Geschichte - Reichsdeputationshauptschluss

Zeitensprünge





  • München - Paris * Baiern schließt mit Frankreich einen Vorvertrag ab, dem es Kurfürst Max IV. Joseph ermöglicht, seine in Aussicht gestellten Entschädigungsgebiete bereits vor der Verabschiedung des Reichsdeputationshauptschlusses in Besitz nehmen zu können.

    „In Paris begann ein Handel mit deutschen Bistümern, Abteien, freien Reichsstädten, wobei die fürstlichen Bewerber vor dem ersten Konsul […] in Regensburg um die Wette krochen. Es war ein höchst widerliches Schauspiel“.

    Österreich will Baiern zuvor als Entschädigung für seine eigenen Kriegsverluste einverleiben. Dieses Ansinnen kann letztlich nur durch die Intervention von Russland und Großbritannien verhindert werden. Für Kurfürst Max IV. Joseph und seinen Minister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas ist aufgrund dieser Erfahrung eine Annäherung an Frankreich naheliegend. 


  • Kurfürstentum Baiern * Für Baiern beginnen die Landzugewinne. Kurfürst Max IV. Joseph hat mit Frankreich in einem Geheimvertrag vereinbart, dass er die vertraglich zugewiesenen Territorien noch vor der Verabschiedung des Reichsdeputationshauptschlusses militärisch in Besitz nehmen kann. 


  • Regensburg * Die „Reichsdeputation“ beschließt in seiner 30. Sitzung den „Reichsdeputationshauptschluss“

    Dieser bildet die Grundlage für die Aufhebung der „Geistigen Staaten“ und der „Landsässigen Klöster“, die der „freien und vollen Disposition der respectiven Landesherren“ überlassen werden.

    Baiern vollzieht daraufhin offiziell die Inbesitznahme der ihm zugeteilten Territorien: 

    • Die „Fürstbistümer“ Freising, Augsburg, Bamberg, Würzburg
    • sowie „Teile der Fürstbistümer“ Eichstätt, Passau und Salzburg.

    Damit werden große Teile Schwabens und Frankens baierisch.


  • Regensburg * Die letzte Tagung des „Immerwährenden Reichstags“ befasst sich mit der Annahme des „Reichsdeputationshauptschlusses“.  

    Es ist das letzte bedeutende Gesetz des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ und behandelt die Neuordnung des Reiches.

    Im „Reichsdeputationshauptschluss“ erfolgt die „Kompensation“ für die Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich.  
    Grundlage für den Text ist ein im Juni 1802 zwischen Frankreich und Österreich vereinbarter „Entschädigungsplan“, der wiederum auf den am 9. Februar 1801 geschlossenen „Friedensvertrag von Lunéville“ zurückgeht.

    Die Wittelsbacher haben aber nicht nur die Herzogtümer Zweibrücken und Jülich sowie die linksrheinische Kurpfalz verloren, sondern müssen jetzt auch noch die rechtsrheinische Kurpfalz um Mannheim und Heidelberg an Baden abgeben.

    Doch durch den § 2 des „Reichsdeputationshauptschlusses“ erhält das kurfürstliche Baiern das „Fürstbistum Freising“ mit der dazugehörigen „Grafschaft Werdenfels“ und die „Herrschaft Isen-Burgrain“ offiziell überschrieben; dazu die „Fürstbistümer Augsburg“, „Bamberg“ und „Würzburg“ sowie Teile von „Eichstätt“, „Passau“ und „Salzburg“.
    Zu den genannten Territorien kommen noch 15 „Reichsstädte“ und 13 „Reichsabteien“ dazu. Freilich noch nicht die Großen: Augsburg und Nürnberg.
    Doch damit werden wesentliche Teile Schwabens und Frankens bairisch.

    Insgesamt stehen dem Verlust von 200 Quadratmeilen und 730.000 Einwohnern ein Gewinn von 288 Quadratmeilen und 834.000 Einwohnern aus den aufgelösten geistlichen Staaten und wirtschaftliche Werte von über 43 Millionen Gulden von den Klöstern gegenüber. 


  • Regensburg * Mit der „kaiserlichen Ratifikation“ tritt der „Reichsdeputationshauptschluss“ formell in Kraft.

© Rudolf Hartbrunner