Geschichte - Säkularisation

Zeitensprünge





  • Untergiesing * Die „Giesinger Mühle“ wird an das „Prämonstratenser-Kloster Schäftlarn“ geschenkt.

    Sie bleibt bis zur „Säkularisation“ - mit kurzen Unterbrechungen - im Eigentum des „Klosters Schäftlarn“, das die Mühle zum „Leibgeding“ verpachtet.


  • München - Freising * König Ludwig der Bayer verkauft um 100 Mark Silber die Herrschaft über die Orte Ismaning, Niederföhring (heute Unterföhring), Oberföhring, Englschalking und Daglfing an das Hochstift Freising.

    Fürstbischof Konrad III. der Sendlinger von Freising wird erster Landesherr der aus diesen Orten gebildeten Grafschaft auf dem Yserrain, der späteren Grafschaft Ismaning, die bis zur Säkularisation 1802/03 Bestand haben wird. 


  • München-Graggenau * Im Umkreis des „Franziskanerklosters“ und des „Alten Hofs“ lebt Dr. Marsilius von Padua.

    Der Arzt, Jurist und Theologe ist der Autor des „Defensor pacis“.
    Er begründet darin die politische Theorie vom Vorrang des weltlichen Herrschers über die Kirche, die letztlich auch zur „Säkularisation“ beitragen soll.


  • Wien * Kaiser Joseph II. hebt in seinen Erblanden 738 Klöster auf.

    Alle Klöster, die sich nicht der Schulbildung oder Krankenpflege widmen, sind von diesem Erlass betroffen. 


  • Au * Angesichts der drohenden „Säkularisation“ richten die „Benediktinerinnen am Lilienberg“ eine Mädchenschule im Kloster ein, um so ihr Überleben zu sichern.


  • München - Paris * Baiern schließt mit Frankreich einen Vorvertrag ab, dem es Kurfürst Max IV. Joseph ermöglicht, seine in Aussicht gestellten Entschädigungsgebiete bereits vor der Verabschiedung des Reichsdeputationshauptschlusses in Besitz nehmen zu können.

    „In Paris begann ein Handel mit deutschen Bistümern, Abteien, freien Reichsstädten, wobei die fürstlichen Bewerber vor dem ersten Konsul […] in Regensburg um die Wette krochen. Es war ein höchst widerliches Schauspiel“.

    Österreich will Baiern zuvor als Entschädigung für seine eigenen Kriegsverluste einverleiben. Dieses Ansinnen kann letztlich nur durch die Intervention von Russland und Großbritannien verhindert werden. Für Kurfürst Max IV. Joseph und seinen Minister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas ist aufgrund dieser Erfahrung eine Annäherung an Frankreich naheliegend. 


  • Regensburg * Der in Regensburg tagende Reichstag beschließt, dass die Durchführung des Entschädigungsplans aus dem Friedensvertrag von Lunéville durch eine Reichsdeputation erfolgen soll. 


  • München-Lehel * Die heutige „Praterinsel“ ist vor der „Säkularisation“ der „Erholungsplatz der Franziskaner“, nachdem diese in ihrem Kloster für eine Stätte der Einkehr und Besinnung keinen ausreichenden Platz gefunden haben.

    Mit der „Säkularisation“ kommt die Insel in das Eigentum des Staates.


  • Kurfürstentum Baiern * Das „kurfürstliche Dekret zur Aufhebung der Bettelordensklöster“ in Baiern beginnt mit der Feststellung,

    • dass die „Bettelorden“ die „Fortpflanzung des Aberglaubens und der schädlichen Irrtümer“ begünstigen und
    • die Entstehung und Entwicklung „richtiger Begriffe der moralischen Bildung im Volke“ verhindern,
    • weshalb die fortdauernde Existenz der „Mendikantenklöster“ zwecklos und schädlich für die Bürger ist.  

    In Altbaiern sind davon einundneunzig derartige kirchliche Einrichtungen betroffen.

    In München sind folgende Bettelorden betroffen:  
    „Kapuziner“, „Franziskaner“, „Karmeliten“, „Karmelitinnen“, die „Benediktinerinnen am Lilienberg“ , die „Paulanerinnen im Lilienthal“ und das „Pütrichkloster“

    Zur zweckmäßigen Einrichtung der „Bürger- und Landschulen“ wird ein „Schulfonds“ eingerichtet, der aus dem Vermögen der aufgehobenen Orden gebildet wird, da es an anderweitigen staatlichen Mitteln mangelt.

    Zur sofortigen Verminderung der Insassen werden

    • alle „Ausländer“, das heißt, die nicht in Pfalzbaiern geborenen Klostermitglieder, in ihre Heimat geschickt,
    • die „Laienbrüder“ in die „Prälatenklöster“ versetzt und
    • „Kleriker“, die noch keine „Profeß“ abgelegt haben, entlassen.
    • Neuaufnahmen und das Überwechseln von Ordensangehörigen in andere Klöster wird streng untersagt.
    • „Priestermönche“ können unter bestimmten Voraussetzungen in den „Weltpriesterstand“ übertreten, was dem Staat die „Pensionskosten“ einsparen hilft.
    • Alle übrigbleibenden „Klosterindividuen“ sollen in „Zentralklöster“ - in Wirklichkeit „Aussterbeklöster“ - ihres Ordens verbracht werden.
    • Außerdem ist den „Franziskanern“ künftig nur noch „Predigt und Beichthören“ in der eigenen „Ordenskirche“ erlaubt, jedoch keinerlei „Seelsorgeaushilfe“.
    • Dazu unterstehen sie der verschärften Aufsicht der zuständigen „Landrichter“.

    Als Unterhalt für die „Franziskaner“ setzt man, da ihnen das „Almosensammeln“ verboten worden ist, jährlich 125 Gulden fest, zahlbar aus dem „Vermögensfonds der nichtständischen Klöster“.

    • Der Inhalt des „Aufhebungsdekretes“ wird öffentlich nicht bekannt gemacht.
    • Die ganzen Vorbereitungen der „staatlichen Klosteraufhebungen“ laufen bis zur Ausführung im Wesentlichen geheim.
    • Das verstärkt die Unsicherheit und lässt jede Gegenwehr erlahmen.
    • Ebenfalls besteht Unkenntnis über die Befugnisse der eingerichteten „Spezialkommission“

    Ausgenommen vom „kurfürstlichen Aufhebungs-Dekret der Bettelordensklöster“sind - aufgrund ihrer Tätigkeit in der Krankenpflege beziehungsweise im Schulwesen - die Klöster der „Barmherzigen Brüder“ sowie der „Englischen Fräulein“ und der „Elisabethinerinnen“.

    Das Kloster der „Ursulinen“ in München wird mit den „Nonnen de Notre Dame“ in Nymphenburg vereinigt.

    In der Haupt- und Residenzstadt München gibt es nur ein „ständisches Kloster“: das „Klarissen-Kloster zu Sankt Jakob am Anger“.


  • München-Kreuzviertel * Graf Philipp von Arco beschlagnahmt im „Kapuziner-Kloster“ das Bargeld und die Stiftungskapitalien. 

    Das „Kapuziner-Kloster“ wird von 24 Patres und elf Laienbrüdern bewohnt.
    Sie sollen in das „Zentralkloster“ in Rosenheim gebracht werden. 


  • München-Graggenau * Graf Philipp von Arco beschlagnahmt im „Fanziskaner-Kloster“ das Bargeld und die Stiftungskapitalien. 

    Im „Franziskaner-Kloster“ leben dreißig Patres und fünf Laienbrüder.
    Sie sollen in das ehemalige „Augustiner-Kloster“ in Ingolstadt gebracht werden. 


  • München-Kreuzviertel * Das „Karmeliten-Kloster“ wird aufgehoben und das Bargeld sowie die Stiftungskapitalien eingezogen. 

    Im „Karmeliten-Kloster“ leben 31 Patres und vier Laienbrüder.
    Wer nicht in den „Weltklerus“ wechselt, soll in das „Franziskaner-Kloster“ in Straubing kommen, das zum „Zentralkloster für die Karmeliten“ bestimmt worden ist. 


  • München-Graggenau * Graf Philipp von Arco wird zum „lokalen Aufhebungskommissar“ für die „Franziskaner“ bestimmt.


  • München-Graggenau * Das „Pütrich-Kloster“ wird durch den „Aufhebungskommissar“ von Kleber aufgehoben.
    28 Chorfrauen und zehn Laienschwestern sind von dieser Maßnahme betroffen. 


  • München-Kreuzviertel * Der Aufhebungskommissär Bernmiller begibt sich zur Bestandsaufnahme ins Karmelitinnenkloster.

    Im Konvent leben zwanzig „Schwestern vom regulierten Dritten Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen“ und zwei Novizinnen


  • München-Graggenau * „Aufhebungskommissar“ Graf Philipp von Arco ist mit der Auflösung des ältesten „Mönchskonvents“ der Stadt beauftragt worden.
    Ein genaues Inventar des „Franziskaner-Klosters“ ergibt ein recht bescheidenes Kapitalvermögen. Umfangreich war hingegen der Bestand an Kunstwerken zur Ausstattung der Kirchen mit nicht weniger als fünfundzwanzig Altären.

    Die Aufnahme des Personalbestandes ergibt, dass im „Hauptkloster Sankt Anton“ dreißig Patres, drei Kleriker und vierzehn Laienbrüder leben, im „Hospiz am Anger“ sind vier Patres und ein Laienbruder, im „Hospiz Josephsburg“ drei Patres und ein Laienbruder untergebracht.

    Einen „Laienbruder“ schickt man als „Ausländer“ in seine Heimat Berchtesgaden zurück. Vier weitere „Ausländer“ lässt man aus triftigen Gründen vorübergehend im Kloster.
    Für einen nicht transportfähigen alten und kranken „Pater“ setzt sich Graf Arco nachdrücklich ein: „Ihn seinem Schicksal überlassen, hieße der ganzen Klosteraufhebung den Stempel der Grausamkeit aufdrücken und würde eine üble Wirkung bei dem Volke zurücklassen“.
    Fünf „Laienbrüder“ werden in „Abteien“ verwiesen, die übrigen „Franziskaner“ sollen möglichst bald nach Ingolstadt gebracht werden.

    Die „Ordensmänner“ wissen zwar, dass ihr Kloster aufgehoben wird, darüber hinaus sind ihnen aber weder der genaue Zeitpunkt noch die besonderen Umstände mitgeteilt worden.


  • München-Graggenau * Es ergeht eine weitere wichtige „Instruktion zur Klosteraufhebung“.

    Sie ist unmittelbar für das „Franziskanerkloster St. Anton in München“ bestimmt, wird aber richtungweisend für die tatsächliche Durchführung der „Klosteraufhebungen“.

    Sofort nach Erhalt der „Instruktion“ muss sich Graf Arco in das Kloster begeben, das „Bargeld“ zählen und das übrige „Klostervermögen“ feststellen. Anschließend haben sich alle Klostermitglieder im „Refektorium“ zu versammeln, wo ihre Personalien, Beschäftigungen und besonderen Einsätze schriftlich festgehalten werden.
    Bei diesem überfallartigen Vorgehen geht es um Geld und sonstiges für die „Staatskasse“ interessantes Vermögen und um weitere Einsparungen für den Staat.

    Dem „Kommissar“ ist eingeschärft worden, „diesen Auftrag in der vorgeschriebenen Ordnung mit allem Eifer, Schnelligkeit und der Sache angemessenen Anstand in Vollzug zu bringen“. Die Ergebnisse gehen an die „Spezial-Klosterkommission“.

    Der weitere Inhalt der „Instruktion“ lautet kurzgefasst:
    Alle „Ausländer“ sind umgehend in ihre Heimat zu schicken; sie erhalten 25 Gulden „Zehrgeld“ und einen Reisepass; aber Abreisetag und Reiseroute werden genau festgelegt.
    Wer gesund und nicht zu alt ist, muss drei Tage nach der Mitteilung auswandern; nur einige Alte und Gebrechliche erhalten Aufschub bis April.
    Das „Sammeln“ auf der Reise ist den Mönchen strengstens verboten.

    Alle inländischen „Laienbrüder“, die in das bürgerliche Leben zurückkehren wollen, erhalten zum „Auszug“ 25 Gulden und die nötigen Kleider.
    Diejenigen, die den Ordensstand nicht verlassen wollen, sind - bis auf wenige, die noch zu den nötigsten Hausarbeiten als Gärtner, Köche, in der Brauerei und so weiter benötigt werden - auf die oberpfälzischen oder baierischen „Prälatenklöster“ als „Konventdiener oder Pfründner“ zu verteilen.
    Die nach Abzug der „Kranken“ und „Ausländischen“ verbliebenen sieben „Laienbrüder“ des Münchener „Franziskanerklosters“ sind in „ständische Abteien“ zu schicken.

    Die „kurfürstliche Verordnung“ gibt auch Anweisung über den möglichen Rücktritt von „Priestermönchen der Mendikantenorden“ in den „Weltpriesterstand“.
    Diese Mönche müssen sich einer Prüfung durch die „Spezial-Klosterkommission“ unterziehen. Dabei werden weniger ihre theologischen Kenntnisse begutachtet, sondern vielmehr festgestellt, „ob die Austretenden auch im Sinne der Staatsauffassung genügend aufgeklärt“ sind.
    Haben die „Aspiranten“ ihre Prüfung bestanden, erhalten sie von der Kommission die „Erlaubnis zum Überwechseln“ mit einer jährlichen Pension von 125 Gulden.


  • Hofmark Berg am Laim * Die seit dem Jahr 1693 bestehende Zusammenarbeit zwischen der „Michaels-Bruderschaft“ und dem „Franziskaner-Orden“ dauerte bis zur „Klosteraufhebung“ im Rahmen der „Säkularisation“ an.

    Bis diese staatlich verordnete Zwangsmaßnahme eintritt, verrichten die Münchner „Franziskaner zum heiligen Antonius von Padua“ den Gottesdienst und die Seelsorge in den „franziskanischen Frauenklöstern“ der Stadt und leiteten auch deren Wirtschaftsbetriebe. 

    Bei den etwa sechzig „Klarissen zu Sankt Jakob am Anger“ besitzen die Mönche eine ständige Niederlassung.
    Dieses „Hospiz“ wird zumeist von zwei „Patres“ und einigen „Brüdern“ bewohnt.


  • Hofmark Berg am Laim * Das „Franziskaner-Hospiz Josephsburg“ in Berg am Laim wird aufgehoben. 


  • München-Graggenau * Die Franziskaner-Patres treten - „ohne das geringste Hindernis“ - ihre Reise nach Ingolstadt an, wo das ehemalige Augustinerkloster für die Franziskaner als Aussterbekonvent bestimmt worden ist.

    In ihren Händen befindet sich der größte Schatz der Mönche, das Reliquiar des heiligen Antonius von Padua.

    In Pfaffenhofen nehmen die Ordensmänner bei den dortigen Franziskanern das Mittagessen ein.
    Ohne Aufsehen zu erregen, haben sie „sofort nach eingenommenen Mittagsmahl die Reise ohne Aufschub weiter nach Ingolstadt fortzusetzen“.


  • München-Kreuzviertel * In aller Frühe werden 25 „Kapuziner“ in das „Zentralkloster“ nach Rosenheim gebracht. 


  • München * Kurfürst Max IV. Joseph bestimmt das Karmelitinnenkloster in Neuburg zum Zentralkloster des Frauenordens. 


  • Au * Im „Bendektinerinnenkloster am Lilienberg“ leben 17 „Chorfrauen“ und sechs „Laienschwestern“ im „Konvent“

    Zwei „Novizinnen“ werden sofort entlassen, eine 73-jährige geistesgestörte Nonne wird in die „Irrenanstalt“ gebracht. 


  • Au * Den Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg“wird ihre Versetzung mitgeteilt. Jeder wird erlaubt, ihr Bett und den übrigen Hausrat ihrer Zelle mitzunehmen. Um jegliches Aufsehen zu vermeiden wird einigen Nonnen erlaubt, ihre Eltern und Verwandten in München in geschlossenen Wägen zu besuchen. 


  • Kurfürstentum Baiern * Für Baiern beginnen die Landzugewinne. Kurfürst Max IV. Joseph hat mit Frankreich in einem Geheimvertrag vereinbart, dass er die vertraglich zugewiesenen Territorien noch vor der Verabschiedung des Reichsdeputationshauptschlusses militärisch in Besitz nehmen kann. 


  • Au * In der Frühe um 4 Uhr werden die ersten der zwanzig verbliebenen Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg in das ständische Kloster der Benediktinerinnen nach Geisenfeld gebracht. 


  • Au * Die restlichen  Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg werden in die ständischen Klöster der Benediktinerinnen nach Kühbach und Hohenwart gebracht. Die Mädchenschule wird von zwei weltlichen Lehrerinnen weitergeführt. 


  • Au * Die Versteigerung des Mobiliars aus dem „Kloster am Lilienberg“ bringt 3.024 Gulden in die Staatskasse.


  • München-Kreuzviertel - Neuburg * Um 4 Uhr früh wird ein Teil der zwanzig Karmelitinnen und zwei Novizinnen auf Wägen gesetzt und in ihre neue Niederlassung nach Neuburg gebracht, wo sie am späten Abend ankommen. Zu Protesten der Bevölkerung kommt es nicht. 


  • München-Kreuzviertel - Neuburg * Um 4 Uhr früh werden die restlichen Karmelitinnen in ihre neue Niederlassung nach Neuburg gebracht. 


  • München-Graggenau * Die Gräber auf dem Franziskaner-Friedhof werden geöffnet. 


  • München-Graggenau * Die Abbrucharbeiten am Franziskaner-Kloster beginnen. 


  • München-Kreuzviertel * Dreißig Karmeliten und vier Laienbrüder werden in das ehemalige Franziskaner-Kloster nach Straubing gebracht. 


  • Mühldorf * Siegmund Christoph von Hartmann, der Pfleger von Mühldorf am Inn, meldet dem Hofratsdirektorium in Salzburg, dass „Mühldorf an die weise und gerechte Regierung von Baiern“ abgetreten werden soll. 


  • Salzburg - Berchtesgaden * Die Stadt Salzburg und die „Fürstprobstei Berchtesgaden“ werden von den österreichischen Truppen für Ferdinand III. von Toskana, dem jüngeren Bruder von Kaiser Franz, militärisch besetzt. 


  • Mühldorf * Baierns Militär marschiert um 16:30 Uhr in das zum „Fürstbistum Salzburg“ gehörende Mühldorf am Inn ein und nimmt die Stadt militärisch in Besitz. 


  • Salzburg - Mühldorf * Das in Salzburg sitzende „Hofratsdirektorium“ teilt dem Mühldorfer „Pfleger“ Siegmund Christoph von Hartmann mit, dass für eine militärische Besetzung der Stadt keine rechtlichen Grundlagen vorhanden wären und diese einen massiven Rechtsbruch darstellen würde. 

    Doch sei angesichts der Lage ein „aktiver Widerstand nicht angemessen“.


  • Freising * Kurfürst Max IV. Joseph lässt das Militär in das „Fürstbistum Freising“ einmarschieren. 


  • Regensburg * Die „Reichsdeputation“, die Durchführung des Entschädigungsplans aus dem „Friedensvertrag von Lunéville“ ausarbeiten soll, tritt in Regensburg erstmals zusammen.


  • Au * Weil es kein zweites „Paulanerinnen-Kloster“ in Baiern gibt, werden die 17 Schwestern in „ständische Frauenklöster“ zur unentgeltlichen Verpflegung versetzt. 

    Am 14. und 15. September werden die „Paulanerinnen vom Kloster Lilienthal in der Au“ in ihre ihnen zugewiesene Klöster abtransportiert:

    • sechs zu den „Brigittinnen“ nach Altomünster,
    • sechs ins „Zisterzienserinnenkloster“ Niederschönenfeld und
    • die restlichen fünf ins „Augustinerinnenkloster“ Niederviehbach. 

  • München-Schloss Nymphenburg - Mühldorf * Eine Abordnung Mühldorfer Bürger überreicht dem Kurfürsten Max IV. Joseph im „Schloss Nymphenburg“ eine Bittschrift, in der sie zum Ausdruck bringen, wie sehr sich die Bevölkerung freut „dem durchläuchtigsten Churhause Baiern einverleibt“ zu werden.  

    Damit gehe „ein Wunsch, der schon Jahr Zehnte in unseren Herzen glühte in Erfüllung“


  • Au * Eine weltliche Lehrerin betreibt die ehemalige „Klosterschule am Lilienberg“

    Nachdem Ende Mai die „Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg“ weggebracht worden waren, hatten achtzig Schülerinnen keine Lehrerin mehr. 


  • Freising * Nach der „Säkularisierung Freisings“ erhält  der „Baierische Staat“ die jährliche Pauschalsumme als „Rekognition für die Verlegung der Brücke“.


  • München-Kreuzviertel * Das ehemalige und inzwischen umgebaute „Karmeliten-Kloster“ nimmt das „Wilhelms-Gymnasium“, das bisher im ehemaligen „Jesuitenkolleg“ untergebracht war, auf. 

    Es bleibt bis 1826 in diesen Räumen. 


  • Regensburg * Die „Reichsdeputation“ beschließt in seiner 30. Sitzung den „Reichsdeputationshauptschluss“

    Dieser bildet die Grundlage für die Aufhebung der „Geistigen Staaten“ und der „Landsässigen Klöster“, die der „freien und vollen Disposition der respectiven Landesherren“ überlassen werden.

    Baiern vollzieht daraufhin offiziell die Inbesitznahme der ihm zugeteilten Territorien: 

    • Die „Fürstbistümer“ Freising, Augsburg, Bamberg, Würzburg
    • sowie „Teile der Fürstbistümer“ Eichstätt, Passau und Salzburg.

    Damit werden große Teile Schwabens und Frankens baierisch.


  • Freising - Mühldorf * Kurfürst Max IV. Joseph ernennt Johann Adam Freiherr von Aretin zum „Generalkommissar für die Zivilbesitzergreifung des Hochstifts Freising sowie der Stadt Mühldorf“ und gibt ihm weitreichende Vollmachten. 


  • Mühldorf * Kurfürst Max IV. Joseph bevollmächtigt Johann Adam Freiherr von Aretin per Dekret die Stadt Mühldorf in Besitz zu nehmen. 


  • Freising * Da sich der kranke Freisinger Bischof Joseph Conrad Freiherr von Schroffenberg-Mös in Berchtesgaden aufhält, überreicht der kurfürstliche „Generalkommissär“ Johann Adam von Aretin dem Freisinger „Hofrat“ das „Besitzergreifungspatent“.

    Damit nimmt er für das Kurfürstentum Baiern zivilrechtlich Besitz von Freising, wozu auch die „Herrschaft Isen-Burgrain“ und die „Grafschaft Werdenfels“ gehören.

    Damit werden nicht nur viele Untertanen, sondern auch die „Zugspitze“ baierisch.

    Für Freising bedeutet das das Ende der geistlichen Herrschaft.
    Die Stadt wird eine ganz normalen baierischen „Municipalgemeinde“


  • Mühldorf * Der kurfürstliche Generalkommissar für die Zivilbesitzergreifung des Hochstifts Freising sowie der Stadt Mühldorf, Johann Adam Freiherr von Aretin, nimmt zivilrechtlich Besitz von der Stadt Mühldorf am Inn. 


  • Mühldorf * Johann Adam Freiherr von Aretin nimmt - unter großem Jubel der Bevölkerung - mit dem Besitzergreifungspatent vom 26. November offiziell Besitz von der Stadt Mühldorf am Inn. Er weist das Pfleggericht“an, ab sofort keine Weisungen und Befehle mehr aus Salzburg entgegenzunehmen.

    Nach der Vereidigung der Beamten findet ein feierlicher Gottesdienst in der Pfarrkirche statt. Am Abend wird in der Stadt gefeiert. 


  • München-Lehel * Die „Hieronymitaner“ im Lehel treten erstmals in der Kleidung der „Weltpriester“ auf. 

    Das Kloster bleibt weiterhin bestehen. 


  • München-Kreuzviertel * Das ehemalige „Karmelitinnen-Kloster“ am Rochusberg wird um 34.000 Gulden der „Pfandhausverwaltung“ überlassen. 


  • München-Graggenau * 19 der vierzig Nonnen aus dem „Pütrich-Kloster“ und ihr „Beichtvater“ begeben sich auf ihre Reise nach Reutberg. 


  • München-Graggenau * Die restlichen 21 „Pütrich-Nonnen“ verlassen München in Richtung Reutberg. 


  • Bogenhausen * Mit der „Säkularisation“ wird Stephan Selmayr Eigentümer des „Hansmarterhofs“ in Bogenhausen.


  • Untergiesing * Mit der „Säkularisation“ und der damit verbundenen Klosterauflösung wird der „Kurfürstentum Baiern“ Eigentümer der „Giesinger Mühle“.


  • Wien - Salzburg * Der im Wiener Exil lebende Salzburger Erzbischof Hieronymus Franz de Paula Graf von Colloredo unterzeichnet die Abdankungserklärung und ruft seine Salzburger Untertanen auf, „dem neuen Herrn [..] die Treue und Anhänglichkeit künftig fort zu bewahren“.  

    Vom selben Tag stammt die Besitzergreifungsurkunde für Salzburg des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana. 


  • Salzburg * Heinrich Freiherr von Crumpipen nimmt im Auftrag des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana Besitz von Salzburg.

    Der bisherige „Statthalter“ des Salzburger Erzbischofs Hieronymus Franz de Paula Graf von Colloredo, Sigmund Christoph Graf von Zeil-Trauchburg, wird von seinen weltlichen Regierungsaufgaben entbunden. 


  • München-Graggenau * Das „Pütrich-Kloster“ wird verkauft. 


  • Au * Das ehemalige „Paulanerinnen-Kloster im Lilienthal“ wird dem „Schulfond“ übergeben. 

    Das Kloster wird zum „Pfarrhof“ sowie ein Schulhaus für je eine Jungen- und eine Mädchenschule und einer weiblichen „Feiertagsschule“


  • Salzburg * Großherzog Ferdinand III. von Toskana hält feierlichen Einzug in die Stadt Salzburg und wählt Schloss Mirabell zu seiner Residenz. 


  • München-Angerviertel - Wien * In der Haupt- und Residenzstadt München gibt es nur ein ständisches Kloster: das Klarissen-Kloster zu Sankt Jakob am Anger, dessen Äbtissin Mitglied der Landschaft ist. Es ist eines der siebzig Landsässigen Klöster in Altbaiern, das durch den verfassungsrechtlichen Schutz erst im Jahr 1803 aufgehoben werden kann.

    Auch Österreich zieht - damals noch als baierischer Verbündeter - einen erheblichen Gewinn aus der Aufhebung der baierischen Klöster. Diese haben ihre Aktiva - aufgrund der in Baiern nicht vorhandenen Bankhäuser - bei der Wiener Bank angelegt. Nach der Klosteraufhebung kassiert Österreich diese Guthaben ein und beschlagnahmt deren Grundherrschaften, vor allem Weingüter in Südtirol und in anderen habsburgischen Gebieten. Baiern muss dagegen die Schulden der Klöster übernehmen.


  • München-Kreuzviertel * Durch ein „kurfürstliches Reskript“ wird das „Augustiner-Kloster“ säkularisiert. 


  • München-Kreuzviertel * Die „Aufhebung des Zentralklosters der Augustiner“ wird vollzogen. 

    Bis auf drei alte „Patres“ übernimmt nun auch der Rest des Konvents „seelsorgerische Aufgaben“ außerhalb des Ordens. 
    Die Insassen des „Augustiner-Klosters“ sollen umgehend die Gebäude verlassen. 
    Weil die „Augustiner“ in kein „Aussterbekloster“ gebracht werden sondern Anstellungen als „Weltgeistliche“ annehmen, müssen sie in der Stadt eine Unterkunft suchen. Dadurch verzögert sich die Räumung des Klosters bis Anfang November.

    Die Kirche wird in der Folge zur „Mauthalle“, zum „Zollamt“, umgebaut. 
    Die dazu notwendigen Arbeiten werden umgehend begonnen.

    Das heimatlose „Augustiner Christkindl“ findet Obhut bei den „Barmherzigen Schwestern der heiligen Elisabeth“, die die Tradition der weihnachtlichen Verehrung des Gnadenbildes in ihrer Spitalkirche an der heutigen Mathildenstraße fortsetzen. 


  • München-Angerviertel - Dietramszell * Der erste Teil der „Klarissinnen vom Anger“ begibt sich in ihr „Aussterbekloster“ nach Dietramszell. 


  • München-Angerviertel - Dietramszell * Der zweite Teil der Klarissinnen vom Anger macht sich auf den Weg in ihr Aussterbekloster nach Dietramszell. 


  • München - Neuburg - Pielenhofen * Das ehemalige Zisterzienserinnen-Kloster in Pielenhofen an der Naab wird zum Aussterbekloster aller Karmelitinnen bestimmt.

    Die letzte Karmelitin stirbt dort im Jahr 1844. 


  • Tirol * Der Generalsalinenadministrator Joseph von Utzschneider kommt nach Tirol, um mit den Aufständischen zu verhandeln. In einem Aufruf an die Tiroler verspricht er

    • eine Verringerung der Abgaben,
    • eine allgemeine Amnestie und
    • die Belassung der Klöster.

    Das geht aber der baierischen Regierung zu weit, weshalb Utzschneider wieder abberufen wird.


  • München * Der USPD- und Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag Karl Gareis wird nach einem Vortrag im Mathäserbräu zum Thema Säkularisierung der Schule vor seinem Wohnort in München von Rechtsradikalen ermordet. Als verantwortlich für diesen Mord gilt die Organisation Consul

© Rudolf Hartbrunner