm mit Fresken, plastischen Kunstwerken und vor allem mit den berühmten Hauteliffetape- ten prächtig geschmückte Residenz noch weitere künstlerische und prunkvolle Ausgestaltung erfahren. Der Ruf des Münchner Residenz- schlosies, als des großartigsten deutschen Schloßbaues, drang überall hin. Das „triumphierend Wundergebäu" haben schon Maximilians Zeitgenoffen es genannt. Dem kraftvollen Renaiffancecharakter des ursprünglichen Hauptflügels fügte zunächst die barocke Pracht der päpstlichen Zimmer, des goldenen Saales sich ein, die unter dem Kurfürsten Ferdinand Maria entstanden. Unter Max Emanuel und seinem Sohne trat, nachdem die lange Unterbrechung des spanischen Erbfolgekrieges vorüber war, ein neues Moment hinzu: die Reichen Zimmer, die Joseph Effner mit soviel Kunst geschaffen und die, nachdem sie ein Raub der Flammen geworden, Franz Cuvillies erneuert und in das reizvollste Rokokogewand gehüllt hat.

Denn leider fiel das Neue und Kostbare stets wieder dem Feuer zum Opfer. Der erste große Restdenzbrand brach schon 1674 aus und zerstörte bis auf den Flügel des Kapellenhofes fast die ganze Residenz. Eine Unvorsichtigkeit der ersten Kammerfrau der Kurfürstin, Fräulein de la Perouse, die bei brennender Kerze entschlummerte, hätte den Brand verschuldet. Wafferbehälter und Löschgeräte in der Residenz selbst befanden sich in Unordnung; Hilfe von außen ward verspätet gerufen und geleistet. Zum Unglück weilte Kurfürst Ferdinand Maria vorübergehend fern, so daß die ordnungschaffende Autorität gebrach- Was nicht verbrannte, wurde durch Ungeschick beim Löschen und freche Plünderung bei den Rettungsarbeiten verdorben und verschleppt. Kunftgegenstände von unermeßlichem Werte gingen verloren. Der Kaisersaal und was hinter ihm lag, blieb erhalten.

Das zweite Mal brach Feuer in der Residenz am 26. Februar 1729, unter der Regierung des Kurfürsten Karl Albrecht, aus. Nach eigener Angabe des Kurfürsten brannten drei Zimmer völlig ab; das sogenannte „Cabinet de Bronze“ mit seinen schönen alten Figuren ging in Rauch auf, schönste Werke Albrecht Dürers verbrannten- „Und" — schreibt Karl Albrecht — „was Vor mir am betaurlichsten ware, die helffenbäunene Kästen, so mit meines Herrn Vattern seliger Churfürsten Max Emanuel aigenhändiger schöner Arbeith eingerichtet waren. Aus dem Schlaffzimmer hat das bey dem Churhaus so hoch geschätzte Vnd in der ganzen Welt bekanndte Frauenbild Vom Raphael Urbino nit können errettet werden; dieses ist der Hauptschaden so in dieser leidigen Brunft geschehen. Gott ist zu dankhen, daß der Hausschatz noch so glikhlich davonkommen und nit die ganze Residenz abgebrunnen." ...

Der dritte Residenzbrand, zugleich der größte, loderte unter Max Joseph HI. im März 1750. Fast das ganze Restdenzschloß ward in Schutt und Trümmer verwandelt; der Schaden war ungeheuer. Als Ursache des Brandes ward angegeben, daß am Abend zuvor in dem St. Georgssaal eine Truppe französischer Komödianten gespielt hatte, und daß hierbei nicht vorsichtig mit Feuer und Licht umgegangen worden; nach anderer Meinung war das Feuer gelegt. Jedenfalls faßte Max Joseph III. damals den Entschluß, ein eigenes neues Theater zu errichten, das, obzwar sich der Residenz anschließend, von derselben durch eine starke Feuermauer geschieden wäre. Somit gab der letzte Residenzbrand Anlaß zur Entstehung des Residenztheaters.

Der Plan des Kurfürsten für einen neuen großen Schloßbau blieb unausgeführt bis zu König Ludwig I-, dem eigentlichen Neuschöpfer der Residenz. Er ließ 1826 den großartigen Trakt aufführen, der den Namen Königsbau erhielt, auch den Feftfaalbau und den Marstall, sowie die Allerheiligenhofkirche. Den Christophsturm, der von der 1729 völlig niedergebrannten alten Neuveste noch übrig war, mußte auf des Königs Wunsch der Architekt der Residenz, Leo Klenze, durch geschickten Überbau erhalten.

Unter König Ludwigs I- Regierung wurde ferner das 1811 begonnene, seitdem aber wieder durch Brand zerstörte Hof- und Nationaltheater fertig gestellt, welches im Verein mit dem Königsbau und dem Residenztheater sowie dem Postgebäude dem heutigen Max Josephplatz das entscheidende Gepräge gibt.

Ein richtiges altes Schloß pflegt seine Gespenster zu haben. DaS trifft auch auf Münchens Schlöffer zu. Von der Herzog Maxburg ging ehemals die Rede, daß sich dort die Kurfürstin Marianne, MaximiItans I. Gemahlin, als Geist sehen laste, jedoch freundlich-mild, ohne einem Menschen Leides zu tun. Dennoch sei eine Schildwache eines Nachts vor ihr so erschrocken, daß der Arme in den Schloßhof hinauS- rannte, dort bewußtlos in den Schnee fiel — es war zur Winterszeit — und andern Tages förmlich ausgegraben werden mußte. Hat ihm aber nachträglich nichts geschadet.

Ein wirklich böser Spuk dagegen soll bisweilen um Mitternacht in der Residenz sein Wesen treiben. Ein großes schwarzes Ungetüm in Gestalt eines Pudels, der feurige Augen macht, und dem die Helle Glut aus dem Maul geht. Das soll die verdammte Seele eines untreuen Dieners sein, der zur Schwedenzeit oder während der österreichischen Besetzung den Feinden verraten hätte, wo der Kurfürst Geld und Kleinodien verborgen. Er sei dafür heimlicher Weise hingerichtet worden, muß aber nach seinem Tode noch geistern, und das Geld, das er für seinen Verrat empfangen, muß er im Jenseits geschmolzen fresten; drum speit er lauter Feuer aus.

Ferner geht in der Residenz, in Nymphenburg, Schleißheim und überhaupt allen Wittelsbacher Schlößern ein Frauengeift um von ähnlicher Art wie die weiße Frau, die in den Hohenzollernschlöffern spukt. Zum Unterschied ist es hier eine schwarze Frau, in reicher schwarzer Kleidung, einen Schleier um das Haupt; ihr Bild ist in der Residenz zu sehen. Ihr Erscheinen verkündete jedesmal ein Unglück oder einen Todesfall im Hause der Wittelsbacher. — Vor dem Hingang König Ludwig II. versicherte ein Soldat, der im Schlöffe zu München die Wache hatte, sowie der alte Galeriediener F. . . in Schleißheim hoch und heilig, die „schwarze Frau" gesehen zu haben; auch vor dem Tode Max II. und seiner Witwe, der Königin Marie, sollte sie erschienen sein.