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Sagen & Geschichten

Rings in der Altstadt

Hundskugel zu München

Raff - So lang der alte Peter... (Seite 100)

Hundskugel zu München

Lange erhielt sich das Gedächtnis des lustigen Bildes, das an der Mauer des Hauses Nr. 2 in dem „Hundskugel" genannten Gäßchen zu sehen war. Das Bild stellte eine im Grünen stehende Kegelbahn vor, auf der eine muntere Schar von Hunden sich mit Kegelscheiben belustigte. Andere Hunde sahen ihnen zu und hielten dabei in den Pratzen einen Teller mit Würsten, von denen sie herzhaft herunter bisien. Man war sich deshalb nicht einig, ob der Name „Hundskugel" nicht vielmehr „Hundskuchel" lauten müßte, nämlich Hundeküche; hinwieder wird erzählt, daß voreinst eine Kugel von etlichen Hunden durch das Neuhausertor die Gaffe herabgerollt und an einem Haus niedergelegt worden sei.

Unter dem Gemälde stand ein alter Reim, der hieß also:

Bis diese neun Kegel umscheiben die Hund',
Können wir heilen noch manche Stund'
Hundsfottbad armer Leut.

Dieser Vers soll sich auf die an dem Hause haftende Badergerechtsame bezogen haben. Auch ist in einem Saalbuch der Stadt München von 1440 die Rede von dem „Hundsfutbad samt Garten", das sich allhier befunden.

Als das Freskogemälde zugrunde gegangen war, verfertigte der in der Nachbarschaft wohnende Bildhauer Roman BooS ein Holzrelief, auf dem die Hunde nicht mehr auf der Kegelbahn, sondern jener andern Lesart gemäß, mit der Kugel scherzend vorgestellt wurden. Dieses Holzrelief wurde, als auch das Baderhaus nicht mehr bestand, an dem Eck' hause der „Hundskugel" benannten Straße angebracht.