Geschichte - Krone

Zeitensprünge





  • Paris * Die Missgunst steigert sich immer mehr, nachdem der „Templer-Orden“ ganz offiziell den „Kampf gegen die Heiden“ aufgibt, der „Großmeister“ sich ins damals schon als flott bekannte Paris zurückzieht und viele „Tempelherren“ in ihrer Heimat, vor allem in Frankreich, wichtige Positionen bekleiden - allerdings ohne der französischen Krone Rechenschaft schuldig zu sein.

    Die reichen und arroganten „Templer“, dieser „Staat im Staat“, stört den französischen König Philipp IV., den man „den Schönen“ nennt.

    Er ist ein durchaus tüchtiger Herrscher, der etwas von der Macht versteht und deshalb weis, dass es „Macht ohne Geld“ nicht gibt.

    Doch gegen die gut ausgebildeten und disziplinierten „Templer“ hat selbst der französische König militärisch nichts entgegenzusetzen.
    Außerdem untersteht der „Orden“ direkt dem Papst, gegen dessen Willen er nichts unternehmen kann.


  • Avignon * Frankreichs König Philipp IV. gelingt es, seinen Wunschkandidaten Bertrand de Got, den Erzbischof von Bordeaux, durch ein französisch dominiertes Kardinalskollegium, auf den Papstthron zu setzen.

    Der neue Pontifex maximus Clemens V. lässt sich nicht nur außerhalb Roms krönen, sondern residiert dauerhaft in Avignon. Das bedeutete eine Abkehr vom päpstlichen Universalismus. Denn während der Papst in Rom und dem Kirchenstaat einigermaßen autonom ist, besitzt er um Avignon herum nur wenig Ländereien, die zudem vollständig vom französischen Staatsgebiet umschlossen sind.

    Das Papsttum gerät damit in Abhängigkeit zur französischen Krone. Der Papst verliert seine überparteiliche Autorität.


  • Mailand * König Ludwig der Baier zieht in Mailand ein. Um seinen Herrschaftsanspruch auf Italien zu demonstrieren, lässt er sich mit der „Eisernen Krone der Langobarden“ krönen.


  • Rom * Kaiser Ludwig der Baier und Papst Nikolaus V. krönen sich gegenseitig. Größere Bedeutung erlangt Nikolaus V. nie. Nach Ludwigs Kaiserkrönung und seiner Abreise aus Rom findet er nicht einmal mehr genug Anhänger in Italien. Sein eigentliches Ziel, den Papst in Avignon zu schwächen, ist gescheitert.


  • Andechs * Auf dem halbverfallenen Burgberg in Andechs machen die Herzöge Stephan und Johann unter dem Altar zufällig einen Fund.  

    Sie entdecken eine eisenbeschlagene Holztruhe, die selbst 150 Jahre nach der Zerstörung der Andechser Burg, nicht einmal nennenswert Rost angesetzt hat, und in welcher zahlreiche Reliquien eingelagert sind.  

    Darunter befinden sich  

    • drei Hostien,  
    • das Spottzepter und  
    • das Schweißtuch Christi,  
    • ein Teil der Dornenkrone,  
    • ein Stück der Lanze des Longonius,  
    • das Brautkleid und das Kreuz der heiligen Elisabeth,  
    • das Siegeskreuz Karls des Großen,  
    • sowie zahlreiche Hirnschalen, Rippen, Fuß- und Armknochen.  

    Allerdings war bis zu ihrem wundersamen Auftauchen von diesen Reliquien niemals die Rede.  

    Die baierischen Herzöge bringen das Schatzkästlein samt Inhalt in die „Lorenzkapelle“ des „Alten Hofes“.  
    Die Kapelle hat schon vorher zur Aufbewahrung der Reichsinsignien gedient.  
    Der Aufbewahrungsort und die Art der Reliquien sind eine bewusste Anspielung auf die verlorenen Reichsinsignien.  

    Ob es Zufall oder ein geschickt eingefädelter Coup ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen.  
    Auch deshalb, weil gleichzeitig eine Vernebelungstaktik beginnt.  

    Die Einträglichkeit eines solchen Fundes ist den Herzögen freilich bekannt.  
    Und der seit 1385 begonnene Bau der „Neuen Veste“ kostet viel Geld. 


  • Lodi * Der neue deutsche König Sigismund will das dreifache „Schisma“ ein für alle Mal beenden.
    Neben religiösen Aspekten verbindet er damit die Hoffnung auf die Kaiserkrone.

    Sigismund trifft sich mit Papst Johannes XXIII. in Lodi und zwingt diesen zur Einberufung des „Konzils von Konstanz“


  • Vatikan * Papst Clemens VIII. teilt den „Karmeliter-Orden“ in zwei selbstständige „Kongregationen“ auf.

    • In eine Spanische, die für die Länder der spanischen Krone, also Spanien, Portugal und Mexiko, zuständig ist.
    • Und in eine Italienische, die sich in der übrigen Welt ausbreiten soll.

  • Prag * Die Böhmischen Stände krönen Kaiser Rudolfs II. Bruder Matthias zum Böhmischen König, nachdem er die im Majestätsbrief gegebenen Bestimmungen zugesagt hat.


  • München - Wien * Der baierische Kurfürst Ferdinand Maria lässt - die Vor- und Nachteile der Kaiserkrone abwägend - die politische Vernunft siegen und verzichtet in einem Brief nach Wien, dass er die Krone zurückweisen und seine Stimme nur einem Habsburger geben werde.

    Den zu erwartenden Kampf mit Habsburg auf sich zu nehmen, lohnt sich nicht. Das heißt allerdings nicht, dass man begeistert war, dass wieder ein Habsburger die Krone bekommen sollte und Österreich seine Macht behaupten oder gar erweitern konnte. 


  • Frankfurt am Main * Die Wahlkapitulation wird unterzeichnet und daraufhin Erzherzog Leopold, ein engstirniger und dumpf-katholischer Habsburger, zum Kaiser und König Leopold I. gewählt. Damit endete das längste Interregnum [= kaiserlose Zeit] der neueren Zeit.

    Der Verzicht des baierischen Kurfürsten Ferdinand Maria auf die Kaiserkrone erspart dem Reich und Baiern unabsehbare Wirren. 


  • Frankfurt am Main * Erzherzog Leopold wird im Kaiserdom St. Bartholomäus zu Frankfurt zum Kaiser Leopold I. des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. 


  • Krakau * Der wettnische Kurfürst von Sachsen, August der Starke, erhält die polnische Königskrone


  • Königsberg * Der hohenzollerische Kurfürst von Brandenburg , Friedrich III., erhält die Königskrone für Preußen


  • Utrecht * Der Utrechter Frieden wird geschlossen. Philipp V. wird als spanischer König anerkannt, muss aber auf große Gebietsteile verzichten. Einzig Auflage: Er darf seine Krone niemals mit der Frankreichs vereinigen.


  • London - Hannover * Die englische Königswürde geht gemäß den Bestimmungen des Act of Settlement an Georg Ludwig von Hannover über. Damit endete die Herrschaft des Hauses Stuart


  • München-Graggenau * Der Brautvater, König Max I. Joseph, hat zwei Forderungen:

    • Erstens soll der Ort der Trauung zwischen der baierischen Prinzessin Auguste Amalie mit dem Stiefsohn Napoleons, Eugène Beauharnais, soll München und nicht Paris sein.
    • Zum Zweiten soll sein zukünftiger Schwiegersohn die Königskrone von Italien erhalten.

    Mit der Verhandlung wird Minister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas beauftragt, der München als Ort der Eheschließung durchsetzen kann, allerdings an der Erhebung Eugénes zum König Italiens scheitert. Immerhin bleibt er aber Vizekönig


  • München - Paris * Da man für die Königskrönung die entsprechenden Insigien braucht, wird der Pariser Juwelier Borgnis mit der Anfertigung der beiden Kronen, des Szepters, des Reichsapfels und des Reichsschwerts beauftragt. 


  • München * Friedrich Ludwig von Sckell erhält den „Zivil-Verdienstorden der Baierischen Krone“, womit der persönliche Adel verbunden ist.


  • München * Die „Konstitution des Königreichs Baiern“ tritt in Kraft.  

    Die erste einheitliche Verfassung des Königreichs Baiern besteht aus 45 Paragraphen, die auf acht Seiten Platz finden.  

    Nach der Auflösung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ und dem großen Gebietszuwachs, den Baiern erfahren hat, ist es notwendig geworden, das Recht zu vereinheitlichen und die Rechtsgleichheit in den verschiedenen Landesteilen herzustellen.  
    Nur Altbaiern war, bis auf wenige Enklaven, ein geschlossenes Staatsgebiet.
    Ansonsten gleicht das neue Baiern mit seiner Anhäufung von Besitzungen verschiedener Fürsten, Grafen, Herren und Ritter eher einem „Fleckerlteppich“.  

    Baiern muss nun zusammenwachsen und nach einheitlichen gesellschaftlichen und verwaltungsrechtlichen Grundsätzen regiert werden.  

    • Damit werden „alle besonderen Verfassungen, Privilegien, Erbämter und Landschaftliche Korporationen der einzelnen Provinzen“ aufgehoben.  
    • Die Verfassung garantiert die Gleichheit aller vor dem Gesetz und den Steuerbehörden sowie beim Zugang zu den Staatsämtern.  
    • Die Rechte des Adels werden darin eingeschränkt und deren bisherigen politischen Vorrechte ausdrücklich abgelehnt.  
      In einer neu eingeführten „Adelsmatrikel“ muss der Adelstitel erst staatlich anerkannt werden.  
    • Die „Leibeigenschaft“ wird ersatzlos abgeschafft.
    • Die Sicherheit des Eigentums wird ebenso gewährleistet, wie die „Gewissensfreiheit“ und die „Pressefreiheit“
      Letztere wird allerdings durch Gesetze teilweise wieder eingeschränkt.
    • Das Gesetz sieht ein „stehendes Volksheer“ und eine „Bürgermiliz“ vor.

    Mit 21 Jahren muss jeder „Staatsbürger“ vor der Verwaltung seines „Kreises“ einen Eid ablegen, dass er „der Konstitution und den Gesetzen gehorchen - dem König treu sein wolle“.  
    Ohne ausdrückliche Erlaubnis des Monarchen darf kein „Staatsbürger“ auswandern oder ins Ausland reisen. 

    Zum „Königlichen Hause“ wird in der „Konstitution“ festgelegt, dass die Krone erblich ist „in dem Manns-Stamme des regierenden Hauses, nach dem Rechte der Erstgeburt und der agnatisch-linealischen Erbfolge“.  
    Die Prinzessinnen sind „für immer von der Regierung ausgeschlossen“, so lange noch männliche Nachkommen vorhanden sind.  
    Sämtliche Familienmitglieder des königlichen Hauses stehen „unter der Gerichtsbarkeit des Monarchen, und können bei Verlust Ihres Erbfolge-Rechts nur mit dessen Einwilligung zur Ehe schreiten“.  

    • Nach den Bestimmungen der „Konstitution“ besteht zur Verwaltung des „Königreiches Baiern“ das „Ministerium“ aus fünf „Departements“:  dem des „Äußeren“, der „Justiz“, der „Finanzen“, des „Inneren“ und des „Kriegs-Wesens“.  
    • Zudem teilte sie das Königreich in „Kreise“ ein, um so einen einheitlichen Beamten- und Verwaltungsstaat zu schaffen.
    • Auch das Justiz- und Militärwesen werden neu organisiert.  

    Ein „Parlament“ ist in Form einer „National-Repräsentation“ vorgesehen, kommt aber nicht zustande.  
    Gleichwohl werden die Vertretungen der einzelnen Teilgebiete des Königreichs mit Inkrafttreten der Verfassung abgeschafft.  

    • Die „National-Repräsentanten“ sollten für die Dauer von sechs Jahren gewählt werden.  
    • Dazu sollten in jedem der acht „Kreise“ von den 200 höchstbesteuerten „Land-Eigenthümern, Kaufleuten und Fabrikanten“ von Wahlmännern sieben Mitglieder gewählt werden.  
      Diese 56 Gewählten hätten dann die „Reichs-Versammlung“ gebildet.  

    Durch die Einführung der „Konstitution“ verhindert Minister Maximilian Joseph von Montgelas, dass der auf Napoléon Bonapartes Drängen geschlossene „Rheinbund“ die Souveränität des „Königreich Baierns“ zu stark einschränkt.


  • München * Das „Königreich Baiern“ gibt sich ein neues Wappen. 

    Die 42 baierischen Rauten bleiben. Die Symbole im Herzschild beziehen sich jetzt aber auf die Souveränität des Königreichs und zeigen Zepter, Schwert und Krone auf rotem Grund, der Farbe der „Hochgerichtsbarkeit“

    Dieses Wappen bleibt bis 1835 gültig. 


  • München-Kreuzviertel * Mit den Worten: „Sonntag um elf Uhr werde ich mich bei Ihnen einfinden; adieu mon cher Montgelas. Ich hoffe, Sie in besserer Gesundheit anzutreffen, als ich Sie verlassen habe“, hat der baierische Herrscher sein Kommen für den 2. Februar 1817 angekündigt.

    Doch statt dem König fährt ein Bote mit der „Entlassungsurkunde“ in der Tasche in das Palais am Promenadeplatz. 

    Der abgesetzte Minister erhält nicht einmal die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.
    Das „Kündigungsschreiben“ ist so formuliert, als hätte der Graf selbst aus gesundheitlichen Gründen gebeten, „ihn der ganzen Last der ihm bisher anvertrauten Staatsämter zu entheben“.

    Graf Maximilan Joseph von Montgelas schweigt nach der Überreichung des Schreibens erst einmal eine Viertelstunde und äußert sich dann nur über die - aus seiner Sicht - viel zu niedrige Höhe der Pension.
    30.000 Gulden erhält der Neurentner, statt der 36.000 Gulden, die er als aktiver Minister erhalten hat.

    Das ist also der Dank des „Hauses Wittelsbach“ für den Mann, der ihnen in jahrzehntelanger Arbeit das Land vergrößerte, einen modernen Staat geschaffen und die Königskrone errungen hatte.

    Doch für Kronprinz Ludwig ist der Minister, der Baiern geformt, reformiert und modernisiert hat, einfach zu „unteutsch“.

    In dieser Zeit kursieren zudem „Schmähschriften“, in denen Montgelas unterstellt wird, er sei nur ein „halber Baier“ und gehöre der alles unterjochenden französischen Nation an.

    Als Ernestine von Montgelas nach der Entlassung ihres Mannes als Minister die Gruppierung der Verschwörer an der „Hoftafel“ beschimpft, erhält sie lebenslanges „Hofverbot“.

    Kein Wunder, dass der ansonsten denkmalgeile König Ludwig I. dem Architekten des modernen Baiern kein Bronzestandbild setzen lässt, wohl aber seinem Mitverschwörer Fürst Carl Philipp von Wrede.
    Danach bewirkt eine deutsch-national gestimmte bayerische Geschichtsschreibung, dass Montgelas bei den Bayern in keinem guten Andenken bleibt.

    Nach der Entlassung des Grafen Maximilian Joseph von Montgelas werden die Ministerien neu aufgeteilt.
    Das „Portefeuille des Äußeren“ erhält Alois Graf von Rechberg, das des „Inneren“ Friedrich Graf von Thürheim und das der „Finanzen“ Maximilian Freiherr von Lerchenfeld.


  • München * Der jüdische Mitbürger Raphael Kaula wird er mit dem „Ritterkreuz des Ordens der Bayerischen Krone“ dekoriert und wird damit als „Baron de Murat“ in den Adelsstand erhoben.


  • München * Die Griechen und die griechischen Schutzmächte Großbritannien, Frankreich und Russland  erhoffen sich durch einen über den Parteien stehenden, neutralen „christlichen erblichen Fürsten“ das Land stabilisieren zu können. 

    Da England, Frankreich und Russland um die Einflussnahme in Griechenland konkurrieren, soll der künftige Herrscher jedoch einem politisch eher unbedeutendem Fürstenhaus entstammen.

    Eine Wahl fällt auf den bayerischen Prinzen Carl, dem jüngeren Bruder König Ludwigs I..
    Als ihm über die französische Regierung - vom Bruder nachhaltig unterstützt - die griechische Königskrone angetragen wird, macht dieser aber keinen Hehl daraus, dass ihm an Politik und Macht nichts liegt und er in Hinblick auf die Krone keinerlei Ehrgeiz entwickelt. 

    Prinz Carl widmet sich lieber seiner militärischen Karriere und seiner Familie.  
    Ohne auch nur nachzudenken, lehnt er deshalb das Angebot umgehend ab.

    Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Lage Griechenlands ist desolat.
    Das Land ist ausgeblutet und wirtschaftlich kaum entwickelt. 


  • London - Petersburg - Paris - München * Nachdem Prinz Carl die griechische Krone ausgeschlagen hat, wählen die drei Schutzmächte England, Russland und Frankreich Carls Neffen Otto, den zweitgeborenen, erst 16-jährigen Sohn König Ludwigs I., zum griechischen König. 


  • München * Der inzwischen 80-jährige Freiherr Reinhard von Werneck erhält von König Ludwig I. das „Großkreuz des Civil-Verdienstordens der Bayerischen Krone“.


  • München-Kreuzviertel * Der königliche Wunsch, „daß ein bedeutender Gasthof hieher komme“, trifft bei Joseph Anton Ritter von Maffei auf offene Ohren.

    Er erwirbt für 163.400 Gulden zwei Anwesen an der Prannergasse und vier ihm benachbarte Häuser an der ehemaligen „Kreuzgasse“, darunter den Gasthof „Goldener Bär“.
    Anschließend lässt er das „Hotel zum Bayerischen Hof“ projektieren und errichten.
    König Ludwig I. äußert für den Hotelbau einen ganz persönlichen Wunsch.

    Ausgerechnet der verantwortliche Bauherr der „Ludwigstraße“ und der „Ruhmeshalle“, der „Glyptothek“ und der „Pinakotheken“ sowie zahlreicher anderer Bauwerke innerhalb und außerhalb Bayerns, hat in seiner Residenz kein adäquates Badezimmer, sodass er sich zwei Mal im Monat die Ehre gibt, im „Hotel zum Bayerischen Hof“ sein Bad zu nehmen.

    Schon aus diesem Grund besitzt die neue Nobelherberge das besondere Wohlwollen „Seiner Allerhöchsten Majestät“, die dem Hotelbetrieb deshalb sogar das Führen des „Bayerischen Staatswappens“ mit Löwen, Rauten und Krone erlaubt.

    Mit dieser Nobelherberge schafft Anton Ritter und Edler von Maffei einen Übernachtungsbetrieb, der - bis zum heutigen Tag - als erste Adresse Münchens gilt.


  • München * König Ludwig I. dankt ab und übergibt die Bayerische Krone an seinen Sohn Maximilian II..
    Sein Enkel Ludwig (II.) wird dadurch „Kronprinz“.

    Auch wenn sich Max II. nach Außen hin als Musterbild eines bürgernahen, konstitutionellen Staatsoberhauptes darstellt so plagt ihn zeitlebens die Furcht, dass ihm von seinem Volk ein ähnliches oder gar schlimmeres Schicksal bereitet werden könnte, wie seinem abgedankten Vater Ludwig I..

    Die revolutionären Begleitumstände, die König Max II. auf den Thron verhalfen und seinen Vater vom selben stießen, haben den neuernannten Bayernherrscher geradezu traumatisch geprägt.
    Er fühlt sich, nachdem auch das Militär auf die Verfassung vereidigt worden ist, „schutzlos der Demokratie preisgegeben“.

    Doch nachdem sich die revolutionäre Situation wieder beruhigt hat, kann König Max II. seine politischen Visionen endlich in die Tat umsetzen.

    Dazu gehören auch Maßnahmen zur Förderung einer bayerisch-monarchischen Gesinnung.
    Greifbare Formen nehmen das „Athenäum-Projekt” und der Bau des „Prachtboulevards“ an.


  • München - Berlin * In einem Brief an seinen Onkel, dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV., schreibt König Max II.:

    „Schwer ist unser Beruf, wir trugen, ich wenigstens trug bisher nur eine Dornenkrone“


  • Frankfurt am Main - Berlin *  Die Nationalversammlung in Frankfurt am Main verabschiedet die „Grundrechte des deutschen Volkes“, die am 28. März 1849 in die Paulskirchen-Verfassung mündet.

    Doch der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnt die ihm von der Nationalversammlung angebotene Kaiserkrone ab.  

    Die von Volksvertretern angebotene Krone besteht für Friedrich Wilhelm IV., der in seinem monarchischen Selbstbild vom traditionellen Gedanken des Gottesgnadentums ausgeht und die Idee der Volkssouveränität ablehnt, nur aus „Dreck und Letten“. Ein Kaiser von Volkes Gnaden will er keinesfalls sein. Damit sind auch die Deutsche Einheit und die Reichsverfassung gescheitert. 


  • München * König Ludwig II. beruft Ignaz von Döllinger zum „lebenslänglichen Reichsrat der Krone Bayerns“.


  • München * Als König Ludwig II. als Regent des zweitgrößten Königreichs dem preußischen König Wilhelm I. die „Kaiserkrone“ antragen soll, fleht ihn Prinz Otto an:  

    „Höre noch einmal meine Stimme; ich beschwöre Dich, das Schreckliche nicht zu tun!  
    Wie kann es denn für einen Herrn und König eine zwingende Gewalt geben, seine Selbstständigkeit dahinzugeben und außer Gott noch einen Höheren über sich anerkennen zu müssen! [...]  
    Mögen wir auch für den jetzigen Augenblick Vorteile und Zugeständnisse erlangen, die vielleicht von großem Umfang sind, so wiegen Sie doch gewiss nicht den hundertsten Teil von jenem Nachteil auf, den wir durch Dahingebung der Selbstständigkeit erleiden“
    .  

    Ganz schön weitblickend! 


  • München * Bayernkönig Ludwig II. schreibt den sogenannten „Kaiserbrief“ an König Wilhelm I. von Preußen.

    Darin regt er die „Wiederherstellung der deutschen Kaiserwürde“ und eines „Deutschen Reiches“ an.
    Im Namen aller Bundesfürsten trägt er dem Preußenkönig die „Kaiserkrone“, die höchste deutsche Würde, an.  

    „Oberststallmeister“ Max Graf von Holnstein hat gemeinsam mit Bismarck den Brief entworfen, den der mit Zahnschmerzen im Bett liegende Bayernkönig nur ab- und unterschreiben muss.  
    Noch am selben Tag reist Graf Holnstein nach Frankreich und überreicht dort den entscheidenden Brief an Prinz Luitpold.  

    Für diesen bayerischen „Ausverkauf“ wird König Ludwig II. allerdings persönlich mit rund fünf Millionen Mark aus Bismarcks „Welfenfond“ entschädigt. Jedenfalls wird dem König lange Zeit unterstellt, dass der „Kaiserbrief“ der noble Preis für diese „Rentenzahlung“ gewesen ist.  

    Max Graf von Holnstein, der Überbringer des Geldes und Mitbegründer der „Bayerischen Vereinsbank“, ist mit zehn Prozent an diesem Deal beteiligt. 


  • Versailles * Prinz Luitpold von Bayern übergibt den „Kaiserbrief“ im „Hauptquartier von Versailles“ an den preußischen König Wilhelm I..  

    • Der bayerische „Märchenkönig“ Ludwig II. verhält sich also gegenüber Preußen sehr loyal, muss aber - statt belohnt zu werden - bayerische Rechte an das von Preußen geführte Reich abtreten.  
    • Nichts ist es mit der erhofften Vergrößerung des Bayernlandes,  
    • nichts mit der gewünschten „alternierenden Kaiserkrone“, derzufolge dem preußischen Kaiser einer aus dem bayerischen Herrscherhaus folgen soll.  

    Ein paar „Reservatrechte“, das „Heer“, die „Post“ und die „Eisenbahn“ betreffend, bleiben den süddeutschen Verbündeten.  Ansonsten hat sie sich Bismarcks großpreußischem Staatengebilde unterzuordnen. 


  • Versailles * Als König Wilhelm von Preußen in der „Spiegelgalerie von Schloss Versailles“ zum „Deutschen Kaiser“ ausgerufen wird, lässt sich der Bayernkönig Ludwig II. von Prinz Otto und seinem Onkel Luitpold vertreten.  

    Otto empfindet die „Kaiserproklamation“ als bedrückend.  
    Seinem Bruder klagt er: „Der deutsche Kaiser, das deutsche Reich, Bismarck, die laute preußische Begeisterung, die vielen Stiefel, das alles macht mich sehr traurig“.  

    Ein böses Gerücht macht die Runde, in dem Otto nachgesagt wird, er hätte während der „Proklamation“ zu Versailles „infolge einer plötzlichen Diarrhöe ein degoutantes Malheur gehabt“.  
    Das heißt, er hat - aus ohnmächtiger Enttäuschung und Widerwillen, vielleicht aber auch schon als Folge seiner geistigen Zerrüttung - in die Hose gemacht.  
    In Bayern geht der Satz um: „Otto hat auf Preußens Kaiserkrone geschissen!“ 


  • München * In Anerkennung seiner Verdienste erhält Arnold Zenetti viele hohe Auszeichnungen:

    • die „Goldene Bürgermedaille der Stadt München“,
    • den Titel „Oberbaurat“ und
    • zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum den mit dem persönlichen Adel verbundenen „Kronenorden“, der ihm vom Prinzregenten Luitpold persönlich an die Brust geheftet wird. 

  • München * Franz Stuck erhält das „Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone“ und damit den persönlichen Adel. 


  • München * Bischof Michael Faulhaber wird das Ritterkreuz des Kgl. Verdienstordens der bayerischen Krone verliehen. Seither kann er den Zusatz „von“ in seinem Namen führen.


  • München-Kreuzviertel * Die „Abgeordnetenkammer“ beschließt ein verfassungsänderndes Gesetz mit 122 gegen 27 Stimmen der „Sozialdemokraten“

    Mit diesem Gesetz kann der „Regent die Regentschaft für beendet und den Thron für erledigt erklären“, wenn „wegen eines körperlichen oder geistigen Gebrechens des Königs“ auch „nach Ablauf von zehn Jahren keine Aussicht auf Regierungsfähigkeit“ besteht. Damit hat der „Prinzregent“ die Möglichkeit, seinen noch lebenden geisteskranken Cousin, den legitimen König Otto I., zu „entthronen“.

    „Prinzregent“ Ludwig III. wollte politisch eine Veränderung herbeiführen und konnte mit dem „Zentrum“ und den „Liberalen“ auf eine breite parlamentarische Mehrheit bauen. Doch eine schlichte „Proklamation“ Ludwigs III. zum König wurde von den Abgeordneten als „nicht ratsam“ erachtet, da auch der „Prinzregent“ eine Übertragung der Krone durch den „Landtag“ ablehnte. Schließlich wollte Ludwig III. kein „König von Volkes Gnaden“, sondern ein „König von Gottes Gnaden“ sein.


  • München-Graggenau * König Ludwig III. erhebt Eduard Theodor von Grützner als „Ritter des königlichen Verdienstordens der Bayerischen Krone“ in den persönlichen Adelsstand.


  • München * Innenminister Dr. Friedrich Ritter von Brettreich berichtet über Flugblätter, die die Überschrift  „Preußenherzen hoch“ tragen. Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um „überaus gefährliche Fälschungen“ handelt, die äußerst geschickt den in Bayern neu auflebenden Preußenhass in neue Höhen steigern und so die Geschlossenheit des deutschen Volkes sprengen soll. Hier einige Auszüge aus dem Flugblatt, das nur in Altbayern mit der Post verbreitet wird. Der Poststempel stammt aus Berlin: 

    „In tiefernster Stunde wenden wir uns an alle echten Preußen mit dem dringenden Mahnruf: Helft Preußen, helft Deutschland retten!  […] Vielmehr von innen als von außen droht unserem vielgeliebten Preußenlande toternste Gefahr. […] Ein Süddeutscher Reichskanzler, ein Süddeutscher Vizekanzler, ein Süddeutscher Reichstagspräsident […], alle wichtigen Ämter in der Hand von Bayern! Ist es da ein Wunder, wenn die Politik auf eine völlige Lahmlegung Preußens, der Kaiserkrone und der Heeresleitung gerichtet ist, und […] Preußen und Deutschland an den Abgrund geführt hat ?

    […] Aus bayerisch-partikularistischem Hasse will man Preußens Macht zerstören um selbst in Preußen zu herrschen. […] Auch die Heeresfront ist durch Bayern zerrissen worden. Die Disziplinlosigkeit im bayerischen Heere hat seit einem Jahr den größten Umfang angenommen. […] Durch diese Handlungen haben preußische und andere Regimenter die größten Verluste erlitten. […] Jetzt, wo das Vaterland wieder in der größten Gefahr schwebt, sind es wieder die Bayern, die versagen und die Gefahr vergrößern. […]“


  • Spa - Berlin - Karlsruhe * Die Oberste Heeresleitung - OHL übernimmt wieder einmal die politische Führung und setzt bei Kaiser Wilhelm II. - der dagegen „schärfsten Widerspruch“ einlegt - Prinz Max von Baden als Kanzlerkandidat der Krone durch.  

    Umgehend wird der Marschbefehl für den badischen Monarchen zur sofortigen Reise nach Berlin erstellt. Vorsorglich reist Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg gleich mit. 


  • Berlin * Reichskanzler Max von Baden erklärt im Kabinett: „Wir müssen alles tun, um die Krone im Volk zu verankern”


  • Berlin * In der Frage der Staatsform erklärt der USPD-Vorsitzende Hugo Haase in der Reichstagssitzung:

    „Die Kronen rollen auf das Pflaster. […] Rings um uns werden Republiken sich auftun, und da soll Deutschland allein […] noch einen Kronenträger haben oder Träger vieler Kronen und Krönlein!“ Schließlich: „Es muss zur Republik kommen! […]“.

    „Die Götzendämmerung für das alte System ist hereingebrochen. Schon zeigt sich die Morgenröte einer neuen Zeit. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wird aufhören; nur Freie und Gleiche wird es dann geben.

    Von der Kühnheit und Entschlossenheit der Arbeiter […] wird es abhängen, ob diese die Menschheit befreiende Umwälzung bald erfolgt, oder ob wir noch schwere Zeiten bis dahin durchzumachen haben. Wir haben Vertrauen zu den Arbeitern, wir sind überzeugt, daß aus all dem Elend am letzten Ende doch hervorgehen wird die volle Befreiung der Menschheit“


  • München-Kreuzviertel * Die bayerischen Minister der Staatskrone legen ihre Ämter nieder, nachdem ihnen König Ludwig III. die Auflösung der Regierung Dandl nahe gelegt hatte.

    Ex-Ministerpräsident Otto von Dandl wird mit der Neubildung der Regierung unter Einbeziehung des Landtags beauftragt. Die zurückgetretenen Minister führen ihre Ämter bis zur geplanten Neubildung der Regierung kommissarisch aus. 


  • München-Graggenau - Schloss Wildenwart * Als Fluchtziel der königlichen Familie ist zuerst Gut Leutstetten ins Auge gefasst worden, doch dann hält man Schloss Wildenwart für besser geeignet. Da aber eine Fahrt mit der Königlichen Eisenbahn nicht mehr möglich ist, entscheiden sich die hohen Herrschaften für die Automobile.

    Die Kraftwägen sind aber schon lange nicht mehr bewegt worden, weil sich der König geweigert hatte, in Kriegszeiten mit dem Auto durch die Stadt zu fahren. Nun sind mit Eisen versehene Räder aufgezogen, die noch aus der Zeit stammen, als Ludwig III. die Truppen im Feld besuchte.

    Und jetzt ist auch noch der scheinbar mit den Aufständischen sympathisierende Oberchauffeur verschwunden, weshalb die Suche nach den eh schon geringen Benzin- und Karbidvorräten weitere Zeit wegfrisst. Erst ein ehemaliger Hofbediensteter kann Benzin in ausreichendem Umfang besorgen. Er erklärt sich zudem bereit, das königliche Paar zu chauffieren. Als dann gegen 21:30 Uhr endlich drei fahrbereite Automobile zur Verfügung stehen, kann die Reise losgehen.

    Die aufgemalten Kronen werden mit Wagenschmiere übertüncht. Doch kaum ist man zur Abfahrt bereit, ist die Reise für das Königspaar schon wieder zu Ende. Man hat nämlich vergessen, die Reifen aufzupumpen. Also muss man das große Auto gegen ein kleineres eintauschen, in das aber die Notsitze nicht eingefügt werden können. Die Fahrt wird deshalb für die königlichen Insassen ziemlich ungemütlich.

    Die Flucht der königlichen Familie entwickelt sich zur „Magical Mystery Tour“. Denn erst verfährt sich der Chauffeur mit dem Königspaar, dann kommt das Auto mit den Prinzessinnen von der Straße ab und landet auf einer sumpfigen Wiese. 


  • Schloss Anif * In der Nacht vom 12. zum 13. November treffen sich der ehemalige Ministerpräsident Otto von Dandl und der Noch-Monarch Ludwig III. in Schloss Anif.

    • Sie erarbeiten eine „Rücktrittserklärung“, bei der das Wort „Abdankung“ vermieden wird, aber der König dennoch auf die „Herrschergewalt“ in Bayern verzichtet. 
    • Andererseits wird weder der „Anspruch des Hauses Wittelsbach auf die Krone“ aufrecht erhalten, noch die „Beibehaltung der monarchischen Staatsform“ reklamiert.

    Mit dieser Erklärung können beide Seiten letztlich sehr gut leben. 


  • Anif * König Ludwig III. dankt mit den Worten ab:

    Zeit meines Lebens habe ich mit dem Volk für das Volk gearbeitet. Die Sorge für das Wohl meines geliebten Bayerns war stets mein höchstes Streben. 
    Nachdem ich infolge der Ereignisse der letzten Tage nicht mehr in der Lage bin, die Regierung weiterzuführen, stelle ich allen Beamten, Offizieren und Soldaten die Weiterarbeit unter den gegebenen Verhältnissen frei und entbinde sie des mir geleisteten Treueeides. 

    Anif den 13. November 1918. Ludwig.

    Das ist zwar nicht die vom Ministerrat des Volksstaates Bayern gewünschte „bedingungslose Abdankung“. Dennoch wird von Ludwig III.

    • weder der Anspruch seines Hauses auf die Krone aufrecht erhalten,
    • noch die Beibehaltung der monarchischen Staatsform reklamiert

  • München * Zwei Tage nach Innenminister Erhard Auer legt auch Ministerpräsident Kurt Eisner seinen Entwurf für die Richtlinien für die Arbeiter- und Bauernräte vor. Im Entwurf des USPD-Politikers Eisner nehmen die Arbeiterräte - zumindest für eine Übergangszeit - eine zentrale Position im neugegründeten Staat ein. Gemeinsam mit den Soldaten- und Bauernräten sollen sie bis zur endgültige Regelung durch die zu wählende Nationalversammlung die „revolutionäre Grundlage des neuen Regierungssystems“.

    Eisner und die USPD wollen die Räte und das Parlament als gleichberechtigte Partner in einem demokratischen System. Sie dienen der politischen Willens- und Bewusstseinsbildung und schaffen die Voraussetzungen für die Tätigkeit des Parlaments:

    „Die Räte sollen die Schulen der Demokratie werden; daraus dann sollen die Persönlichkeiten emporsteigen zu politischer und wirtschaftlicher Arbeit. […] Die Räte sind die Grundmauer der Demokratie, die Nationalversammlung, der Landtag ist die Krönung des Gebäudes. Aber diese Krone würde genauso zusammen stürzen wie die monarchistischen Kronen, wenn sie sich nicht stützen auf die Kraft und den Willen jener Arbeiterräte“

    Die Arbeiterräte sollen „die Massen des Proletariats unmittelbar zur politischen Mitarbeit heranziehen“ und so dazu beitragen, dass „der neue demokratische und sozialistische Geist in Staat und Gesellschaft so tief Wurzeln fasst, dass die kommenden Wahlen die provisorische Ordnung der Dinge bestätigen und befestigen werden“.

    Im Falle, die Zentralregierung würde den Revolutionszustand ausrufen, sollten die Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte umgehend alle notwendigen Maßnahmen einleiten, die „zur Erhaltung und Sicherung der revolutionären Regierung erforderlich“ wären.

    Der Entwurf Kurt Eisners sah für die Räte großzügige Kompetenzzuweisungen vor. Von Kontroll-, Vorschlags-, Beratungs- und Auskunftsrechten bis hin zur Fragen der Entlassung und Einstellung von Beamten


  • Amirong * Kaiser Wilhelm II. unterzeichnet seine Abdankungsurkunde.

    „Ich verzichte hierdurch für alle Zukunft auf die Rechte an der Krone Preußens und die damit verbundenen Rechte an der deutschen Kaiserkrone. Zugleich entbinde ich alle Beamten des Deutschen Reiches und Preußens, sowie alle Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften  der Marine, des preußischen Heeres und der Truppen der Bundeskontingente des Treueeides, den sie mir als ihrem Kaiser, König und obersten Befehlshaber geleistet haben.

    Ich erwarte von ihnen, dass sie bis zur Neuordnung des Deutschen Reiches den Inhabern der tatsächlichen Gewalt in Deutschland helfen, das deutsche Volk gegen die drohenden Gefahren der Anarchie, der Hungersnot und der Fremdherrschaft zu schützen.
    Urkundlich unter unser höchst eigenhändigen Unterschrift und beigedrücktem kaiserlichen Insiegel.
    Gegeben Amirong, den 28. November 1918. gez. Wilhelm“
     


  • Tübingen-Schloss Bebenhausen * In einer Bekanntmachung an das württembergische Volk legt König Wilhelm II. von Württemberg freiwillig die Krone nieder. 


  • München-Maxvorstadt * Carl Krone eröffnet feierlich seinen 4.000 Menschen fassenden festen Zirkusbau an der Marsstraße. 


  • München * Von der Ludwigskirche aus führt der Weg des Trauerzugs für das tote Ex-Königspaar - über den Karolinenplatz und Königsplatz - zur Frauenkirche. Am Trauerzug beteiligen sich 40.000 Personen, darunter eine große Anzahl staatlicher Beamte und Angestellte, die eigens aus den acht Regierungsbezirken herangekarrt worden sind.

    Der Trauerzug vermittelt den Eindruck, als wären die alten Zeiten wieder zurückgekehrt und als hätte sich seit der Thronbesteigung Ludwigs III. im Jahr 1912 nichts entscheidendes geändert. Der Prunk-Leichenwagen des Ex-Königs und der Wagen mit dem Sarg der Ex-Königin werden jeweils von sechs Pferden gezogen, die mit schwarzen, mit Kronen geschmückten Schabracken bedeckt sind. Zehntausende Zuschauer säumen den Weg. 

    Da Münchens SPD-Bürgermeister Eduard Schmid verfügt hat, dass „die städtischen Ämter und Betriebe am Tag der Beisetzung grundsätzlich in vollem Umfange arbeiten“ müssen, müssen städtische Beamte für die „Teilnahme am Trauerzug“ eigens einen Urlaubstag opfern. 


  • München-Kreuzviertel * Bei seiner Traueransprache erneuert der erstgeborene Sohn Ludwigs III., Ex-Kronprinz Rupprecht von Bayern, den Anspruch der Wittelsbacher auf die bayerische Krone.  

    Doch die Befürchtungen der konservativen bayerischen Staatsregierung, dass die Trauerzeremonie mit der Proklamation Rupprechts zum neuen König von Bayern enden würde, erfüllen sich nicht, da sowohl der Ex-Kronprinz als auch der Regierungspräsident Gustav von Kahr den Zeitpunkt für noch nicht geeignet halten.


  • München-Maxvorstadt * Karl Valentin tritt im Rahmen der „Winterhilfswerk“-Veranstaltung „Heiterkeit und Fröhlichkeit in der Manege“ im „Zirkus Krone“ auf.

    Die Veranstaltung wird am 23. November wiederholt.


  • München-Maxvorstadt * Gegen 21:40 Uhr wird der Zirkusbau an der Marsstraße durch Bomben zerstört und vollständig eingeäschert. 


  • München-Maxvorstadt * Ida Krone eröffnet einen neuen provisorischen Zirkusbau an der Marsstraße. 


  • München-Au * Der „Cowboy Club München Süd” bittet um „Baugenehmigung für ein Behelfsclubheim”. 

    Auf dem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Grundstück von Frau Ida Krone, „da dadurch das bisher durch Lausbubenstücke und von lichtscheuen Elementen heimgesuchte Gelände unter schärfere Kontrolle fällt und der Rasen und Baumbestand gepflegt wird.
    Korrektes und ruhiges Verhalten wird die Nachbarschaft nicht belästigen“

    In einer „Ranch“ will der Verein einen „Clubraum“, einen „Museumsraum“ für die wertvolle Sammlung und einen „Bibliotheksraum“ verwirklichen.

    Die „Cirkus-Krone-Verwaltung“ genehmigt dem „Cowboy-Club“ die Grundstücksnutzung für seine sportlichen und ideellen Zwecke, bis zum beabsichtigten Verkauf des Areals.
    Seither beherrschen Winnetou und Old Shatterhand den ehemaligen „Schmederer-Garten“.

    Eine alte „Wehrmachtsbaracke“ wird mit Hilfe der „Pschorrbrauerei“ und hoher Eigenleistung zur „Ranch“ umgebaut.
    „Jeden Samstag und Sonntag sind 15 bis 20 Mann ganztägig da.
    Rund 2.000 Arbeitsstunden werden freiwillig und gern von den Clubmitgliedern geleistet“
    .  

    In der „Ranch“ befindet sich der kostbarste Besitz des „C.C.M.S.“, das „Indianermuseum“.  In ihm ist alles Zubehör und Kleidung zu finden, die einen Indianer ausmachen.
    Köcher aus Büffelleder, Federhauben, „Friedens-Pfeifen“, Brautmokassins, mit perlenbestickten, bunten Schuhsohlen, sowie Kriegsbeilen, wie sie wirklich waren: schlicht und einfach.

    In einem eigenen lateinamerikanischen Glaskasten befindet sich ein „Schrumpfkopf“


  • München-Au * Der „Cowboy Club München 1913“ will auf dem „Nockherberg“ eine neue „Club-Ranch“ und einen neuen Pferdestall erbauen und damit die vereinseigenen Pferde auf die „Nockher-Ranch“ holen.

    Anfangs sind die Pferde des „Cowboy Clubs München“ in einer Lackiererei an der Lilienstraße, später in einem Holzhaus nahe der „Schinderbrücke“ beim „Flaucher“ untergebracht.

    Doch als Frau Ida Krone stirbt, müssen die Westernfreunde ihre „Ranch am Nockherberg“ räumen, nachdem die Zirkusfamilie Krone das Gelände an der Marsstraße im Tausch mit dem „Nockherberg-Areal“ erhalten kann. 


  • Hamburg * Gemeinsam mit Tony Sheridan nehmen die Beatles The Saints (When the saints go marching in), produziert von Bert Kaempfert, auf Single auf. Die B-Seite der Single heißt My Bonnie (lies over the ocean) und handelt von Bonnie Prince Charles, der anno 1745 in Schottland landet und von dort einen Aufstand gegen die britische Krone beginnt.


  • München-Maxvorstadt * Carl und Frieda Sembach-Krone haben in achtmonatiger Bauzeit den alten provisorischen Zirkus-Holzbau an der Marsstraße durch einen Steinbau ersetzen lassen. Das einzige feste Zirkusgebäude in der Bundesrepublik Deutschland fasst 3.000 Personen. 


  • München-Maxvorstadt * Das erste Rock-Konzert im Cirkus Krone - mit Chubby Checker, Tony Sheridan, Manuela und anderen. Die Konzerte beginnen um 19:00 Uhr sowie um 21:30 Uhr und sind ausverkauft. 


  • München-Maxvorstadt * In der „Pepsi Cola Show“ im „Cirkus Krone“ treten unter anderem Gus Backus, Bernd Spier und das „Medium Terzett“ auf. 


  • München-Maxvorstadt * Cliff Richards & The Shadows treten im Cirkus Krone auf. 

    Im Vorprogramm spielt Dravi Deutscher.


  • München-Maxvorstadt * Louis Armstrong begeistert die Münchner im Cirkus Krone an der Marsstraße. 


  • München-Maxvorstadt * Toni Sheridan zeigt erneut sein Können im „Cirkus Krone“


  • München-Maxvorstadt * Die „Rolling Stones“ spielen erstmals in Münchens größter „Rock-Arena“, im „Cirkus-Krone-Bau“

    Der Eintritt kostet 6,90 DMark. 


  • München * Brian Jones von den „Rolling Stones“ lernt in München auf einer „After-Show-Party“ die als Fotomodell und Schauspielerin tätige Anita Pallenberg kennen.

    Auch Mick Jagger und Keith Richards begehrten diese Frau, doch Brian Jones gewinnt - vorerst. 


  • München * Für 17.15 Uhr ist das erste und für 21 Uhr das zweite Beatles-Konzert im Circus Krone angesetzt.

    Die Süddeutsche Zeitung informiert ihre Leser fürsorglich über die gesundheitliche Gefährlichkeit dieser Musik: „Wenn die Gitarren ihren harten Rhythmus beginnen, wird der Lärm so stark, dass es vom ärztlichen Standpunkt aus ratsam erscheint, das Weite zu suchen. Das halbe Dutzend großer Verstärker verwandelt selbst das Laufgeräusch einer Ameise in das Donnern einer aufgescheuchten Elefantenherde: Sie haben zusammen 800 Watt.“

    Die 6.200 Eintrittskarten für die Beatles-Konzerte sind schon lange vorher verkauft worden, 2.000 davon nach auswärts. Vier Sonderzüge treffen mit diesen Fans in München ein:

    • aus Stuttgart Der Rasende John,
    • aus Innsbruck Der Fliegende Paul,
    • aus Würzburg Der Schnelle George und
    • aus Ulm Der Rollende Ringo.  

    Am Einlass zum Cirkus-Krone-Bau brechen Teenager vor Enttäuschung in Tränen aus. Sie sind von einer Fälscherbande mit gezinkten Tickets betrogen worden.

    Um 16.30 Uhr werden die Türen zum Circus-Krone-Bau für die Fans geöffnet und um 17.15 Uhr beginnt das erste Beatles-Konzert vor 3.500 Zuschauern mit dem Vorprogramm.

    Die Sicherheitsvorkehrungen sind beträchtlich: 250 Polizeibeamte sind im Einsatz. Im Hof der Deroy-Schule parkt ein Wasserwerfer. Im Publikum verteilen sich ausgewählte junge Beamte. Bei einem Stimmungsüberschlag will man den Cirkus-Krone-Bau schlagartig in gleißend weißes Licht tauchen. Doch noch vor Konzertbeginn sorgt ein Gewitterregen für Abkühlung.

    Die Stimmung sinkt noch tiefer, als sich die erste Vorgruppe mit dem aufreizenden Namen Cliff Bennet and the Rebel Rousers auf der Münchner Bühne abmüht. Erst den Rattles, einer Band aus Hamburg, gelingt es, die Emotionen auf beatlesgemäßes Niveau zu steigern. Im Anschluss tritt noch das Duo Peter & Gordon auf. Danach schaltet die Regie eine künstliche Pause, nach der - in dem atemlos stillen Krone-Saal - die Beatles angekündigt wurden.

    Als die vier Ausnahmemusiker urplötzlich auf die Bühne springen, entlädt sich ein Orkan. Unter ihren - für die damaligen Verhältnisse - skandalös langhaarigen Köpfen tragen sie dunkelgrüne Jägeranzüge mit hellen Kragenaufschlägen. Ihre ebenfalls uniformen gelben Hemden sind mit Krawatten zugebunden. 

    Die Beatles spielen zwar nur elf Lieder. Doch mit jedem Song steigert sich die frenetische Begeisterung des Münchner Publikums. Die Songfolge ist folgendermaßen:

    • Rock and Roll Music
    • She‘s a woman
    • If I needed someone
    • Babys in black
    • Day tripper
    • I feel fine
    • Yesterday
    • I wanna be your man  
    • Nowhere man  
    • Paperback writer
    • I‘m down

    Begeisterte, schluchzende und enthemmte Jugendliche branden gegen die Bühne an, ausgebremst von einer Hundertschaft Polizisten, die auf Empfehlung des Psychologen in Zivil gekommen sind. Papierkugeln und Damenschuhe fliegen durch die Luft - bevorzugt zu Paul McCartney, dem damals noch einzigen Junggesellen. Nach jeder Nummer verbeugen sich die „Pilzköpfe“ artig und lächeln lieb. Das Jubelgeschrei wird noch lauter und noch stärker, sodass hinterher keiner der Anwesenden mit Bestimmtheit sagen kann, welche Songs die Beatles tatsächlich gespielt haben.

    Bereits nach 25 Minuten verschwinden die - wie sie die Münchner Presse gerne nennt - „vier Liverpooler Sängerknaben“ - genauso schnell wieder von der Bühne, wie sie gekommen sind, und hinterlassen ein erschüttertes Publikum und eine erleichterte Polizei. Immerhin ist es zu keinen Ausschreitungen und Sachbeschädigungen gekommen. „Es ging alles friedlich vonstatten“, wurde gebetsmühlenartig wiederholt. 


  • München * Die neue Münchner Linie wird bei den zwei Beatles-Konzerten im Cirkus Krone eingesetzt. Es treten keine Zwischenfälle auf.

© Rudolf Hartbrunner