Geschichte - Isen

Zeitensprünge





  • Naher Osten * Die zwei in den Orient ziehenden Hauptheere bilden die unter der Führung ihres Königs Ludwig VII. stehenden Franzosen und den Deutschen unter dem „Stauferkönig“ Konrad III..

    Beide Heere ziehen in engen räumlichen und zeitlichen Abständen durch Europa und erreichen Konstantinopel. Weitere „Kreuzfahrer“ aus den verschiedensten europäischen Regionen kommen per Schiff ins „Heilige Land“. Sie alle haben nur ein Ziel: die "Rückeroberung von Edessa".

    Doch der „Zweite Kreuzzug“ wird sich als völliger Fehlschlag erweisen und in einem demoralisierenden Rückzug enden. Der Kriegsverlauf ließ die „Kreuzfahrer“ resignieren. Erst die „Tempel-Ritter“ stellen die Disziplin wieder her. Dennoch geben die „Glaubenskrieger“ ihr ursprünglich gefasstes Ziel, die „Eroberung Edessas“, wieder auf und greifen stattdessen Damaskus an.


  • Worms * In Worms erklärt Kaiser Friedrich Barbarossa in einer Urkunde alle Zölle am Main - bis auf wenige Ausnahmen - für aufgehoben.  

    Fernhändler hatten sich bei ihm beschwert, dass sie zwischen Bamberg und Mainz allzu oft von regionalen Herrschern zur Kasse gebeten würden.  
    Die Anmaßung königlicher Befugnisse durch die Fürsten widerspricht aber den politischen Zielen Kaiser Friedrich Barbarossas, weshalb er diesen Missbrauch eindämmen will.  

    Der Kaiser setzt den Grundherren daraufhin eine Frist, binnen der sie die Berechtigung dieser Zollerhebungen anhand königlicher Privilegien nachzuweisen haben.  
    Nur die wenigsten Betroffenen können den geforderten Nachweis erbringen.  

    Gut vorstellbar, dass sich vor diesem Hintergrund auch ein heftiger Streit über die „bischöflichen Einnahmen“ aus dem „Zoll“, dem „Markt“, der „Münze“ und der „Isarbrücke“ in Föhring entzündet hat.  
    Man muss davon ausgehen, dass Herzog Heinrich XII. „der Löwe“ die unsicheren Rechtsgrundlagen des Freisinger Bischofs Otto I. über seine selbstherrlich geschaffenen Einrichtungen bewusst sind.  

    Außer den Ansprüchen der beiden Kontrahenten spielt dabei natürlich auch das machtpolitische Interesse des Kaisers mit.  
    Dieser tritt zwar vordergründig als unparteiischer Richter oder Schlichter auf, kann aber im Hintergrund agierend so seine Interessen und Ziele dennoch verwirklichen.  

    Der Herzog und der Kaiser ziehen also am gleichen Ende des Seiles.


  • München-Graggenau * Die Münchner „Seelhäuser“ mit ihren kleinen Gemeinschaften der „Seelnonnen“ haben ihren Ursprung in der „Armenbewegung“ und der „religiösen Frauenbewegung“ des Spätmittelalters.
    Sie stehen damit in Beziehung zu der weite Teile Europas erfassenden „Beginenbewegung“.

    In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hat sich die Lebensform der weiblichen „Beginen“ und der männlichen „Begarden“ rasch in Flandern, Brabant, den nördlichen Niederlanden, in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz ausgebreitet.

    In einem Bericht aus dem Jahr 1241 heißt es dazu: „Die Anzahl gewisser Frauen, die das Volk Beginen nennt, mehret sich, vor allem in Deutschland, bis zu Tausenden und Abertausenden in unglaublicher Weise; sie geloben und beobachten die Keuschheit und fristen von ihrer Hände Arbeit ein Leben der Zurückgezogenheit“.

    Die frühesten zeitgenössischen Berichte über „Beginengemeinschaften“ verweisen auf das „Herzogtum Brabant“, auf die „Diözese Lüttich“.
    Als älteste nachweisbare Niederlassung gilt das „Beginenhaus“ von Tirlemont in Brabant.
    Es besteht bereits vor dem Jahr 1202.

    In die ersten Jahrzehnte des 13. Jahrhunderts fallen die Entstehung der brabantischen „Beginensiedlungen“ von Nivelles [1220] und Herentals [1226] sowie der große „Beginenhof“ von Löwen [1232].
    In der „Grafschaft Flandern“ entstehen die „Beginenhöfe“ in Gent [1234], Kortrijk [1238] und Brügge [1245].

    Die Hochburgen der „Beginen“ im deutschen Sprachraum sind Großstädte und Bischofssitze wie Köln, Straßburg, Mainz, Basel, Worms, Trier und Würzburg, die als soziale, wirtschaftliche und geistige Zentren günstige Voraussetzungen für das Entstehen von „Beginengemeinschaften“ bieten.

    Schon für das Jahr 1211 - oder kurz danach - ist der Ursprung eines „Beginenkonvents“ in Nürnberg bekannt, aus dem später das „Dominikanerinnenkloster Engental“ hervorgeht.
    Der erste „Beginenhof“ in Ulm, die „Sammlung“, wird kurz nach dem im Jahr 1229 entstandenen „Franziskanerkloster“ gegründet.

    Für 1241 sind „Beginen“ in Nördlingen, 1243 in Dillingen belegt.
    Anno 1242 wird eine „femina religiosa“ in Frankfurt, 1244 eine „sorores conversae“ in Straßburg genannt.

    Gegen Ende des 13. Jahrhunderts entstehen auch in München mehrere „Seelhäuser“ als „Stiftungen“ wohlhabender Bürger.


  • Rom-Lateran * Papst Gregor IX. überträgt den Dominikanern die Aufgabe, die Orthodoxie des christlichen Glaubens zu schützen und deren Feinde aufzuspüren. Gemeint ist damit das Beharren auf bestimmten traditionellen Lehrmeinungen, Ideologien oder Handlungsweisen. Das steht im Gegensatz zu den Erneuerungsbewegungen, der Heterodoxie. 

    Dadurch engagieren sich die Dominikaner verstärkt in der Verfolgung der neuen Hexen-Ketzer-Sekte


  • München-Lehel * Eine „Walkmühle“ zur Tuchbereitung sowie ein „Loder-Ram“, ein Eisenrahmen, auf dem das Tuch gespannt wird, sind im später so genannten „Lehel“ entstanden.  

    Auch die Lederer betreiben hier ihren „Lohstampf“


  • München * Das „Braurecht“ wird nur an Angehörige aus Münchner Patrizierfamilien vergeben.

    Im Jahr 1363 entstammen alle zwölf Inhaber des „herzoglichen Lehensbriefes“, der „Gerechtigkeit“, einer Familie, die auch im Rat der Stadt und als Bürgermeister zu finden ist.

    Diese „Brauberechtigten“ verdienen ihr Geld im Großhandel mit Salz, Wein und Eisen. Sie brauen nicht selbst und überlassen diese Aufgaben ausgebildeten Brauern.


  • Andechs * Auf dem halbverfallenen Burgberg in Andechs machen die Herzöge Stephan und Johann unter dem Altar zufällig einen Fund.  

    Sie entdecken eine eisenbeschlagene Holztruhe, die selbst 150 Jahre nach der Zerstörung der Andechser Burg, nicht einmal nennenswert Rost angesetzt hat, und in welcher zahlreiche Reliquien eingelagert sind.  

    Darunter befinden sich  

    • drei Hostien,  
    • das Spottzepter und  
    • das Schweißtuch Christi,  
    • ein Teil der Dornenkrone,  
    • ein Stück der Lanze des Longonius,  
    • das Brautkleid und das Kreuz der heiligen Elisabeth,  
    • das Siegeskreuz Karls des Großen,  
    • sowie zahlreiche Hirnschalen, Rippen, Fuß- und Armknochen.  

    Allerdings war bis zu ihrem wundersamen Auftauchen von diesen Reliquien niemals die Rede.  

    Die baierischen Herzöge bringen das Schatzkästlein samt Inhalt in die „Lorenzkapelle“ des „Alten Hofes“.  
    Die Kapelle hat schon vorher zur Aufbewahrung der Reichsinsignien gedient.  
    Der Aufbewahrungsort und die Art der Reliquien sind eine bewusste Anspielung auf die verlorenen Reichsinsignien.  

    Ob es Zufall oder ein geschickt eingefädelter Coup ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen.  
    Auch deshalb, weil gleichzeitig eine Vernebelungstaktik beginnt.  

    Die Einträglichkeit eines solchen Fundes ist den Herzögen freilich bekannt.  
    Und der seit 1385 begonnene Bau der „Neuen Veste“ kostet viel Geld. 


  • Norditalien - Mittelitalien * Bernardino von Siena, ein „franziskanischer Bußprediger“, der später „heiliggesprochen“ wird, predigt auf seinen „Missionsreisen“ durch Nord- und Mittelitalien vehement gegen „Juden“, „Häretiker“, „Sodomiten“ und „Ehebrecher“.

    Auch glaubt er, überall auf „magische Praktiken, Wahrsagerei, Zauberei und das Wirken von Dämonen“ zu treffen.
    Er bezeichnet die „Hexerei“ als eines der verabscheuungswürdigsten Verbrechen, für dessen Duldung Gott die Menschheit hart bestrafe.

    Seine Zuhörer fordert der „heilige Mann“ auf, die „Hexen, Wahrsager und Zauberer“ aufzuspüren und zu vernichten.
    Seine Predigten enden regelmäßig in regelrechten Verfolgungen und Hinrichtungen.

    Das „Verfolgunsgebiet“ ist so erweitert worden. 


  • München-Graggenau - München-Angerviertel * Das „Isartor“ erhält sein größtes Ausmaß.  

    Diese Erweiterung und Verstärkung ist notwendig geworden, nachdem sich die Waffentechnik der Angreifer grundlegend geändert hat.  
    Die aufkommenden „Pulvergeschütze“ entwickeln sich zu einer gefährlichen Bedrohung für die herkömmlichen Burg- und Stadtmauern.  

    Die Verstärkung wird erreicht, indem man eine zweite Mauer in einem Abstand von sieben bis neun Metern parallel vor die bestehende „Stadtmauer“ baut.
    Diese sogenannte „Zwingermauer“ ist mit durchschnittlich vier bis fünf Metern nur etwa halb so hoch wie die „Hauptmauer“.  
    Den Zwischenraum innerhalb der beiden Mauerführungen, der bis zu zwei Meter hoch aufgeschüttet ist, bezeichnet man als „Zwinger“.  

    Gleichzeitig müssen nach dem selben Prinzip natürlich auch die „Haupttore“ verstärkt werden.  
    Dazu werden dem bestehenden „Hauptturm“ - im Zuge der „Zwingermauer“ - zwei „Vortürme“ vorgelagert.  

    Die beiden achteckigen und drei Geschosse hohen „Flankentürme“ sind durch ein hohes Mauerwerk, einer sogenannten „Barbakane“, miteinander verbunden.  
    Dadurch entsteht eine nach innen und außen abgeschlossene „Torburg“.  

    Jeder, der diesen „Torzwinger“ betritt, musste freilich damit rechnen, dass er hier gefangen gesetzt werden kann, wenn vor ihm die „Fallgatter“ im „Torturm“ und hinter ihm im sogenannten „Vortor“ niederrasselten.  
    Anstelle der heutigen drei „Torbögen“ muss man sich ein „Mittelportal“ als „Zugang“ beziehungsweise „Zufahrt“ und je eine seitliche „Schlupfpforte“ vorstellen.  
    Vor dem „Isartor“ überwölbt eine Brücke den „Stadtgrabenbach“.  
    Rechts von der „Tordurchfahrt“ befindet sich das „städtische Zollhaus“.  

    Die am „Isartor“ eingenommenen Zölle: „Brückenzoll“, „Wasserzoll“, „Salzzoll“, „Pflasterzoll“ und „Zoll für das Trockengut“ sind die für die Stadt Einträglichsten.  

    Im Gebäude links von der „Tordurchfahrt“ ist der „Stadtwagner“ untergebracht, der auch für die Instandhaltung und für das Aufziehen und Niederlassen der vor dem „Isartor“ gelegenen „Zugbrücke“ verantwortlich ist.  

    Die mit Eisen beschlagenen Torflügel werden bei Tagesanbruch geöffnet und bei Sonnenuntergang mit Riegeln verschlossen.  

    Ab dem „Vesperläuten“ gilt die „kleine Torsperre“.  
    Wer danach aus oder in die Stadt will, musst dafür bezahlen.  

    Die Glocken der „Frauenkirche“ verkündeten im Sommer um 22 Uhr, im Winter eine Stunde früher, die „große Torsperre“.  
    Denn in der Nacht ist München hermetisch verrammelt. 


  • Ramersdorf - Haidhausen - München * Die kaiserliche Gefolgschaft wird kurz hinter Ramersdorf, auf einer Lüften genannten Schafweide, von einer festlich herausgeputzten Ritterschar begrüßt, die den Rahmen für ein Manöverspiel bilden.

    Wie der Historiker Sigmund Riezler in seiner Baierischen Geschichte berichtet, ist hier „mit den herzoglichen Heerpaukern und Trompetern die Reiterei der Landsassen und Hofbeamten aufgestellt, 550 Pferde stark, darunter etwa 300 in vollständiger Rüstung, Blankharnisch, Armzeug, Knieköpfen, die Rosse mit Eisenstrinen, alle in roten Röcken mit dem herzoglichen Wappen auf dem Ärmel, eine buntschimmernde Masse, überragt von langen, schwarz und weiß bemalten Spießen mit schwarzen Fransen. An den Anführern bewundert man damastene Röcke, goldene Ketten und vergoldete Waffen“.

    Jeder Reiter hat hinter sich einen Pagen, der ihm die Lanze und den Helm mit wallenden Federn trägt. Ein alter Kriegsmann, der Ritter Dietrich von Knöringen, befehligt diese glänzende „cavalli alla borgognona“.

    Um den Empfangsplatz bilden einhundert Feldgeschütze - Quartanen, Schlangen, Falkonetlein und Mörser - einen Halbkreis, wobei die Zuschauer ganz besonders eine achtzehn Fuß lange, hölzerne, mit Eisenringen umwickelte Büchse interessiert. Diese haben baierische Truppen im Jahr 1525 vor Rastatt den aufständischen Bauern abgenommen. 


  • München - Haidhausen * Der eigentliche Höhepunkt soll aber erst rund achthundert Meter weiter kommen, etwa an der Stelle des heutigen Rosenheimer Platzes. Dort ist innerhalb von wenigen Tagen - fast nach Hollywood-Manier - eine wehrhaft aussehende Burg mit vier Türmen und Bastionen aus Holz, Leinwand und Farbe errichtet worden. Alles wirkt sehr realistisch.

    In der Festung warten einhundert schwerbewaffnete Männer, bis die Gäste auf der Ehrentribüne Platz genommen haben. Auf ein Zeichen Herzog Wilhelms IV. rücken die von Ramersdorf kommenden Angreifer heran und es kommt unausweichlich zur Schlacht, bei der sechzehnhundert Mann unter ohrenbetäubendem Kriegsgeschrei das Schloss stürmen.

    Nachdem einige an die Mauern gelehnte Sturmleitern von den Verteidigern der Burg umgestoßen worden sind und sich dabei die Angreifer und das nachdrängende Fußvolk etliche Blessuren zugezogen haben, „überkam beide Seiten eine große, unbändige Wut“, schreibt unser Zeitzeuge. Und da es sich sowohl bei der Burgbesatzung als auch bei den Angreifern um „temperamentvolle, rauflustige und keine Schmähung duldende Altbaiern” handelt, wird aus dem zur Ergötzung des Kaisers veranstaltetem Scheingefecht sehr schnell blutigster Ernst.

    Die Manöver-Gegner dreschen derart rabiat aufeinander ein, dass am Ende acht Tote und eine unbekannte Zahl von Männern verletzt liegen bleibt. Das wird von den Ehrengästen auf ihren Tribünen natürlich nicht bemerkt. Immerhin erhalten die Getöteten ein Begräbnis auf dem Salvatorfriedhof und deren Witwen und Waisen ein jährliches Gnadengeschenk aus der landesherrlichen Privatschatulle.

    Auf dem Manöverfeld schießen die Angreifer die Burg später schließlich noch in Trümmer und Fetzen. Der Chronist vermerkt: „Mit ungeheuerem Krachen entluden sich alle Geschütze auf einmal”. Immerhin zeigt sich Kaiser Carl V. von dem Manöver und der dabei gezeigten baierischen Kampfkraft mächtig beeindruckt.


  • Rom * Die „Gesellschaft Jesu“ wird von dem ehemaligen Offizier Ignatius von Loyola gegründet und wie ein Militärverband aufgebaut.

    Ihr Tätigkeitsfeld sehen die „Jesuiten“ vor allem in der „geistigen Erneuerung und Seelsorge“.
    In der Folgezeit entwickelt er sich zum „Kampforden der katholischen Kirche“.

    Der „Jesuit“ Lamormain wird viele Jahre später behaupten:
    „Wenn es nicht die Schulen der Gesellschaft gegeben hätte, die nach dem weisen Ratschluss der Kaiser und Erzherzöge in Wien, Prag, Graz, Olmütz und anderenorts in Deutschland gegründet wurden, dann wäre von der katholischen Religion kaum eine Spur übrig geblieben“.


  • Europa * Die Missernten haben aufgrund der Klimaveränderung nach 1560 stark zugenommen.

    Der Mechanismus einer „Agrarkrise“ lässt sich vereinfacht wie folgt darstellen:  
    Das Ergebnis einer klima- oder unwetterbedingten „Missernte“ ist die „Verknappung der Grundnahrungsmittel“, was bis ins 19. Jahrhundert hinein immer das „Brotgetreide“ betrifft.

    Die unmittelbare Folge davon ist eine „Teuerung“, die dazu führt, dass große Teile der Bevölkerung hungern oder an Unterernährung leiden.
    Dieser verschlechterte Allgemeinzustand bewirkt oft das Auftreten von epidemischen Krankheiten oder eine stark erhöhte Krankheitsanfälligkeit.

    Dieser Zyklus dauert bis zur nächsten Ernte, also bis zum Spätsommer des folgenden Jahres.
    Folgt aber in der Zwischenzeit eine weitere „Missernte“, erhöht sich der Schaden um ein Vielfaches.

    Die „Perioden der Teuerung“ treten um das Jahr 1560 häufiger auf und dauern länger.
    Diese „Hungerkrisen“ betreffen große Teile Europas, weshalb neue „Hexenverfolgungen“ beginnen und in den verschiedenen Ländern zu einer Verschärfung der „Hexen-Gesetzgebung“ führen.

    Die Verfolgung der „Hexen“ ist nicht von der konfessionellen Überzeugung der Verfolger abhängig.
    Auch drängen sich nach der „Reformation“ die katholisch gebliebenen Gebiete - wie man gerne unterstellt - nicht in den Vordergrund.

    Im Gegenteil: In Spanien hat sich die „Inquisition“ seit dem Jahr 1526 auf eine sehr gemäßigte Position zurückgezogen.
    In Italien führt eine Debatte in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts zu einem deutlichen Widerstand gegen die „Hexenverfolgungen“ in den oberitalienischen Alpentälern.

    Anders verhält es sich mit den „Hexenverfolgungen“ in Deutschland.
    Hier beginnen die „Protestanten“ achtzig Jahre später dort, wo die „Katholiken“ in den 1480er Jahren aufgehört haben, nämlich im deutschen Südwesten. 


  • München-Graggenau * Eine „Keller- und Speisenordnung“ des herzoglichen Hofes zur Zeit Herzog Albrecht V. regelt genau, wer was und wie viel an Getränken den Teilnehmern der herzoglichen „Hoftafel“ aufgetischt wird.


  • München * Angaben, wonach Herzog Wilhelm V. das „Frauenhaus“ auflöst und sieben der „gemeinen Tochterlein“ freiwillig zu Nonnen und die anderen mit jungen Männern verheiratet werden, lassen sich nicht nachweisen. 


  • Landshut * Der weithin bekannte „venezianische Goldmacher“ Marco Antonio Bragadino reitet auf einem Berberhengst durch das Landshuter Stadttor ein.  

    Er ist mit den erlesensten und teuersten Stoffen gekleidet und wird von Dienern und zwei großen schwarzen Doggen begleitet.  

    Der anwesende baierische Herzog Wilhelm V. begrüßt den vornehmen Ankömmling mit überschwänglicher Freude.  
    Der Baiernregent erhofft sich von dem Fremden die Lösung seiner gesundheitlichen und - vor allem - seiner finanziellen Probleme, da dieser mit dem „Lapis philosophorum” den „Stein der Weisen“ besitzt. 


  • Padua - Landshut * Marco Bragadino lässt seine „Familia“ aus Padua nachkommen.  

    Der Zug mit insgesamt elf Personen macht sich auf den Weg nach Landshut.  
    Die Reisegruppe kommt aber nur langsam voran, da Bragadinos Lebensgefährtin Laura Canova, eine verwitwete Vilmerca, hochschwanger ist, nicht reiten darf und deshalb in einer Sänfte reisen muss, was die Reisekosten enorm in die Höhe treibt. 


  • Stolberg-Weringerode * Der Alchemist Essaias Stumpfeld bietet dem Fürsten von Stolberg-Wernigerode die Rezeptur für den Stein der Weisen an. 

    Bei einer Arbeitsprobe entstehen wenige kleine rote „Rubinlein“, die aus Arsen-, Antimon- und Quecksilbersulfid bestehen. Und tatsächlich kann man scheinbar mit den „Rubinlein“ Silber in Gold verwandeln. Denn wenn man ein Silberblech mit den „Rubinlein“ bedampft, erscheint dieses unter dem dünnen, gelben Belag von Arsensulfid golden. 


  • München-Graggenau * Eine vierköpfige Kommission untersucht die „Landfahrerfamilie“ Pämb.

    Auf Wunsch von Herzog Maximilian I. soll zunächst geprüft werden, ob sich die Familie tatsächlich für ein öffentlichkeitswirksames Exempel eignet.

    Die Kommission scheint zufrieden.
    Denn vor ihnen stehen zwei alte, ausgezehrte Menschen und zwei Burschen, die alle vier bereits durch die „Folter“ gezeichnet sind, dazu ein zehnjähriges Kind.

    Sie sind davon überzeugt: diesen Delinquenten kann man alles mögliche andichten, auch eine „Teufelsanbetung“.
    Begeistert erstattet man dem Herzog davon Bericht.

    Den „Hexen-Prozess“ leitet der „Hofratskommissar“ Dr. Johann Simon Wagnereckh.
    Zunächst befragt er den kleinen Hansel.  

    Mit anwesend sind dabei die „Hofräte“ Jacob Hainmüller und Ernst von Roming, ein „Schreiber“ sowie der „Eisenmeister“ Sebastian Georg, der zugleich der Verwalter des „Falkenturms“ und oberster „Folterknecht“ ist.

    Zunächst soll Hansel nur sagen, ob seine Brüder jemals „abgeschnittene Kinderhände“ mit sich geführt hätten.
    Schockiert schüttelt Hansel den Kopf und gab damit das Zeichen für die „Folterknechte“.

    Nach der „Tortur“ gesteht der Zehnjährige alles, was man ihm an Unterstellungen über seine Brüder eingeredet hat.
    Ja, sie haben Kindern die Hände abgeschnitten,
    ja, sie haben Schwangere ermordet, um an die Hände der Ungeborenen zu kommen.
    „Ja“, immer wieder „ja“


  • München-Maxvorstadt * Am Galgenberg werden die fünf Männer gerädert. Dazu bindet  man die Malefikanten auf ein scharfkantiges Balkengerüst und zerschmettert ihnen mit einem eisenbeschlagenen Richtrad die Gliedmaßen. Für gewöhnlich beginnt diese Bestialität bei den Unterschenkeln. Die Zahl und der Rhythmus der Schläge sowie die Reihenfolge der Gliedmaßen sind genau vorgeschrieben. Paulus Pämb wird nun zusätzlich „gespießt“. Der Henker rammt ihm einen kurzen Jagdspieß durch den After in den Unterleib.

    Der letzte Akt der Justizwillkür im Namen des Herzogs Maximilian I. ist der Feuertod. Man zerrt die Pämbs und ihre Bekannten zu ihren Scheiterhaufen, bindet sie an - Anna setzt man dabei auf einen Stuhl- und verbrennt die „Teufelsbrut“ lebendig und „unter jämmerlichem Geschrei“


  • München * In der „Haußpolicey“ findet man zu den Schauspielern folgenden Text: 

    „Nicht die geringste ursach warumb die Jugent in die unzucht und geilheit gerahtet seind die Comedien Spektackel und Schawspiel / welche an etlichen orten an den Fürstlichen Höfen oder in den Heusern der Mechtigen oder in den offentlichen darzu bestimbten Heusern gehalten werden. 

    Dann sie [die Schauspieler] seindt gemeinklich eitele / liderliche / verschlagene / arglistige / unverschambte und gottlose leut / ja was mehr ist / man findt under jhnen Landverwisene / ehvergessene / Landstürtzer / Zigeiner und arge Ketzer.“

    Es ist die Zeit der „Gegenreformation“ und schon deshalb hat alleine das „Schauspiel der Jesuiten“ Niveau und ist staatlicherseits legitimiert worden.


  • München - Markt Schwaben * Herzog Maximilian I. macht der Vorschlag, das Urteil gegen Dr. Gottfried Sattler außerhalb von München zu vollstrecken, um so ein größeres Aufsehen zu vermeiden. Dr. Gottfried Sattler wird wenig später in Markt Schwaben hingerichtet. Es ist aber nicht die willkürliche Art seiner Prozessführung, die zu seiner Verurteilung führt, sondern

    • die „Unterschlagung und Veruntreuung“ und damit
    • die „Schmälerung der landesherrlichen Einnahmen“

    Erst nach dem Wemdinger Fiasko setzt sich beim Hofrat eine vorsichtigere Verfolgungspraxis durch. Die Außenbeamten werden jetzt sorgfältiger überwacht und voreilige Maßnahmen frühzeitiger gerügt. In der Folgezeit endeten die meisten Untersuchungen wegen Zauberei mit strengen Verweisen


  • Eichstätt * Im „Bistum Eichstätt“ beginnen die Hexen-Verfolgungen.

    Dort ist es Johann Christoph von Westerstetten, der sich bereits im „Bistum Ellwangen“ als fanatischer „Hexenbischof“ hervortat und an seiner neuen Wirkungsstätte die „Hexen-Verfolgungen“ forciert.

    In seiner Amtszeit zwischen 1617 und 1630 lassen sich mindestens 155 Hinrichtungen [133 Frauen und 22 Männer] nachweisen. 

    Mit seinem Tod enden auch die Verfolgungen.
    Auch in Eichstätt gehen die Verfolgungen durch alle sozialen Schichten, Opfer werden Bürgermeister, Ratsherren und deren Frauen ebenso wie der „Klosterrichter“ und andere. 


  • München * In einem Bericht an Kurfürst Maximilian I. betont der Stadtrat, dass er starke „Bettler und Bettlerinnen“ in „Eisen schlagen“ und anschließend zur „Zwangsarbeit beim Schanzenbau“ einsetzen lässt.

    Mit diesen Zwangsmaßnahmen wollen die „Stadt- und Landesherren“ den „Arbeitsscheuen“ den „Teufel des Müßiggangs“ austreiben.
    Doch nach ihrer Entlassung finden die „Bettler“ trotzdem keine Möglichkeit der Beschäftigung vor.


  • München - Freising * Der kurfürstliche Kriegsrat Johann Küttner und die Münchner Bürgermeister Friedrich Ligsalz und Ferdinand Barth sowie der Stadtrat Paulus Parsdorfer reisen nach Freising. Dort treffen sie den Schwedenkönig Gustav Adolf und bitten ihn

    • um Schonung der Stadt vor Brand und Plünderung,
    • die Sicherung der Personen und Eigentum und
    • die Bewahrung von Religion und politischer Verfassung.

    Sie bieten dafür die Bezahlung einer Kontribution [Geldzahlung] an.


  • München - Haidhausen * Unterwürfig überreichen die Münchner Stadtväter dem anrückenden „Kriegsherrn“ Gustav II. Adolf am „Gasteig“ die Stadtschlüssel.

    Der „Schwedenkönig“ zieht in München ein, um in der Residenz Quartier zu nehmen.
    Sein Weg führt ihn über die Isarbrücke zum „Roten Turm“ und dem „Isartor“.

    In seiner Begleitung befindet sich der „Winterkönig“ Friedrich V., der Pfalzgraf August von Sulzbach und die Herzöge Bernhard und Wilhelm von Weimar sowie Johann von Holstein.
    Diesen folgen noch drei Regimenter.

    Gustav Adolf ist von München angeblich so begeistert, dass er am liebsten die „Residenz“ mit nach Schweden genommen hätte - sagt man.
    Es stimmt wohl, dass er München - angesichts des eher kargen Umlandes - mit einem „goldenen Sattel auf einem mageren Pferde“ verglichen hat.
    Seine Schwärmerei für die „Residenz“ ist jedoch eine Ausschmückung späterer Jahre.
    Denn eigentlich war es nur ein Ofen, der ihm so gut gefiel, dass er „gewinschet, daß dieser ofen zu Stockholm wehre“.

    Die Schweden besetzen die baierische Haupt- und Residenzstadt.
    Siegmund Riezler schrieb dazu: „Im Übrigen aber wurde weder Eigentum noch Person angetastet“.

    Das stimmt so nicht!
    Denn die Hauptleidtragenden der Kriege sind immer die Vorstädter.

    Sie bieten den Belagerern der Stadt Ersatz fürs Morden, Plündern, Brandschatzen, Foltern und Vergewaltigen. 

    Die Hauptarmee lagert nicht in der Stadt, sondern ist auf die Dörfer vor den Stadttoren verteilt worden.
    Und diese „Soldateska“ raubt und stiehlt alles, was nicht niet- und nagelfest ist und verkauft es in der Stadt, sodass die Münchner Waren zu billigsten Preisen kaufen können.


  • München * Ein nachweisbarer Einsturz der heutigen Ludwigsbrücke ereignet sich. Es gibt zwar kein amtliches Dokument, dafür aber ein Mirakelbild an der südlichen Außenmauer der Tuntenhausener Kirche.

    „Bei dem theilweisen Einsturze der Isarbrücke zu München am 5. August 1633 kam Jakob Oefele, Zimmermann von der Au, in große Todesgefahr, indem er mit noch 50 Personen ins Wasser fiel, nach gemachten Gelöbnis wurde er errettet”. Über die Zahl der Opfer dieses Brückeneinsturzes ist allerdings nichts Näheres bekannt.


  • Freising * Der Freisinger Bischof Veit Adam von Gepeckh stirbt.  

    Sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wird der 28-jährige Baiernherzog Albrecht Sigismund.  

    Ihm gehört damit - neben seiner Residenzstadt Freising samt ihrem Burgfrieden - die „Grafschaft Ismaning“, die „Herrschaft Isen-Burgrain“ und die „Grafschaft Werdenfels“


  • München-Angerviertel * Caspar von Schmid heiratet die Hofbeamtenstochter Katharina von Imsland.  

    Die feierliche Trauung findet am späten Abend in der „Peterskirche“ statt, wie es in vornehmen Kreisen des Barocks damals Brauch war. 


  • München - Wien * Der baierische Kurfürst Ferdinand Maria lässt - die Vor- und Nachteile der Kaiserkrone abwägend - die politische Vernunft siegen und verzichtet in einem Brief nach Wien, dass er die Krone zurückweisen und seine Stimme nur einem Habsburger geben werde.

    Den zu erwartenden Kampf mit Habsburg auf sich zu nehmen, lohnt sich nicht. Das heißt allerdings nicht, dass man begeistert war, dass wieder ein Habsburger die Krone bekommen sollte und Österreich seine Macht behaupten oder gar erweitern konnte. 


  • Vasvár-Eisenburg * Kaiser Leopold I. schließt in Vasvár-Eisenburg mit den Osmanen den „Friedensvertrag von Eisenburg“ für die Dauer von zwanzig Jahren ab. 


  • Vasvár-Eisenburg * Der zwischen Kaiser Leopold I. und den Türken unter Führung von Sultan Mehmed IV. in Vasvár-Eisenburg ausgehandelte 20-jährige Waffenstillstand wird nach der Ratifizierung des Vertrags vom 10. August gültig. 


  • xxx * Der Alchemist Hennig Brand versucht mit Hilfe von Urin den Stein der Weisen zu finden und stößt dabei auf den selbstleuchtenden Phosphor mirabilis [= wundersamer Lichtträger], der bald darauf an den Fürstenhöfen und an den Theatern für Spezialeffekte benutzt wird.


  • München - Au * Da es noch an ergiebigen Maulbeerplantagen mangelt, muss die Rohseide aus dem Ausland bezogen werden.  Zusätzlich lässt der Kurfürst „im großen Hofgarten, im Residenzgarten, Krautgarten, Kuchlgarten zu München, in den Hofgärten zu Dachau, Berg am Laim, Bogenhausen, Schleißheim und Nymphenburg“ eine große Menge Maulbeerbäumeanpflanzen.

    Den Kapitalstock für das Unternehmen liefern sowohl Privatleute als auch die frühen Sozialeinrichtungen wie das Heiliggeistspital, das Städtische Waisenhaus oder das Leprosenhaus am Gasteig.

    Eine barocke Gründerzeit-Mentalität ist zu verzeichnen. In grenzenlosem Vertrauen fließt das Geld in erstaunlichen Mengen, sodass bald mehrere Tausend Gulden zur Verfügung stehen, um in Italien Seidenspinner-Eier zu bestellen. Das übrige Kapital wird in den Neubau für ein Seidenhaus in der Au investiert. 


  • xxx * Der Alchemist Johann Rudolph Glauber ist der Auffassung, dass er mit der Herstellung von Goldrubinglas eine Vorstufe des Steins der Weisen gefunden hat und preist sein Glas in zerriebener Form als Medizin an. 


  • Meran * Der Bischof von Brixen erteilt „Frater Onuphrius vom heiligen Wolfgang“ in seiner „Klause“ nahe Meran seine „Priesterweihe“.  

    In der Folge kommt „Bruder Onuphrius“ auf Reisen nach Wien und München mit höchsten Adelskreisen in Verbindung.  
    Sie fördern das Eremitenleben als romantisierende religiöse Modeerscheinung.  

    Der Eremit gewinnt unter anderem die tatkräftige Unterstützung der Kurfürstin Maria Antonia, die „Onuphrius“ die Wahl einer geeigneten Niederlassung in Baiern anbietet. 


  • Eisenach * Max Emanuel bricht - incognito - zur „Brautschau“ nach Eisenach auf, wo er sich für die protestantische Prinzessin Eleonore Erdmute von Sachsen-Eisenach interessiert.


  • München-Angerviertel * Kurfürst Max Emanuel lässt ein kurfürstliches Zuchthaus bauen. In ihm sollen „übermütige Herrendiener, schlechte Ehehalten [Dienstboten], liederliche Handwerksburschen, ungeratene Kinder, freche Menscher [Mägde], langsame Zimmer- und Maurergesellen, faule Tagwerker und Müßiggänger untergebracht werden, nach Umständen in Eisen und Band, bei geringer Nahrung und Karbatschenhieben“

    Das Korrektions- und Arbeitshaus befindet sich an der Stadtmauer und nimmt die ganze Südseite des heutigen Viktualienmarktes ein.


  • Bogenhausen * Im „Brunnthal“ in Bogenhausen entsteht ein „Militärwaisenhaus und Militärlazarett“.


  • Bogenhausen * Das „Militärwaisenhaus und -lazarett“ wird in eine „Pflegeanstalt für bresthafte Frauen“ umgewandelt.


  • München * Durch die Visionen und Prophezeiungen der Maria Anna Lindmayr verbreiteten sich bald in der ganzen Stadt die wildesten Gerüchte. Die - berechtigten - Ängste der Bevölkerung vor einem drohenden Krieg und den daraus resultierenden Auswirkungen führen noch am Dreifaltigkeitstag, am 18. Mai, zu einem Volksauflauf.

    Der Kurfürstliche Geheime Rat lässt daraufhin die Prediger anweisen, sie sollen gegen die „Ausstreuungen einer gewissen Person“ vorgehen und die Bevölkerung zu „Buße, Tugend und Frömmigkeit“ anhalten.

    Die „fromme Marianndl“ wendet sich daraufhin an den Freisinger Fürstbischof Franz von Eckher von Kapfenberg und Lichteneck, der sie von einer „Kommission hochangesehener Geistlicher“ untersuchen lässt. Die Kommission stellt in ihrem Gutachten fest, dass die Lindmayr „in etlich sachen eine mehr als natürliche erkandnuß“ habe.

    War die Lindmayrin zuvor in der Stadt noch umstritten, so ist nun die Mehrheit von der Mystikerin überzeugt. Maria Anna Lindmayr ist sich sicher, dass Gott die schlimmsten Gefahren nur dann von der Stadt abwende, wenn man ihm eine „Kirche zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit“ geloben würde. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, erklärt sie, dass ihr dies schon mehrmals geoffenbart worden sei. 


  • München * Der „Münchner Verschwörerkreis“ hat sich um den „Eisenhändler“ und „Mitglied des Äußeren Rats“ Sebastian Senser, den „Gastwirt“ Franz Mader, die „Hofköche“ Kaspar Eckart und Sebastian Engelhart, den „Registratur-Adjukt“ Ignaz Haid, den „Studenten“ Anton Passauer und den im Lehel wohnenden „Aujäger“ Franz Daiser erweitert. 

    Eine weitere Anwerbung findet weder bei den „Studenten“, noch bei den „Hofbediensteten“ Anklang.


  • München * Enrico Zuccalli wird wie alle Gefolgsleute des Kurfürsten Max Emanuel aus dem Hofdienst entlassen.

    Zuccallis Aufgaben und Aufträge werden nun Giovanni Antonio Viscardi übertragen. Seine Tätigkeiten in dieser Funktion sind vor allem weite Kontrollreisen zur Überwachung von Kasernen- und Festungsneubauten


  • München-Graggenau * Am Münchner „Schrannenplatz“ ist eine Schaubühne errichtet worden, auf der der „Eisenhändler“ Sebastian Senser, der „Weinwirt“ Johann Georg Küttler, die ehemaligen „Leutnante“ Johann Clanze und Johann Georg Aberle wegen „Hochverrats“ durch das Schwert hingerichtet werden. 

    Küttler wird zudem gevierteilt.
    Seine Leichenteile werden an den vier Stadttoren zur Abschreckung aufgehängt.


  • München * Nachdem Kurfürst Max Emanuel aus seinem Exil wieder nach Baiern zurückgekehrt ist, lässt er alle Juden aus dem Land weisen.

    Dabei hat die „Kurbaierische Landschaftsverordnung“, die Vertretung der „Landstände“, in den letzten Monaten der kaiserlichen Besatzungsherrschaft auf jüdische Finanzmittel zurückgegriffen.

    Um den Abzug der kaiserlichen Besatzungstruppen zu beschleunigen, hat sie die ausstehenden kaiserlichen Forderungen und alle Landesausgaben übernommen.
    Diese Aufwendungen hat sich die „Landschaftsverordnung“ von jüdischen Geldgebern finanzieren lassen.

    Als Gegenleistung gesteht man den Kreditgebern den freien Aufenthalt im Kurfürstentum bis zur Zurückzahlung der Schulden zu.


  • Au * Die ersten zwei „Klosternonnen vom Kloster Niedernburg“ treffen am „Gaisberg“ ein.

    Maria Agnes Dascher wird als „Priorin“ das Kloster leiten, Maria Antonia von Eiseneck als „Wirtschaftsleiterin“ die Geschicke der Klostergemeinschaft lenken.

    Danach unterstellt man ihnen die sechs schon vorhandenen Nonnen und erhebt die Gemeinschaft zum „Benediktinnerinnenkloster“, für das sich bald der Name „Lilienberg“ einbürgert.


  • USA * In einem lebensgefährlichen Experiment lässt Benjamin Franklin bei einem sommerlichen Gewitter einen Drachen an einem Metalldraht aufsteigen und kann so beweisen, dass Blitze elektromagnetische Entladungen sind. 

    Damit ist der Blitzableiter erfunden. 


  • Maximilian Joseph von Montgelas‘ Mutter Maria Ursula, eine geborene Gräfin von Trauner, stirbt ein halbes Jahr nach seiner Geburt. 

    Da sich der Vater häufig auf Dienstreisen befindet, wächst er zunächst bei seiner Großmutter in Freising auf. 


  • München * Freiherr Maximilian von Montgelas erfährt seine politische Prägung in der Zeit der Aufklärung, die der Philosoph Immanuel Kant als den Ausgang des Menschen aus seiner Unmündigkeit beschreibt.

    Die europäische Aufklärung will den Menschen emanzipieren und ihn von den geistigen und gesellschaftlichen, den kirchlichen und staatlichen Zwängen befreien. Ihre Philosophen und Publizisten sprechen dem Menschen eine gottgegebene Würde und natürliche Rechte zu: So auch das Recht, kraft seiner Vernunft und Dank seiner Erfahrung sein Leben zu gestalten. 

    Außerdem soll der freie Mensch sich mit seinesgleichen zusammentun und die alten Gewalten - Monarchie und Aristokratie - in die Schranken weisen, wenn nicht sogar beseitigen. Die befreiten Menschen sollen eine neue Gesellschaft bilden und einen neuen Staat gründen, welcher die Selbstverwirklichung jedes Einzelnen ermöglicht und somit dem Fortschritt Aller dient.

    In Amerika werden diese Gedanken in Taten umgesetzt, als sich am 4. Juli 1776 die dreizehn englischen Kolonien zu „freien und unabhängigen Staaten“ erklären. 

    Die Grundlage bildete die Erkenntnis, dass alle Menschen gleich geschaffen, sowie von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet worden sind. Dazu gehört Leben, Freiheit und das Streben nach Glück. Freie und gleiche Menschen wählen sich eine Regierung, die, wenn sie nicht mehr ihre Zustimmung hat, durch eine andere ersetzt werden muss. 


  • Salzburg * Wolfgang Amadeus Mozart hält es nicht mehr in Salzburg.

    Er hat von dem strengen und sparsamen „Fürstbischof“ Hieronymus Coloredo die Schnauze voll, ist gerade aus dem verhassten salzburgischen „Hofdienst“ entlassen worden und sucht nun an einem anderen Ort ein ihm gemäßes Wirkungsfeld. 

    Gemeinsam mit seiner Mutter macht er sich auf Reisen.


  • München-Graggenau * In München lässt sich ein „Hundemarkt“ auf dem heutigen „Marienplatz“ nachweisen.  

    Er findet Sonn- und Feiertags zwischen zehn und zwölf Uhr statt.  
    Der private „Hundehandel“ wird verboten. 


  • München * Als Folge der „Illuminatenaffäre“, in deren Verlauf die Mitglieder dem Vorwurf „landesverräterischer und religionsfeindlicher Bestrebungen“ ausgesetzt sind, verlässt Maximilian Joseph von Montgelas das Kurfürstentum Baiern und tritt in den Dienst Herzog Carl II. August von Pfalz-Zweibrücken.  

    Dieser wird, je länger die Kinderlosigkeit des pfalz-baierischen Kurfürstenpaares andauert, als voraussichtlicher Erbe von Pfalzbaiern, der drittgrößten Ländermasse des Reiches, gehandelt, und von den fünf Großmächten umworben.

    Kurfürst Carl Theodor hat sich aufgrund seiner Pläne, Kurbaiern gegen die österreichischen Niederlande einzutauschen, bei der baierischen Bevölkerung äußerst unbeliebt gemacht.
    Und selbstredend liegt das Interesse der zweibrückischen Herzöge an der Verhinderung des Tauschprojekts. Und da kommt ihnen Freiherr Montgelas gerade recht.

    Von Zweibrücken aus hält er die geheimen Verbindungen zu den baierischen Oppositionskreisen aufrecht. Dadurch kann - in Verbindung mit dem preußischen König Friedrich II. und der antiösterreichischen „Patriotenpartei“ am Münchner Hof - die Existenz Kurbaierns unangetastet erhalten werden.

    Eine der wichtigsten Vorkämpferinnen ist die Witwe des Herzogs Clemens Franz de Paula, des Cousins des letzten baierischen Kurfürsten Max III. Joseph: Herzogin Maria Anna. 


  • München * Vermutlich aus Kostengründen entscheidet sich Kurfürst Carl Theodor für Thompsons Vorschlag für ein „Militärisches Arbeitshaus“ und ordnet die Errichtung „einstweilen in jeder Stadt und Garnison, in Zukunft aber sobald thunlich in jedem beträchtlichen Orte“ an.
    „Militärische Arbeitshäuser“ entstehen aber nur in München und Mannheim. 

    Die „Arbeitshäuser“ sollen folgenden Zwecken dienen:

    • Der Beschäftigung von Armen und Bettlern.  
    • Die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für verarmte Angehörige der unterständigen Schichten.
    • Nicht an Arbeit gewöhnte Menschen sollen in diesen Anstalten die Arbeitsfähigkeit erlernen.

    Gleichzeitig sollen „Armenverwaltungen“ eingerichtet werden, die die „Hausarmen“ erfassen und in die „Arbeitshäuser“ einweisen. 


  • München * Um den immer lauter werdenden Klagen über den „Missbrauch der Fürstenmacht“ und die „Missachtung der Bürgersorgen“ die Wirkung zu nehmen, tritt Benjamin Thompson die Flucht nach vorne an. Er organisiert für den ersten Jahrestag des Sturmes auf die Bastille eine öffentliche Dank- und Huldigungsadresse an den Kurfürsten.  

    Zu diesem Zwecke lässt er eine Druckschrift vorbereiten, die im Namen anonymer Bürger - in einer äußerst unterwürfigen Formulierung - die Reformmaßnahmen des vergangenen Jahres preisen und Kurfürst Carl Theodor als „Quelle aller wahrhaft bürgerlichen Glückseligkeit“ hervorhebt. Damit verletzt der Amerikaner die „magistratische Alleinvertretungskompetenz in Angelegenheiten der Bürgerschaft“.  

    Der Magistrat, den man bei der Formulierung der Adresse übergangen hat, sieht sich in seiner verfassungsrechtlichen Position als Sprecher der Bürger verletzt und distanziert sich von dem ganzen Vorgang. 


  • München * Kurfürst Carl Theodor leitet den Wandel Münchens von der befestigten barocken Residenzstadt zu einer offenen und modernen Hauptstadt ein. 

    Er beauftragt dazu Sir Benjamin Thompson „das Neuhauser Thor so herzustellen, daß die bißherigen Umwege und engen Durchgänge gänzlich vermieden, und der Thorweeg in gerader Linie mit der Neuhausserstrasse über den Wall und bis auf den Punkt, wo sich die Augsburger und Landsberger Strassen trennen, geführt werde“

    Damit wird die erste, von staatlichen Behörden geplante und vom Kurfürsten sanktionierte Maßnahme zur Niederlegung eines bedeutenden Teilstückes der barocken Festungswerke eingeleitet. Es hat eine für die Stadtentwicklung Münchens herausragende Bedeutung, deren zukunftsweisenden Aspekte man damals in ihrer Gesamtheit noch gar nicht erkennen kann.

    Zur Realisierung dieses Vorhabens muss die Neuhauser-Bastion eingeebnet, der Festungsgraben verfüllt und eine Fahrstraße mit Fußwegen auf beiden Seiten über das planierte Gelände hergestellt werden. Damit entsteht unmittelbar vor dem Stadttor ein großer Platz. 

    Thompson lässt darüber hinaus auch einen ausgedehnten Sektor der Fortifikationen im Westen der Altstadt mit Wall und Graben niederlegen, sodass das eingeebnete Festungsgelände vom heutigen Lenbachplatz bis zur Herzogspitalstraße reicht.
    Damit wird eine breite Lücke in das System der Münchner Fortifikation geschlagen und so die Festungseigenschaft der Stadt aufgehoben.


  • München * Graf von Rumfords Essay „Über Speise und vorzüglich über Beköstigung der Armen“ erscheint. 

    Darin gibt er viele vernünftige und praktische Ratschläge zur Zubereitung von Speisen.


  • München - Leimen * Kurfürst Max IV. Joseph erklärt öffentlich, dass er „die bayrischen Finanzen in großer Unordnung, alle Staatskassen ausgeleert und selbe überdies noch mit unerschwinglichen Rückständen belastet angetroffen habe“. In den baierischen Regierungskreisen erinnert man sich an den umtriebigen jüdischen Leimener Finanzier Aron Elias Seligmann. 


  • München * Da sich in München zunächst die Nachricht verbreitet, die Österreicher hätten in der Schlacht in Hohenlinden gewonnen, macht sich die Angst breit, nun könnten die zurückgebliebenen französischen Truppenteile Verteidigungsmaßnahmen ergreifen, die sich für die Stadt als gefährlich erweisen würden.

    Um ihn davon abzubringen, bietet man dem Platzkommandanten Briant 100 Luisdors an. Briant lehnte das Ansinnen ab, weil diese Summe für einen Platzkommandanten zu „unwürdig“ sei, mit 200 Luisdors wäre er allerdings schon einverstanden gewesen. Der Magistrat lässt ihm daraufhin den Betrag überreichen. Erst später verbreitet sich die Siegesmeldung der Franzosen

    Anschließend ziehen sich die Österreicher hinter ihre Grenze zurück. Die Baiern haben dagegen die Franzosen als Besatzungsmacht im Land und müssen sechs Millionen Gulden Kontribution, die Staatseinnahmen eines Jahres, zahlen.

    Die Landschaft verlangt daraufhin, dass das Kurfürstentum Baiern kein Bündnis gegen Frankreich mehr eingehen dürfe. Ein politisches Zusammengehen mit Österreich ist somit für die nächsten Jahre ausgeschlossen. 


  • München * Mit tatkräftiger Unterstützung seines Ministers Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas nimmt Kurfürst Max IV. Joseph eine Reform seines Landes in Angriff. Zur dauerhaften Stabilisierung des Staates ist eine Umverteilung von Rechten, Pflichten und Chancen notwendig.

    Zu dieser Revolution von oben gehört auch die revolutionäre Gleichbehandlung aller Baiern, mit dem Anspruch des Herrschers, „allen Untertanen, Reichen und Armen, Witwen und Waisen, Geistlichen und Weltlichen, gleiches Recht und Schirm zu verschaffen“.

    Durch diese Reformen kann der Baiernregent einen Großteil der Kritik, die zu Beginn seiner Regierung die öffentliche Debatte geprägt hatte, den Boden entziehen. Vieles von dem wird beseitigt, was unter der Regentschaft des Kurfürsten Carl Theodor als willkürlich und korrupt angegriffen worden ist.

    Gleichzeitig lässt er energisch eingreifen und setzt sich mit Militärgewalt durch, wenn seiner Politik offene Auflehnung entgegen schlägt. Beides, die umfangreichen und weitreichenden Reformen sowie das energische und harte Durchgreifen, lassen die heftige Kritik der Anfangsjahre und jedes Auflehnen gegen seine Politik allmählich verstummen.

    Durch sein leutseliges Verhalten kann Kurfürst Max IV. Joseph sogar die Zuneigung der Münchnerinnen und Münchner erringen und sich so zu einer der beliebtesten Persönlichkeiten der Wittelsbacher hocharbeiten. Schon bald gehören die anfänglichen Differenzen zwischen dem Herrscher und dem baierischen Volk der Vergangenheit an. 


  • München-Graggenau * Es ergeht eine weitere wichtige „Instruktion zur Klosteraufhebung“.

    Sie ist unmittelbar für das „Franziskanerkloster St. Anton in München“ bestimmt, wird aber richtungweisend für die tatsächliche Durchführung der „Klosteraufhebungen“.

    Sofort nach Erhalt der „Instruktion“ muss sich Graf Arco in das Kloster begeben, das „Bargeld“ zählen und das übrige „Klostervermögen“ feststellen. Anschließend haben sich alle Klostermitglieder im „Refektorium“ zu versammeln, wo ihre Personalien, Beschäftigungen und besonderen Einsätze schriftlich festgehalten werden.
    Bei diesem überfallartigen Vorgehen geht es um Geld und sonstiges für die „Staatskasse“ interessantes Vermögen und um weitere Einsparungen für den Staat.

    Dem „Kommissar“ ist eingeschärft worden, „diesen Auftrag in der vorgeschriebenen Ordnung mit allem Eifer, Schnelligkeit und der Sache angemessenen Anstand in Vollzug zu bringen“. Die Ergebnisse gehen an die „Spezial-Klosterkommission“.

    Der weitere Inhalt der „Instruktion“ lautet kurzgefasst:
    Alle „Ausländer“ sind umgehend in ihre Heimat zu schicken; sie erhalten 25 Gulden „Zehrgeld“ und einen Reisepass; aber Abreisetag und Reiseroute werden genau festgelegt.
    Wer gesund und nicht zu alt ist, muss drei Tage nach der Mitteilung auswandern; nur einige Alte und Gebrechliche erhalten Aufschub bis April.
    Das „Sammeln“ auf der Reise ist den Mönchen strengstens verboten.

    Alle inländischen „Laienbrüder“, die in das bürgerliche Leben zurückkehren wollen, erhalten zum „Auszug“ 25 Gulden und die nötigen Kleider.
    Diejenigen, die den Ordensstand nicht verlassen wollen, sind - bis auf wenige, die noch zu den nötigsten Hausarbeiten als Gärtner, Köche, in der Brauerei und so weiter benötigt werden - auf die oberpfälzischen oder baierischen „Prälatenklöster“ als „Konventdiener oder Pfründner“ zu verteilen.
    Die nach Abzug der „Kranken“ und „Ausländischen“ verbliebenen sieben „Laienbrüder“ des Münchener „Franziskanerklosters“ sind in „ständische Abteien“ zu schicken.

    Die „kurfürstliche Verordnung“ gibt auch Anweisung über den möglichen Rücktritt von „Priestermönchen der Mendikantenorden“ in den „Weltpriesterstand“.
    Diese Mönche müssen sich einer Prüfung durch die „Spezial-Klosterkommission“ unterziehen. Dabei werden weniger ihre theologischen Kenntnisse begutachtet, sondern vielmehr festgestellt, „ob die Austretenden auch im Sinne der Staatsauffassung genügend aufgeklärt“ sind.
    Haben die „Aspiranten“ ihre Prüfung bestanden, erhalten sie von der Kommission die „Erlaubnis zum Überwechseln“ mit einer jährlichen Pension von 125 Gulden.


  • Au * In der Frühe um 4 Uhr werden die ersten der zwanzig verbliebenen Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg in das ständische Kloster der Benediktinerinnen nach Geisenfeld gebracht. 


  • Freising * Da sich der kranke Freisinger Bischof Joseph Conrad Freiherr von Schroffenberg-Mös in Berchtesgaden aufhält, überreicht der kurfürstliche „Generalkommissär“ Johann Adam von Aretin dem Freisinger „Hofrat“ das „Besitzergreifungspatent“.

    Damit nimmt er für das Kurfürstentum Baiern zivilrechtlich Besitz von Freising, wozu auch die „Herrschaft Isen-Burgrain“ und die „Grafschaft Werdenfels“ gehören.

    Damit werden nicht nur viele Untertanen, sondern auch die „Zugspitze“ baierisch.

    Für Freising bedeutet das das Ende der geistlichen Herrschaft.
    Die Stadt wird eine ganz normalen baierischen „Municipalgemeinde“


  • München - Au * Mit der Verstaatlichung des Münchner Gerichtswesens und der Polizei gibt die Stadt ihre „Fronfeste im Rathaus“ und die „Haftstube im Rathausturm“ an das nunmehr staatliche „Stadtgericht“ ab.

    Die profanierte „Klosterkirche am Lilienberg“ und der nördlich daran anschließende Seitenflügel dient als „Eisenfronfeste“, als „Strafvollzugsanstalt“.


  • Regensburg * Die letzte Tagung des „Immerwährenden Reichstags“ befasst sich mit der Annahme des „Reichsdeputationshauptschlusses“.  

    Es ist das letzte bedeutende Gesetz des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ und behandelt die Neuordnung des Reiches.

    Im „Reichsdeputationshauptschluss“ erfolgt die „Kompensation“ für die Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich.  
    Grundlage für den Text ist ein im Juni 1802 zwischen Frankreich und Österreich vereinbarter „Entschädigungsplan“, der wiederum auf den am 9. Februar 1801 geschlossenen „Friedensvertrag von Lunéville“ zurückgeht.

    Die Wittelsbacher haben aber nicht nur die Herzogtümer Zweibrücken und Jülich sowie die linksrheinische Kurpfalz verloren, sondern müssen jetzt auch noch die rechtsrheinische Kurpfalz um Mannheim und Heidelberg an Baden abgeben.

    Doch durch den § 2 des „Reichsdeputationshauptschlusses“ erhält das kurfürstliche Baiern das „Fürstbistum Freising“ mit der dazugehörigen „Grafschaft Werdenfels“ und die „Herrschaft Isen-Burgrain“ offiziell überschrieben; dazu die „Fürstbistümer Augsburg“, „Bamberg“ und „Würzburg“ sowie Teile von „Eichstätt“, „Passau“ und „Salzburg“.
    Zu den genannten Territorien kommen noch 15 „Reichsstädte“ und 13 „Reichsabteien“ dazu. Freilich noch nicht die Großen: Augsburg und Nürnberg.
    Doch damit werden wesentliche Teile Schwabens und Frankens bairisch.

    Insgesamt stehen dem Verlust von 200 Quadratmeilen und 730.000 Einwohnern ein Gewinn von 288 Quadratmeilen und 834.000 Einwohnern aus den aufgelösten geistlichen Staaten und wirtschaftliche Werte von über 43 Millionen Gulden von den Klöstern gegenüber. 


  • München-Graggenau * Der Lueg-ins-Land und der daneben stehende Scheibling werden als Fronfeste ins Auge gefasst. 


  • München * Die „Konstitution des Königreichs Baiern“ tritt in Kraft.  

    Die erste einheitliche Verfassung des Königreichs Baiern besteht aus 45 Paragraphen, die auf acht Seiten Platz finden.  

    Nach der Auflösung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ und dem großen Gebietszuwachs, den Baiern erfahren hat, ist es notwendig geworden, das Recht zu vereinheitlichen und die Rechtsgleichheit in den verschiedenen Landesteilen herzustellen.  
    Nur Altbaiern war, bis auf wenige Enklaven, ein geschlossenes Staatsgebiet.
    Ansonsten gleicht das neue Baiern mit seiner Anhäufung von Besitzungen verschiedener Fürsten, Grafen, Herren und Ritter eher einem „Fleckerlteppich“.  

    Baiern muss nun zusammenwachsen und nach einheitlichen gesellschaftlichen und verwaltungsrechtlichen Grundsätzen regiert werden.  

    • Damit werden „alle besonderen Verfassungen, Privilegien, Erbämter und Landschaftliche Korporationen der einzelnen Provinzen“ aufgehoben.  
    • Die Verfassung garantiert die Gleichheit aller vor dem Gesetz und den Steuerbehörden sowie beim Zugang zu den Staatsämtern.  
    • Die Rechte des Adels werden darin eingeschränkt und deren bisherigen politischen Vorrechte ausdrücklich abgelehnt.  
      In einer neu eingeführten „Adelsmatrikel“ muss der Adelstitel erst staatlich anerkannt werden.  
    • Die „Leibeigenschaft“ wird ersatzlos abgeschafft.
    • Die Sicherheit des Eigentums wird ebenso gewährleistet, wie die „Gewissensfreiheit“ und die „Pressefreiheit“
      Letztere wird allerdings durch Gesetze teilweise wieder eingeschränkt.
    • Das Gesetz sieht ein „stehendes Volksheer“ und eine „Bürgermiliz“ vor.

    Mit 21 Jahren muss jeder „Staatsbürger“ vor der Verwaltung seines „Kreises“ einen Eid ablegen, dass er „der Konstitution und den Gesetzen gehorchen - dem König treu sein wolle“.  
    Ohne ausdrückliche Erlaubnis des Monarchen darf kein „Staatsbürger“ auswandern oder ins Ausland reisen. 

    Zum „Königlichen Hause“ wird in der „Konstitution“ festgelegt, dass die Krone erblich ist „in dem Manns-Stamme des regierenden Hauses, nach dem Rechte der Erstgeburt und der agnatisch-linealischen Erbfolge“.  
    Die Prinzessinnen sind „für immer von der Regierung ausgeschlossen“, so lange noch männliche Nachkommen vorhanden sind.  
    Sämtliche Familienmitglieder des königlichen Hauses stehen „unter der Gerichtsbarkeit des Monarchen, und können bei Verlust Ihres Erbfolge-Rechts nur mit dessen Einwilligung zur Ehe schreiten“.  

    • Nach den Bestimmungen der „Konstitution“ besteht zur Verwaltung des „Königreiches Baiern“ das „Ministerium“ aus fünf „Departements“:  dem des „Äußeren“, der „Justiz“, der „Finanzen“, des „Inneren“ und des „Kriegs-Wesens“.  
    • Zudem teilte sie das Königreich in „Kreise“ ein, um so einen einheitlichen Beamten- und Verwaltungsstaat zu schaffen.
    • Auch das Justiz- und Militärwesen werden neu organisiert.  

    Ein „Parlament“ ist in Form einer „National-Repräsentation“ vorgesehen, kommt aber nicht zustande.  
    Gleichwohl werden die Vertretungen der einzelnen Teilgebiete des Königreichs mit Inkrafttreten der Verfassung abgeschafft.  

    • Die „National-Repräsentanten“ sollten für die Dauer von sechs Jahren gewählt werden.  
    • Dazu sollten in jedem der acht „Kreise“ von den 200 höchstbesteuerten „Land-Eigenthümern, Kaufleuten und Fabrikanten“ von Wahlmännern sieben Mitglieder gewählt werden.  
      Diese 56 Gewählten hätten dann die „Reichs-Versammlung“ gebildet.  

    Durch die Einführung der „Konstitution“ verhindert Minister Maximilian Joseph von Montgelas, dass der auf Napoléon Bonapartes Drängen geschlossene „Rheinbund“ die Souveränität des „Königreich Baierns“ zu stark einschränkt.


  • München-Englischer Garten - Tivoli * Die „Königliche Regierung“ steht Adrian von Riedls Mühlenplanungen positiv gegenüber, da damit die anliegenden Dörfer Schwabing, Bogenhausen und Föhring eine Mahlmöglichkeit erhalten würden.
    Bisher mussten die Bewohner dieser Dörfer zwei bis drei Stunden zur nächsten Mühle fahren.

    Doch die „Kgl. General Direction des Wasser-, Brücken- und Straßenbaus“ hat Bedenken, dass dadurch der „Eisbach“ zurückgestaut und damit die Geschwindigkeit es Baches und somit der Abfluss des Eises vermindert werden würde.
    Der „Eisbach“ nimmt nämlich im Winter die Schneemassen der Münchner Straßen auf. Daher der Name.

    Doch zuletzt wird Riedl der Mühlenbau mit der Auflage genehmigt, dass er das „Abeisen“ von seinem „Grundbaum“ bis aufwärts zur „Bogenhausener Brücke“ auf eigene Kosten zu besorgen hätte.
    Damit wird Adrian von Riedl zum Gründer der „Neumühle“ am Eisbach.


  • München * Die Statuten des „Landwirthschaftlichen Vereins, Sitz München“, werden vom König bestätigt.

    Laut seiner Satzung will der „Landwirthschaftliche Verein in Baiern“ seine Zwecke erreichen,

    • „durch mündliche und schriftliche Mittheilungen seiner Mitglieder;
    • durch Ankauf und Vertheilung vorzüglicher Viehzuchtracen,
    • nützlicher Sämereien und Gewächse,
    • dann zweckmäßiger Geräthe; [...],
    • Herausgabe einer Wochenschrift, [...];
    • Vertheilung von Preisen für wichtige mit besonderem Fleiße und entsprechendem Erfolge ausgeführten Versuche und Abfassung wichtiger vom Verein veranlaßter Abhandlungen;
    • endlich durch Unterstützung würdiger, unverschuldet verunglückter Arbeiter, Gewerbe- und Landleute“.

  • Landshut - Freising * Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen reist mit ihren Eltern und ihrer Schwester Louise von Landshut aus weiter nach Freising.

    Kronprinz Ludwig I. - und später sein Vater König Max I. Joseph - reisen den sechsstündigen Weg von München nach Freising inkognito zu einem kurzen Besuch und begrüßen die Teilnehmer des Hochzeitszugs


  • München-Maxvorstadt * In den Jahren 1812/13 wird an der Nordseite des „Alten Botanischen Gartens“ ein Gewächshaus errichtet. 

    Die Eisen-Glas-Kostruktion ist etwa 135 Meter lang, besitzt sechs Kabinette, von denen die Hälfte als warme Abteilung, die andere als kalte Abteilung genutzt wird.  Das Gewächshaus ist eingespannt zwischen zwei steinernen Eckbauten mit dorischem Fries und Giebel. 

    Der östliche Eckpavillon wird als „Direktorenwohnhaus“, der Westliche als Gärtnergebäude genutzt. 


  • München * König Max I. Joseph genehmigt, „daß den hiesigen Bierbrauern gestattet sein soll,

    • auf ihren eigenen Märzenkellern in den Monaten Juni, Juli, August und September ihr selbstgebrautes Märzenbier in Minuto zu verschleißen und
    • ihre Gäste daselbst mit Bier und Brot zu bedienen.
    • Das Abreichen von Speisen und anderen Getränken bleibt ihnen aber ausdrücklich verboten“

    Die Verordnung wird als die „Geburtsurkunde des Münchner Biergartenlebens“ bezeichnet.


  • München * In einer von Minister Montgelas veranlassten Anweisung heißt es: 

    „Es ist Anzeige gemacht worden, daß mehrere Eleven der Akademie der bildenden Künste sich durch Schnurr- und Knebelbärte auszuzeichnen suchen. Die Akademie erhält den Auftrag, sie zur Ablegung derselben sofort anzuweisen und überhaupt über ein ruhiges und sittliches Betragen sorgfältig zu wachen“.

    Besonders beunruhigend sind für die Regierung eine „auffallende Haartracht oder Abzeichen auf Mützen und Hüten“, die auf „geheime Verbindungen“ hindeuten könnten.


  • München-Kreuzviertel * Maria Ellenrieder schreibt sich als erste Münchner Kunststudentin an der Akademie ein. Bis 1841 weisen die Matrikelbücher insgesamt 47 Kunststudentinnen aus.


  • München-Theresienwiese * Das „Oktoberfest“ wird wieder mit den gewohnten Attraktionen (Pferderennen, Vieh-Prämierung und Viehmarkt) durchgeführt.

    Lehrlinge und Feiertagsschüler, die sich durch herausragende Leistungen hervorgehoben haben, werden mit Preisen bedacht. Schüler zeigen gymnastische übungen und liefern sich Wettrennen.

    Außerdem zeichnet man besonders fleißige und gehorsame Münchner Dienstboten aus, die mindestens 20 Jahre bei der gleichen Herrschaft „treu und fleißig gedient, sich allen Kleiderluxus enthalten und sich einer lobenswerten Sparsamkeit beflissen“ haben.


  • München * Im „Münchner Vertrag“ gibt Baiern Salzburg, das Hausruckviertel und Tirol an Österreich. 

    In Bayern verbleiben Berchtesgaden und die Alt-Salzburger Gebiete rund um Tittmoning, Waging, Laufen, Teisendorf und Staufeneck. 

    Im Umkehrschluss erhält Baiern die linksrheinische Pfalz sowie Hammelburg, Brückenau, Teile von Biberstein, Redwitz, Alzenau, Miltenberg, Amorbach und Heubach. 


  • Vorstadt Au * In der „Eisenfronfeste am Lilienberg“ sitzen 40 Häftlinge ein.


  • Königreich Baiern * Eine Teuerungshysterie beginnt. Man vermutet hinter den horrenden Getreidepreisen das Werk und die Machenschaften von Spekulanten und Wucherern.

    Die Folge sind Hungerkrawalle, Magazinplünderungen und Bauernaufstände im Ausland und in Baiern. 


  • Wien * Die Gräfin Ernestine Rupertina Walburga von Montgelas wird in den „Sternkreuzorden“ aufgenommen und ist damit Mitglied des höchsten Damenordens der österreichischen Monarchie.

    Dennoch bietet die Gräfin breite Angriffsflächen für Klatsch und Tratsch in Hof- und Diplomatenkreisen.
    Und so flüsterte man in den Salons über ihre außerehelichen Amouren und unterstellt ihr Liebesbeziehungen zu verschiedenen Männern der baierischen Beamtenschaft, darunter auch zum Ministerkollegen ihres Mannes: Johann Wilhelm von Hompesch.  

    König Max I. Joseph befürchtet sogar, Montgelas Ehefrau Ernestine würde durch ihre Unbesonnenheit ihren Mann noch einmal ins Grab bringen.
    Im Jahr 1825 sagt er: „Wenn sie vor acht Jahren gestorben wäre, so wäre Montgelas noch heute Minister“


  • München-Theresienwiese * Anton Gruber, der Wirt von der „Praterinsel“, erhält für fünf Jahre die Konzession für ein besonderes Publikumsvergnügen.

    Auf der „Theresienhöhe“, also nicht auf dem „Festplatz“, betreibt er ein „Carussel“, eine „teutsche Schauckel“, wohl eine normale Schwingschaukel, eine „russische Schauckel“, ein Vorläufer des heutigen Riesenrads in bescheidener Größe, ein   und eine „Taubenscheibe“, mit einer aufgehängten Holztaube als Zielwurfobjekt.

    Zugleich darf er Speisen und Getränke anbieten.


  • München * Leonhard von Eichthal hat Größeres vor.

    Deshalb konvertiert er zum katholischen Glauben, da nun seine sieben Kinder in den bayerischen Adel einheiraten können.

    • Er nutzt diese politischen Verbindungen, um sein Geld in den „Aufbau des bayerischen Eisenbahnnetzes“ zu investieren.
    • Gleichzeitig bringt er große Grundstücke in seine Hand, die als potenzieller Baugrund gelten.

  • München * Joseph Baader, ein aus München stammender Ingenieur, regt den Bau einer „eisernen Comerzstraße“ zwischen Nürnberg und Fürth an.

    Kronprinz Ludwig I. sieht jedoch noch in dem wirtschaftlichen Nutzen des Projekts Probleme. 


  • München * Erzbischof Anselm von Gebsattel veröffentlicht einen „Hirtenbrief zur Sittlichkeit“ und erteilt den Geistlichen massive Anleitungen, um „gegen die große Zahl unehelicher Kinder und andere sittliche Verhaltensweisen“ aktiv zu werden. Das unterstützt die Haberer enorm und fordert die Geistlichen sogar auf, die Treiben zu fördern. 


  • München * Auf Veranlassung von König Ludwig I. werden in den „königlichen Hofgärten“ Maulbeerbäume zur Züchtung der „Seidenraupen“ angezogen und später im ganzen Land verteilt.

    Bis zum Jahr 1836 sollen „im Königreiche wenigstens vier Millionen Stück stehen“.

    Die Verwaltung der Landeshauptstadt München beschließt daraufhin die Gründung der ersten „städtischen Baumschulen“ im Garten der „Landwirtschaftsschule“ an der Luisenstraße und auf der „Kalkofeninsel“, in denen rund zehntausend Maulbeerbäume aus Samen herangezogen werden, die drei bis vier Jahre später eine für die „Raupenzucht“ geeignete Größe erreicht haben.


  • Königreich Bayern * Die Seidenzucht und Seidenspinnerei lässt sich als neuer Industriezweig in Bayern nachweisen. Das dafür notwendige Fachwissen wird unter anderem durch Lehrbücher verbreitet, die auf dem Zentral-Landwirtschaftsfest erworben und gewonnen werden können. 


  • München-Theresienwiese * Erstmals wird auf dem „Oktoberfest“ ein „Ringelstechen“ veranstaltet.

    26 Reiter treten gegeneinander an.
    Sie müssen nach einer Anlaufdistanz mit einer Lanze einen Eisenring aufspießen.


  • München * König LudwigI. schränkt die „Pressefreiheit“ durch starke „Zensurbestimmungen“ für die innenpolitische Berichterstattung in der Tages- und Wochenpresse ein.  

    Zuvor hatte er drei aus dem „Ausland“ stammende Publizisten des Landes verweisen lassen.  
    Die Maßnahmen führen zu einer politischen Entrüstung der liberal eingestellten Bevölkerung, die in der „Pressefreiheit“ ein extrem schützenswertes Gut sieht. 


  • Nauplia * König Otto von Griechenland trifft im Geleit von 33 Segelschiffen mit der britischen Fregatte „Madagaskar“ in der damaligen griechischen Hauptstadt Nauplia ein. 

    Mit Otto reisen 3.500 bayerische Soldaten, eine größere Zahl Wissenschaftler und Verwaltungsbeamte sowie ein dreiköpfiger „Regentschaftsrat“, bestehend aus dem ehemaligen bayerischen „Finanzminister“ Joseph Ludwig Graf von Armansperg, dem „Kgl. Staatsrat“ Georg Ludwig von Maurer und dem „Generalmajor“ Karl Wilhelm von Heideck. 

    Der „Regentschaftsrat“ soll bis zur Volljährigkeit Ottos - in zweieinhalb Jahren - die Regierungsgeschäfte führen. 


  • Nürnberg * König Ludwig I. gibt der von Geschäftsleuten gegründeten „Nürnberg-Fürth-Ludwig-Eisenbahngesellschaft“ seine Zustimmung zum Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth. 

    Er merkt dabei an, dass weitere Eisenbahnen genehmigt und sogar vom Staat gebaut werden könnten. 


  • Nürnberg - Fürth * Nachdem die Aktien schnell verkauft sind, kann der „Königlich-Bayerische Bezirksingenieur“ Paul Denis mit den notwendigen Vermessungsarbeiten zur Errichtung der Eisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth beginnen.

    Aufgrund eines trockenen Sommers kommen die Schienenverlegungsarbeiten für die 6,05 Kilometer lange Strecke zwischen Nürnberg und Fürth schnell voran. 


  • München * Die Vision von Simon von Eichthal, dem „Bankier“ und Mitbegründer der „Eisenbahngesellschaft München - Augsburg“, zum Eisenbahnbau lautet:

    „Die Großartigkeit des Unternehmens wird es dann auch möglich machen, im Inlande Anstalten ins Leben zu rufen, aus welchen Dampfwägen und alle diejenigen Gegenstände, welche zur Verfertigung und Befahrung der Eisenbahnen sonst aus England und den Niederlanden bezogen werden müssen, hervorgehen können“.


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Joseph Anton von Maffei investiert in einen riskanten Zukunftsmarkt: dem Schiffs- und Lokomotivenbau.

    Um den Ausbau des bayerischen Eisenbahnnetzes zu forcieren, beteiligt er sich - als einer der Initiatoren und Hauptaktionäre von Münchner und Augsburger Bank- und Kaufleuten - an der Gründung einer „Aktiengesellschaft zum Bau der Eisenbahn München - Augsburg“.


  • Nürnberg - Fürth * Der englische Lokomotivführer Wilson befährt auf seiner ebenfalls aus England stammenden 10-PS-Lokomotive Adler erstmals die Strecke zwischen Nürnberg und Fürth mit einer Geschwindigkeit von knapp zwanzig Stundenkilometern.

    Der Lokomotiv-Führer verdient - mit einem Jahresgehalt von 2.571 Mark - mehr als der Eisenbahndirektor. 


  • München - Augsburg * Nach dem Erfolg des „Adlers“ gibt König Ludwig I. die Zustimmung zum Bau der sechzig Kilometer langen Strecke zwischen München und Augsburg.  

    Mit den Planungen der Neubaustrecke wurde erneut Paul Denis beauftragt. 

    Denn noch während man in Nürnberg die Schienen nach Fürth verlegte, trafen sich in München und Augsburg vermögende Herren, um den Bau einer Eisenbahn zwischen den beiden Städten zu planen. 

    Als Probleme mit verkaufsunwilligen Grundstückseigentümern auftreten, beschließt der „Landtag“ ein Gesetz, das Enteignungen erlaubt. 


  • Nürnberg - Fürth * Die „Nürnberg - Fürther Privateisenbahn“ erfüllt ihren Aktionären die Hoffnung auf's schnelle Geld.

    Satte 20 Prozent Dividende werden ausgeschüttet und lassen die Aktien auf ein Vielfaches ihres Nennwerts steigen.


  • Kiefersfelden * Ein weiteres Denkmal der etappenweisen Verabschiedung des 17-jährigen Bayernprinzen Otto auf seinem Weg nach Griechenland findet sich in Kiefersfelden.

    Da Prinz Otto die dortige Grenze nach Österreich schlafend überquert hatte, kehrt er am nächstens Tag noch einmal zurück, um sich ganz bewusst „vom Boden seiner Heimat“ zu verabschieden. Diese aufsehenerregende Geste führt zur Errichtung der vom Bauinspektor Daniel Ohlmüller geplanten neugotischen Ottokapelle


  • Vorstadt Au - Haidhausen - Giesing * Der Auer „Armenarzt“ Anselm Martin schreibt:

    „In den Herbergen sind nicht nur Menschen, sondern auch noch alle Gattungen Hausthiere Katzen, Kaninchen, Vögel, Mäuse und dergleichen, so wie alle nur erdenklichen Handwerksgeräthe, Hausutensilien, alte, bereits halb verfaulte, zusammengesammelte Leinwand, zerbrochenes Glas, neugewaschene zum Trocknen aufgehängte Wäsche und dergleichen in den kleinsten, mit zurückstoßender Luft angefüllten Gemächern anzutreffen.

    Die Öfen sind gewöhnlich von Ziegel, selten von Eisen.
    Die Feuerung geschieht mit Holz und zwar mit den schlechtesten und wohlfeilsten Holzgattungen, oft mit halbverfaulten, in der Isar aufgefangenen Gerten und Prügeln“
    .

    Die „Höhe der Wohnräume“ liegt bei 180 bis 192 Zentimetern; die „Dachdeckungen“ aus Ziegel oder Blech lösen erst im 19. Jahrhundert die Schindel- oder Strohdeckung ab; ihre „Galerien und Träger“ verzieren die Bewohner mit Schnitzereien.

    „Gemeinsamer Besitz“ aller Hausbewohner sind das „Grundstück“, die „Umfassungsmauern“ und das „Dach“.

    Diese komplizierten Eigentumsverhältnisse führen häufig zu ausgiebigen Streitereien.
    Wird das Dach undicht, so sind in erster Linie nur die Parteien des obersten Stockwerks vom Schaden betroffen, die Bewohner des Parterres dagegen haben nur sehr wenig Interesse an einer kostspieligen Reparatur.
    Deshalb soll es vorgekommen sein, dass die „Oberen“ kübelweise Wasser auf den Fußboden schütteten, um die „Unteren“ drastisch an die gemeinsamen Verpflichtungen zu erinnern.

    Nicht umsonst heißt es in den Akten des Landgerichts: „So viele Herbergsbesitzer sich in einem Hause befinden, ebensoviele Hauseigentümer gibt es im selben; keiner lässt sich vom andern etwas einsprechen, jeder tut in seiner Herberge, was er will“.

    Auch die „hygienischen Zustände“ sind katastrophal.
    Das „Trinkwasser“ muss von weit entfernten „Pumpbrunnen“ geholt werden.

    Da eigene „Abtritte“ fehlen, benutzt man „Häfen und Leibstühle“.
    Wegen der fehlenden Kanalisation werden „Abfälle und Abwässer“ jeglicher Herkunft in den „Auer Mühlbach“ geschüttet.
    Eine „städtische Verordnung“ bestimmt deshalb, dass dies nur während der Nacht geschehen darf, da tagsüber die Frauen ihre Wäsche im „Auer Mühlbach“ waschen.

    Das Fehlen der „Abfalltonnen“ bedingt viele unreinliche Wohnungen.
    Dadurch sind die „Herbergsviertel“ in „Seuchenzeiten“ Brutstätten von Krankheiten.

    Es ist also kein Wunder, dass viele Bewohner an den „Typhus- und Choleraepidemien“ sterben und die Einwohner oft hohen Blutzoll zu entrichten haben.


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Der vielseitige Unternehmer Josef Anton Ritter von Maffei, einer der Mitbegründer der „Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank“ erwirbt in der „Hirschau“ für 57.000 Gulden den mit Wasserkraft betriebenen ehemaligen „Lindauer'schen Hammer“ mit einer kleinen Eisengießerei. 

    Er baut ihn zu einer der leistungsfähigsten Lokomotiven- und Maschinenfabriken Bayerns aus.


  • München * Der Münchner Unternehmer Joseph Anton von Maffei setzt die Visionen von Simon von Eichthal in die Tat um, in dem er sich intensiv um die Förderung des bayerischen Eisenbahnbaus kümmert.  

    Nachdem die München - Augsburger Eisenbahngesellschaft ihre endgültige Konzessionierung erhalten hat, wird Joseph Anton von Maffei auf der konstituierenden Verwaltungsratssitzung zunächst ins Direktorium und danach zum Vorsitzenden gewählt. 


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Der Kaufvertrag für die „Hofhammerschmiede“, auch „Lindauer'scher Hammer“ genannt, wird von Franziska Lindauer und Joseph Anton von Maffei unterschrieben. 

    Das Unternehmen firmiert zunächst viele Jahre unter „Eisenwerk Hirschau“.

    Weil Maffei gegenüber seinen Konkurrenten Emil Keßler in Karlsruhe und August Borsig in Berlin nicht als Nachzügler erscheinen will, gibt er immer 1837 als „Gründungsjahr“ seines Unternehmens an.


  • München-Graggenau * Nach vier Jahren Bauzeit kann das „Kgl. General-Postamts-Bureau“ in der heutigen Residenzstraße 2 endlich für die Allgemeinheit geöffnet werden.

    Die Gesamtkosten sind in der Zwischenzeit auf 369.000 Gulden gestiegen.
    Kein Wunder also, dass in der Öffentlichkeit Beschwerden laut werden.

    Da kann auch die damals hervorgehobene Funktion der Loggia, „welche den Abreisenden oder den Freunden der ankommenden Reisenden einen angenehmen Aufenthaltsort zum Abwarten darbietet“, die Kosten kaum rechtfertigen und die Mängel aufwiegen.


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Joseph Anton von Maffei engagiert Joseph Hall, einen englischen Ingenieur, als Direktor für das „Eisenwerk Hirschau“.

    Joseph Hall war zur Montage der sechs in England gefertigten Lokomotiven nach München gekommen.
    Die Zugmaschinen sollen auf der Strecke München - Augsburg eingesetzt werden.


  • München - Lochausen * Die Eisenbahnstrecke von München nach Lochhausen wird erstmals mit der Dampfkraft einer Lokomotive befahren. 


  • München - Lochhausen * Mit der feierlichen Eröffnung der Eisenbahn-Teilstrecke von München nach Lochhausen - wird der offizielle Betrieb der Privatbahn aufgenommen. 


  • München - Augsburg * Die rund 60 Kilometer lange Eisenbahn-Gesamtstrecke von München nach Augsburg kann erstmals der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

    Auf der vorerst eingleisigen Strecke braucht der Reisende - trotz der acht Zwischenstationen - eine Fahrzeit von nur 2 Stunden 45 Minuten.
    Auf der Straße benötigt die Kutsche „17 Poststunden“ bis sie in der Banken- und Handelsmetropole am Lech ankommt.

    In der Anfangszeit verkehren zwischen München und Augsburg täglich zwei Züge.
    Sie fahren um 8 Uhr und um 15 Uhr an ihren Endpunkten ab.
    Während der Sommermonate werden drei, gelegentlich vier Züge eingesetzt.

    Neben dem Lokomotivbetrieb werden „Nacht-Fahrten mit Pferde-Kraft“ durchgeführt.

    • Bei diesen Fahrten ziehen neben den Schienen herlaufende Pferde die Wagen.
    • Die Reisenden brauchen - bei fünfmaligem Pferdewechsel - acht Stunden bis ans Ziel.
    • Da dieses Fahrten nicht rentabel sind und der Bahndamm dabei Schaden nimmt, werden sie nach kurzer Zeit wieder eingestellt. 

  • London * Eliza oder Betty James [= Lola Montez] befasst sich mit den damals modernen spanischen Tänzen und besucht einige Ausbildungsstunden bei einer Tanzlehrerin in London.  

    Seit dieser Zeit gibt sie sich als spanische Adelige mit dem exotischen Namen „Maria de los Dolores Porrys y Montez” aus.

    Bald stellten sich die ersten Verehrer aus den besten Londoner Kreisen ein und schon erscheint ihr Name in allen Zeitungen.  
    Damit beginnt der Karriere-Stern der „Donna Lola Montez vom Teatro Real, Sevilla” zu leuchten.  

    Das gebildete England begeistert sich seit den Dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts an Spanien und den von dort stammenden Tänzen. 


  • München * Joseph Anton von Maffei vertritt gegenüber König Ludwig I. die Auffassung, dass es notwendig ist, „alles Eisenbahnmaterial im eigenen Land herzustellen, um unabhängig vom Ausland zu werden“.

    Er habe zu diesem Zweck das „Lindauer'sche Hammerwerk, eine Eisenschmiede mit kleinem Walzwerk, erworben und zu einer Maschinenfabrik mit Gießerei und Kesselschmiede umgestaltet“.
    Dort, in der „Hirschau“, stünde seine erste, mit eigenen Mitteln erbaute Lokomotive vor der Vollendung.

    Und weil er die Maschine auch verkaufen will, bittet er den König - in einer peinlich unterwürfigen Sprache - zur Namengebung der Lokomotive:

    „Euer Königliche Majestät wollen den in meiner Werkstätte erbauten ersten Bayerischen Dampfwagen den Namen Allergnädigst zu bestimmen geruhen.
    Indem ich der Gewährung dieses allerunterthänigsten Gesuchs von Eurer Königlichen Majestät Huld und Gnade entgegenharre, erstrebe ich allertiefster Ehrfurcht Euer Königlichen Majestät
    allerunterthänigst treugehorsamster Joseph Anton von Maffei“
    .


  • München - Berchtesdaden * Das von Joseph Anton von Maffei aufgesetzte Schreiben zur Namensgebung seiner in der Hirschau gefertigten Lokomotive erhält der Verfasser mit einem von König Ludwig I. ausgeführten handschriftlichen Vermerk aus Berchtesgaden zurück: 

    „Mit vielem Vergnügen erfuhr des Dampfwagens Erbauung aus München und dem ausgesprochenen Wunsche gemäß, daß ich ihm einen Namen geben möchte, soll er der „Münchner“ heißen“. Von einem Kaufangebot für die Lokomotive ist nichts zu lesen. Das wird bis noch 1845 dauern.

    Überhaupt muss Joseph Anton von Maffei seine erste Lokomotive wie Sauerbier anbieten, denn „Der Münchner“ war keine Auftragsarbeit, sondern eher ein Gesellenstück, mit dem er die Leistungsfähigkeit seines Unternehmens unter Beweis stellen will. Räder, Treibachse, Kesselbleche und einige feinmechanische Teile mussten noch aus England bezogen werden.

    Und die München - Augsburger Eisenbahngesellschaft hat sich schon mit acht Lokomotiven eingedeckt und ist damit überversorgt.


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Münchner“ genannte Lokomotive wird von „zehn Pferden gezogen und aufs Schönste mit Blumen und Girlanden geschmückt“ zum „Bahnhof auf dem Marsfeld“ gebracht.

    Denn in der Zwischenzeit hatte Joseph Anton von Maffei, der „Vorsitzende der München-Augsburger-Eisenbahngesellschaft“, im „Maffeischen Eisenwerk“ in der „Hirschau“, mit dem Bau von Lokomotiven begonnen.
    Das erforderliche technische „Know-how“ brachte der Engländer Joseph Hall in das Unternehmen ein. 


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Der Münchner, die von dem englischen Ingenieur Joseph Hall in der Münchner Hirschau gefertigte Lokomotive absolviert erfolgreich ihre Probefahrt auf der Strecke München - Augsburg. Die Lokomotive ist noch vollständig einem englischen Vorbild nachgebaut.

    Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h auf der Horizontalen bei 161 Tonnen Anhängelast übertrifft sie jedoch die Leistung der englischen Vorbilder. Der Münchner erreicht bei Probefahrten sogar eine Spitzengeschwindigkeit von 59 Stundenkilometern. 


  • München * In einem Expertengutachten kommt die für den Ankauf der Lokomotiven zuständige „Eisenbahnkommission“ zu folgendem Ergebnis:

    „Es hat daher die Lokomotive Münchner [...] keinen Wert mehr, und ist, selbst geschenkt, zu theuer“.


  • Berlin - Bayreuth * Die preußische Prinzessin Marie Friederike wird mit der Eisenbahn von Berlin ins bayerische Bayreuth gebracht. 


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Kgl. Bay. Staatsbahn“ erteilt dem „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei einen Auftrag über die Lieferung von acht Lokomotiven des Typs „Bavaria“
    Sie sollen auf der Strecke Nürnberg - Bamberg eingesetzt werden.

    Um den Auftrag zu erhalten, muss Maffei die väterliche „Tabakfabrik“ als Kaution einbringen.
    Der Auftrag geht aber nicht nur an
    „Maffei“, sondern auch an „Kessler & Martiensen“ in Karlsruhe und „Meyer & Comp.“ im elsässischen Mühlhausen.
    Sie müssen sich den Auftrag zu je acht Lokomotiven teilen.

    Die wichtigste Auflage für die drei Firmen lautet: „Alle Teile an den 24 Lokomotiven müssen untereinander austauschbar sein“.

    Seine erste Lokomotive, den „Münchner“, hat Maffei aber noch immer nicht verkauft.


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Für das „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei wird mit George Jon Ashton ein zweiter Engländer angeworben.


  • Nürnberg * Friedrich Bürklein nimmt die Stelle eines „Baukondukteurs bei der Eisenbahnbaukommission“ in Nürnberg an.


  • München * König Ludwig I. unterzeichnet das „Eisenbahndotationsgesetz“, das die staatliche Finanzierung der ersten Hauptstrecken sichert.


  • xxx * Justus von Liebig, einer der „Gründungsväter der Chemie“, schrieb in seinen „Chemischen Briefen“ aus dem Jahr 1844: „Der Stein der Weisen, den die Alten im dunkeln unbestimmten Drange suchten, ist in seiner Vollkommenheit nichts anderes gewesen, als die Wissenschaft der Chemie. Ist sie nicht der Stein der Weisen, der uns verspricht, die Fruchtbarkeit unserer Felder zu erhöhen und das Gedeihen vieler Millionen Menschen zu sichern?

    Ist nicht die Chemie der Stein der Weisen, welcher die Bestandtheile des Erdkörpers in nützliche Producte umformt, welche der Handel in Gold verwandelt; ist sie nicht der Stein der Weisen, der uns die Gesetze des Lebens zu erschliessen verspricht, der uns die Mittel liefern muss, die Krankheiten zu heilen und das Leben zu verlängern?“


  • Nürnberg - Bamberg * Die Eisenbahnlinie von Nürnberg nach Bamberg wird eröffnet.

    Dabei kommt erstmals eine bayerische Lokomotive - die „Bavaria“ von Maffei - zum Einsatz.


  • München * Der bayerische Staat übernimmt die seit 1839 bestehende private Eisenbahnstrecke zwischen München und Augsburg.  

    Er kauft dem privaten Konsortium die Bahnstrecke um 4,4 Millionen Gulden ab.


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Da Joseph Anton von Maffei seine erste, im „Eisenwerk Hirschau“ gefertigte Lokomotive immer noch nicht verkauft hat, greift er zur Feder und schreibt an König Ludwig I. folgende Zeilen:

    „Es sind sechs Jahre, seitdem der „Münchner“ zu bauen angefangen wurde.
    Die Durchschnittszahl der in dieser Fabrik allein seither Beschäftigten Arbeiter beläuft sich für ein Jahr auf 230.
    Jeder derselben, gering gerechnet, gebraucht zur Stillung seines Durstes des Tages drei Maaß Bier, was in sechs Jahren 1.511.100 Maaß betrug. 

    Bekanntlich entrichtet die Maaß Bier beiläufig 1 Kreuzer ärarialischen Aufschlag, so entziffert sich an diesem einzigen Gefälle schon seither eine Staatseinnahme von ohngefähr 25.000 Gulden“.

    Daraufhin kauft die „Königliche Bayerische Staatsbahn“ den „Münchner“ für 24.000 Gulden und reiht ihn unter der „Nummer 25“ in ihren Lokomotivenpark ein.


  • München * Friedrich Bürklein wird zur „Generalverwaltung der kgl. Eisenbahnen“ nach München versetzt und studiert - im Regierungsauftrag - Eisenbahnhochbauten in Deutschland, Österreich, Belgien, Holland, Frankreich und England.

    Daher kommt es, dass viele bayerische Staatsbahnhöfe nach Bürkleins Plänen errichtet werden.


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei fertigt eine „200-PS-Dampfmaschine“ für die „Mechanische Fabrik Augsburg“.


  • München-Maxvorstadt * Der „Historienmaler“ Heinrich Maria Heß erwirbt das heutige Anwesen Luisenstraße 33 und baut darauf ein Wohnhaus.


  • München * Die spanische Tänzerin Lola Montez hat einen Termin bei König Ludwig I.. 

    Dieser fordert zur Audienz einen Bericht über das Vorleben der Tänzerin an, in dem er lesen kann: 

    „Dem allerhöchste Befehle vom 6. d.M. pflichtschuldige Folge leistend berichtet der treugehorsamst Unterzeichnete Euer Koeniglichen Majestät allerdevotest, wie die spanische Tänzerin Lola Montez dadurch öffentlich Anstoß erregte, dass sie, den Mitheilungen mehrerer Zeitungen zufolge, in einem Gasthofe zu Berlin einem ihr gegenüber sitzenden Offizier, der ihr mit übergroßer Freundlichkeit zu begegnen bemüht war, ein Champagnerglas an den Kopf warf, dass sie ferner, ebenfalls Nachrichten zufolge, einem bei der Revue in Berlin sie zurechtweisenden Polizeicommisär mit der Reitgerte übers Gesicht hieb, worauf sie mit 14-tägigem Arrest bestraft wurde, und dass sie endlich in Warschau dem Publikum, das ihren Kunstleistungen den gewünschten Beifall nicht zollte, von der Bühne herab mit begleitendem Gestikulieren den hinteren Theil ihres Körpers zuwandt".

    Der König will sich von der „Skandalnudel“ ein eigenes Bild machen. 

    Bei dieser Audienz soll sich Lola Montez, „als der König einigen Zweifel über die Realität der ersichtlichen Wölbung ihres Busens andeutet", eine Schere genommen und sich damit „das Kleid vor der Brust aufgeschnitten“ haben. 

    Der 60-jährige Bayernkönig ist augenblicklich Feuer und Flamme für die exotische Schönheit.

    • Er engagiert die als erotisches Feuerwerk bekannte Tänzerin unverzüglich und
    • erlässt eine Anweisung, dass die Tänzerin in den Zwischenaufzügen des Lustspiels „Der verschwundene Prinz" spanische Tänze in spanischer Tracht darbieten soll.

  • München-Kreuzviertel * Der bayerische „Finanzminister“ Karl Graf von Seinsheim lässt die „Tänzerin“ Lola Montez im „Gasthof zum Goldenen Hirschen“ ausspionieren.  

    Er schleust dazu die Creszentia Ganser als „Haushälterin“ in den „Goldenen Hirschen“ ein.  
    Ihr Auftrag ist, ein minutiöses Tagebuch über das „ausschweifende Nachtleben“ ihrer Arbeitgeberin zuführen.  

    Mit ihren „schlüpfrigen Informationen“ soll genügend Beweismaterial gesammelt werden, um die „Tänzerin“ vor das Münchner „Stadtgericht“ zu zerren, um sie letztlich des Landes zu verweisen.  

    Geleitet wird die gesamte Aktion vom „Polizeidirektor“ Johann Nepomuk Freiherr von Pechmann.  
    Doch der Plan wandelt sich ins Gegenteil. 


  • München * August Manostetter, der Anwalt der Lola Montez, stellt beim Magistrat der Stadt München den Antrag auf Erwerbung des bayerischen Indigenates durch Naturalisation. Im Bewusstsein um die Brisanz des Antrags, verschleppt der Magistrat die Angelegenheit.  

    Die Regierung von Oberbayern lehnt die Einbürgerung ab und begründet dies unter Berufung auf das Gesetz vom 1. Juli 1834 damit, dass „Frauenspersonen [...] nicht ansässig im Sinne des Gesetzes werden, wenn sie sich nicht gleichzeitig verehelichen oder wieder verehelichen“. Gleichzeitig stellt man klar, dass Lola Montez weder einen Pass hat, noch sonst imstande ist, sich auszuweisen. 


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Maffei'sche Fabrik in der Hirschau“ liefert ihre Lokomotive „Donau“ an die „Kgl. Bay. Staatsbahn“.
    Sie ist bis 1895 im Einsatz.


  • München-Maxvorstadt * Einem Brandanschlag auf den „Münchner Bahnhof“, eine Holzkonstruktion etwa auf der Höhe der heutigen „Hackerbrücke“, fällt nicht nur das Gebäude, sondern auch sechs Waggons samt der darauf gelagerten 300 Scheffel Weizen zum Opfer.

    Vermutlich machen die unbekannt gebliebenen Täter die Eisenbahn für die seit mehreren Jahren anhaltende Teuerung des Getreides verantwortlich. 

    Denn schon bald hieß es:
    „Zu meinen Zeiten hast nix von Dampfwagen g'hört! Alles ist ruhig sein Weg gangen;
    aber desto mehr Dampfnudeln hat's geben;
    und je mehr Dampfwagen herkommen, desto rarer werden die Dampfnudeln!
    Die Zeit wird immer schlechter!“


  • München-Ludwigsvorstadt - München-Maxvorstadt * Das Gelände der „Königlich Privilegierten Hauptschützengesellschaft“ wird an die staatliche „Generalverwaltung der Kgl. Eisenbahnen“ um 150.000 Gulden verkauft.

    Weil aber viele Bürger die Notwendigkeit der Eisenbahn nicht anerkennen, beschweren sie sich in einer „Petition“ über den Verkauf der „Schießstätte“.
    Für die Beschwerdeführer ist die Eisenbahn ein „unnützes Spielzeug finanzkräftiger und prestigesüchtiger Bürger“.
    Außerdem, so die Kritiker, schadet das Reisen mit der Eisenbahn - durch die Rauchentwicklung, der die Passagiere schutzlos ausgeliefert sind - der Gesundheit.

    Tatsächlich verfügt damals nur die erste Wagenklasse über verglaste Fenster;
    die Wagen der 4. Klasse sind nicht einmal überdacht.
    Und da die „München-Augsburger-Eisenbahngesellschaft“ statt der teuren Kohlen mit Torf und Holz heizt, regnet es nicht selten auch brennende Funken und Späne auf die Passagiere nieder.

    Die Argumente änderten letztlich aber nichts am Verkauf der „Schießstätte“.
    Doch zur Beruhigung der Situation lässt König Ludwig I. die zu fällenden Kastanien ausgraben und am „Wittelsbacher Palais“ wieder einpflanzen. 


  • München * Die Bayerische Eisenbahn und die Post werden in der Generalverwaltung der Posten und der Eisenbahnen zusammengefasst.


  • Haidhausen * Robert von Langers Cousine Josepha verkauft das Schlösschen an den Wirt Johann Baptist Riemer, der die Künstlervilla an der heutigen Einsteinstraße in eine Gastwirtschaft mit dem Namen Schlosswirtschaft oder Riemerwirt umwandelt.

    Das Anwesen kommt nach mehreren Weiterverkäufen in den Besitz der Münchner-Kindl-Brauerei, die unter den Wandbildern durchreisende Handwerksburschen übernachten lässt.


  • München-Kreuzviertel * Vom 20. September bis 30. November 1847 wird eine „Außerordentliche Stände-Versammlung“ einberufen, bei der es im Grunde nur um eine „Anleihe“ zur Finanzierung der Eisenbahn geht. 

    In beiden „Stände-Kammern“ werden lautstark liberale Forderungen wie die „Ausweitung der Pressefreiheit“ und weitere Reformen, die die „Märzforderungen“ des darauffolgenden Jahres vorwegnehmen, erhoben. 


  • München-Maxvorstadt * Zur Aufrechterhaltung des Eisenbahnbetriebs lässt man den alten, aus Holz erbauten und auf dem „Marsfeld“ stehenden Bahnhof behelfsmäßig wiederherstellen und gleichzeitig die Gleise zur „Schießstätte“ verlängern.  

    Der Bahnhof war am 4. April 1847 einem Brandanschlag zum Opfer gefallenen.  

    Am neuen Standort werden die behelfsmäßigen Betriebs- und Empfangsräume eingerichtet, um den Bahnverkehr an diesem Tag dort aufzunehmen.  

    Als Architekten für das neue Bahnhofsgebäude wird der Friedrich-von-Gärtner-Schüler, Friedrich Bürklein, beauftragt.
    Es sollte der spektakulärste Bahnhofsbau werden, den er von 1847 bis 1849 im „Rundbogenstil“ ausführt.  

    Die kühn konstruierte und wegen ihrer Zweckmäßigkeit von den Zeitgenossen bewunderte „Bahnsteighalle“ darf mit Recht als eine der ersten „Ingenieurbauten“ bezeichnet werden, das den Bedürfnissen der Zeit entspricht.  

    Auf dem Platz des neuen Bahnhofs haben die „Münchner Armbrustschützen“, später „Feuerschützen“, ihre „Schießstatt“.  
    Die „Schützengesellschaft“ lässt sich dafür auf der „Theresienhöhe“ ein „Neues Schießhaus“ von Bürklein errichten. 


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Die im „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei gefertigte Lokomotive „Behaim“ wird auf der Steilrampe zwischen Neuenmarkt-Wirsberg und Marktschorgast eingesetzt.

    Die „Behaim“ ist die erste dreifach gekuppelte Lokomotive für die „Königlich Bayerische Staatsbahn“.


  • Budapest - Wien * Der Landtagsabgeordnete Lajos Kossuth hält im ungarischen Reichstag eine Rede, in der er mehr Souveränität für Ungarn fordert. Er greift in seinem Vortrag das Metternich-Regime scharf an und verlangt eine umfassende Reform der Habsburger Monarchie. Die Rede löst begeisterte Zustimmung in den Oppositionskreisen des österreichischen Kaiserreichs aus und gibt den Anstoß zur Wiener Märzrevolution. Staatskanzler Klemens Wenzel Fürst von Metternich verliert daraufhin seinen Rückhalt am kaiserlichen Hof, sieht sich zum Rücktritt gezwungen und flieht nach England.  

    Die Pressefreiheit wird eingeführt und eine Verfassung versprochen. Bis zum 15. März 1848 sind in Wien die zentralen Forderungen der Revolution durchgesetzt. 


  • München * Die Anweisung zum Druck einer bayerischen Briefmarke kann Ludwig I. nicht mehr geben, da er zugunsten seines Sohnes Max II. abdanken muss.

    Der neue Regent handelt dann unverzüglich. Wieder einmal sind in Deutschland die Bayern vorne.

    Nach dem Bau der ersten Eisenbahn und der Erfindung der ersten „deutschen Kurzschrift“, des „Schreibtelegrafen“, der „Fotografie“ und der „elektrischen Uhr“ schauen insbesondere die Preußen abermals neidisch nach München.


  • London * „Die treue Lolitta“ [Montez] teilt ihrem „geliebten Louis“ mit, dass sie nach London in England abreisen werde. 


  • München * Rund 2.000 Fackelträger und Tausende Münchner ziehen durch die Straßen der Stadt.

    Sie wollen damit den am 9. November in Wien hingerichteten demokratischen „Paulskirchen-Abgeordneten“ Robert Blum die letzte Ehre erweisen. 


  • München-Ludwigsvorstadt * Nach einer Bauzeit von 26 Monaten kann Friedrich Bürkleins „Centralbahnhof“ der Öffentlichkeit übergeben werden.

    Der Architekt Friedrich Bürklein hat ein Zweckgebäude im so genannten „Rundbogenstil“ konzipiert, das Elemente der Romanik und der italienischen Renaissance verbindet.
    Das der Stadt zugewandte „Empfangsgebäude“ erinnert mit seiner „Fensterrosette“ und der vorgelagerten „Arkadenhalle“ fast an die „Bonifazkirche“.
    Die den Mittelbau flankierenden, zweigeschossigen Seitenbauten dienen dem Billettverkauf, der Post und als Wohnungen für Beamte.

    Die „Einsteighalle“ gilt als erstes großes Bauwerk der technisch-industriellen Ära in München, deren „Kühnheit und Originalität“ weithin gerühmt wird.
    Halbrundförmig, rund 110 Meter lang, 29 Meter breit und bis zu 20 Meter hoch, überspannte sie fünf Gleise. 

    Doch es ist noch eine hölzerne Konstruktion, die kurz vor der dann aus Eisen erbauten „Schrannenhalle“ ausgeführt worden ist.  Eine Fußbodenheizung erwärmt die „Warte- und Restaurationsräume“ auf 17,5 bis 20 Grad Celsius.


  • München-Graggenau * Der „königliche Postbeamte“ am Münchner „Hauptpostamt“ gibt die erste deutsche Briefmarke, den „Schwarzen Einser“, heraus.

    Erst einen Tag nach der Ausgabe der ersten „Bayern-Marke“ werden die Münchner über die Neuerung im „Intelligenzblatt“ informiert.
    „Die Marken“, so kann man lesen, „sind jedesmal von dem Absender auf der Adreßseite des Briefes etc. im oberen Eck links durch Befeuchten des auf denselben befindlichen Klebstoffes gut zu befestigen“.
    Geregelt werden in dem „königlichen Erlaß“ auch die Gebühren, „Taxen“ genannt.

    Ein Brief innerhalb Münchens kostet einen Kreuzer [„Schwarzer Einser“].
    Für Briefe, die nicht weiter als zwölf Meilen [knappe 20 Kilometer] verschickt werden, muss man drei Kreuzer berappen, sonst das Doppelte.
    Ein kleiner Preisvergleich: Für einen Kreuzer erhält man im Jahr 1849 ein Pfund Roggenbrot.
    Ein Pfund Schweinefleisch kostete zehn Mal soviel.

    Die Herstellung des Spezialpapiers bereitet solche Probleme, dass die ersten bayerischen „Briefmarken“ vier Wochen später als ursprünglich vorgesehen in die „Postämter“ kommen.
    Peter Hasenay, der im Hauptberuf Geldscheine zeichnet, muss nur drei Werte entwerfen: „1 Kreuzer schwarz“, „3 Kreuzer blau“ und „6 Kreuzer braunrot“; erst im darauffolgenden Jahr kommt noch eine weitere Marke hinzu: die „9 Kreuzer grün“.

    Zu dieser Zeit ist die erste Marke, der „Schwarze Einser“, schon wieder aus dem Handel gezogen.
    Der Schwärze wegen, denn sie macht die Stempel unleserlich.
    Die „General-Verwaltung der königl. Posten und Eisenbahnen“ gibt eine neue, weniger schwarze Einser heraus.
    Von der ursprünglichen Marke werden rund 725.000 Stück verkauft.


  • München * Die Münchner Bierkeller sind in bürgerlichen Kreisen so populär, dass man sie zu den „Volksbelustigungsorten“ zählt.


  • Burglengenfeld * Joseph Anton von Maffei ist Hauptaktionär und Vorstand der oberpfälzischen „Eisenwerk-Gesellschaft-Maxhütte“ bei Burglengenfeld.

    Das Unternehmen hat sich vor allem auf die Herstellung von Eisenbahnschienen spezialisiert.


  • München-Lehel * Als sich das alte Chortürmchen der „Anna-Kirche“ als baufällig herausstellt, verwirklichen sich die Bewohner der „Anna-Vorstadt“ einen Traum.  
    Ihre Kirche soll zwei Türme mit Glocken und Uhren erhalten.

    Die „Anna-Vorstädter“ gründen einen „Turmbau-Verein“ und beauftragen den Architekten August von Voigt mit der Planung einer dem Zeitgeschmack entsprechenden neuromanischen Außenfassade, die stilistisch von der nahegelegenen „Ludwigskirche“ beeinflusst ist.  

    Mit dem neuen Aussehen der Kirche soll das „Lehel“ einen besonderen städtebaulichen Akzent erhalten, damit es sich gegenüber „der an kostbaren Baudenkmälern so reichen Residenzstadt“ als würdig erweisen kann.  

    Die Türme waren im ursprünglichen Plan von Johann Michael Fischer bereits vorgesehen und hätten der Kirchenfassade in etwa das Aussehen der „Michaels-Kirche“ in Berg am Laim gegeben.  
    Es ging aber den „Lechlern“ nicht nur um Kirchentürme mit einem Geläute von fünf Glocken, sondern in der Hauptsache um die notwendige Vergrößerung des Kirchenraumes, da die Kirchengemeinde zwischenzeitlich erheblich angewachsen war. 


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Maffei gewinnt mit seiner 72. Lokomotive, die ebenfalls auf den Namen „Bavaria“ hört, den ersten Preis beim „Semmering-Wettbewerb“ um die leistungsfähigste „Steilrampen-Lokomotive“.


  • München-Maxvorstadt * Schwierigkeiten bereitet noch die Beleuchtung des „Centralbahnhofs“

    Doch dann kann die „Einstiegs- und Empfangshalle“ mit 156 holzgasbetriebenen Lampen illuminiert werden. 


  • München - Wien * Das Königreich Bayern schließt mit Österreich einen Vertrag zur Weiterführung einer Bahnverbindung über Rosenheim nach Salzburg auf österreichischem Territorium. Diese Planung hat eine europäische Dimension. 


  • Le Havre * Lola Montez geht in Le Havre an Bord des Segelschiffes „Alexander von Humboldt“, um nach New York zu reisen. 


  • Rosenheim - Salzburg * Der bayerische Staat finanziert und übernimmt die Ausführung der Bahnverbindung über Rosenheim nach Salzburg. 


  • München-Hirschau * Die im „Maffei-Werk Hirschau“ gebaute Lokomotive „Die Pfalz“ für die „Bayerische Pfalzbahn“ erreicht bereits 120 km/h.


  • München - Starnberg * Der weitere Ausbau des Eisenbahn-Streckennetzes wird angegangen.

    Ulrich Himbsel, der ehemalige „Baudirektor der München-Augsburger-Eisenbahngesellschaft“, beginnt, trotz der anfänglich auftretenden Probleme mit der Finanzierung, mit dem Streckenbau zu dem „an Naturschönheiten so reichen Starnberger See“.   

    Die Linie zweigt hinter Pasing nach Süden ab und erfreut sich beim „gebirgssinnigen Münchner Publikum“ bald großer Beliebtheit. 


  • Panama City - San Francisco * Lola Montez besteigt den Raddampfer „Northener“, um mit ihm nach San Francisco zu reisen. 


  • München - Augsburg - Württemberg * Die Eisenbahnstrecke München - Augsburg wird bis an die Grenze zum „Königreich Württemberg“ weitergebaut. 


  • Großhesselohe * Der 10,7 Kilometer lange Streckenabschnitt der Bahnverbindung von München über Rosenheim nach Salzburg ist bis „nach dem Belustigungsorte Hesselohe“ fertiggestellt. 


  • München * König Max II. verfügt die Abschaffung des mittelalterlichen Richtschwerts. Die Todesstrafe wird künftig ausschließlich mit der Guillotine vollstreckt.

    Die bayerische Guillotine ist im Gegensatz zu dem aus Holz hergestellten französischen Original aus Eisen. Das Fallbeil  braucht deshalb nur eine Fallhöhe von 1,50 Metern, statt den 5 Metern der Original-Guillotine.


  • München * Das „Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr“ beschließt, das die „Cholera“ in München erloschen ist.
    Nur drei Ärzte stimmen dagegen. 

    Alle „Ärztlichen Besuchsanstalten“ werden geschlossen, die „Suppenanstalten“ wieder auf vier reduziert.
    Die ärztliche Versorgung in den Vorstädten wird eine Woche länger aufrecht erhalten.

    2.143 von rund 114.000 Münchner Einwohnern fallen bis dahin der sogenannten „Kalten Pest“ zum Opfer, das sind 1,9 Prozent. 
    In den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing sterben 781 von 21.000 Bewohnern, das ist mit 3,7 Prozent eine fast doppelt so hohe Sterbequote.

    Kinder, Frauen und ältere Menschen machen die Mehrzahl der Opfer aus.
    In München liegt der Anteil der Frauen bei 45,7 Prozent, der der Kinder unter zehn Jahren bei 19,7 %.
    In den Vorstädten liegt die Sterblichkeit bei den Frauen bei 39,5 und bei den Kindern bei 25,2 Prozent.

    An der „Cholera“ sterben stets mehr Frauen als Männer.
    Das liegt daran, dass Frauen immer einer größeren Infektionsgefahr ausgesetzt sind, da sie die Kranken versorgen und die Wäsche waschen.

    Während der Anteil der über 60-jährigen Opfer in der Stadt München fast 27 Prozent beträgt, sind es in den Vorstädten „nur“ 17,7 Prozent.
    Das liegt aber an der sowieso wesentlich geringeren Lebenserwartung.

    In Haidhausen wird fast kein Haus von der „Cholera“ verschont.
    Hier liegt die Sterbequote bei 4,8 Prozent.
    Darunter sind 57 Mütter und 42 Väter, wodurch 102 Kinder einen Elternteil verlieren.
    Zwanzig Kinder werden zu Vollwaisen.

    Von den in der „Strafanstalt“ in der Au einsitzenden 541 Häftlingen sterben 63, gleich 11,6 Prozent.


  • München * Die jahrelang hohen Belastungen des Staatshaushaltes durch die Bayerische Staatsbahn führen zu einer ständig wachsenden kritischen Stimmung. Deshalb legt der Bayerische Staat nur noch den Gesetzesentwurf zum Bau und Betrieb der Bahnstrecke Lichtenfels - Coburg vor und betrachtet im Anschluss daran seine aktive Beteiligung am Eisenbahnwesen als abgeschlossen. Allerdings verbindet das Staatsbahnnetz zu diesem Zeitpunkt lediglich Oberbayern mit Schwaben sowie Franken und schließt damit die altbaierischen Gebiete Oberpfalz und Niederbayern vollkommen aus.

    Die Königliche Eisenbahn-Commission hat aber für die vier wichtigsten Strecken nach Ostbayern bereits Vorbereitungen getroffen, weshalb die Bayerische Staatsregierung den Bau und den Betrieb der Eisenbahnstrecken nach Ostbayern einer privaten Bahngesellschaft erlauben will. Die notwendigen Voraussetzungen werden an diesem Tag mit Allerhöchster Verordnung geschaffen. 


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Joseph Hall verlässt das „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei.

    Sein Nachfolger wird George Jon Ashton.


  • San Francisco * Lola Montez ist wieder in San Francisco. Von dort reiste sie nach New York weiter, wo sie sich auf ihre nächste Karriere als Vortragsreisende vorbereitet. 


  • München-Großhesselohe * Die elegante „Großhesseloher Brücke“, die das tief eingeschnittene Isartal überquert und die Bahnverbindung über Holzkirchen nach Rosenheim weiterführt, wird eröffnet. 


  • München-Großhesselohe * Der 62,9 Kilometer lange Eisenbahn-Streckenabschnitt von dem „Belustigungsorte Hesselohe“ bis Rosenheim ist fertiggestellt.  


  • Rosenheim - Kufstein * Die 31,9 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Rosenheim bis zur Grenze bei Kufstein ist fertiggestellt. 


  • München - Landshut * Auf den Vorarbeiten der staatlichen „Eisenbahn-Commission“ aufbauend, kann die „Landshuter Linie“ eröffnet werden.

    Die „Landshuter Allee“ erinnert noch heute an die ursprüngliche Trassenführung. 


  • Geiselhöring - Passau - Regensburg * Ab dem „Verkehrsknotenpunkt Geiselhöring“ wird auf zwei Strecken die „Ostbahn“ weitergebaut. 

    Die eine Strecke führte nach Passau, die andere nach Regensburg, Amberg und Nürnberg.
    Mit einem Aufgebot von bis zu 17.000 Arbeiterinnen und Arbeitern wird das 453 Kilometer umfassende Grundnetz der „Bayerischen Ostbahnen“ fertiggestellt werden.

    Paul Camille von Denis schafft das in einer fünfeinhalbjährigen Bauzeit.

    Der „Direktor der Ostbahngesellschaft“ unterschreitet damit nicht nur die zeitliche Vorgabe der staatlichen „Eisenbahn-Commission“, die dafür eine Bauzeit von sieben Jahren vorgesehen hatte,  sondern auch die Baukosten gegenüber dem Voranschlag von 46,5 Millionen Gulden um 12,8 Millionen Gulden.
    Das sind nahezu dreißig Prozent.

    Damit ist Paul Camille von Denis, dem „Altmeister des Eisenbahnbaus“, die allgemeine Anerkennung sicher.

    In Zeitungsartikeln halten sich die Zeitgenossen mit ihrer Bewunderung für diese Leistung nicht zurück:
    „Der Erfahrungssatz, der leider bei uns in Deutschland viel zu wenig bekannt oder anerkannt scheint - ‚Zeit ist Geld‘ -, spricht sich in allen Anordnungen der Ostbahn-Direction aus“


  • München-Haidhausen * Johann Georg Landes gründet die „J. G. Landes Maschinen- und Kesselfabrik, Eisen- und Metallgießerei“.

    Die Firma stellt Erzeugnisse des Maschinenbaues her und spezialisiert sich später auf Wasserturbinen, Schleusen- und Wehranlagen. Das Unternehmen ist bis zum Zweiten Weltkrieg tätig.

    Johann Georg Landes richtete „aus Fürsorge um das Wohl ihrer Arbeiter“ eine firmeneigene „Betriebskrankenkasse“ ein. Die Höhe der Unterstützungsleistung richtet sich nach der Lohngruppe. Um das Leistungsrisiko zu vermindern, knüpfen die Kassen oft die Auszahlung von „Krankengeld“ an gewisse Bedingungen.

    In der Satzung des „Krankenvereins der Maschinenfabrik J. G. Landes“ heißt es: „Auf Unterstützung hat aber kein Mitglied Anspruch, so lange dasselbe wirklich Arbeit verrichtet, nur Medizin gebraucht, oder sich Krankheit und Arbeitsunfähigkeit durch Exzeß, Rauferei oder unordentlichen Lebenswandel [durch übermäßiges Trinken oder syphilitische Krankheiten] zugezogen hat“.


  • Rosenheim - Traunstein * Die 53,3 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Rosenheim bis nach Traunstein ist fertiggestellt. 


  • Traunstein - Salzburg * Die 29,5 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Traunstein bis zur Grenze bei Salzburg ist fertiggestellt. 


  • München - Salzburg * Die in fünf Teilabschnitten erbaute und insgesamt 188 Kilometer lange Eisenbahn-Strecke von München nach Salzburg kann erstmals befahren werden. Ab Salzburg führt die Bahnlinie weiter nach Wien.

    Kaiser Franz Joseph I. von Österreich trifft aus Wien mit der k.k. privilegierten Kaiserin-Elisabeth-Bahn ein, König Max II. von Bayern in Salzburg in seinem Hofzug an. Der bayerische Zug wird von zwei Maffei-Lokomotiven gezogen.

    Mit dieser Zugverbindung liegt München genau zwischen den zwei großen europäischen Metropolen Wien und Paris. 


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei liefert den von ihr gefertigten eisernen Dachstuhl für die „Befreiungshalle“ bei Kehlheim und beginnt vor Ort mit den Arbeiten.

    Innerhalb von 14 Tagen ist die „Bedachung“ des kolossalen Gebäudes vollendet.


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Im „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei sind 465 Lokomotiven entstanden.

    Davon fanden 129 einen Käufer im Ausland.


  • München - Starnberger See * Der bayerische Staat erwirbt die Eisenbahn-Strecke zum Starnberger See von Ulrich Himbsel. 


  • München-Au * Die „Eisenfronfeste am Lilienberg“ wird in „Bezirksgefängnis“ umbenannt.


  • Nordamerika - Kanada * Der „Westernheld“ William Frederick Cody, besser bekannt unter seinem Pseudonym „Buffalo Bill“, ist ein ehemaliger Offizier der amerikanischen Nordstaaten, der als „Militärkundschafter und Fährtensucher“ im Rang eines „Colonels“ steht.

    Seinen Namen macht er sich in den „Indianerkriegen“ der Jahre 1862 bis 1872, wo er als gefürchteter Kämpfer seine Opfern - nach Indianer-Vorbild - sogar eigenhändig skalpiert. Zusätzlich ist der „exzentrische Abenteurer“ und „Glücksritter“ auch als „Expreß-Pony-Reiter“ unterwegs und verdient sein Geld mit der „Büffeljagd“ in Nordamerika und Kanada.

    Für ein Gehalt von monatlich 500 Dollar dezimiert der hoch verschuldete „Buffalo Bill“ im Auftrag der amerikanischen Eisenbahngesellschaften in kürzester Zeit ganze Büffelherden. Aus übelster Profitgier ist der „Offizier“ zum brutalen Massenschlächter geworden, der innerhalb von eineinhalb Jahren 4.280 Büffel zur Strecke bringt.


  • München * Wieder zurück in München fertigt Franz Lenbach für den „Kunstsammler“ Adolf von Schack Kopien an.

    Es folgen längere Reisen nach Italien, Basel, Paris und Madrid.


  • München-Kreuzviertel * Der „Bayerische Landtag“ genehmigt die für die Stadtviertel des Münchner Ostens so wichtig werdende Eisenbahnstrecke über Mühldorf zur österreichischen Landesgrenze.
    Zeitgleich bewilligt er 15,4 Millionen Gulden für den Bau der Linie.  

    Die genaue Streckenführung ist zu diesem Zeitpunkt allerdings an mindestens zwei Stellen noch offen.

    • Einmal, weil auf österreichischer Seite die rund fünfzig Kilometer lange Teilstrecke von der Grenze in Richtung Linz nicht von der „Eisenbahnverwaltung“, sondern von einem privaten Konsortium aus Großgrundbesitzern, Unternehmern und Bankiers finanziert wird und
    • sich als Alternativen der Grenzübergang bei Braunau oder das vierzig Kilometer innabwärts gelegene Schärding anbieten.
    • Von einem dieser Grenzübergänge soll die Eisenbahn das oberösterreichische Neumarkt und darüber hinaus Linz erreichen. 
    • Die zweite ungeklärte Streckenführung war gleich am Beginn der Bahnlinie.

    Die „Generaldirektion der Kgl. Bayerischen Staatseisenbahnen“ - als zuständige Planungsbehörde - will jedenfalls die Strecke unmittelbar nach der „Großhesseloher Brücke“ - der seit dem Jahr 1858 bestehenden Hauptverkehrsstrecke „München - Holzkirchen - Rosenheim - Salzburg“ - abzweigen lassen. 
    In einem weiten Bogen soll die Bahntrasse dann durch den „Perlacher Forst“, weiter über das „Obergiesinger Feld“, südlich an Haidhausen vorbeiführend das Stadtgebiet in östlicher Richtung verlassen.
    So jedenfalls sieht die grobe Planung lange Zeit aus.

    Nun ist aber in Obergiesing, östlich der Tegernseer Landstraße, ein großes „Neubaugebiet“ geplant.
    Und um zu verhindern, dass die Bahnverwaltung baureife oder möglicherweise schon bebaute Grundstücke teuer erwerben muss, verweigert das „Ministerium des Inneren“, das bei allen Bauvorhaben in der Haupt- und Residenzstadt ein Planungs- und Einspruchsrecht besitzt, ihre Zustimmung zum Wohnungsbau so lange, bis eine detaillierte Bahnplanung vorliegt.
    Erst danach will das „Innenministerium“ den künftigen Baulinien zustimmen. 


  • München * Eine der ersten Taten des jungen Bayernskönigs Ludwig II. ist die Berufung Richard Wagners nach München. 

    Kabinettssekretär Franz Seraph von Pfistermeister muss sich - nur einen Monat nach Ludwigs Thronbesteigung - mit dem schwierigen Auftrag aus München abreisen, den verehrten Musiker ausfindig zu machen und ihn zum König zu bringen. Der hoch verschuldete Komponist ist - wieder einmal pleite - mit unbekanntem Ziel abgereist, denn in Wien und der Schweiz verfolgen ihn die Gläubiger so sehr, dass er sich kaum mehr auf die Straße traut.

    Nach über zwei Wochen gelingt es Pfistermeister, den europaweit gesuchten Schöpfer wichtiger Musikwerke in Stuttgart aufzuspüren.


  • Stuttgart * „Kabinettssekretär“ Franz Seraph von Pfistermeister trifft in Stuttgart auf Richard Wagner.
    Er überreicht ihm Brief, Bild und Ring des bayerischen Königs Ludwig II.. 

    Gemeinsam reisen sie noch am gleichen Tag nach München.


  • München - München-Obergiesing * Nachdem noch immer keine endgültige Bahntrassenführung durch Obergiesing feststeht, teilt das „Innenministerium“ dem für den Eisenbahnbau zuständigen „Handelsministerium“ mit, dass sich die Erschließung und Bebauung des „Neubaugebiets“ nicht länger verzögern lässt. 


  • München-Untergiesing * Nur wenige Monate vor dem Ende des dreijährigen österreichischen Verhandlungsmarathons, legt sich die „Generaldirektion der Kgl. Bayerischen Staatseisenbahnen“ auf einen anderen Streckenverlauf fest.

    Nach diesem sollte, um den Umweg über die „Großhesseloher Brücke“ zu umgehen, bereits in Friedenheim eine Trasse von der Hauptstrecke „München - Augsburg“ abzweigen und über Untersendling und einer neu zu erbauenden Isarbrücke nach Untergiesing und von dort weiter nach Haidhausen führen.

    Diese Streckenführung ist gar nicht so revolutionär, da schon bei der Projektierung der Strecke „München - Salzburg“ in der 1850er Jahren dieser Verlauf zum Teil angedacht worden war.

    Allerdings würde die neue Bahntrasse doppelt so teuer wie die ursprüngliche sein.
    Die Planer können aber darstellen, dass die Bahnstrecke zehn Kilometer kürzer ist und außerdem weniger Steigungen überwinden muss.
    Dadurch entsteht nicht nur eine enorme Zeitersparnis, sondern gleichzeitig ein beträchtlich verringerter Energieverbrauch.

    Den Mehraufwand für die neue Brücke von 800.000 Gulden kann man in Kauf nehmen, da sich die erhöhten Baukosten bereits innerhalb weniger Jahre wieder amortisieren. 


  • Wien - Braunau * Das österreichische „Eisenbahn-Konsortium“ einigt sich auf den Übergangspunkt bei Braunau am Inn.


  • München * Die Vermessungsarbeiten, um den genauen Verlauf der Bahnstrecke nach Braunau am Inn festzulegen, beginnen.

    Die angedachte Trasse soll südlich von Untergiesing durch die Isarauen verlaufen, dann die Hangkante auf der Höhe des späteren „Stadions an der Grünwalder Straße“ durchschneiden und östlich von Obergiesing durch die Hochau nach Haidhausen führen.
    Damit wären die drei Stadtviertel des Münchner Ostens direkt an die „Eisenbahn“ angebunden.

    Als nächste Entscheidung steht die Standortwahl für den nach dem „Centralbahnhof“ zweiten großen „Staatsbahnhof“ auf der Tagesordnung.

    Für das betroffene Stadtviertel hätte das weitreichende Folgen auf die wirtschaftlichen, sozialen und städtebaulichen Entwicklungen, denn es geht bei dieser Entscheidung immerhin um die Drehscheibe für den künftigen Güter- und Personenverkehr im Münchner Osten. 


  • München-Haidhausen - München-Giesing - München-Au * Nachdem Einzelheiten über den Streckenverlauf und den Bahnhofsstandort der Eisenbahnstrecke nach Braunau am Inn durchgesickert sind, gründen sechs Haidhauser Unternehmer und Geschäftsleute ein „Komitee“.

    Nach den Planungen der „Eisenbahn-Generaldirektion“ soll der künftige „Ostbahnhof“ an der heutigen Regerstraße, auf damals Giesinger Gebiet, entstehen.

    Dieser Standort gilt als ideal, da er

    • von den Zentren der drei Stadtviertel Au, Giesing und Haidhausen nahezu gleich weit entfernt ist und
    • einer möglichen Erweiterung des Bahnhofs sowie der Ansiedelung von Industrie- und Gewerbebetrieben nichts im Wege steht.  

    Das „Haidhauser Komitee“ spricht sich gegen den Bahnhofsstandort in Giesing und für einen solchen in Haidhausen - nahe dem heutigen Rosenheimer Platz - aus.

    Der Vorsitzende des „Haidhauser Komitees“ ist der Besitzer der „Franziskaner-Leistbrauerei“, Joseph Sedlmayr.

    Nach Auffassung der Haidhauser Unternehmer spricht für den Standort Haidhausen, dass

    • der Hauptpersonen- und Hauptgüterverkehr schon immer über diesen Ort lief und demzufolge
    • alle verkehrstechnischen Infrastruktureinrichtungen vorhanden sind.
    • Die „gefährliche Verkehrsanbindung“ über den steilen und nicht regulierten „Giesinger Berg“ und dem gleich abschüssigen „Nockherberg“ sprechen gegen Giesing.
    • Hinzu kommen die fehlenden Brückenverbindungen für die Pferdefuhrwerke.

    Der „Münchner Magistrat“ und das „Kollegium der Gemeindebevollmächtigten“ schließen sich umgehend den Forderungen der Haidhauser an.

    Doch das für den Eisenbahnbau in Bayern zuständige „Handelsministerium“ steht den Vorschlägen völlig konträr gegenüber, da nach seiner Auffassung der zweite Bahnhof höchstens ein kleiner Nebenbahnhof werden soll, an dem nur wenige Züge halten. 


  • München-Untergiesing - München-Isarvorstadt * Die Arbeiten an der Braunauer Eisenbahnbrücke, die einen Bestandteil der neuen Eisenbahntrasse von München nach Simbach/Braunau am Inn darstellt, dauern bis 1870 an.

    Nach vorhergehenden Probebohrungen wird mit den Fundamentierungsarbeiten der vier Brückenpfeiler begonnen. Für die beiden inneren Pfeiler sind dafür aufwändige Arbeiten auszuführen. Im Gegensatz dazu werden die beiden äußeren Pfeiler durch die sie umgebenden Hochwasserdämme stabilisiert.

    Mit sogenannten Lokomobilen, das sind auf Schienen bewegbare Dampfmaschinen, können Bagger, Förderbänder sowie Pumpen betrieben und über einen Dynamo Strom erzeugt werden. So eine Lokomobile leistet sechs PS. Um sie aufzubauen oder zu versetzen und zur Montage der Baggermaschine sind acht Arbeiter zehn Tage beschäftigt.

    Die Bedienungsmannschaft der „Lokomobile“ setzt sich aus dem „Baggerführer“, dem „Führer der Lokomobile“ und vier weiteren Arbeitern zusammen.

    Die elektrischen „Lichtbogenlampen“ kommen zum Einsatz, nachdem die Spundwände für die Pfeiler gesetzt und mit den Betonierungsarbeiten begonnen worden ist. Um diese Arbeiten zügig fertig zu stellen, arbeiten die Brückenbauer bis spät in die Nacht hinein. Der riesige, schwenkbare Scheinwerfer ist dazu auf einem zwölf Meter hohen Holzturm angebracht. Die ursprünglich ausschließlich für militärische Zwecke - von der „Telegraphenbau-Anstalt Siemens & Halske“ entwickelte Beleuchtungsanlage kommt beim Bau der „Braunauer Eisenbahnbrücke“ erstmals im zivilen Bereich zum Einsatz. Nachdem die Fundamente errichtet worden sind, baute die aus Nürnberg stammende Eisenbaufirma „Cramer-Klett“, von der schon die „Großhesseloher Brücke“ stammt, auch diese Brücke. Nun überspannen zwei unabhängig voneinander parallel verlaufende Fachwerkträgerkonstruktionen mit drei gleichen Öffnungen auf 150 Meter das Isarbett. Die sieben Meter hohen Eisenfeldträger können rationell in Serienproduktion hergestellt werden und werden anschließend an den Stößen vernietet.

    Der hölzerne Werksteg wird nach Beendigung der Bauarbeiten abgebaut und circa siebenhundert Meter isarabwärts - in der Höhe der heutigen „Wittelsbacher Brücke“ wieder montiert. Er diente bis zur Fertigstellung dieser für Giesing so wichtigen Verkehrsanbindung - im Jahr 1875 - als provisorischer Flussübergang. Er darf bis dahin jedoch nur von Fußgängern benutzt werden.


  • München-Haidhausen * Eine weitere Interessengruppe meldet sich zur Standortfrage des „Ostbahnhofs“ zu Wort.

    Diese Gruppierung hat für den Bahnhof ebenfalls einen Standort in Haidhausen vorgesehen.
    Dieser liegt aber etwa einen Kilometer östlicher, bei einem „Kuisl“ genannten alleinstehenden landwirtschaftlichen Anwesen, das dem Perlacher Gärtnereibetreiber Peter Ballauf gehört.

    Das ist der Platz, auf dem sich heute der „Ostbahnhof“ befindet.
    Der genannten Interessengemeinschaft gehören - neben Peter Ballauf - ausschließlich Personen an, die in der Nachbarschaft des „Kuisl-Anwesens“ ausgedehnte Grundstücke besitzen.  

    Sprecher und Vorsitzender dieses „Konsortiums“ ist der „Hofbankier“ Carl von Eichthal, der kurz zuvor ein riesiges und unbebautes, „Auf der Ramersdorfer Lüften“ bezeichnetes Gelände erworben hat. 


  • München-Au - München-Giesing - München-Haidhausen * Noch eine Interessengemeinschaft zur Standortfrage des „Ostbahnhofs“ tritt auf.

    Ihr gehören „Handels- und Gewerbetreibende“ aus der Au, Giesing, Haidhausen und „südlicher Stadtteile“ an.
    Sie wollen einen „Südbahnhof“ in Untergiesing, südlich des im Jahr 1847 als „Männerfreibad“ eröffneten „Schyrenbades“ installiert sehen.
    Der Bahnhof soll die Anlage eines ausgedehnten Industrieviertels in den Isarauen ermöglichen.
    Ein Vorschlag, der heute möglicherweise Erstaunen hervorruft.
    Aber am „Auer Mühlbach“ war von „Hellabrunn“ bis hinauf zur „Bäckerkunstmühle“ sogar ein Gebiet für schwerindustrielle Güter im Entstehen.

    Mit den genannten Vorschlägen liegen vier Standorte für einen Bahnhof und zwei alternative Streckenführungen zur Auswahl:  

    • eine „innere“, unmittelbar am Haidhauser Zentrum, und
    • eine „äußere“, am östlicher gelegenen „Kuisl-Anwesen“ vorbeiführende Linie. 

  • München-Haidhausen * Carl von Eichthal unterbreitet dem „Innenministerium“ ein lukratives Angebot:  

    Wenn die „Braunauer Eisenbahnlinie“ am „Kuisl“ vorbei geführt wird, tritt die Interessengemeinschaft - „der guten Sache halber und im Interesse der Vorstadt Haidhausen und zum allgemeinen besten“ - dem Staat „schenkungsweise“ einen Tagwerk Grund ab.
    Gleichzeitig bietet er an, die zusätzlich für die Anlage des Bahnhofs und der Bahnstrecke benötigten Flächen zu einem Preis von lediglich 2.000 Gulden pro Tagwerk zur Verfügung zu stellen.

    Natürlich liegt dem „Konsortium“ an der Wertsteigerung ihrer noch unerschlossenen Grundstücke.
    Das vorgelegte Angebot liegt zwar weit unter dem Verkehrswert, doch durch die geänderte Streckenführung würde sich das „Entgegenkommen“ durch die in die Höhe schnellenden Baulandpreise schnellstens wieder ausbezahlen. 


  • München-Graggenau * Der Hofbauinspektor Eduard von Riedel legt Pläne für die Neugestaltung der Appartements Ludwigs II. vor. Der König ist mit den Planungen nicht zufrieden und gibt die Aufgabe an Franz Seitz weiter.  

    Riedel legt auch seine Pläne für die Herstellung eines Dachpavillons auf dem Dach des Festsaalbaus vor. Der Dachgarten ist nur ein kleines, zimmergroßes Häuschen aus Eisen und Glas mit einem rechteckigen Grundriss. 


  • München-Haidhausen * Es kommt zur Entscheidung in der Standortwahl des „Ostbahnhofs“.  

    In verschiedenen Gutachten werden eindeutig die Bahnhofs-Standorte in Haidhausen bevorzugt.

    Dabei fällt die Wahl zunächst eindeutig auf die „Sedlmayr‘sche Streckenführung“ mit dem Bahnhof nahe dem heutigen Rosenheimer Platz. 


  • München-Haidhausen * Nur wenige Wochen nach der vorhergehenden Entscheidung, stell die „Generaldirektion der kgl. Staatseisenbahnen“ fest, dass sie wegen bautechnischer Schwierigkeiten auf den Bau der „Sedlmayr‘schen“ Alternative zugunsten der „Eichthal‘schen“ verzichten muss. 

    Und diese Entscheidung steht felsenfest.

    Da bewirkten selbst die Proteste des Besitzer der „Franziskaner-Leistbrauerei“, Joseph Sedlmayr, der die getroffene Entscheidung lauthals als „Resultat gelungener Agitation und Privatspekulation“ bezeichnet, nichts mehr.

    Als eindeutiger Gewinner geht aus diesem monatelangen Tauziehen Carl von Eichthal hervor.
    Der „Hofbankier“ hat anno 1856 zusammen mit den bedeutendsten deutschen Großunternehmern und Bankchefs die „Ostbahn-Aktiengesellschaft“ ins Leben gerufen.

    Carl von Eichthal gehört unter anderem dem „Kollegium der Gemeindebevollmächtigten“ sowie der „Abgeordnetenkammer“ an und verfügt damit über einen massiven Informationsvorsprung, der seine Eisenbahngeschäfte mit der Bodenspekulation verschmelzen lässt.

    Bei der Entscheidungsfindung für die „äußere“ Bahnlinie und dem Bahnhofsstandort am „Kuisl“ war es zumindest nicht hinderlich, dass Gustav von Schlör vor seiner Ernennung zum „Handelsminister“ lange Jahre Direktor bei der „Ostbahngesellschaft“ war.  

    Eichthal und Schlör kennen sich persönlich gut und dem entsprechend gut sind die geschäftlichen Verbindungen zwischen dem „Bankier“ und dem „Minister“.
    Darüber, ob es interne Absprachen zwischen den beiden Akteuren gab oder dass der einflussreiche „Bankenchef“ Druck auf den „Staatsminister“ ausübte, lässt sich nur spekulieren. 


  • Kiautschou-Bucht - China * Der „Geograph“ und „Geologe“ Ferdinand von Richthofen durchquert in den Jahren zwischen 1668 und 1872 als „Forschungsreisender“ dreizehn der achtzehn chinesischen Provinzen und schlägt die „Kiauschou-Bucht“ für einen deutschen „Marine- und Handelsstützpunkt“ vor.

    Die sich in den 1890er-Jahren ändernde „Kolonialpolitik“ bringt auch eine aktive Unterstützung der Tätigkeit der „Missionare“.  
    Diese kümmern sich weder um die Gefühle der Bewohner und sehen in „Konfuzius“ lediglich ein „eingebildetes Symbol“, das dem katholischen Glauben „zu weichen“ hat. 


  • München-Untergiesing * Zur optimalen Straßenführung legt die Bahnverwaltung „einen Eisenbahndamm von der Brücke angefangen bis zum Berge von Giesing, und durch diesen einen aufsteigenden tiefen Einschnitt“ an. Damit wird Untergiesing in zwei Hälften zerschnitten.

    Proteste der Untergiesinger stellen heraus, dass mit dem plumpen und unansehnlichen Bahndamm die Vorstadt in ihrer baulichen Entwicklung beeinträchtigt, dass zumindest die in der Nähe des Damms liegenden Grundstücke entwertet und der Bevölkerung eine „unästhetische und unerträgliche Last aufgebürdet“ wird.

    Der Stadtrat befürchtet bei einem Bruch des Hochwasserdammes der Isar können die hereinströmenden Wassermassen große Teile Untergiesings überschwemmen. Statt des festen Bahndammes fordert man deshalb die Herstellung der Bahntrasse auf Pfeilern. Die Bahnverwaltung hält aber die vorgetragenen Hochwasserängste für stark übertrieben, da genügend Öffnungen für Straßen und Bäche vorgesehen sind. Gleichzeitig stellt sie die - berechtigte - Frage, ob eine leichtere Bauweise etwas an der Lautstärke und der Ästhetik ändern würde.

    Zum Bau des Bahndamms wird auf der gesamten Strecke zwischen dem Bergeinschnitt und der „Braunauer Brücke“ ein sieben Meter hohes Holzgerüst aufgebaut. Diese Konstruktion trägt eine Rollbahn, mit der die Erdmassen aus dem Hangeinschnitt abtransportiert und anschließend auf beide Seiten der Holzkonstruktion herabgekippt werden. Das Holzgerüst verschwand nach und nach im aufgeschütteten Eisenbahndamm.

    Zehn Monate sind dafür vorgesehen, um die 60.000 Kubikmeter Erdreich, die beim Aushub des Einschnitts zwischen dem Giesinger Berg und dem Ostbahnhof anfallen, auf den Bahndamm zu verteilen. Voraussetzung ist aber, dass die Bauarbeiter pro Tag rund 750 Waggons der Rollbahn mit Erdreich be- und entladen. Auf dem Streckenabschnitt sind drei Rollbahnzüge mit jeweils siebzehn Waggons ständig im Einsatz. Zu erheblichen Problemen führen nach der Inbetriebnahme der Bahnstrecke die Lärmentwicklung an der Eisenbahnbrücke am Kolumbusplatz und dem gesamten Weg des Damms. Der Lärmpegel war noch höher wie heute, da die Schienen ohne jede Geräuschdämmung direkt auf die eisernen Brückenläufe montiert worden waren.


  • Haidhausen - Rosenheim - Simbach/Braunau * Die Gleisverlegungsarbeiten an den Bahnlinien nach Simbach/Braunau am Inn und der neuen Streckenführung nach Rosenheim beginnen.  

    Von Rosenheim aus sollte noch eine weitere, insgesamt kürzere Strecke nach Salzburg abzweigen. 

    Im selben Jahr wird auch der Bau für den „Haidhauser Bahnhof“ begonnen, der zu dieser Zeit noch „mitten auf der grünen Wiese“ entsteht. 


  • München * Der „Lohnkutscher“ Michael Zechmeister startet einen neuen Versuch und schickt seine schienenunabhängigen, pferdebetriebenen, auf eisenbereiften Holzrädern laufenden „Pferdewagen“ auf die Straßen der bayerischen Haupt- und Residenzstadt.  

    Das „Stadtomnibusnetz“ besteht jetzt aus fünf „Linien mit Umsteigebetrieb“, wobei auf die weitere Anbindung der Au verzichtet wird.  
    Auch Haidhausen und Giesing sind noch nicht in das Verkehrsnetz einbezogen worden. 


  • München-Au * Mit dem Bau der Eisenbahnlinie muss sich der Magistrat gegenüber der „Eisenbahn-Gesellschaft“ verpflichten, das Gebäude des neuen „St.-Nicolai-Spitals der Unheilbaren“ am heutigen Kolumbusplatz abzubrechen.


  • München-Maxvorstadt * Der „Bildhauer“ Anton Heß, Sohn des „Historienmalers“ Heinrich Maria, baut neben seinem Vaterhaus in der Luisenstraße 17 (heute HsNr. 37) ein „Atelier“.


  • Deutschland - Frankreich * Die Deutschen können den etwa 265.000 französischen Soldaten etwa 500.000 Mann gegenüberstellen. Zielstrebig setzen die Deutschen die Eisenbahn zum Transport der Truppen und der Geschütze ein. 


  • München - Berlin * In den sogenannten „Novemberverträgen“ kann sich das Königreich Bayern mehrere „Reservatrechte“ sichern.  

    Sie betreffen vor allem

    • das „Militär“,
    • die „Eisenbahn“,
    • das „Post- und Telegrafenwesen“,
    • die „Branntwein- und Biersteuer“ sowie
    • die „allgemeine Staatsverwaltung“.  

    Die „Reservatrechte“ sind von der Aufsicht und Gesetzgebung des „Deutschen Reichs“ befreit.  
    Eisenbahn, Post und Biersteuer stellen wichtige Einnahmequellen dar.  

    Das „Bayerische Heer“ bildet - in Friedenszeiten - einen geschlossenen Bestandteil innerhalb der Streitkräfte des Deutschen Reichs.  
    Es steht mit eigener Verwaltung unter der Hoheit des bayerischen Königs.  

    Doch mit dem Beginn der „Mobilmachung“ - und damit dem Eintritt des Kriegsfalles - untersteht das bayerische Militär direkt dem Kaiser. 


  • München-Maxvorstadt * Franz Lenbach bezieht drei Räume im ersten Stock des neuen „Ateliergebäudes“, das sich der „Bildhauer“ Anton Heß in der Luisenstraße 17 (heute HsNr. 37) hat erbauen lassen.


  • Versailles * Prinz Luitpold von Bayern übergibt den „Kaiserbrief“ im „Hauptquartier von Versailles“ an den preußischen König Wilhelm I..  

    • Der bayerische „Märchenkönig“ Ludwig II. verhält sich also gegenüber Preußen sehr loyal, muss aber - statt belohnt zu werden - bayerische Rechte an das von Preußen geführte Reich abtreten.  
    • Nichts ist es mit der erhofften Vergrößerung des Bayernlandes,  
    • nichts mit der gewünschten „alternierenden Kaiserkrone“, derzufolge dem preußischen Kaiser einer aus dem bayerischen Herrscherhaus folgen soll.  

    Ein paar „Reservatrechte“, das „Heer“, die „Post“ und die „Eisenbahn“ betreffend, bleiben den süddeutschen Verbündeten.  Ansonsten hat sie sich Bismarcks großpreußischem Staatengebilde unterzuordnen. 


  • München-Isarvorstadt - München-Untergiesing * Die „Wittelsbacherbrücke“ wird in Verlängerung der Kapuzinerstraße als hölzener Fußgängersteg erbaut, um die „Reichenbachbrücke“ zu entlasten und dem aufstrebenden Untergiesing entgegen zu kommen.

    Bei der neuen Brücke handelt es sich aber nur um den nicht mehr benötigten „Werksteg“, der nach Beendigung der Arbeiten an der „Braunauer Eisenbahnbrücke“ dort demontiert und hier neu aufgebaut werden wird.

    Der ehemalige „Werksteg“ darf aus Statikgründen nur von Fußgängern benutzt werden.


  • München-Haidhausen * Das Empfangsgebäude des „Braunauer Bahnhofs“ wird eröffnet.

    Spätestens jetzt bricht für das „Ostend“ das Eisenbahnzeitalter an.
    Allerdings verlassen zunächst nur drei Personen- und wenige Güterzüge den „Hauptbahnhof“ über die neue Isarbrücke durch Untergiesing zum „Braunauer Bahnhof“ und weiter in Richtung Rosenheim und nach Simbach/Braunau am Inn. 


  • München-Untergiesing * Für Giesing bricht das Eisenbahnzeitalter an.

    Doch zunächst verlassen nur drei Personen- und wenige Güterzüge den „Hauptbahnhof“ über die neue Isarbrücke durch Untergiesing in Richtung Rosenheim und weiter nach Braunau.


  • München-Isarvorstadt - München-Untergiesing * Der gesamte Zugverkehr zwischen München und Salzburg beziehungsweise nach Kufstein läuft über die neue „Braunauer Eisenbahnbrücke“ durch Untergiesing.


  • München - Braunau - Linz - Wien * Die über Mühldorf nach Simbach/Braunau am Inn führende Hauptverkehrsstrecke der Eisenbahn wird eröffnet. Sie führt weiter über Linz nach Wien. Spätestens ab jetzt ist es mit der Ruhe und der Beschaulichkeit in Untergiesing vorbei.

    Während die neue Streckenführung für den Güter- und Personenverkehr einen erheblichen Zeitgewinn bedeutet und reiche Spekulanten noch reicher macht, ist die Bahnlinie für Untergiesing mit erheblichen Nachteilen verbunden und bringt für die ansässigen Bewohner neben einer Lärmbelästigung noch zusätzlichen Gestank und einen sieben Meter hohen, die ganze Ortsflur durchtrennenden Bahndamm.

    Der gewünschte Bahnhof, verbunden mit der Möglichkeit der Ansiedelung von Industrieanlagen, bleibt den Untergiesingern ebenfalls versagt. War zu Beginn noch von einer Station mit Güterhalle die Rede, so verwarf die Generaldirektion auch diese Pläne, da Bodenuntersuchungen die Untergiesinger Isarauen als denkbar ungünstiges Areal für einen Bahnhof bezeichneten.

    Das bedeutet für die Stadt München, dass sie nach einen neuen Standort für den Städtischen Schlacht- und Viehhof suchen muss, der ursprünglich zwischen Schyrenbad und Stadtgartendirektion geplant war.


  • München-Untergiesing * Schon wenige Monate nach Eröffnung der Eisenbahnlinie über den Ostbahnhof nach Braunau kommt es zum ersten tödlichen Unfall. Die Frau des Gemeindebevollmächtigten Wilhelm Kanzler, der in Obergiesing die bekannte Gastwirtschaft Zum Giesinger Weinbauern betreibt, stirbt. 

    Mutter Kanzler ist mit ihrem Sohn in der Kutsche über den Giesinger Berg in Richtung Innenstadt gefahren. Bei der Eisenbahnbrücke erschreckt ein heraneilender Zug das Pferd so sehr, dass es scheut, die Kutsche umwirft und beide Insassen unter sich begräbt. Während der Sohn mit leichten Blessuren davonkommt, stirbt die Mutter an ihren Verletzungen. 

    Es kommt fast täglich zu solchen Unfällen, „weil die Bauernpferde aus den außergelegenen Dörfern noch keinen Kurs bezüglich der Vorsichtsmaßregeln genommen und jetzt wie früher scheuen und durchgehen“.


  • München * König Ludwig II. und seine Mutter wollen Prinz Otto keinesfalls in eine Heilanstalt einweisen lassen, sondern ihn auf Gütern der Familie vor der Öffentlichkeit fernhalten.


  • Dresden - Hamburg - Wien * Der „Magistrat“ schickt seinen „Stadtbaurat“ Arnold Zenetti nach Dresden, Elberfeld, Hamburg, Berlin und Wien zur Besichtigung und Prüfung der dort verkehrenden „Pferdestraßenbahnen“.  

    In seinem Gutachten befürwortet Zenetti den Bau einer zweigleisigen „Münchner Pferdetrambahn“, die auch die Altstadt durchziehen soll.  
    Allerdings nur dort, wo die Straßen eine Mindestbreite von fünf Metern aufweisen. 


  • München-Ludwigsvorstadt * In München tritt der Steyrer Hans zuerst in der „Westendhalle“ in der Sonnenstraße auf.

    Mit dem Mittelfinger kann er bereits einen 375 Pfund schweren Steinbrocken heben.

    Um einen weiteren Anreiz fürs Publikum zu schaffen, setzt er eine hohe Belohnung für denjenigen aus, der es ihm nachmacht. Das bringt mehr Spannung und sorgt für reihenweise ruinierte Bandscheiben.

    Hans Steyrer reichert seine Vorstellungen mit immer effektvolleren Vorführungen zu einer kompletten „Kraftshow“ an. Dabei zerbricht er unter anderem zwischen seinen gewaltigen „Pratzen“ Hufeisen.

    Schnell sprach sich sein besonderes Talent herum und erregt dadurch überall Aufsehen, wird bald einem breiteren Publikum bekannt und erhält in der Folge Engagements in Wien, Berlin und Hamburg.


  • München * An einem nebeligen Herbsttag treten dreizehn Mitglieder des „Münchner Velociped-Klubs“ zur ersten „Velociped-Wettfahrt“ der Landeshauptstadt an.

    Die Herren mussen schon hart gegen sich selbst sein, denn sehr leicht und bequem lassen sich die Maschinen aus Holz mit ihren eisenbeschlagenen Rädern nicht fortbewegen.

    Die Strecke beträgt circa neun Kilometer und beginnt am Sendlingertorplatz. Der Sieger benötigt 42 Minuten.

    Er hatte Glück, da sein wichtigster Konkurrent unterwegs durch „eine unfreiwillig wichtige Besprechung mit einem Gensdarm“ an der Weiterfahrt gehindert wurde.


  • München-Untergiesing - München-Isarvorstadt * Obwohl der ehemalige „Werksteg“ an der Stelle der heutigen „Wittelsbacherbrücke“ aus Statikgründen nur von Fußgängern benutzt werden darf, wird auf der Brücke - verbotenerweise, aber verständlich - geritten, gefahren und das Vieh getrieben.

    Doch nicht nur deshalb muss ein Überweg gebaut werden, der den Anforderungen angepasst ist.

    Für Giesing ist eine Verkehrsanbindung dringendst erforderlich, weshalb mit dem Bau einer eisernen Fachwerkskonstruktion begonnen wird.


  • München * Die „Kgl. Polizeidirektion“ als genehmigende Aufsichtsbehörde lehnt die „Pferdeeisenbahnlinie“ aus „verkehrstechnischen Gründen“ ab,

    • da sich in der Innenstadt „eine große Zahl von Industriellen niedergelassen habe, denen Tag für Tag große Quantitäten Waren auf umfangreichen Transportmitteln zugeführt werden,
    • da ferner die Straßenkörper noch zu speziellen Verrichtungen, wie Holzmachen, Entleerung von Abortgruben, Beladen von Möbelwagen, ununterbrochen in Anspruch genommen werden müssen“.  

    Doch die Idee für eine „Münchner Pferdeeisenbahnlinie“ war dennoch nicht mehr auszulöschen. 


  • Bogenhausen * Durch das Fehlen der Isarbrücke bei Bogenhausen geht die Zahl der Münchner Ausflügler stark zurück.

    Die Gemeinde Bogenhausen finanziert deshalb den Bau einer Eisenbrücke selbst.


  • München * Die „städtischen Brunnwerke“ speisen 60 öffentliche Brunnen und 2.203 Häuser.

    Auf die „Hofbrunnwerke“ fallen neun öffentliche Brunnen und 960 Häuser.

    Das Rohrsystem ist 120 Kilometer lang. Davon entfallen 80 Kilometer auf die Stadt und 40 Kilometer auf den „Hof“

    Von den 7.382 Anwesen der Stadt sind 4,219, also 57 Prozent, ohne laufendes Wasser.


  • München-Maxvorstadt * Durch das ständig steigende Verkehrsaufkommen wird der „Centralbahnhof“ umgebaut. 


  • München-Haidhausen * Erst jetzt erhält der im Neurenaissance-Stil errichtete „Braunauer Bahnhof“ den Namen „Ostbahnhof“


  • München-Ludwigsvorstadt - München-Au * Am 31. Geburtstag König Ludwigs II. wird die „Wittelsbacherbrücke“ der Öffentlichkeit übergeben.

    Die eiserne Brücke stammt von der Münchner Tochtergesellschaft der „Cramer-Klett'schen Eisenwerke Nürnberg“, der „Süddeutschen Brückenbaugesellschaft“.
    Einen besonderen Aufwand betreibt man mit den zwei Brückenportalen, die reich ausgestattet waren.
    Den Holzsteg reißt man kurz vor Fertigstellung der Brücke ab.

    Zweifellos ist eine leistungsfähige Brücke für Untergiesing überlebensnotwendig, da hier bisher nur sehr wenig funktioniert hat: kein Bahnhof, kein Schlachthof, dafür aber der städtebaulich stark behindernde Bahndamm.

    Eine Brücke ist Untergiesings letzte Chance, denn nur durch sie ist mit einer großflächigen Ansiedlung von Industriebetrieben und Unternehmen zu rechnen, nur durch sie entstehen neue Impulse für die Entwicklung des Stadtviertels, nur durch den neuen Isarübergang kann der Wohlstand der Bewohner gefördert werden und nur durch ihn kann bei der Vorstadt-Bevölkerung „Bildung und bürgerlicher Freisinn“ zunehmen.


  • München-Graggenau * Der „Metzgersprung“ lässt sich regelmäßig nachweisen.


  • München-Graggenau - München-Maxvorstadt * Die „Kunstgewerbeschule“ zieht von ihren Räumen am „Hofgarten“ in die umfangreich erweiterte ehemalige „Glasmalerschule“ an der Luisenstraße 37.


  • München-Maxvorstadt * Franz Stuck besucht die „Kunstgewerbeschule“ in München bei Ferdinand Barth. 


  • Deutsches Reich * Friedrich Fabri, ein aus Franken stammender „Missionsleiter, Expansionspublizist, Kolonial- und Sozialpolitiker“, veröffentlicht eine aufsehenerregende Broschüre, in der er die Frage stellte: „Bedarf Deutschland der Kolonien?“.  

    Fabri gilt gemeinhin als „Vater der deutschen Kolonialbewegung“.
    Er sieht in der „Überbevölkerung“, der „Überproduktion“ und dem „Kapitalüberschuss“ die eigentlichen Ursachen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisenerscheinungen des Kaiserreichs.

    Friedrich Fabris „Krisentherapie“ besteht aus einer „Exportoffensive“ an Waren, Kapital und Menschen. Durch eine „gelenkte Auswanderung“ und gegebenenfalls auch der „Deportation“ der Kräfte aus der sich emanzipierenden sozialistischen „Arbeiterschaft“, die an ihren „systemverändernden Absichten“ festhielten, könnte auch die „Soziale Frage“ nach „Übersee“ exportiert werden.

    Friedrich Fabri stilisierte damit die „Frage nach deutschen Kolonien“ zu einer deutschen „Überlebensfrage“ hoch. 


  • Friaul - Königreich Bayern * Durch die neue Bahnlinie verkürzt sich die Reisedauer der italienischen „Ziegeleiarbeiter“ auf zwei Tage.

    Bis dahin mussten sie den ganzen Weg über die Alpen zu Fuß zurücklegen. Das dauerte etwa 10 Tage.


  • München * Droht ihm ein Bewerber beim „Steinheben“ den Rang abzulaufen, lässt der „Steyrer Hans“ einen schwereren Steinbrocken anfertigen.

    Mit 508 Pfund erreicht er seinen ersten Höhepunkt, den er wenig später um weitere zwanzig Pfund überbietet. Eine Steigerung ist dann allerdings nicht mehr drin.

    Den schweren Brocken am Mittelfinger der rechten Hand hängend, verschafft er der linken schließlich noch ein wenig Beschäftigung zum Ausgleich: Mit ihr hält er gleichzeitig eine 100 Pfund schwere Eisenkugel mit gestreckter Hand in der Waagerechten.


  • München-Theresienwiese * Von 1879 bis 1903 bewirtschaftet der Steyrer Hans eine „Braubude“ auf dem „Oktoberfest“.

    Zuerst betreibt er eine „Festbude“ der „Pschorr-Brauerei“, um dann in den 1890er Jahren das „Kraftbier“ der Spatenbrauerei zu verzapfen. Dazu pachtet er gemeinsam mit seinem Schwager, dem Gastwirt Wilhelm Schäffer, zwei nebeneinanderliegende Budenplätze und errichtet darauf eine „Doppelbude“.

    Eine „Athleten-Kapelle“ spielt zur Unterhaltung auf. „Kraftbier“, „Kraftfleisch“, „Kraftsemmeln“ und eine „Kraftbrühe“ werden angeboten.

    Hier zeigt er auch sein viel bewundertes „Athleten-Kunststück“. Der „Steyrer“ packt ein mit dreißig bis vierzig Litern Bier gefülltes Fass mit zwei Fingern am Rand und hebt es vom Boden auf den Schanktisch.

    Der „Steyrer Hans“ versteht es außerordentlich gut, für sich und seine Geschäfte zu werben und so seine Popularität zu steigern. Er will in seiner „Festbude“ seine schwergewichtigen Requisiten, darunter seine „Schnupftabakdose“, ausstellen. Als ihm der „Magistrat“ dazu die Erlaubnis verweigert, drückt er sein Bedauern in Anzeigen aus, nicht jedoch ohne darauf hinzuweisen, dass das Publikum das interessante Schauerlebnis jederzeit im Saal seines Gasthauses nachholen könne.


  • München - Paris - Amsterdam * Der Steyrer Hans dehnt seine „Gastauftritte“ auch auf das Ausland - nach Paris und Amsterdam - aus.

    Das ist zwischen 1880 bis 1885. Engagements in Amerika reizen den „bayerischen Herkules“ ebenso,  doch scheitern diese Reisen an der Furcht des „Kraftmenschen“ vor einer „Seekrankheit“. Also bleibt er auf dem europäischen Kontinent und zeigt hier seine „Kunststücke“.


  • München-Theresienwiese * Auf dem „Oktoberfest“ sind jährlich 6 bis 8 „Fischbrater“ vertreten.

    Hauptsächlich werden einheimische „Renken“ aus dem Starnberger See, „Weißfische“, „Nasen“ und „Braxen“ gebraten danach verkauft.

    Der „Brathering“ verschwindet am Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Speisenangebot.
    Dafür werden „Fischbratereien und -bäckereien“ mit verschiedenen Fischsorten erwähnt. 

    Auch „Krebssiedereien“ bieten ihre Waren an.


  • München-Maxvorstadt * Die „Ostbahnhalle“ beim „Centralbahnhof“ wird abgerissen.


  • München * Mit dem Ergänzungsparagraphen 33a der Gewerbeordnung müssen Personen, die „gewerbsmäßig Singspiele, Gesangs- und deklamatorische Vorträge, Schaustellungen von Personen oder theatralische Vorstellungen“ öffentlich veranstalteten, „ohne Rücksicht auf die etwa bereits erwirkte Erlaubnis zum Betriebe des Gewerbes“, um eine gesonderte Erlaubnis dafür nachzusuchen.

    Das bedeutete, dass nicht nur der Besitzer und damit Betreiber der Singspielhalle, sondern auch der Direktor der Singspielhalle und der Direktor der Volkssänger-Gesellschaft eine Konzession benötigt. Außerdem muss jeder Unterhaltungskünstler für jede Stadt, in der er auftritt, eine ortspolizeiliche Erlaubnis vorweisen.


  • Au * Der Anbau am Wohnhaus in der Entenbachstraße 63 [später: Zeppelistraße 41] wird seit Dezember 1883 erneut umgebaut. 

    In jedem der drei Stockwerk werden Wände eingezogen, die die Errichtung einer separaten Küche ermöglichen.
    Die Herde und Öfen müssen einen Mindestabstand zu den mit Lehm verputzten Lattenwänden aufweisen. 


  • Starnberger See - Ammersee * Der im Jahr 1851 im „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei produzierte Raddampfer „Maximilian“ wird nach 34 Dienstjahren auf dem Starnberger See in zwei Teile zerlegt und zum Ammersee transportiert.

    Dort ist er weitere zehn Jahre im Einsatz.


  • München - München-Untergiesing * William Frederick Cody, besser bekannt unter seinem Pseudonym „Buffalo Bill“, hält sich mit seiner „Wildwest-Schau“ in München auf.

    Die Münchner sind begeistert von den „tollkühnen Zugstücken“, worunter man die Reiterkünste bei einem nachgespielten Überfall auf einen Eisenbahnzug versteht.
    In der Schau treten neben der „ritterlich schönen Erscheinung“ Buffalo Bills noch „nordamerikanische Indianer“ und „mexikanische Baqueros“ auf.

    Die Zuschauer schwärmen von den „Künsten der Naturreiter“ und ihren „wahrhaft schönen und sicheren Sitz und ihrer prächtigen Haltung“ und vom Anblick der Indianer, „deren nackte, ebenmäßige Glieder so bunt bemalt sind, als trügen die braunen Herrschaften grellfarbene Tricots“.

    Beim Rennen gegen „Buffalo Bill“ treten „die besten Hochradfahrer Europas“ an: der in Haidhausen wohnende Heinrich Roth und der aus dem „Westend“ stammende Josef Fischer.
    Ausgetragen wird das ungleiche „Rennen zwischen Roß und Stahlroß“ auf der „500-Meter-Radrennbahn“ am „Schyrenplatz“.

    Die Rennstrecke haben die Konkurrenten zuvor auf fünfzig Kilometer festgelegt.
    Auf der mit Sand aufgefüllten Innenbahn spornt „Buffalo Bill“ seine extra aus Amerika mitgebrachten Pferde an.
    Auf der Außenbahn mit den „überhöhten Kurven“, die hohe Geschwindigkeit zulassen, strampelten sich die „Radrennfahrer“ ab.

    Und so verläuft das Rennen: „Die Radfahrbahn kann die Masse der Zuschauer nicht fassen. (...)
    Buffalo Bill jagt sein erstes Pferd fünf Runden in halsbrecherischem Tempo neben den Radfahrern.
    Dann - den Zuschauern bleibt der Atem weg - voltigiert er in vollem Galopp auf das zweite Pferd.

    Dieser kühne Wechsel wiederholt sich mehrere Male.
    Buffalo Bills Helfer treibt mit einem Peitschenschlag das nächste Pferd an die Seite des dahinstürmenden Reiters - ein kraftvoller Schwung, Oberst Cody sitzt im Sattel des frischen Tieres.
    Rücksichtslos bearbeiten die talergroßen Sporen die Flanken des keuchenden Pferdes, dem blutiger Schaum vom Mund flockt.

    Die Radfahrer fallen zurück, aber sie geben nicht auf.
    Als Buffalo Bill auf sein letztes Pferd wechselt, sind sie bereits wieder in Führung.

    Der schnelle Hengst, den der Oberst sich bis zum Schluß aufgespart hat, vermag daran nichts mehr zu ändern: Heinrich Roth und Josef Fischer gehen als Sieger durchs Ziel und kassieren den unwahrscheinlich hohen Siegespreis von 1.500 Mark, der ihnen in 150 blanken 10-Mark-Stücken aus funkelndem Gold ausbezahlt wird“.


  • München * Da König Ludwig II. kein Verständnis für die Forderungen nach „Sanierung des königlichen Haushalts“ aufbringt und er sich auch sonst als „beratungsresistent“ zeigt, beauftragt der „Bayerische Ministerpräsident“ Freiherr Johann von Lutz den „Psychiater“ und Leiter der „Kreisirrenanstalt von München und Oberbayern“, Dr. Bernhard von Gudden, mit der Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens, das die „Geisteskrankheit und Handlungsunfähigkeit“ des Königs beweisen soll.

    Vor der Erteilung des Auftrags muss der „Ministerpräsident“ aber erst die Einwilligung des „Hauses Wittelsbach“ einholen. 

    Und nachdem Ludwigs Bruder Otto wegen seiner „Geisteskrankheit“ als Verhandlungspartner ausscheidet, wendet sich der „Regierungschef“ an dessen Onkel, den Prinzen Luitpold.
    Dieser gibt nach langem Zögern seine Zustimmung, hätte es aber lieber gesehen, wenn sein Neffe von sich aus „abdanken“ würde.

    Mit „Reichskanzler“ Otto von Bismarck wird über das weitere Vorgehen gegen König Ludwig II. Einvernehmen hergestellt, um jede mögliche Intervention und Missbilligung „Preußens“ und des „Deutschen Reiches“ auszuschließen.


  • München - Freising * Für den Münchner Radrennsportler Heinrich Roth ergibt sich eine erste sportliche Herausfordeung, nachdem sich Mitglieder des „Freisinger Trabrennvereins“ mit den „Hochrad-Fahrern“ aus München messen wollen.

    An einem Junimorgen steht der 17-jährige Heinrich Roth mit seinem 1,37 Meter über den Boden ragenden „Hochrad“ vor dem „Großen Wirt“ in Schwabing - gemeinsam mit fünf anderen „Radfahrern“ - am Start zum Rennen nach Freising.

    Für die dreißig Kilometer lange Strecke braucht damals

    • ein guter „Traber“ rund zwei Stunden,
    • die neuartige „Eisenbahn“ bewältigt die Entfernung in siebzig Minuten.
    • Der „Renn-Radler“ legte die Strecke in exakt einer Stunde und vier Minuten zurück.

    Heinrich Roth siegt damit nicht nur mit einer halben Stunde Vorsprung vor seinen Konkurrenten, sondern unterbietet auch noch die Fahrzeit der Eisenbahn um sechs Minuten.
    Die Sensation ist damit perfekt.

    Doch das war erst der Anfang der Karriere des ambitionierten „Rennfahrers“ und es sollte weiter steil nach oben gehen.


  • München-Maxvorstadt * Franz von Lenbach erwirbt die größere Südhälfte des Heß-Anwesens in der Luisenstraße 16 (heute HsNr. 33).


  • München * Eine eigens gebildete „Kommission“ geht auf Reisen, um in Frankfurt, Hannover, Bremen, Hamburg, Dresden, Leipzig, Prag und Berlin die dortigen Methoden der „Müllbeseitigung“ zu studieren.

    Danach will man die Zustände in München ändern.


  • München-Maxvorstadt * Franz von Lenbachs „Ateliergebäude“ in der Luisenstraße 33 ist bezugsfertig und wird vom Ehepaar Lenbach bewohnt.


  • Großbritannien * Der Brite John Boyd Dunlop, eigentlich ein Tierarzt, erfindet den luftgefüllten Gummireifen. 

    Angeblich hat ihn das Geschepper der Eisenräder des Dreirades seines Sohnes so geärgert, dass er Gummiplatten zusammenklebte und mit einer Fußballpumpe aufblies. 


  • München-Maxvorstadt * Franz von Lenbachs „Residenz“ an der Luisenstraße 33 ist fertiggestellt.


  • München * Mit dem „Deutsch-Sozialen-Verein“ wird in München erstmals eine antisemitische Gesellschaft gegründet.

    Er fordert unter anderem die „Aufhebung des Emanzipationsgesetzes von 1869“, das die jüdische Bevölkerung erstmals offiziell vor dem Gesetz gleichstellt.

    Darüber hinaus die „Beschränkung der Gewerbefreiheit“, die „Einführung von Befähigungsnachweisen“ sowie ein „Verbot der neuen, die Existenz der ortsansässigen Detailhändler und des heimischen Handwerks bedrohende Verkaufsformen“, worunter in erster Linie die gerade aufkommenden „Warenhäuser“ gemeint sind.


  • Landsberg * Alois Wolfmüller beschäftigt sich in seiner Geburtsstadt Landsberg intensiv mit den Motorproblemen.

    Beim Lesen der Zeitschrift „Radfahr-Humor und Radfahr-Chronik“ wird der Ingenieur auf den Münchner „Chefredakteur und Sportjournalisten“ aufmerksam. Es kommt zu einer geschäftlichen Vereinbarung zwischen Alois Wolfmüller und Heinrich Hildebrand.

    Unter Mithilfe seines Jugendfreundes aus Landsberg, des Ingenieurs Hans Geisenhof, entstehen die ersten Modelle. Die „Tüftler“ mieten dafür den „Stadel“ des „Unterzehetmayrhofes“ in der Münchner Straße 133 in Unterföhring an und bringen dort den neuartigen Motor zum Laufen. Doch bei den ersten Fahrversuchen „zeigte das Vehikel eine Neigung zum Krebsgang“, wie es Alois Wolfmüller ausdrückt. Das heißt, dass das Gefährt rückwärts läuft. Als er wenige Tage später vorwärts lief, ist die Beschleunigung so groß, dass der Motor abgestellt werden muss und danach einfach nicht mehr anspringen will. Die „Zündung“ ist eines der noch nicht gelösten Probleme.

    Die Polizei untersagt zeitweise alle Fahrversuche, da wegen „der großen Schnelligkeit die Leute auf dem Trottoir (...) einen Nervenschock bekommen“ könnten. Alois Wolfmüllers Ansuchen, sein „Motorrad“ auf dem Hauptplatz in Landsberg erproben und vorführen zu dürfen, wird abgelehnt, da man alles absperren und sämtliche Vierbeiner, vor allem Pferde und Kühe, aus der Stadt verbannen müsste, da keines dieser Tiere je ein mit einem Verbrennungsmotor angetriebenes Fahrzeug gehört, gerochen oder gesehen habe.

    Nachdem das Motorrad seine erste „Einhundert-Kilometer-Strecke“ bestanden hat, reichen die Konstrukteure das „Patent“ für ihr „Zweirad mit Petroleum- oder Benzinmotorbetrieb“ ein.


  • München * Das Reichspatent 78553 tritt in Kraft. In der Patentschrift wird erstmals das Wort Motorrad gebraucht. Der Patent-Mitinhaber Hans Geisenhof wird finanziell abgefunden. 

    Nachdem die Versuche, das Patent zu verkaufen erfolglos bleiben, entschließen sich Heinrich Hildebrand und Alois Wolfmüller zur Eigenproduktion der Motorräder.


  • Deutsches Reich - Österreich * 1895, also noch bevor Samoa Teil des deutschen Kolonialbesitzes geworden ist, reisen Inselbewohner nach Deutschland, um in den sogenannten Völkerschauen aufzutreten. Die Reise der Truppe dauert bis Dezember 1897, dabei besuchen sie in Deutschland unter anderem Berlin, Köln, aber auch Wien.  

    Die Hauptattraktion sind natürlich die schönen, jungen Samoanerinnen. Diese „Marzipanpüppchen mit Chocoladenüberzug“ begeistern freilich in erster Linie die Männerwelt. 


  • München-Hackenviertel * In der bayerischen Haupt- und Residenzstadt werden erstmals „lebende Bilder“ gezeigt. Die Aufführung findet - „unter lebhafter Anteilnahme des Münchner Publikums“ - in Carl Gabriels und Emil Eduard Hammers Panoptikum statt. Der Vorführapparat wird mit Theaterkulissen umspannt und dann „drauflos gekurbelt“. Die Vorführungen richtet Carl Gabriel nach französischem Vorbild ein. Drei bis fünf kleine Filme werden gezeigt:

    • Ein heranbrausener Eisenbahnzug,
    • Eine Schlangendomteuse,
    • Ein Kettensprenger und
    • Das Aufziehen der Hauptwache.

    Das ganze Programm ist circa 100 Meter lang und läuft innerhalb von einer Viertelstunde ab.

    Schon einer der ersten Filme verursacht einen Skandal. Er heißt „Endlich allein“ und zeigt ein Brautpaar am Hochzeitstag. Die Schlussszene wird umgehend zensiert.


  • München - Puchheim * Die Stadtverwaltung schließt mit der „Gesellschaft Hausmüllverwertung München“ einen Vertrag, worin sich die Stadt verpflichtet, dieser Gesellschaft den „gesamten Hausunrat ohne Ausnahme“ zur Trennung in verwertbare und nicht verwertbare Teile zu überlassen.

    Die Gesellschaft baut dafür in Puchheim eigens eine entsprechende Anlage.
    Die Stadt sorgt dafür, dass der „Müll“ mit der Eisenbahn nach Puchheim transportiert wird.

    Aufgabe der Gesellschaft ist es, aus dem „Hausmüll“ landwirtchaftlich verwertbaren Dünger herzustellen und die hierfür nicht geeigneten Bestandteile des Mülls „hygienisch einwandfrei zu verwerten“.
    Ausgesondert werden Glas, Papier, Knochen, Lumpen und Metalle, außerdem Gummi, Kork und Holz.
    Was übrig bleibt, wird auf unfruchtbarem Moorgrund aufgeschüttet.

    Nach Darstellung der „Süddeutschen Sonntagspost“ ist danach der Moorboden so fruchtbar, dass darauf sogar Futterrüben angebaut werden können.


  • München-Graggenau * Die Halle aus Glas und Eisen, die den „Königlichen Wintergarten auf dem Festsaalbau der Münchner Residenz“ bedeckt hatte, wird abgebaut und auf dem Gelände der „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg - MAN“ in Nürnberg wieder aufgerichtet.  

    Sie wird im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zerstört. 


  • München-Untergiesing - München-Nymphenburg * Der „Rennbahn“ auf dem „Schyrenplatz“ folgt die „Eisenbeton-Bahn“ im „Nymphenburger Volksgarten“ mit Tribünen für 10.000 Zuschauer.


  • München - München-Haidhausen * Mit einer „Ministerialentschließung“ wird das sogenannte „Fünf-Prozent-Grün“ eingeführt.  

    Diese legt fest, dass in allen zu erstellenden Baulinienplänen fünf Prozent der Gesamtfläche als Grünanlagen und Spielplätze auszuweisen sind.  

    Haidhausen und das „Franzosenviertel“ ist mit Grünanlagen nicht gerade gesegnet.  
    Eine Begründung lässt sich auch darin finden, dass eine Sicherung von Grünanlagen ohne staatliche Verordnung seinerzeit nicht denkbar ist.  
    Daran hat sich übrigens bis heute nichts geändert.  

    Bei der Bebauung eines Gebiets durch „Terraingesellschaften“ sind die Flächen unentgeltlich an die Stadt abzutreten.  
    Diese „städtebaulich und sanitär bedeutende Entscheidung“ betrifft anfänglich nur die großen Grundbesitze, da die entsprechenden fünf Prozent hier auch tatsächlich eine größere zusammenhängende Fläche ergeben.  
    Später werden die Fünf-Prozent-Flächen durch Grundabtausch erstellt.  

    Zwar sind im „Franzosenviertel“ mit dem Orleans-, Weißenburger-, Pariser- und Bordeauxplatz die ersten stadtteilbezogenen Grünanlagen geschaffen worden.  
    Diese dienen jedoch mit ihren regelmäßigen Formen und überschaubaren Größen rein als Schmuckplätze und Mittelpunkt eines Wohngebiets.  
    Zum Spielen und als Aufenthalt für Kinder sind sie jedoch nicht geeignet, da zudem noch der Straßenverkehr über diese Plätze führt.

    Zu diesem Zeitpunkt hat sich im dicht besiedelten „Franzosenviertel“ lediglich noch zwischen Orleans-, Lothringer- und Pariser Straße ein unbebautes Areal erhalten:  die „Postwiese“.  

    Walter Heerde weist in seinem „Haidhausen-Buch“ darauf hin, dass die „Postwiese“ ihren Namen völlig zu unrecht trägt, „denn es handelte sich nicht um eine Wiese, sondern um eine große, häßliche Grube, die zwar von der Haidhauser Jugend von je her als Spielplatz und winterliche Rodelstätte benützt wurde, aber sonst einen Schandfleck und ein Sorgenkind Haidhausens bildete“


  • München * Für Frauen im „Fernsprechdienst“ gelten folgende Einstellungsbedingungen: 

    • „Die Bewerberinnen - Mädchen oder kinderlose Witwen - müssen
    • zwischen 18 und 25 Jahre alt sein, 
    • eine gute häusliche Erziehung erhalten und
    • sich sittlich tadellos geführt haben,
    • von entstellenden Gebrechen frei und
    • körperlich vollkommen gesund sein,
    • namentlich ein gutes Seh- und Hörvermögen sowie
    • normale Atmungswerkzeuge besitzen und
    • nicht zu Ohrenleiden, Nervosität und Bleichsucht neigen.

    Zur Einstellung als Telegraphengehülfin ist im allgemeinen eine Körpergröße von mindestens 158 cm erforderlich.
    Die Bewerberinnen dürfen keine Schulden haben.
    Es können in der Regel nur solche Bewerberinnen angenommen werden, welche in dem Orte der Beschäftigung dauernd festen Familienanhalt durch nahe Verwandte haben und bei diesen wohnen.
    Ausnahmen hiervon unterliegen der Genehmigung der Ober-Postdirektion. [...]  

    Die Beschäftigung ist eine widerrufliche und gewährt keinen Anspruch auf Zulagen, Unterstützungen usw.
    Die Verheiratung hat den Verlust der Stelle zur Folge“
    .

    Neben den „günstigen Lohnkosten“ werden die Damen auch wegen ihrer - als „weibliche Sozialisation“ beschriebenen - geschlechtsspezifischen Eigenschaften wie „Einfühlungsvermögen“, „Aufmerksamkeit“, „Genauigkeit“, „Höflichkeit“, „Geduld“, einfach „die ausgleichenden und vermittelnden Qualitäten der Frau“, eingestellt.

    Gerade in der Anfangsphase des Vermittlungsdienstes müssen die Frauen die Pannen, Störungen und Kapazitätsprobleme der Technik mit ihrer „natürlichen Veranlagung“ ausgleichen.

    • Sie kommen meistens aus gutem Hause,
    • sind unverheiratet,
    • besitzen eine ordentliche Schulbildung - zum Teil sogar mit Fremdsprachenkenntnissen - und
    • verfügen über einen einwandfreien Leumund.

    Mit diesen Voraussetzungen garantieren sie ein adäquates Benehmen im Umgang mit den „sozial hochgestellten Telefonabonnenten“.

    Aus einer Vielzahl von Bewerberinnen können die bestqualifiziertesten Frauen ausgewählt werden, die aufgrund ihrer Vorbildung, Sozialisation und Jugend als hoch motivierte Arbeitskräfte mit wenig anderen Berufs- oder Aufstiegschancen anerkannt sind.

    Die jungen Damen haben eine Aufnahmeprüfung in Rechnen, Geographie und Aufsatz zu absolvieren.
    Nach einer halbjährigen Probezeit müssen sie eine mündliche Prüfung ablegen und praktisch beweisen, dass sie Telefon- und Telegrafenapparate bedienen können.

    Die Tätigkeit in der Telefonvermittlung wird jetzt als dauerhafte Beschäftigung für Frauen verstanden.

    Wie schwer der Beruf der Telefonistin war, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, beispielsweise von der Größe der Stadt und der Art der Vermittlungsstelle.

    Die Arbeit einer Ortsvermittlungskraft gilt als monoton und - darüber sind sich die Arbeitsmediziner einig - stellt hohe Anforderungen an das Nervensystem.
    „Eine über mehrere Jahre tätige Telephonistin musste einfach hysterisch werden“.

    Die wöchentliche Arbeitszeit schwankt - je nach Schwere des Dienstes - zwischen 42 und 48 Stunden und

    • nur jeder dritte Sonntag ist frei.
    • Die Dienstschicht dauert elf Stunden;
    • Urlaub gibt es keinen.

    Der Durchschnittsverdienst einer Telefonvermittlungskraft liegt etwas über dem von weiblichen Kaufhausangestellten und etwas unterhalb der Einkünfte von Lehrerinnen.
    Nur einzelne Kräfte können zur Aufsicht aufrücken.

    Während des Dienstes ist das Tragen einer einheitlichen Dienstbluse aus dunkelblauem Stoff vorgeschrieben, da man befürchtet, dass „bei der Eigenart der weiblichen Natur nur zu leicht ein gegenseitiges Überbieten in der äußeren Erscheinung Platz greifen würde“


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Die 2.000. Lokomotive verlässt das „Maffei‘sche Werk“ und wird an die „Kgl. Bay. Staatsbahn“ geliefert.


  • Shandong - China * Die Kolonialmächte fordern die chinesische Regierung auf, europäische Einrichtungen vor den Boxern zu schützen.

    Im Frühjahr und Sommer 1900 führen Attacken der sogenannten Boxerbewegung gegen Ausländer und chinesische Christen zu einem Krieg zwischen China und den Vereinigten acht Staaten, die sich zusammensetzten aus dem Deutschen Reich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und den USA.

    Getragen wird der Boxeraufstand von den Verbänden für Gerechtigkeit und Harmonie. Die Boxer bekämpfen den europäischen, US-amerikanischen und japanischen Imperialismus. Die Bezeichnung Boxer bezieht sich auf eine traditionelle chinesische Kampfkunstausbildung, die sich selbst als Yihetuan, also Verband für Gerechtigkeit und Harmonie, nennt. Bei den Boxern handelt es sich um eine soziale Bewegung die sich zwischen 1898 und 1900 als unmittelbare Reaktion auf die Krisenstimmung gegen Ende des 19. Jahrhunderts gebildet hatte.

    Ihr ursprünglicher Schwerpunkt lag in der Provinz Shandong, wo das Deutsche Reich“einige Bergbau- und Eisenbahnkonzessionen besaß. Im Frühjahr und Sommer 1900 breitet er sich dann über weite Teile Nordchinas aus.

    Die Boxer machen die Ausländer und die chinesischen Christen für die Störungen der natürlichen Umwelt und der sozialen Harmonie verantwortlich. Sie fordern die Beseitigung der Feinde Chinas mit Gewalt, um die Harmonie wieder herzustellen und treten dabei als Unterstützer der herrschenden Quing-Dynastie auf. Eine ihrer Parolen lautet: „Unterstützt die Quing und vernichtet die Fremden“


  • München-Untergiesing * Der Bauplatz für das Marianum für Arbeiterinnen e.V. an der Humboldtstraße 2 wird erworben und der Bau im Folgejahr fertiggestellt. Es dient Waisenkindern und behinderten Jugendlichen als Heim und Arbeitsstätte.

    Die Kosten für das Gebäude und den Bauplatz belaufen sich auf 270.000 Mark. Mehrere Lotterien unterstützten die Finanzierung der Sozialeinrichtung. Selbst eine Amateur-Kunstausstellung sorgt für Geld in der Kasse.


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Wasser- und Dampfkraftwerk der Maffei-Eisenwerke“ wird erweitert.

    Dazu werden die das Fabrikgelände durchziehenden Wasserläufe zum „Eisbach“ vereinigt.
    In der neuen Kraftzentrale kommen drei „Francis-Turbinen“ mit einer Leistung von 1.000 PS zum Einsatz. 


  • Oberföhring * Der „Oberföhringer Bürgermeister und Ziegeleibesitzer“ Fritz Meyer antwortet dem „Bezirksamt“ auf detaillierte Beanstandungen folgendermaßen:

    „Für unsere italienischen Arbeiter [...], die sich vom frühen Morgen bis zum Eintritt der Dämmerung im Freien aufhalten und bei Eintritt der rauheren Jahreszeit wieder in ihre Heimat reisen, genügen die Dachschlafräume in den Trockenstädeln vollkommen. 

    Sie sind leicht ventilierbar und gegen Zugluft abgesperrt und wenn in denselben noch für genügend Abstand der Bettstellen, für mehr Licht, Ordnung und Reinlichkeit gesorgt wird, dann sind sie sogar gesund zu nennen.
    Auf alle Fälle sind sie viel gesünder als die Schlafstätten der meisten Arbeiter in München“

    Die Auflage nach stabil gebauten „Toiletten“ nannte er „sehr wohl gemeint, praktisch aber wirkungslos“, denn, so der „Ziegeleibesitzer“ weiter, „der Italiener kennt am Haus keinen Sitzabort und geht auch bei uns nur ungern in einen solchen und wenn er nicht in nächster Nähe ist, gar nicht, und die für unsere Landwirtschaft so wertvollen Fäkalien gehen verloren“.


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Maffei'sche Eisenwerk“ in der „Hirschau“ erhält einen vom Prinzregenten Luitpold genehmigten Gleisanschluss zum „Schwabinger Güterbahnhof“

    Bis dahin mussten über 2.000 Lokomotiven auf Straßenfahrzeuge verladen werden.
    Anfangs wurden die Maschinen von vielen Pferden, später von einer „Lokomobile“ durch die ganze Stadt zur „Zentralwerkstätte der Eisenbahn“ gezogen und dort mit den separat transportierten Radsätzen erneut zusammengebaut.


  • München-Nymphenburg * Die „Eisenbeton-Bahn“ im „Nymphenburger Volksgarten“ wird wieder geschlossen.


  • Geisenhofen bei Aufkirchen * Der „Räuber“ Mathias Kneißl wird im Aumacher­anwesen in Geisenhofen bei Aufkirchen von einem aus sechzig Mann bestehenden Polizeiaufgebot aufgespürt, niedergeschossen und gefangen genommen.

    Weil die Todesstrafe nur an gesunden Personen vollzogen werden darf, lästern die Bayern: „An Kneißl Hias hams zerst zuagricht, dann hamsn hergricht und erst dann hamsn higricht“


  • Oberföhring * Ein Arbeitsvertrag der „Ziegelei Grimmeisen“ in Oberföhring legt die tägliche Arbeitszeit in den Monaten Mai mit August zwischen „4 Uhr früh und 9 Uhr abends“ fest.


  • München-Isarvorstadt - Museumsinsel * In den „Mittheilungen der Münchner Brockensammlung“ heißt es:

    „Die Münchner Brockensammlung erbittet und läßt kostenfrei durch ihre Leute abholen: Alte, auch zerbrochene Möbel, jeder Art gebrauchter Kleiderstücke, Wäsche, abgetragene Schuhe, Hüte, Strümpfe, alle Arten Bücher, Broschüren, Zeitungen, Papier, Marken, Zeugreste und Lumpen, Schirme, Zigarrenabschnitte, Korke, Staniolkapseln, Flaschen, Glas, Körbe, altes Werkzeug, Metall und Geschirre aller Art, Militär-Effekten, kurz alles, was im Hause unnütz umherliegt“.

    Da stellen also die wohlhabenden Bürger Münchens ihre ausgedienten oder aus der Mode gekommenen Möbel und Dinge des täglichen Bedarfs, kurz „all den Kram des Speichers und Kellers, der überflüssig, hindernd und störend im Wege liegt“, kostenlos zur Verfügung, um sie dann an Interessenten zu verkaufen oder - zu kleinsten Preisen - den Bedürftigen zur Verfügung zu stellen.

    Lumpen, Knochen und Altmetall werden in eigens aufgestellten Tonnen gesammelt und dann zur Weiterverarbeitung an einschlägige Unternehmer weiterverkauft.
    Die privaten Organisatoren geben die Gegenstände an die Bedürftigen ausdrücklich nicht gratis ab.

    Im Gegenteil, sie legen großen Wert darauf, dass die Käufer eine - wenn auch noch so geringe - Eigenleistung erbringen.
    Man will den Bedürftigen zwar tätige Hilfe zukommen lassen, ohne sie jedoch in die Rolle von würdelosen Almosenempfängern zu drängen.


  • München-Englischer Garten - Tivoli * Das am Ostrand des „Englischen Garten“ gelegene Ausflugslokal „Tivoli“ wird als „Ort der Mode“ beschrieben.

    „An schönen Sommerabenden war es mit zahlreichen Menschen angefüllt, die besonders dem Tanzvergnügen huldigten.
    An Werktagen fanden sich bis in unsere Zeit noch Beamte aus den höchsten Kreisen dort ein“
    .


  • Deutsch-Südwestafrika * Das Erscheinungsbild des Krieges gegen die „Herero“ und „Nama“ ist nicht nur durch die eigentlichen Kampfhandlungen geprägt, sondern mindestens ebenso sehr durch die von der „Militäradministration“ errichteten „Konzentrationslager“.

    Sie dienen als „Internierungslager“, in denen auch „Stämme“ aus dem Gebiet des „Guerillakampfes“ festgesetzt werden, um so den Kämpfern den Rückhalt in der Bevölkerung zu nehmen.
    Es sind also keine reinen „Kriegsgefangenenlager“ nach europäischen Standards, sondern werden auch zur Inhaftierung von Frauen, Greisen und Kindern genutzt. Das ist ein weiterer Beweis dafür, dass es sich hierbei um einen Krieg gegen ein ganzes Volk handelte.

    Die Lebensbedingungen in den „Konzentrationslagern“ sind völlig unzureichend. Es fehlte an allem, von den Lebensmitteln bis zum Brennmaterial.
    Viele Insassen erkranken an „Skorbut“ und „Typhus“. Die Sterblichkeit ist entsetzlich hoch. „Es kamen an manchen Tagen bis 27 Sterbefälle vor. Karrenweise wurden die Toten zum Friedhofe gebracht“


  • Deutsch-Südwestafrika * „General“ Lothar von Trotha erlässt eine ähnliche „Proklamation“ wie gegen die „Herero“ und droht den „Nama“ ebenfalls mit „Vernichtung“.

    Da die „Proklamation“ jedoch nicht zur massenweisen Unterwerfung der „Nama“ führt und die gewünschte Wirkung verpufft, bleiben entscheidende Erfolge für die deutschen Truppen aus.
    Der „Guerillakrieg“ setzte sich fort. 


  • München-Englischer Garten - Hirschau * Die „S 2/6“, eine speziell für Schnellfahrversuche bei Maffei in der Hirschau gebaute Lokomotive erreicht mit einer Geschwindigkeit von 154,5 km/h einen Weltrekord, der bis 1936 Bestand hat.


  • München - Zittau * Karl Valentin reist, von Schulden und ständigen Geldsorgen geplagt, zu seiner Mutter nach Zittau, um sich Geld von ihr zu leihen.

    Unverrichteter Dinge muss er jedoch wieder abreisen.


  • München-Maxvorstadt * Das Heß‘sche Anwesen in der Luisenstraße 35 wird versteigert.


  • München-Kreuzviertel * Das „Zentrum“ verweigert die „Beratung des Verkehrsetats“, weil ihr der „linksliberale“ Verkehrsminister Heinrich von Frauendorfer zu „sozialistenfreundlich“ ist und dem der „SPD“ nahestehenden „Süddeutschen Eisenbahnerverband“ ein „Streikrecht“ einräumt.  

    Das „Zentrum“ will sich dem Prinzregenten als regierungsfähig darstellen und versucht sich mit einem scharfen antisozialdemokratischen Kurs zu profilieren.  

    Daraufhin macht Prinzregent Luitpold von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch, löst den „Landtag“ vorzeitig auf und setzt „Neuwahlen“ an.  
    Die letzte derartige „Landtags-Auflösung“ findet im Jahr 1869 statt.  

    Bei der Verkündung dieses Beschlusses in der „Abgeordnetenkammer“ vermerkt das Protokoll „lebhaften Beifall links und bei den Sozialdemokraten“


  • München-Au * Der „Franziskaner-Keller“ an der Hochstraße wird wiefolgt beschrieben:

    „Der Franziskaner-Keller in der Hochstraße wurde im Auftrage der Franziskaner-Leistbrauerei nach dem Entwurfe des Professors Dr. Gabriel von Seidl errichtet.

    Die Halle im Erdgeschoss besitzt eine mit Malerei dekorierte sichtbare Eisenkonstruktion. Im 1. Stock befindet sich ein kleiner Saal mit Terrassen, der mit einem Bilde von Rudolph von Seitz geschmückt ist“.


  • München-Maxvorstadt * Lolo von Lenbach erwirbt das „Heß-Anwesen“, nachdem zuvor das Inventar versteigert worden war.


  • München-Bogenhausen - München-Haidhausen * Einen Tag vor dem 100. Geburtstag Richard Wagners wird ihm zu Ehren eine Statue neben dem Prinzregententheater enthüllt. Heinrich Waderé hat das Monument gestaltet. Aus mehreren zur Verfügung stehenden Entwürfen wählt man denjenigen aus, der den Komponisten in ähnlicher Pose zeigt, wie das berühmte Porträt von Johann Wolfgang von Goethe in der Campagne.

    Da die ruhende Darstellung des Künstlers extrem stark im Gegensatz zu dem unsteten Leben des Musikers steht, kommt bald Kritik hoch, in die sogar das städtische Kollegium der Gemeindebevollmächtigten einstimmt. Letztlich beruhigt aber ein einziges Argument alle Kritikerstimmen: Da Richard Wagner von Natur aus nur mit einer geringen Körpergröße ausgestattet war, hätte ein stehendes Denkmal die Öffentlichkeit nur wenig beeindruckt.

    Der Marmor für die Figur stammt vom Untersberg. Er umfasst als Rohblock 14 Kubikmeter Inhalt und wiegt 600 Zentner. Über dreißig Pferde sind notwendig, um diese gewaltige Last vom Untersberger Steinbruch zur nächsten Eisenbahn zu schaffen, mit der er ab Berchtesgaden nach München gebracht wird. Bildhauer Heinrich Waderé hat sich am Ostbahnhof ein provisorisches Atelier eingerichtet.

    Da die fertige Marmorfigur noch immer 450 Zentner wiegt gestaltet sich der Transport vom Atelier zum Aufstellungsort als besonders schwierig. Er nimmt mehr als zwei Tage in Anspruch. Die Statue muss mit einer Straßenlokomotive der Firma Maffei zum Ort seiner Aufstellung gebracht werden. Dort behindert vor allem der weiche Boden die Arbeiten, da sich die Räder des Transportwagens immer wieder eingraben.

    Cosima und Siegfried Wagner lehnen ihre Teilnahme an der Denkmalenthüllung ab. Bei Cosima sind es gesundheitliche, bei Siegfried grundsätzliche Gründe. Die Konkurrenz der Münchner Festspiele für Bayreuth sind aber die wahren Beweggründe.

    Das gesellschaftliche Ereignis an der Prinzregentenstraße wird durch Richard Wagners „Huldigungsmarsch“ eröffnet. Münchens erster Bürgermeister, Wilhelm von Borscht, hält eine Ansprache und Ernst von Possart, der Initiator des Denkmals, sagt in seiner Rede: „So grüßen wir Dich, Unsterblicher! Möge Dein Antlitz uns leuchten“Prinzregent Ludwig III. enthüllt schließlich das Wagner-Denkmal.

    Die sozialdemokratische Tageszeitung Münchener Post kommentiert das Ereignis mit den Worten: „Das Streben Münchens, die seiner Zeit an Bayreuth abgegebene Hegemonie im Reiche von Wagners Kunst an sich zu bringen - das heimliche Agens [die treibende Kraft] unserer Festspiele - hat uns nun endlich ein würdiges Denkmal des Meisters beschert“.

    Gleichzeitig kritisiert das Blatt, dass der Eröffnungsakt nicht dem Festwiesenbild der Wagner'schen Meistersinger entsprach und auf den „Wach-auf-Chor“ kein spontaner Jubel des Volkes, sondern ein „hochoffiziell-eisernes Schweigen“ der „aristokratisch-bürgerlichen Festversammlung“ folgt. Den Abschluss der Einweihungsfeierlichkeiten für das Musiker-Standbild bildet der „Tannhäusermarsch“.


  • München-Au * Rosa Luxemburg hält im brechend vollen „Münchner-Kindl-Keller“ eine mitreißende Rede zum Thema „Militarismus und Volksfreiheit“

    Sie fordert auf, die Waffen nicht gegen die ausländischen Klassenbrüder zu erheben und das Wettrüsten zu stoppen. 
    Die Sozialdemokraten gehen zu diesem Zeitpunkt noch davon aus, dass der Krieg zu verhindern ist. 

    Rosa Luxemburg sagt:
    „Wenn ein Mann von Blut und Eisen wie Bismarck trotz Ausnahmegesetz nicht mit uns fertig geworden ist, wie wollen das die Knirpse fertig bringen, die heute an der Spitze stehen!“


  • München * Für viele Münchner und Deutsche ist nun endlich das teils herbeigesehnte, teils gefürchtete „reinigende Gewitter“ hereingebrochen. Denn für viele Zeitgenossen war der Krieg auf längere Sicht absolut unvermeidbar.  

    Durch die offizielle Berichterstattung über die außenpolitischen Krisen und die angebliche feindliche Einkreisung des Deutschen Reiches war diese Erkenntnis plausibel gemacht geworden. 


  • München * Laut einer Anordnung haben „Alle Fremden, die sich über den Zweck ihres Aufenthalts nicht gehörig ausweisen können oder sich lästig machen, [...] auf Aufforderung der Distriktspolizeibehörden das Gebiet des Deutschen Reiches und zwar bis auf weiteres über Lindau binnen 24 Stunden zu verlassen“.  

    Alle Angehörigen feindlicher Nationen - darunter die Künstler Wassily Kandinsky, Marianne Werefkin und Alexej von Jawlensky fliehen deshalb zunächst in die Schweiz. Doch auch Angehörige befreundeter Nationen verlassen die Stadt. So beispielsweise die Ziegeleiarbeiter in Berg am Laim und Oberföhring. 


  • München * Um die Soldaten mit der Eisenbahn an die Front zu befördern, wird ein eigener Militärfahrplan in Kraft gesetzt. Deshalb gibt es bei den Bayerischen Staatsbahnen ab Mitte August nur einen sehr eingeschränkten zivilen Personen- und Güterverkehr. 


  • München * Anfang August schließt die Münchner Börse kurzfristig, um Panikverkäufe zu verhindern. Und selbst das bayerische Finanzministerium zeigte sich alarmiert: Es warnt davor, dass die Bürger die Banknoten zum Teil nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptieren würden.  

    Bei der Sitzung des Bayerischen Landtags stimmen die 21 anwesenden SPD-Abgeordneten gegen die Haushaltsgesetze. Das ist aber auch schon die einzige Reaktion gegen den Krieg.

    Die beiden Kammern des Landtags befassen sich ebenfalls nicht mit dem Krieg sondern mit ungleich wichtigeren Fragen, wie beispielsweise dem Verbot des freireligiösen Unterrichts oder der Beschneidung des Streikrechts der Staatseisenbahner.


  • München * Den Frauen werden Sanitätskurse angeboten, da nur wenige über entsprechende Kenntnisse verfügen. Pensionierte Lehrerinnen und Lehrer werden aufgefordert, sich für die Dauer der Schulferien um die Kinder zu kümmern. Nicht eingezogene Studenten und alle in den Wehrkraftvereinen organisierten Jugendlichen sollen sich als Erntehelfer melden. 

    Schauspieler und Autoren sollen während der Dauer des Krieg auf ihre Tantiemen verzichten und sich mit dem Zehrpfennig für Speise und Trank begnügen. Theaterdirektoren sollen ihren Ausstattungsetat möglichst weit herunterfahren: „Das Publikum wird in diesen Zeiten eine einfache Ausstattung und andere Mängel gerne in Kauf nehmen. Spielt deutsche und patriotische Stücke zu mäßigen Preisen“.  

    Hausbesitzer klagen, dass viele Mieter infolge des Kriegszustandes keine Miete zahlen wollen. 


  • Berlin * Als erste kriegführende Macht bringt Deutschland ein Weißbuch heraus. Darin enthalten sind Aktenstücke, die beweisen sollen, dass sich Deutschland bis zuletzt um den Frieden bemüht hat und damit die Burgfriedenspolitk gegen kritische Fragen erhärten kann. Das Weißbuch wird vom Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg dem Reichstag vorgelegt.  

    Auch die anderen, am Krieg beteiligten Nationen bringen ähnliche Dokumentsammlungen in ihren Landesfarben heraus. Doch alle derartigen Publikationen erhalten neben Flüchtigkeitsfehlern auch gezielte Fälschungen. 


  • Belgien * Belgien hat etwas über 100.000 Mann unter Waffen; die Deutschen greifen mit 2,4 Millionen Soldaten an.  

    Zwingende Voraussetzung für einen zügigen deutschen Vormarsch ist die Erstürmung der „Festungsstadt Lüttich“, die durch ein Dutzend Außenforts gesichert ist.  

    Das deutsche Heer setzt die ersten neuartigen Waffen dieses Krieges ein: schwere Belagerungsgeschütze.  
    Sie bestehen aus den von Österreich geliehenen „Skoda-Mörsern“ des Kalibers 30,5 Zentimeter und der „Dicke Bertha“ genannten „Krupp-Kanonen“, die ein Kaliber von unglaublichen 42 Zentimetern aufweisen und eine gewaltige Zerstörungskraft erzeugen.  

    Diese Geschütze lassen die als unzerstörbar geltenden Betonkuppeln der Lütticher Forts „aufplatzen wie Kürbisse“.  
    Der deutsche Vormarsch und die deutschen Waffen schlagen in der Folge eine Schneise der Verwüstung durch Belgien. 


  • München * Die bayerischen „Truppentransporte“ mit der Eisenbahn beginnen. 


  • Königreich Bayern * 5.550 Truppenzüge mit 285.000 Wagen sind seit Beginn der Truppentransporte am 4. August auf dem bayerischen Eisenbahnnetz abgefertigt worden. Ebenso viele Züge kommen leer wieder zurück. 


  • München * Nachdem die Studierenden aus dem befreundeten und aus dem feindlichen Ausland die Stadt gleich zu Kriegsbeginn verlassen haben, fallen jetzt die Studenten aus Japan im Straßenbild besonders auf.  

    „Die ziemlich zahlreichen Gelbgesichter mit ihren Schlitzaugen belebten mit eigenartigem Reiz das Bild des hiesigen Straßenpublikums.  
    Die mittelgroßen Leutchen kamen meist sehr gesetzt einher, mit goldener Brille im ernsten Antlitz; waren stets zu zweit oder dritt oder hatten eine deutsche Freundin bei sich; studierten fleißig, beobachteten fleißig, zeigten aber nirgends ein aufdringliches oder lärmendes, eher ein fast bescheidenes, immer freundliches Wesen und waren darum mehr ein exotisches als störendes Element. 
    Sie waren in gewissen Kreisen sogar wohlgelitten. - Ihr plötzliches Verschwinden befremdet“


  • München - Berlin * Gleich unmittelbar nach der Schlacht wird „Kronprinz“ Rupprecht als „bedeutender Feldherr“ gefeiert.  

    Der „Sieger von Lothringen“ wird sowohl von seinem Vater, König Ludwig III., mit dem er in militärischen Fragen nur selten im Einklang steht, als auch von Kaiser Wilhelm II. mit den höchsten Auszeichnungen dekoriert.  
    In zahlreichen Darstellungen auf Postkarten wird Rupprecht regelrecht zum „Kriegshelden“ hochstilisiert.  

    Doch nur wenige Wochen später, nachdem die Kampfhandlungen eine ungünstige Wendung genommen haben, spricht man in den Kreisen führender Militärs laut und deutlich hörbar Kritik an Rupprechts Vorgehen in Lothringen aus.  

    Es heißt, sein persönliches Prestigebedürfnis habe ihn zur Offensive entgegen dem „Schlieffen-Plan“ angetrieben.  
    Dieses Verhalten wird Deutschland nun sehr teuer zu stehen kommen. 


  • München-Kreuzviertel * Michael von Faulhaber schreibt ein Büchlein mit dem Titel „Der Krieg im Lichte des Evangeliums“. Darin vertritt er Thesen wie:

    • „Der Krieg ist nicht das allergrößte Übel“ oder
    • „Eisenpillen bringen Blutvermehrung“ oder
    • „Das Thomaswort: ‚Lasst uns gehen und mit ihm sterben‘ bleibt der schönste Fahneneid“.

  • München * Die staatlich festgelegten Höchstpreise für landwirtschaftliche Produkte werden in ganz Bayern deutlich angehoben.

    Man möchte damit den Landwirten, die bislang ihre Vorräte gehortet haben, einen Anreiz bieten. Die Maßnahme führt jedoch zu massiver Verärgerung bei den Bauern, die ihre Waren im Herbst 1915 zu den niedrigen Preisen abgegeben hatten.

    Damit wird der „ehrliche, rechtzeitig und uneigennützig abliefernde Landwirt zum Gespötte der Kriegswucherer gemacht“.


  • Paris * Mata Hari darf mit dem Wissen der Behörden nach Paris einreisen.

    Der französische Geheimdienst lässt sie nun dauerhaft observieren. 


  • München-Lehel * Karl Valentin eine Einladung an seinen ehemaligen Mäzen Dr. Ludwig Ganghofer und lädt ihn in den Annenhof ein:

     „Eine große Ehre würden Sie mir erweisen, wenn ich Herrn Doktor samt Familie zu einer meiner täglichen Vorstellungen im Annenhof Liebigstraße 22 einladen dürfte, und würde ich nach telefonischer Benachrichtigung die schönsten Plätze reservieren“


  • London - Berlin * Der britische „Außenminister“ Arthur James Earl of Balfour verspricht den Juden ein „national home“ in Palästina.

    Die „Balfour-Deklaration“ wird in Deutschland von rechtsgerichteten Kreisen als Bündnis Großbritanniens mit den „Zionisten“ zu „antisemitischer Agitation“ genutzt. 


  • Washington * Die amerikanische Regierung verstaatlicht zur „Sicherung der Nachschublieferungen für den Krieg“ die amerikanischen Eisenbahngesellschaften. 


  • München-Kreuzviertel * In der Nacht trifft beim bayerischen Innenministerium die Nachricht ein, dass am darauffolgenden Tag

    • ein dreitägiger Generalstreik beginnen und
    • der Streik innerhalb von drei Tagen in ganz Deutschland zum Durchbruch kommen soll.
    • Kuriere reisen von Berlin mit der Eisenbahn in alle größeren Städte des Deutschen Reichs, um Flugblätter zu verteilen und mündliche Nachrichten zu überbringen.
    • Vertrauensleute sollen in Kriegswirtschaftsbetrieben, insbesondere in Munitionsfabriken zur Arbeitsniederlegung auffordern.  
    • Demonstrationszüge mit Ansprachen sind geplant.

    In einer kurzfristig anberaumten Besprechung wird vereinbart, dass

    • keine Gewalt gegen Arbeitseinstellungen angewandt werden soll,
    • die Polizei soll Menschenansammlungen lediglich zerstreuen,
    • bei „Zusammenstößen mit streikenden Arbeitern [muss] nach dreimaliger Aufforderung, auseinanderzugehen, scharf geschossen werden“

  • München * Die SPD-Parteizeitung Vorwärts berichtet in ihrer Ausgabe über das Ableben der Sarah Sonja Lerch:  

    „Im Untersuchungsgefängnis Stadelheim erhängte sich nachmittags die beim letzten Streik bekanntgewordene Frau Sara Sonja Lerch, gegen die zusammen mit dem Schriftsteller Kurt Eisner ein Landesverratsverfahren eingeleitet war. -

    Die Umstände, unter denen die bedauernswerte Frau zu ihrer Verzweiflungstat getrieben wurde, bedürfen der Aufklärung. Soviel wir wissen, handelt es sich im Falle der Frau Lerch, einer geborenen Russin, um eine reine Idealistin, die mit ihrer Streikpropaganda der Sache der Menschheit einen Dienst zu erweisen glaubte.

    Die Strafe, mit der sie zu rechnen hatte, war nicht so erschreckend, dass sie den freiwilligen Tod ihr vorziehen konnte. Es bleibt also unklar, was diese Frau zu ihrem Selbstmord getrieben hat. […]“


  • München-Au * Der am 1. Februar 1918 wegen seiner Beteiligung am Januarstreik verhaftete Eisengießer Karl Mettler wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 


  • Nordfrankreich * Als vierte Frühjahrsoffensive lässt Generalquartiermeister Erich Ludendorff die deutschen Truppen als „Operation Gneisenau“ gegen Frankreich kämpfen. Da sich die Franzosen inzwischen auf die deutsche Taktik eingestellt haben, werden die deutschen Geländegewinne immer geringer, die Verluste dagegen immer höher. 


  • Nordfrankreich * Die Operation Gneisenau der deutschen Truppen wird von einem französischen Gegenangriff gestoppt. 


  • Berlin * Noch vor dem französischen Gegenangriff von Villers-Cotterêts betont der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Richard von Kühlmann, dass es an der Zeit sei, den Gegnern die Hand zu einem Vergleichsfrieden zu reichen.

    „Bei der ungeheueren Größe dieses Koalitionskrieges und der Zahl der in ihm begriffenen auch überseeischen Mächte [wird] durch rein militärische Entscheidungen allein ohne alle diplomatischen Verhandlungen ein absolutes Ende kaum erwartet werden können“


  • München-Maxvorstadt * Ludwig III. erklärt auf dem Balkon des Wittelsbacher-Palais„Niemand soll je sagen dürfen, Bayerns König habe auch nur einen Augenblick gezaudert, die Treue zum Reich durch die Tat zu beweisen“


  • München-Kreuzviertel * In einer Rede vor der Kammer der Reichsräte erklärt Kriegsminister Philipp von  Hellingrath: „Die schweren Kämpfe zwischen Aisne und Marne beweisen, daß der Kampf- und Siegeswille der Entente noch nicht gebrochen ist, dass wir ihm die Überlegenheit des härteren und stärkeren Willens entgegensetzen müssen, wenn wir die Friedensbereitschaft unserer Feinde erzwingen wollen.

    Diesen einheitlichen unbeirrbaren Willen im ganzen deutschen Volk zu wecken und zu festigen, das ist die vornehmste Aufgabe, vor die das fünfte Kriegsjahr die Heimat stellt“


  • Wien * Der österreichisch-ungarische Kaiser Karl bietet den Entente-Mächten nach vier Kriegsjahren und über einer Million Toten Friedensverhandlungen unter Erhaltung der Monarchie an.

    „Die österreichisch-ungarische Regierung hat beschlossen, allen Kriegführenden, Freund und Feind, einen von ihr für gangbar gehaltenen Weg zu weisen und ihnen vorzuschlagen, im freien Gedankenaustausch gemeinsam zu untersuchen, ob jene Voraussetzungen gegeben sind, welche die baldige Einleitung von Friedensverhandlungen als aussichtsvoll erscheinen lassen. Zu diesem Behufe hat die k. und k. Regierung die Regierungen aller kriegführenden Staaten zu einer vertraulichen und unverbindlichen Aussprache an einem Orte des neutralen Auslandes eingeladen und an sie eine in diesem Sinne verfaßte Note gerichtet“


  • Spa - Berlin * Staatssekretär Paul von Hintze verhandelt am Vormittag mit Generalquartiermeister Ernst Ludendorff über das weitere Vorgehen.

    Ludendorffs Forderung nach einem Waffenstillstandsersuchen binnen 24 Stunden, das  unter die Verantwortung der Reichstagsmehrheit gestellt wird, wird - bei aller Gefahr für Heer, Volk, Reich und Monarchie - von Hintze befürwortet. Ludendorff begründet es damit, dass er nicht mehr dafür garantieren kann, eine militärische Katastrophe an der Westfront zu verhindern. 

    Staatssekretär Paul von Hintze will eine „Revolution von oben“ und damit einen vollständigen Systemwechsel vornehmen. Eine Umbildung der jetzigen Regierung lediglich durch Hinzuziehen einiger Parteienvertreter hält er nicht für ausreichend. Der Gedanke gefällt Ludendorff, da ein radikaler Bruch mit der bisherigen Regierung die Glaubwürdigkeit gegenüber den Kriegsgegnern erhöhen würde.

    Der Generalquartiermeister erhält die Zustimmung für das weitere Vorgehen vom Staatssekretär Paul von Hintze und vom greisen Reichskanzler Georg Friedrich Graf von Hertling.

    Anschließend informiert Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg gemeinsam mit Staatssekretär Hintze, aber ohne den Reichskanzler, Kaiser Wilhelm II.. Dieser ist sowohl mit der Regierungsumbildung als auch mit dem Waffenstillstandsgesuch einverstanden. 


  • Nürnberg * Die zur Zentrumspresse gehörende Nürnberger Volkszeitung, gibt realitätsblinde Durchhalteparolen aus:

    „Fürwahr: wir können uns die Größe der Gefahr, in welcher wir schweben, wenn wir in unserer Kampfkraft nachlassen, gar nicht kraß genug vorstellen, um daraus den felsenfesten, entschlossenen Willen zu schöpfen, jede Faser unseres Willens und Herzens anzuspannen, damit wir uns kräftigen in dem Entschlusse, lieber unser Letztes herzugeben, als zu so schimpflichem Dasein verurteilt zu sein. […]

    Unsere Feinde wollen uns vernichten, sie würden auch einen noch so weitgehenden Frieden, den wir zu genießen bereit wären, abweisen, weil sie uns ‚ausrotten‘ und unser Land zu einer Wüstenei machen wollen. Kann es da ein deutsches Herz geben, welches dem Vaterlande in dieser großen Not und Bedrängnis nicht zur Seite stehen wollte?

    Jetzt ist die Stunde, in der wir die nationale Verteidigung organisieren müssen! Jetzt gibt es kein Besinnen mehr, der letzte entscheidende Gang hat begonnen!“


  • Berlin - München * Der bayerische Gesandte am Kaiserhof, Hugo Graf von Lerchenfeld, berichtet in einem Brief an den Ministerpräsidenten Otto von Dandl:

    „Wenn etwa der Frieden von der Abdikation [= Abdankung] abhängig gemacht werden sollte, so würde der Kaiser ohne Zweifel in den Schritt einwilligen. Selbst in den königstreuesten Kreisen der Hauptstadt wird die Abdikation als ein unter Umständen nicht abwendbarer Schritt besprochen“


  • München-Au * Der am 15. März 1918 wegen seiner Beteiligung am Januarstreik verhaftete Eisendreher Franz Xaver Müller wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 


  • Potsdam * General Max von Gallwitz wird von den Kreisen um die Kaiserin Auguste Viktoria von der Westfront nach Berlin zitiert. 

    Er soll die Monarchie notfalls mit Waffengewalt vor etwaigen Übergriffen schützen und eine offene Diktatur errichten. 


  • Berlin - Kiel - Wilhelmshaven * Die deutsche Admiralität befiehlt in einem „Himmelfahrtskommando“ das Auslaufen der Flotte gegen die Royal Navy. Obwohl es in Marinekreisen heißt, dass man die Landtruppen in Flandern entlasten will, ist der Befehl nicht mit der Obersten Heeresleitung - OHL abgestimmt.  

    Unter den Mannschaften der betroffenen Geschwader in Kiel und Wilhelmshaven verbreitet sich das Gerücht, wonach die Marineleitung einen heroischen Untergang plant. Der Kommandant der „Thüringen“ wird mit folgender Aussage zitiert: „Wir verfeuern unsere letzten 2.000 Schuss und wollen mit wehenden Fahnen untergehen“.

    Daraufhin verweigern Einheiten der deutschen Hochseeflotte in Wilhelms­haven den Befehl. Es kommt zu Meutereien, die schließlich in einem Aufstand gipfeln. 


  • München * Vertreter der Interessengemeinschaft des Bayerischen Verkehrsbeamtenvereins, des Bayerischen Eisenbahnerverbandes und des Verbandes des bayerischen Post- und Telegraphenpersonals entwerfen ein gemeinsames Flugblatt, das zu einem möglichen Umsturz Stellung nehmen soll. 


  • München-Graggenau - Schloss Wildenwart * Als Fluchtziel der königlichen Familie ist zuerst Gut Leutstetten ins Auge gefasst worden, doch dann hält man Schloss Wildenwart für besser geeignet. Da aber eine Fahrt mit der Königlichen Eisenbahn nicht mehr möglich ist, entscheiden sich die hohen Herrschaften für die Automobile.

    Die Kraftwägen sind aber schon lange nicht mehr bewegt worden, weil sich der König geweigert hatte, in Kriegszeiten mit dem Auto durch die Stadt zu fahren. Nun sind mit Eisen versehene Räder aufgezogen, die noch aus der Zeit stammen, als Ludwig III. die Truppen im Feld besuchte.

    Und jetzt ist auch noch der scheinbar mit den Aufständischen sympathisierende Oberchauffeur verschwunden, weshalb die Suche nach den eh schon geringen Benzin- und Karbidvorräten weitere Zeit wegfrisst. Erst ein ehemaliger Hofbediensteter kann Benzin in ausreichendem Umfang besorgen. Er erklärt sich zudem bereit, das königliche Paar zu chauffieren. Als dann gegen 21:30 Uhr endlich drei fahrbereite Automobile zur Verfügung stehen, kann die Reise losgehen.

    Die aufgemalten Kronen werden mit Wagenschmiere übertüncht. Doch kaum ist man zur Abfahrt bereit, ist die Reise für das Königspaar schon wieder zu Ende. Man hat nämlich vergessen, die Reifen aufzupumpen. Also muss man das große Auto gegen ein kleineres eintauschen, in das aber die Notsitze nicht eingefügt werden können. Die Fahrt wird deshalb für die königlichen Insassen ziemlich ungemütlich.

    Die Flucht der königlichen Familie entwickelt sich zur „Magical Mystery Tour“. Denn erst verfährt sich der Chauffeur mit dem Königspaar, dann kommt das Auto mit den Prinzessinnen von der Straße ab und landet auf einer sumpfigen Wiese. 


  • Compiègne * Die „Deutsche Abordnung zum Abschluss des Waffenstillstandes und zur Aufnahme der Friedensverhandlungen“ mit dem Staatssekretär Matthias Erzberger an seiner Spitze, reist zu Verhandlungen mit Marschall Ferdinand Foch.

    Als Verhandlungsort hat die französische Seite einen Eisenbahnwaggon in einem Waldstück der Gemeinde Rethondes bei Compiègne ausgewählt, wo sich bis März 1918 der Sitz des Alliierten Oberkommandos befunden hatte.

    Die Delegation wird von Marschall Foch mit den Worten „Was führt die Herren hierher? Was wünschen Sie von mir?“ begrüßt. Auf die Erwiderung, man wünsche Vorschläge über einen Waffenstillstand entgegen zu nehmen, antwortete Foch: „Ich habe keine Vorschläge zu machen“.

    Er legt dafür eine fertige Liste mit Waffenstillstands-Bedingungen, verbunden mit einem 72-stündigen Ultimatum zur Annahme oder Ablehnung vor.

    Vor allem die Franzosen, auf deren Boden der Krieg vier Jahre gewütet und gewaltige Zerstörungen hinterlassen hatte, fordern eine drakonische Bestrafung des Deutschen Reiches


  • München - Freistaat Bayern * Die alten monarchischen Minister weisen die Neuen in ihre Ämter ein. Anschließend erklären sich die Ministerialbeamten zur Weiterarbeit mit den neuen Ministern bereit. 


  • Weimar * Der Soldatenrat unter Führung des Sozialdemokraten August Baudert zwingt den Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach zur Abdankung


  • Konstanz * In den Konstanzer Nachrichten erscheint ein Artikel, in dem es um ein Tanzvergnügen am gerade zurückliegenden Totensonntag in der Industriestadt Singen geht:

    „Im Nebenzimmer einer hiesigen Wirtschaft wurde am Sonntagabend ein Tanzvergnügen (!) durch die Schutzmannschaft gestört; etwa 40–50 Personen, unter ihnen halbwüchsige Burschen, Mädchen und sogar Kriegerfrauen, deren Männer im Felde stehen, tanzten nach den Weisen einer Ziehharmonika trotz dem Ernste der Zeit, trotz Krieg, Elend, Epidemie und was heute sonst noch die Menschheit heimsucht. Auch der Seelensonntag störte die saubere Gesellschaft nicht“


  • Nürnberg * In Nürnberg wird die Bayerische Mittelpartei - BMP gegründet.

    Die Anhängerschaft der Partei rekrutiert sich aus protestantischen Kreisen des Bildungsbürgertums und der Beamtenschaft sowie des protestantischen fränkischen Mittelstands, des Kleinbauerntums und der Deutschnationalen.

    Sie lehnt - wie die Deutschnationale Volkspartei - DNVP, die sie sich im März 1920 als bayerischer Landesverband anschließen wird, - die Staatsform der Republik ab. 


  • München * Die von der Regierung des Volksstaates Bayern veröffentlichte Kundgebung trägt unverkennbar die schwärmerisch-idealistische Handschrift von Kurt Eisner.

    Der Aufruf „An das bayerische Volk“ mit seinen konkreten Hinweisen wird von den Zeitgenossen „wegen der realistischen Zustandsbeschreibung und der Ausgewogenheit der darin angekündigten Maßnahmen“ als offizielles Regierungsprogramm verstanden und findet selbst bei der bürgerlichen Presse positive Aufnahme.

    Darin wird einerseits

    • die volle Freiheit der Religionsgesellschaften und die Ausübung ihres Kultus gewährleistet.
    • Andererseits fordert Eisner die gleiche Freiheit für die Schule wie für die Kirche.
    • Ein neues Volksschulgesetz mit fachmännischer Schulaufsicht wird darin angekündigt.
    • Das bedeutet die Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht und damit die Ausschaltung des bisherigen starken kirchlichen Einflusses auf das Schulwesen.

    Neu stellen sich auch die Fragen

    • der staatlichen Alimentierung,
    • der steuerlichen Behandlung und
    • dem öffentlich-rechtlichen Charakter der Kirche sowie
    • der Besetzung der Bischofsstühle und der Pfarreien

  • München * Ein aus Künstler- und Bürgerkreisen gebildeter Ausschuss berät im Künstlerhaus über die Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren der nach München zurückkehrenden 60.000 bayerischen Soldaten. 

    Die Stadt stellt dafür 50.000 Mark zur Verfügung. Damit sollen der Bahnhof und Ehrenpforten ausgeschmückt werden.


  • München - Berlin * Kurt Eisner und Felix Fechenbach reisen bereits zwei Tage vor der Ministerpräsidenten-Konferenz am 25. November mit dem Zug nach Berlin, um dort Aktenstudium zu Fragen der deutschen Kriegsschuld zu betreiben. In seinem Gepäck befindet sich eine Mappe mit offiziellen Dokumenten, den Berichten der bayerischen Gesandtschaft in Berlin während der Monate Juli und August 1914.

    Nach Durchsicht der ihm zugänglichen diplomatischen Unterlagen glaubt Eisner die Beweise gefunden zu haben, dass die deutsche Regierung Österreich geradezu in den Krieg gegen Serbien hinein getrieben hat. Und zwar in der Absicht, einen europäischen Krieg zu entfachen.

    Außerdem geht daraus beispielsweise hervor, dass deutsche und bayerische Beamte nach dem Attentat von Sarajevo bestens informiert waren, aber Ende Juli 1914 nichts gegen „Wiens gefährliches Spiel“ unternommen haben. 


  • Berlin * Vier Dokumente, die nach Kurt Eisners Meinung die deutsche Schuld am Kriegsausbruch beweisen, werden im Berliner Tageblatt veröffentlicht. 


  • Berlin * Für die bürgerlichen Parteien sind die Schuldigen an den Vorgängen vom Vortag schnell gefunden: „Die blutigen Krawalle sind anscheinend durch Pläne und Unternehmungen der Spartacus-Leute und der mit ihnen verbündeten Elemente verursacht worden, deren Ziel der Sturz der Regierung Ebert-Haase war“.

    Für die Linken erklärt Karl Liebknecht: „Es ist gar nicht mehr zu leugnen, dass der Putsch des gestrigen Tages von der Regierung inszeniert worden ist, denn es muss doch dem Harmlosesten auffallen, dass die Ereignisse des blutigen Freitags alle miteinander in Zusammenhang stehen“.

    Es lässt sich weder ein „Spartakusputsch“ noch eine Beteiligung oder Mitwisserschaft der MSPD-Spitze an einem Putschversuch nachweisen. Doch die Faktenlage stört in dieser aufgeheizten Stimmung die Propagandisten weder von Rechts noch von Links. 


  • Berlin * Im Ersten Allgemeinen Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands kommt es zu einer Debatte über die von den protestierenden Soldaten der Volksmarinedivision vom Vortag vorgetragenen Punkte.

    Durch die sogenannten Hamburger Punkte steht das deutsche Militär vor einem demokratischen Neubeginn wie noch nie vor diesem 18. Dezember. Die sieben Punkte werden nahezu einstimmig vom Kongress beschlossen:

    • Die Kommandogewalt über Heer und Marine üben die Volksbeauftragten unter Kontrolle des Vollzugsrats aus.
    • Als Symbol der Zertrümmerung des Militarismus und der Abschaffung des Kadavergehorsams wird die Entfernung aller Rangabzeichen und des außerdienstlichen Waffentragens angeordnet.
    • Für die Zuverlässigkeit der Truppenteile und für die Aufrechterhaltung der Disziplin sind die Soldatenräte verantwortlich. Der Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte ist der Überzeugung, dass die unterstellten Truppen den selbstgewählten Soldatenräten und Vorgesetzten im Dienste den zur Durchführung der Ziele der sozialistischen Revolution unbedingt erforderlichen Gehorsam erweisen. Vorgesetzte außer Dienst gibt es nicht mehr.
    • Entfernung der bisherigen Achselstücke usw. ist ausschließlich Angelegenheit der Soldatenräte und nicht einzelner Personen. Ausschreitungen schädigen das Ansehen der Revolution und sind zur Zeit der Heimkehr unserer Truppen unangebracht.
    • Die Soldaten wählen ihre Führer selbst. Frühere Offiziere, die das Vertrauen ihrer Truppenteile genießen, dürfen wiedergewählt werden.
    • Offiziere der militärischen Verwaltungsbehörden und Beamte im Offiziersrange sind im Interesse der Demobilisierung in ihren Stellungen zu belassen, wenn sie erklären, nichts gegen die Revolution zu unternehmen. 
    • Die Abschaffung des stehenden Heeres und die Errichtung der Volkswehr sind zu beschleunigen. 

  • Kassel * Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und die Oberste Heeresleitung - OHL weigern sich, die vom Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands beschlossenen Hamburger Punkte anzuerkennen und weisen die Generalkommandos an, ebenso zu verfahren.

    Das ist offener Ungehorsam. Man will sich keinesfalls der demokratischen Willensbildung beugen. 


  • Berlin * Reichskanzler Friedrich Ebert bittet den in Kiel - im Sinne der Reichsregierung - so erfolgreichen Gustav Noske zu einer Krisensitzung nach Berlin, um an den Beratungen über die künftige Entwicklung mitzuwirken.

    Der MSPD-Mann Noske vertritt die Ansicht, dass geschossen werden muss, wenn „sich dies zur Wiederherstellung der Ordnung als notwendig erweisen sollte, und zwar auf jeden, der der Truppe vor die Flinte läuft“.

    Das Ziel ist, die radikale Linke auszuschalten, was jedoch mit den Volksbeauftragten der USPD nicht machbar sein wird, weshalb diese schnellstens ihre Funktionen niederlegen sollten. Möglichst von sich aus. 


  • München-Hackenviertel * Eine Woche vor der bayerischen Landtagswahl wird im Fürstenfelder Hof, in der Fürstenfelder Straße 14, die Deutsche Arbeiterpartei - DAP durch den Werkzeugschlosser Anton Drexler und den Sportjournalisten Karl Harrer sowie 22 weiteren Anwesenden gegründet. 

    Die Deutschen Arbeiterpartei - DAP geht aus dem Münchner Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden hervor, der am 7. März 1918 ebenfalls von Drexler gegründet worden war. 

    Als Vorsitzender der neuen Partei wird Anton Drexler gewählt. 

    Zu den ersten Mitgliedern der DAP zählen fast ausschließlich Arbeitskollegen Drexlers aus den Münchner EisenbahnwerkenDie ersten Parteiversammlungen finden in Hinterzimmern kleiner Bierlokale statt. Der wenig begeisternde Redner Drexler hält zumeist kaum motivierende Reden, die oft in der Geräuschkulisse des Lokals untergehen.

    Während der Politische Arbeiterzirkel eindeutig eine Schöpfung der Thule-Gesellschaft ist, soll die Deutsche Arbeiterpartei - aus taktischen Erwägungen - als Gründung Anton Drexlers erscheinen.

    Vorbereitet wird die konstituierende Parteiversammlung von einem Dreier-Ausschuss, der sich aus Harrer, Drexler und Michael Lotter zusammengesetzt. An der eigentlichen Versammlung nimmt Harrer allerdings nicht teil. 

    Umgekehrt werden Drexler und Lotter keine Mitglieder der Thule-Gesellschaft, verkehren aber als ständige Gäste in den Logenräumen im Hotel Vier Jahreszeiten, wo sie bald auch Personen wie Dietrich Eckart und Gottfried Feder kennenlernen.

    In den von der Gründungsversammlung angenommenen Richtlinien der Deutschen Arbeiterpartei heißt es, dass die DAP eine aus „allen geistig und körperlich schaffenden Volksgenossen zusammengesetzte sozialistische Organisation“ ist. 

    Die Deutsche Arbeiterpartei will

    • „die Adelung des deutschen Arbeiters. Die gelernten und ansässigen Arbeiter haben ein Recht, zum Mittelstand gerechnet zu werden. Zwischen Arbeiter und Proletarier soll ein scharfer Trennungsstrich gezogen werden. [...]
    • Das Großkapital ist als Brot- und Arbeitgeber zu schützen, sofern nicht rücksichtsloseste Ausbeutung des Arbeiters diesem ein menschenwürdiges Dasein unmöglich macht. 
    • Die DAP sieht in der Sozialisierung des deutschen Wirtschaftslebens einen Zusammenbruch der deutschen Volkswirtschaft. [...] Darum darf es nicht Sozialisierung, sondern Gewinnbeteiligung für den deutschen Arbeiter heißen. [...]“

    Hier zeichnete sich deutlich eine eigentlich mittelständische Orientierung dieser pseudosozialistischen und antisemitischen Organisation ab.

    Die anfallende Parteiarbeit der zunächst auf München beschränkten winzigen Vereinigung wird im Wesentlichen von dem mit dem Politischen Arbeiterzirkel nicht identischen Arbeitsausschuss der DAP bewältigt, der in den Anfängen auch die Führung der Gesamtpartei inne hat und dem im Sommer 1919 neben Anton Drexler und Karl Harrer weitere vier Personen angehören.  

    Anton Drexler, der Vorsitzende der Deutschen Arbeiter Partei - DAP, bleibt es bis zum Juni 1921.


  • Freistaat Bayern ohne Pfalz * Im Freistaat Bayern findet in sieben der acht Regierungsbezirke die erste demokratische Wahl zum Bayerischen Landtag statt. Lediglich in der Pfalz kann erst drei Wochen später, am 2. Februar, gewählt werden, weil die Wahlvorbereitungen von der französischen Besatzungsmacht behindert worden sind.

    Das ist der Hauptgrund, weshalb der Termin für die konstituierende Sitzung im Bayerischen Landtag erst knapp sechs Wochen nach der Wahl im Kerngebiet festgesetzt wird. 

    Bei den ersten freien, gleichen, unmittelbaren und geheimen Wahlen in Bayern sind erstmals auch Frauen wahlberechtigt. Frauen machen 54 Prozent der Wahlberechtigten aus. Anita Augspurg kandidiert auf der Liste der USPD, ohne der Partei anzugehören.

    Bei den Landtagswahlen in Bayern erhält 

    • die Bayerische Volkspartei - BVP 66 Sitze,
    • die SPD 61 Mandate,
    • die Deutsche Demokratische Partei  - DDP 25 Abgeordnetenplätze,
    • der Bayerische Bauernbund - BBB 16 Mandate,
    • die rechtsliberale Mittelpartei erringt 9 Abgeordnetensitze. 
    • Die USPD erreicht in den 12 Münchner Landtagswahlkreisen immerhin noch 5 Prozent der abgegebenen Stimmen. Landesweit sind es lediglich 2,5 Prozent. Damit sind sie mit 3 Mandaten im ersten Landtag des Freistaats Bayern vertreten. 

    Bei der Wahl zur bayerischen Nationalversammlung haben dreizehn Parteien Kandidatenlisten aufgestellt.
    Die KPD hat sich nicht an den Wahlen beteiligt. 


  • München * Aufgrund der Amnestie vom 12. November 1918 stellt das Reichsgericht die Strafverfahren gegen die am Januarstreik Beteiligten ein. Amnestiert werden:

    • der Schriftsteller Kurt Eisner [derzeit Bayerischer Ministerpräsident],
    • der Schlosser Hans Unterleitner [derzeit bayerischer Sozialminister],
    • der Schreinermeister Albert Winter, 
    • die Buchhalterin Emilie Landauer und 
    • die Buchhalterin Betty Landauer, 
    • der Mechaniker Lorenz Winkler, 
    • der Eisendreher Franz Xaver Mettler, 
    • der Student Ernst Toller, 
    • der Handlungsgehilfe Richard Kämpfer, 
    • der Schriftsetzer Theobald Michler, 
    • der Werkzeugmacher Georg Lang,
    • der Geschäftsführer Fritz Schröder und
    • der Soldat Carl Kröpelin.
    • Die am 1. Februar 1918 als Rednerin verhaftete und in die Strafvollzugsanstalt Stadelheim gebrachte Privatdozentsgattin Sara Sonja Lerch hat sich dort am 30. März 1918 erhängt.  

  • München-Kreuzviertel * Die aufgrund von Kurt Eisners Ermordung nicht mehr gehaltene Rücktrittsrede beginnt mit den Worten: „Meine Herren und verehrte Frauen!“.

    In seinem Tätigkeitsbericht führt er zu seiner 105 Tage andauernden Regierungszeit folgendes aus: „[…] Am 8. November kam die revolutionäre Regierung zustande, die heute vor den von ihr versprochenen neuen Landtag tritt. In diesem Augenblick ist es uns ein Bedürfnis, Rechenschaft abzulegen, was wir gewollt, was wir getan.

    In einer Zeit der schwersten Erschütterungen, des drohenden Zusammenbruchs übernahmen wir die Regierung und führten sie bis hierher durch Monate aufreibender Arbeit, ernster Gefahr und leidenschaftlicher Erregungen. Wir waren uns bewusst, dass  wir die Aufgabe von ungeheuerer Verantwortlichkeit auf uns genommen hatten, trotz der verhängnisvollen Erbschaft eines unter den Flüchen des Volkes zusammengebrochenen Systems das im tiefsten Grunde kranke Leben der Gemeinschaft allmählich der Genesung näherzuführen. Genesung auf dem Wege, dass das Volk in dem es im Aufschwung revolutionärer Kraft zur Selbstbestimmung emporwuchs, mit dem neuen Bewusstsein der eigenen Macht, im Kampf um die Sicherung seiner Freiheit, im Glauben an den endgültigen Sieg der Demokratie und des Sozialismus, durch das Elend der Gegenwart sich in die Zuversicht künftiger Größe rettete.[…]“.

    Kurt Eisner geht in seiner Abschiedsrede als Ministerpräsident auf die Erfolge in den verschiedenen Ressorts ein. So hebt er seinen Kampf um die „föderative Grundlage unseres deutschen Staatenbundes“ hervor, da „ein großes Staatswesen sich um so reicher und gesünder entfalte, je lebendiger und selbstständiger die einzelnen Glieder sich zu gestalten vermöchten“.

    Zu seiner „Friedenspolitik“ führt er aus: „Nur eine Politik der unbedingten Wahrhaftigkeit, der kühnen Offenheit und des gegenseitigen Vertrauens führt zu jenem Frieden, nach dem die zertretende Menschheit schmachtet“. Er hebt seine Anstrengungen zur Wiederherstellung der durch den Krieg zertrümmerten „Internationale der Arbeiter“ hervor, denn nur wenn sie erstarkt, ist die Freiheit jeden Volkes verbürgt. In Eisners Redemanuskript liest sich das so: „So fasste ich - wenn mir eine mehr persönliche Zwischenbemerkung gestattet ist - meine Arbeit jüngst in Bern auf, wo ich erreichte, dass die Vertreter aller Völker, Hass und Erbitterung vergessend, für die Erlösung der deutschen und österreichischen Gefangenen sich vereinigten“.

    Der Passus zu den „Räten“ ist vergleichsweise kurz gehalten, obwohl sie die Stütze der Eisner‘schen Politik bilden. Er verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, „dass die Räte sich in jenen Grenzen, in denen sie sich bei uns entwickelt haben, als unentbehrlich für die Schaffung einer tätigen Demokratie erweisen werden“.

    Ein weiteres von Kurt Eisner angesprochenes Thema ist die „Ernährungslage“. Dabei stellt er fest: „Im allgemeinen sind die Ernährungsverhältnisse nach der Revolution bei uns in Bayern zum mindesten nicht schlechter geworden. Sehr ungünstig ist nach wie vor unsere Versorgung mit Kohlen und sonstigen Rohstoffen“. Dabei stellt er dar, welche Maßnahmen von der Regierung eingeleitet worden sind.

    Breit behandelt Eisner das Thema „Demokratisierung“, die auch in der „Gemeinde, Distrikt und Kreis beachtet werden, deren Selbstverwaltung […] durchgeführt werden wird“. Und weiter: „Das Kriegsministerium hat sich nach der Revolution in ein Ministerium für militärische Angelegenheiten, in ein Ministerium zur Liquidierung des Krieges gewandelt. […] Die Demokratisierung der Armee […] wurde durchgeführt. […] Die Änderung der Militärgerichtsordnung war eine wichtige Errungenschaft des neuen Geistes“.

    Nun folgt eine Beschreibung über die politischen Umwälzungen und Demokratisierung in der Justizverwaltung und die Einrichtung von Volksgerichten. Auch auf Fragen der Amnestie und Begnadigungen geht Kurt Eisner in seinem Redeentwurf ein.  Ein weiterer Punkt seines Tätigkeitsberichts ist die Tätigkeit des Kultusministeriums, das „die Erneuerung des gesamten Volksbildungs- und Erziehungswesen“ vorbereitet hat. Im Verhältnis von „Schule und Kirche“ erklärt er: „Für jede Demokratie kann nur der unantastbare Grundsatz gelten, dass die Dreiheit der Schule zugleich mit der Freiheit der Kirche gesichert werden müsse“. Eisner erklärt die „Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht“ und die „Aufhebung des Zwangs zur Teilnahme am Religionsunterricht“ den Grundsatz, dass „ein Kind gegen den Willen der Erziehungsberechtigten nicht zur Teilnahme am Religionsunterricht oder Gottesdienst angehalten werden dürfe. Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern wurde durch die Errichtung von Schülerausschüssen und Schülerversammlungen freier gestaltet“. Außerdem erklärt der Ministerpräsident, dass „die Entwürfe des Volksschullehrergesetzes und des Schulbedarfsgesetzes einer gründlichen Durcharbeitung unterzogen wurden“.

    Ein weiterer kultureller Bereich sind die staatlichen Theater. Dazu führt Kurt Eisner aus: „Infolge der Revolution kamen die ehemaligen Hoftheater in den Bereich des Kultusministeriums. In dem jetzigen Nationaltheater vollzog sich zugleich die Demokratisierung des gesamten Betriebes“.

    Nun folgen Kurt Eisners Ausführungen zur bayerischen Verkehrsverwaltung und der Finanzverwaltung.

    Sehr ausführlich geht er auf die Tätigkeit des am 14. November 1918 neu geschaffenen Ministeriums für soziale Fürsorge ein. Er hebt dabei hervor, „die Schaffung neuer Referate, um die sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter und Arbeiterinnen mit allen staatlichen Mitteln wahrzunehmen. Es wurde ein Referat für Arbeitsrecht geschaffen, für Angestelltenfragen, für Beamtenfragen usw..

    Die Einrichtungen der Erwerbslosenfürsorge, Arbeitsvermittlung und im Wohnungswesen wurden ausgebaut und durchgeführt, soweit es unter den bestehenden Verhältnissen möglich war. Leider konnten in dieser kurzen, unruhigen Zeit nicht alle Pläne, die das Ministerium entworfen hatte, befriedigend ausgeführt werden.

    Der Gewerbeaufsicht, dem Gesundheitswesen, den Kriegsbeschädigten wandte das Ministerium seine größte Aufmerksamkeit zu. Es sind auch hier Erfolge zu verzeichnen, doch nicht in so großem Maße, wie es im Interesse der leidenden Volksgenossen unbedingt notwendig gewesen wäre. Für die Parias [= jemand, der unterprivilegiert, von der Gesellschaft ausgestoßen ist] unter dem arbeitenden Volk, für die sogenannten Dienstboten, wurde ein neues Recht geschaffen. Ein Landarbeiterrecht ist in Ausarbeitung, wobei alle beteiligten Kreise der Landwirtschaft mitarbeiten.

    Der Kleinwohnungsbau, das Siedlungswesen wurden in weitgehendem Maße gefördert. Notstandsarbeiten wurden angeregt und Zuschüsse wurden zur Verfügung gestellt, um Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, denn das Problem der Arbeitslosen kann nur durch Arbeitsbeschaffung gelöst werden.

    Die sozialpolitische wichtigste Tat des Ministeriums war die Proklamierung des Achtstundentages, die von der Erkenntnis ausging, das die rationelle Verkürzung der Arbeitszeit der Ausgangspunkt aller sozialpolitischen Maßnahmen, die auf die physische, geistige und moralische Hebung der Arbeiterklasse abzielen, sein muss.

    Für Erwerbslosenunterstützung wurden im Dezember rund zwei Millionen, im Januar rund zehn Millionen verausgabt. Zur Deckung der Kosten der Notstandsarbeiten wurde dem Haushalt des Ministeriums die Summe von zwölf Millionen Mark bewilligt und für überschreitbar erklärt. Nach den bisher eingelaufenen Meldungen wurden im ganzen rund zwei Millionen Mark Reichszuschüsse und eine Million Staatszuschüsse zugesichert“. Soweit seine Ausführungen zum Sozialministerium.

    Kurt Eisners Rede, die er aufgrund seiner Ermordung nicht mehr im bayerischen Landtag vortragen könnte, endet mit den Worten: „Die revolutionäre Regierung hat einstimmig beschlossen, ihre Ämter dem auf dem revolutionären Wahlrecht beruhenden Landtag zur Verfügung zu stellen. Sie ist zugleich bereit, die Geschäfte bis zur Bildung einer neuen Regierung weiterzuführen.

    Um die Neubildung zu beschleunigen, wird die Regierung unverzüglich dem Landtag den Entwurf eines vorläufigen Staatsgrundgesetzes zur Beratung und Beschlussfassung zugehen lassen, das bis zur Vollendung der Verfassung die Grundlage für die Arbeiten des Parlaments und der Regierung bieten soll.

    Ein Entwurf der Verfassung selbst ist gleichfalls fertig gestellt; wir wollen ihn noch als Vermächtnis unserer demokratischen und sozialistischen Gesinnung der Öffentlichkeit übergeben, bevor die bisherige revolutionäre Regierung von dem Werk zurück tritt, über das das letzte Urteile die Geschichte fällen wird“


  • München * Aus Vertretern der Mehrheitssozialisten, Unabhängigen Sozialdemokraten, Kommunisten sowie den Vollzugsorganen der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte und dem Revolutionären Arbeiterrat bildet sich ein Zentralrat der Bayerischen Republik. Dieser sogenannte Elfmännerausschuss fungiert als Regierungsgremium, das die Geschäfte so lange kommissarisch führen soll, bis eine endgültige Regelung gefunden wird. 

    Zum Vorsitzenden des Zentralrats wird Ernst Niekisch, ein junger Volksschullehrer, Vorsitzender der Augsburger Arbeiter- und Soldatenräte und Mitglied des Landesarbeitsrates gewählt. Ernst Niekisch ist zwar Mehrheitssozialdemokrat, gilt aber aufgrund seiner Befürwortung der Räte als Mann des Ausgleichs zwischen den ideologischen Gegensätzen und wird auch von den rechten Sozialdemokraten akzeptiert.

    Er gilt als die Integrationsfigur, die der „Republik“ über die schwere Zeit hinweghelfen kann.

    Neben Ernst Niekisch, Carl Kröplin und Hermann Eisenhut vom „Vollzugsrat der Arbeiterräte“ gehören dem „Zentralrat“ außerdem an:  
    Karl Gandorfer, Wolfgang Hofmann und Johann Wutzlhofer vom „Vollzugsrat der Bauernräte“,
    Fritz Sauber, Engelbert Kohlschmidt und Johann Panzer vom „Vollzugsrat der Soldatenräte“
    sowie Max Levien und August Hagemeister vom „Revolutionären Arbeiterrat“.

    Dem „Zentralrat“ wird ein erweiterter „Aktionsausschuss“ zur Seite gestellt, um die Fülle der anstehenden Arbeiten zu bewältigen.   

    Dieser wiederum konstituiert verschiedene „Kommissionen“, die das tägliche Leben regeln sollen.
    So entstehen „Kommissionen“

    • zur „Bewaffnung des Proletariats“,
    • zur „Ernährung“,
    • zur „Lebensmittelversorgung“,
    • für das „Wohnungswesen“,
    • für das „Gerichtswesen“,
    • für „Aufklärungs- und Nachrichtendienste“,
    • für „Heereswesen“ und
    • zur „Produktionsregelung“

  • München-Kreuzviertel * Um weiteren konterrevolutionären Attentaten vorzubeugen beschließt der Zentralrat Geiseln in Schutzhaft zu nehmen. Diese werden weitgehend zufällig aus Kreisen des Bürgertums und der Offiziere auswählt und in das Hotel Bayerischer Hof gebracht. 


  • Krumbach - München * Weil der Verkehr nach München gesperrt ist, kann Gustav Landauer erst am 22. Februar wieder nach München zurückreisen. 


  • München * Die bayerische Landeshauptstadt liegt unter einer Schneedecke von 40 Zentimetern.

    • Die Arbeitslosenquote liegt konstant bei über 30.000,
    • die Kohlenvorräte sind aufgebraucht,
    • die Energiezufuhr stockt,
    • der Preis für einen Trambahn-Fahrschein wird von 15 auf 20 Pfennige erhöht,
    • die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch ist nicht mehr gewährleistet, weil sich immer mehr Bauern weigern, in die von Unruhe erfüllte Stadt zu fahren.
    • Die wöchentliche Fleischration wird von 300 Gramm auf 250 Gramm herabgesetzt. Schwerstarbeiter erhalten auch weiterhin eine Zulage von 120 Gramm Wurst.
    • Was blüht ist der Schwarzmarkt. Die Waren gibt‘s dort im Überfluss, aber halt zu entsprechend hohen Preisen.

    Der neu ernannte Staatskommissar für Ernährungswesen, Johann Wutzelhofer vom Bayerischen Bauernbund- BBB, stellt sein Programm vor. 


  • München * Das Telegraphenamt leitet Dr. Franz Lipps Telegramme vom 7. und 8. April zwar weiter, doch die Kontrollbeamten informieren den Revolutionären Zentralrat vom Inhalt der Schreiben.

    Die von Ernst Toller umgehend eingeleiteten Nachforschungen ergeben, dass sich Lipp schon mehrmals in psychiatrischer Behandlung befunden hatte. Toller schreibt: „Zweifellos, Lipp ist wahnsinnig geworden. Wir beschließen, ihn sofort in eine Heilanstalt zu überführen. Um Aufsehen in der Öffentlichkeit zu vermeiden, muss er freiwillig seinen Rücktritt erklären“.

    Dr. Lipp wird seinen Rücktritt mit den Worten: „Was tue ich nicht für die Revolution“ unterschreiben. Damit ist die Fehlbesetzung mit dem psychisch kranken Außenminister, der den Anforderungen an sein Amt nicht gewachsen ist, schnell erledigt worden. Dennoch wird sich der Fehlgriff bei der Besetzung des Postens als schwerer Schlag für das Ansehen der Räterepublik erweisen. 


  • Berlin - München * Auf Silvio Gesells Vorschlag gegenüber dem Reichsbankpräsidenten Rudolf Havenstein, auf die „systemlose Papiergeldwirtschaft“ zu verzichten, titelt die auf die Auflage schielende Vossische Zeitung in Berlin: „Abschaffung des Bargeldes in Bayern“.

    Darin heißt es: „Gesell, der mit einem Kern gesunder währungspolitischer Kritik utopische Ideen der Lösung aller Fragen durch seine sogenannte absolute Währung verband, wurde in Fachkreisen nicht ganz ernst genommen. Sein Auftauchen in der Münchener Räteregierung rief einiges Lächeln hervor, und das neueste Telegramm dürfte auch kaum den Reichsbankdirektorium Anlass zu sehr schwierigen Beratungen geben“


  • München * Die Stadt ist noch immer von der Außenwelt abgeschlossen. Es gibt keinen Post-, Eisenbahn-, Nachrichten- und Geldverkehr. Weder Lebensmittel noch Kohlen werden nachgeliefert. 


  • Augsburg * Augsburg kapituliert, nachdem sich die Arbeiter erbittert gewehrt haben. Dadurch können die Weißen Truppen den strategisch wichtigen Eisenbahnknotenpunkt einnehmen. Eine für die Eroberung Münchens wichtige Voraussetzung.

    Alleine an diesem 22. April kommen zehn Regierungssoldaten und 34 Einwohner von Augsburg ums Leben, darunter vier Frauen und ein Kind. Die meisten sind unbeteiligte Zivilisten. 


  • Bamberg * „Der Freistaat“, das amtliche Organ der in Bamberg residierenden Regierung Hoffmann, gibt bekannt: „Wegen Kohlenmangel muss ab heute der Personenverkehr auf den bayerischen Staatseisenbahnen eingestellt werden“


  • Freistaat Bayern * An die Kommandeure der Regierungstruppen und Freikorps wird folgende Anweisung gegeben:

    „Die Gruppen haben ihre Aufträge mit Gewalt durchzuführen, jedes Verhandeln mit dem Feinde oder mit der Bevölkerung ist verboten. Milde wird als Schlappheit, Gutmütigkeit als Unzuverlässigkeit der Truppen gedeutet“.

    Außerdem erhalten die Regierungssoldaten Belehrungen über die Verkommenheit ihrer Gegner, mit denen sie es in München zu tun haben werden. Eigens ausgebildete Agitatoren bläuen den Soldaten ein, dass die Spartakisten jeden auf der Stelle umbringen, der einen „Noske-Ausweis“ bei sich trägt. Als „Noske-Ausweis“ bezeichnet man umgangssprachlich die Kärtchen, mit denen sich die Regierungssoldaten ausweisen. 


  • München * Die Aktivitäten der Thule-Gesellschaft werden von der Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution aufgedeckt. Mit Hilfe von gefälschten Stempeln und Ausweisen hat sich die Thule-Gesellschaft Zugang zur Roten Armee verschafft und alle gesammelten Informationen an die Regierung Hoffmann in Bamberg weitergegeben.

    Die Angreifer sind damit im Besitz wertvoller Informationen über Abwehrstellungen, Truppenstärke, Bewaffnung und die Verteidigungsstrategie der Roten Armee.

    Die Durchsuchung der Logen-Räume der Thule-Gesellschaft im Hotel Vier Jahreszeiten bestätigt den Verdacht, aber die Verantwortlichen sind inzwischen geflohen. Allerdings haben sie die Mitgliederkartei vergessen. Dadurch kann die Rote Armee mehrere Mitglieder der Thule-Gesellschaft verhaften. Sie stehen unter dem Verdacht, für die Regierungstruppen und Freikorps geworben zu haben.

    Anschließend werden sie ins Luitpold-Gymnasium gebracht. 


  • München-Isarvorstadt - Eichstätt * Vom 18. April bis zur Besetzung der Thule-Büros im Hotel Vier Jahreszeiten und der Verhaftung der noch in München verbliebenen Thule-Mitglieder am 26. April werden weit über 500 Personen zum Teil mit gefälschten Freifahrtscheinen aus München herausgeschleust und nach Eichstätt gebracht.

    Unter den Reisenden befinden sich auch Rudolf Heß und der Berufssoldat Ernst Röhm, der sich dem Freikorps Epp anschließen will. In kürzester Zeit ist das Freikorps Oberland zu einem voll bewaffneten Regiment mit 250 Mann ausgebaut. 


  • München * München ist inzwischen von der Außenwelt vollständig abgeschnitten.


  • Schleißheim * Im Jahr 1927 kommt das in insgesamt zehn Auflagen erschienene Buch „Ernstes und Heiteres aus dem Putschleben“ auf den Markt. Darin beschreibt Manfred von Killinger seine stark antisemitisch geprägten Erinnerungen als Freikorpsführer der Marine-Brigade-Ehrhardt in der Zeit der Niederschlagung der Münchner Räterepublik. Das Buch beginnt so:  

    „Von Saalfeld kommend, luden wir in Schleißheim aus. Das Vierte Regiment hatte bereits gesichert. Wir bekamen Befehle. München war umstellt. Diesmal würde es zu harten Kämpfen kommen. In München hatte die rote Brut das Heft fest in der Hand. Lewin [!] Leviné-Nissen, Mühsam usw., was waren das für Namen. Waren das Bayern? Jüdisches, internationales Gesindel, die Intellektuellen aus Schwabing.

    Es musste ja so kommen. Dem Münchener Spießer geschah es schon recht. Jahrelang hatte er das Treiben in Schwabing mit angesehen, das Treiben, das im Simplicissimus seinen Niederschlag gefunden hatte. Jahrelang hatte er behäbig lachend mit angesehen, wie Kirche und Thron von diesen Kreisen in den Dreck gezogen wurden, und das als guten Witz aufgefasst. Jetzt zeigte ihm die Bestie das wahre Gesicht“


  • München * Über München kreisende Flugzeuge werfen Flugblätter mit Durchhalteparolen ab:
    „[...] Kopf hoch und Mut! Hilfe naht, die Euch vom russischen Terror und Schrecken des Bolschewismus befreien wird“.

    Ein anderes Flugblatt informiert darüber, dass München von bayerischen Truppen umstellt ist und fordert die Bevölkerung auf:  

    • „Hört die Stimme der Vernunft! Lasst ab vom bewaffneten Widerstand.
    • Meidet die Straßen und Plätze, damit das Blut Unschuldiger nicht vergossen wird.
    • Die Truppen der Regierung brechen schonungslos jeden bewaffneten Widerstand, um der Not Aller ein Ende zu machen.  
    • Lebensmittel, Kohlen, Rohstoffe stehen zur Einfuhr nach München bereit.

    gez. Hoffmann, Ministerpräsident“ 


  • München * Am Nachmittag dringen eigenmächtig operierende Freikorps von der Residenz aus bis zum Lenbachplatz vor. Die Marine-Brigade Ehrhardt erreicht - von Schleißheim kommend - gegen Mittag Schwabing und beteiligt sich später an den Kämpfen am Stachus. Auch aus Regensburg stammende Soldaten sowie Angehörige des Freikorps Grafing und die Batterie Zenetti sind an diesen Kämpfen beteiligt. Dort entfacht sich ein mehrstündiges Gefecht.

    Die Rotarmisten leisten erbitterten Widerstand und verteidigen den Stachus mit Gewehrfeuer. Ein Zeitzeugenbericht schildert die weiteren Ereignisse:

    „Mittlerweile hatten die Regierungstruppen bei der Anlage an der Deutschen Bank ein Geschütz in Stellung gebracht und eine Brandbombe in den Kiosk gesetzt, der bald lichterloh aufflammte und die Roten Gardisten zwang, ihren verzweifelten Widerstand aufzugeben und sich gegen die protestantische Kirche und das Kaufhaus Horn zurückzuziehen. Bald war der Karlsplatz zum wütendsten Kampfplatz geworden. […]

    Gegen Abend bekamen die Regierungstruppen Verstärkungen von der Herzog-Wilhelm-Straße und dem Sendlingertor-Platz her. Die Rotgardisten wurden über den Karlsplatz in den Justizpalast und gegen die Elisenstraße geworfen, von wo aus sie heftigen Widerstand leisteten.

    Das an der Deutschen Bank postiert gewesene Geschütz wurde infolgedessen bis zum Wittelsbacher-Brunnen zurückgezogen und beschoss in den Nachmittagsstunden den Justizpalast, der an der gegen den Stachus gerichteten Seite zwei Treffer im dritten Stock erhielt. […] Viele Spartakisten flüchteten in den Mathäser“.

    Doch es gibt auch Gegenwehr von anderer Seite, die die Weißen Truppen letztlich zum Abziehen zwingen. Dazu zählen auch die Teilnehmer der Maikundgebung auf der Theresienwiese, die dort „waffenlos demonstriert“ haben und sich nun auf dem Nachhauseweg befinden. 


  • München-Giesing * Als die Weißen Truppen auf der Tegernseer-Landstraße gegen die rote Hochburg Giesing vorrücken, postiert die Rote Armee auf dem für sie strategisch günstig gelegenen, 95 Meter hohen Kirchturm der neugotischen Heilig-Kreuz-Kirche ihre Maschinengewehre.

    Am Giesinger Berg werden die Regierungssoldaten mit MG-Feuer und Handgranaten empfangen. Es folgen erbitterte Straßenschlachten, besonders an der Martin-Luther- und Ichostraße. Eine spezielle Kampfart der Giesinger Roten Armee, durch das Kanalisationssystem hinter die Linien der Feinde zu gelangen, dort aus den Kanaldeckeln herauszuschießen und sofort wieder zu verschwinden, führt dazu, dass es trotz der Überlegenheit der Weißen und des Einsatzes eines Panzerzuges bei der Pilgersheimer Eisenbahnbrücke Tage dauert, bis der Widerstand gebrochen ist.

    In den Augen der Konterrevolutionäre die „Schmach von Giesing“


  • München * Der 18-jährige, an den revolutionären Ereignissen unbeteiligte Eisendreher Johann Lehner wird in einem Bierlokal verhaftet. Auf bloßem Verdacht hin, am Geiselmord beteiligt gewesen zu sein, wird er von württembergischen Freikorpssoldaten zusammen geschlagen und kurz darauf im Schlachthof erschossen. Anschließend wird seine Leiche von der Kampftruppe ausgeraubt. 


  • Perlach * Am Abend erklärt Korpskommandeur Hans von Lützow Major Walter Schulz, dass er einen telefonischen Hilferuf von Frau Betty Hell, der Ehefrau des evangelischen Pfarrers von Perlach, erhalten habe. Die Pastorenfrau fühlte sich von Perlacher Kommunisten bedroht.

    Die Bedrohung beruhte darauf, dass die genannten Rotgardisten Kartoffeln beschlagnahmten, die ursprünglich für die Herstellung von Schnaps in der Schnapsfabrik Wolfram vorgesehen waren.

    Bei den sogenannten Rotgardisten handelt es sich zum Teil um Mitglieder des Perlacher Arbeiterrates, der sich auch um Versorgnungs- und Wohnungsfragen kümmerte oder zur Überwachung des Personen- und Warenverkehrs, auch zur Eindämmung des Schwarzmarktes, Reisende am Bahnhof kontrollierte. Das Verbrechen bestand demzufolge darin, dass sie die Kartoffeln zur Ernährung und nicht zur Herstellung von Spirituosen verwenden wollten.

    Schulz beauftragt den als „energischen Mann“ bekannten Leutnant Georg Pölzing mit der Durchführung der Hilfeleistung. Dieser rückte sofort mit zwei Lastwagen und etwa vierzig Mann aus. Leutnant Pölzing ist im Besitz einer Liste, auf der die „gefährlichen Kommunisten“ aufgeführt sind. 


  • München-Haidhausen * Der 19-jährige Konrad Zeller sagt als Zeuge der Erschießungen im Hofbräukeller folgendes aus: „Gleich nach unserer Ankunft im Hofbräukeller mussten wir in Reihe antreten. Jemand, wer weiß ich nicht, gab den Befehl: ‚Ludwig raus‘. Ludwig wurde von 2 Soldaten hinter das Auto geführt. Gleich darauf krachte es 2 oder 3 mal. Ich glaube, dass Ludwig sofort erschossen worden ist“.

    Gegen Mittag werden die übrigen elf Perlacher von Erschießungskommandos hingerichtet. Bei den Ermordeten handelt es sich um den bereits erwähnten Hafnermeister Josef Ludwig sowie die Hilfsarbeiter Artur Koch, Johann Keil, Sebastian Hufnagel, Albert Dengler, sowie den Arbeiter Albert Krebs, der Schweizer Staatsbürger war, weiters um den Schreiner Georg Jakob, den Maurer Josef Jakob, den Eisenbahnarbeiter Georg Eichner, den Arbeiter Konrad Zeller, den Korbmacher August Stöber und den Former Johann Fichtl.

    Josef Ludwig ist Vorsitzender des Perlacher Arbeitersrats, dem aus dem Kreis der Ermordeten noch Josef Jakob und August Stöber angehören. Außerdem ist Ludwig Mitglied im Gemeindeausschuss und steht dem wichtigen Lebensmittelausschuss vor. 

    Von den zwölf Ermordeten sind zehn Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD. Zwei der Getöteten sind Junggesellen; insgesamt werden zehn Frauen zu Witwen, die sich um 46, davon 35 minderjährige Kinder [!], sorgen müssen. 


  • München * Der Straßenbahnbetrieb, der Eisenbahn-Personenverkehr und der Fernsprechverkehr haben vollumfänglich ihren Betrieb wieder aufgenommen. Auch die Münchner Börse ist wieder eröffnet.


  • München-Haidhausen * Eugen Leviné wird unter dem Namen Ludwig Geisenberg in der Schneckenburgerstraße 20 festgenommen und wegen Hochverrats angeklagt. 


  • München-Angerviertel * Der arbeitslose Gefreite Adolf Hitler erhält von Hauptmann Karl Mayr den Befehl, als Spitzel der Reichswehr eine Versammlung der Deutschen Arbeiterpartei - DAP im Sterneckerbräu im Tal zu besuchen, Informationen zu sammeln und Kontakt mit der Partei aufzunehmen.

    Die neue Partei gehört zwar der völkischen Bewegung an, doch der Namensteil Arbeiter lässt in nationalistischen Kreisen Verdacht aufkommen.

    Auf der Versammlung referiert Gottfried Feder im Leiberzimmer über das Thema: „Wie und mit welchen Mitteln beseitigt man den Kapitalismus?“. Feder ist Mitglied der Thule-Gesellschaft und steigt später zum Parteiideologen der NSDAP auf.

    Anwesend sind 43 Personen, darunter als Begleiter Hitlers der Feldwebel Alois Grillmeier und zwei Propagandamänner des Gruko. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich das Bayerische Reichswehr Gruppenkommando Nr. 4 - Gruko, das unter der Führung des Generalmajors Arnold von Möhl steht.

    Als am Ende der Diskussion ein Teilnehmer bemerkt, dass sich Bayern vom Reich lösen sollte, schreitet Adolf Hitler ein. Noch am gleichen Abend bietet ihm der DAP-Vorsitzende Anton Drexler den Parteieintritt an. 


  • München * Da sich die Richter und der Verteidiger über die Wertung der Tat im Grunde einig sind, ergeht das Urteil gegen Graf Anton von Arco auf Valley bereits um 16.08 Uhr. Es wird vom Landgerichtsdirektor Georg Neithardt gesprochen und lautet:

    • „[...] wegen eines Verbrechens des Mordes zum Tode und in die Kosten verurteilt“.
    • Es lässt sich einfach nicht umgehen anzuführen: „Der Angeklagte führte die Tötung nach einem wohlbedachten Plan mit Überlegung aus“

    Die Justiz öffnet sich aber gleich selbst die Tür für ihr weiteres Vorgehen. Am Ende des Urteils stehen die bemerkenswerten Zeilen: „Von einer Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte konnte natürlich keine Rede sein, weil die Handlungsweise des jungen, politisch unmündigen Mannes nicht niedriger Gesinnung, sondern der glühenden Liebe zu seinem Volke und seinem Vaterland entsprang und ein Ausfluss seines Draufgängertums und der in weiten Volkskreisen herrschenden Empörung gegen Eisner war, weil ferner der Angeklagte seine Tat in allen ihren Einzelheiten ohne jeden Versuch der Beschönigung oder Verschleierung mit offenem, edlem Mute in achtungsgebietender Weise als aufrechte Persönlichkeit eingestand“.

    Graf Arco nimmt sein Todesurteil mit vollkommener Ruhe zur Kenntnis und ruft in seinem Schlusswort die Zuhörer zum Aufbau einer nationalen Zukunft auf. Stürmischer Beifall erhebt sich im Sitzungssaal. 


  • München - Petrograd * Towia Axelrod (Tobias Akselrod) kann nach Petrograd ausreisen. 


  • Sárvár * Der abgesetzte König Ludwig III. stirbt in seinem ungarischen Exil Sárvár an den Folgen einer Lungenentzündung. 

    Der Tod und die Rückkehr der sterblichen Hülle des alten Königs wird von ultrakonservativen Kreisen zur politischen Demonstration hochstilisiert. Da für die „Bayerische Staatsregierung“ ein „Staatsbegräbnis“ nicht in Frage kommt, stellt sich Gustav von Kahr als Privatperson für die Organisation der Feierlichkeiten zur Verfügung. 

    Kahr verfolgt zielgerichtet sein Anliegen, bei den Trauerzeremonien die „Kraft des monarchischen Gedankens“ herauszustellen.  
    Die geplanten Beisetzungsfeierlichkeiten für den abgesetzten König sollen eine
    „Antwort auf den Trauerzug für den Revolutionär Kurt Eisner“ werden, der sich am 26. Februar 1919 mit nahezu 100.000 Menschen durch die Straßen Münchens bewegt hatte. 
    Es sollte eine „Trauerfeier werden, wie sie München und Deutschland noch nie gesehen haben, ein Akt treuer Huldigung, aber auch Abbitte für das dem König angetane große Unrecht“


  • München - München-Maxvorstadt * Der „Deutsche Katholikentag“ in München wird eröffnet.

    Für die anreisenden Zehntausenden von Gläubigen wird ein großer „Festgottesdienst“ auf dem „Königsplatz“ abgehalten, bei dem sich die „katholische Kirche“ mit eindrucksvollem Gepränge darstellt. 

    Die Straßen der Stadt sind mit Fahnen geschmückt, nur das „Schwarz-Rot-Gold“ der „Weimarer Republik“ ist demonstrativ vergessen worden.

    Kardinal Michael von Faulhaber enthält sich bei dieser zur „politischen Kundgebung“ umgestalteten Veranstaltung weder politischer noch „demokratiefeindlicher Äußerungen“ und ruft in seiner Ansprache zum Kampf der Kirche gegen den Staat auf:

    „Wehe dem Staat,

    • der seine Rechtsordnung und Gesetzgebung nicht auf den Boden der Gebote Gottes stellt,
    • der eine Verfassung schafft ohne den Namen Gottes,
    • der die Rechte der Eltern in seinem Schulgesetz nicht kennt,
    • der die Theaterseuche und die Kinoseuche nicht fernhält von seinem Volk,
    • der Gesetze gibt, die die Ehescheidung erleichtern,
    • die die uneheliche Mutterschaft in Schutz nehmen“.

    Diesem Satz folgt ein - von den dicht gedrängten Besuchern stürmisch bejubelter - rhetorischer Tiefschlag gegen die „Republik“ und ihrer Gründer:
    „Die Revolution war Meineid und Hochverrat und bleibt in der Geschichte erblich belastet und mit dem Kainsmal gezeichnet“.

    Diese Worte wirken, wie Faulhaber später einmal recht zufrieden feststellt, wie eine Bombe. 

    Der „Kardinal“ versagt sich damit wieder einmal - mit seiner ganzen Autorität und in der Öffentlichkeit - der „Weimarer Republik“ und bereitet damit - ohne das möglicherweise direkt zu beabsichtigen - Adolf Hitler den Weg. 

    Schon damals stellt die sozialdemokratische „Münchener Post“ unter der Überschrift „Wohin des Wegs, Herr Kardinal?“ fest:  
    „Seine Ansichten sind ein Beweis für den Machthunger der römischen Kirche und ihres Klerus, die nicht mit dem Staat in Frieden und Verträglichkeit zusammenleben, sondern ihn um jeden Preis beherrschen wollen.“  

    Die in Anwesenheit der Spitzen von Kirche, Staat und Gesellschaft gemachten Aussagen des „Kardinals“ führen allerdings auch zu einem „weltweit hallenden Eklat“ und veranlasst die - konservative - „Reichsregierung“, sich bei Papst Pius XI. zu beschweren.  

    Damit, dass sich ein Widerstand derjenigen Katholiken formiert, die im neuen Staat ehrlich mitarbeiten wollen, hat Faulhaber nicht gerechnet. 


  • München-Englischer Garten - Hirschau * In der „Maffei'schen Fabrik“ sind 44 Dampfschiffe für deutsche Seen und Flüsse entstanden.


  • München * Da Anton von Arco nach dem Krieg seinen erlernten Beruf eines „Leutnants“ nicht mehr ausüben kann, arbeitet er bei der neu gegründeten „Lufthansa“. 

    Bald darauf verdient er sein Geld als „Immobilienmakler“ und als „Vortragsreisender“, wo er seine politischer Ideen propagiert und von seinem Heldenstatus profitiert. 


  • München-Maxvorstadt * Die Abbrucharbeiten an der „Heß-Villa“ in der Luisenstraße 35 beginnen.


  • München-Maxvorstadt * Der „Heß-Atelierbau“ und die „Heß-Villa“ an der Luisenstraße werden abgerissen.


  • München-Maxvorstadt * An der Stelle der abgebrochenen „Heß-Villa“ in der Luisenstraße lässt die Landeshauptstadt München einen neuen Museumsbau errichten.


  • München * Dr. Fritz Gerlich bewegt sich verstärkt in katholischen Kreisen.

    Im „Konnersreuther Kreis“ finden sich konservative Katholiken zusammen, die die „Weimarer Republik“ retten wollen und „gegen die immer schärfere Radikalisierung des deutschen politischen Lebens eine Zeitung zu schaffen, um der Gefahr dieser Entwicklung mit der Macht des Naturrechts und der Festigkeit der christlichen Grundsätze entgegenzutreten“.


  • München-Maxvorstadt * Die „Städtische Galerie am Lenbachhaus“ in der Luisenstraße wird eröffnet.


  • München-Obergiesing * Während der Wirtschaftskrisen wachsen die politischen Unruhen im roten Giesing, sodass mehrmals Gottesdienste in der Martin-Luther-Kirche gegen kommunistische Störer geschützt werden müssen.

    Der Grund ist, dass viele Giesinger Gemeindemitglieder im Nationalsozialismus den „Retter religiöser Werte“ sehen.


  • München-Theresienwiese * Personen jüdischer Abstammung werden „im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ zur Verabreichung von Speisen und Getränken und zur „Veranstaltung von Lustbarkeiten“ nicht mehr auf dem „Oktoberfest“ zugelassen.

    Dies gilt auch für Angestellte, Mitarbeiter, Gehilfen oder Mitspieler.


  • München-Kreuzviertel * Der „Freistaat Bayern“ geht mit dem „Gesetz über den Neuaufbau des Reiches“ unter. 

    • Die „Länderparlamente“ und die „Hoheitsrechte“ der Länder werden aufgehoben.
    • Die „Länderregierungen“ werden zu „Mittelbehörden“ des Reichs. 
    • Die deutschen Länder dürfen keine eigenen diplomatischen Vertretungen mehr unterhalten. 
    • „Reichsstatthalter“ Franz Xaver Ritter von Epp untersteht der Dienstaufsicht des „Reichsinnenministeriums“.
    • Seine Aufgabe besteht hauptsächlich in der schrittweisen Auflösung der politischen Selbstständigkeit Bayerns.

    Als Epps „Amtssitz“ wird das ehemalige Gebäude der „Preußischen Gesandtschaft“ ausgewählt, das inzwischen in den Besitz des „Deutschen Reichs“ übergegangen war.


  • München-Kreuzviertel * Kardinal Michael von Faulhaber traut den Kurt-Eisner-Mörder Anton Graf von Arco auf Valley mit Gabrielle Gräfin von Arco-Zinneberg in der Dreifaligkeitskirche.

    Arco hatte den Gründer des Freistaats Bayern am 21. Februar 1919 hinterrücks ermordet, war zunächst zum Tode verurteilt, aber am nächsten Tag zu lebenslänglicher Festungshaft begnadigt worden. Nach fünf Jahren wurde er aus der Haft entlassen.

    Anton Graf von Arco auf Valley war durch seine Tat in monarchistischen und konservativen Kreisen hoch angesehen. Deshalb ist es dem Münchner Erzbischof und Kardinal ein persönliches Anliegen, die Trauung durchzuführen. 


  • München - Berlin * In einem Brief an den Präsidenten der „Reichsfilmkammer“ schreibt Karl Valentin, dass es „1927 einem gewissen Walter Jerven (richtiger Name: Samuel Wucherpfennig) [gelang], das Bankhaus Löwenthal und Walther zur Finanzierung eines Valentin-Films ‚Der Sonderling‘ heranzuziehen“.

    Aufgrund der Zeilen musste der Angegriffene, der eigentlich Wilhelm Wucherpfennig hieß und sich 1924 in Walter Jerven umbenannte, seine arische Abstammung nachweisen.

    Zum Glück war das für ihn kein Problem, denn sonst hätte er mit Konsequenzen rechnen müssen. 


  • Berlin * Das „Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes“, auch „Ehegesundheitsgesetz“ genannt, wird verkündet.

    Es soll alle - nach Ansicht der Nationalsozialisten „unerwünschten“ und nach ihrer Auffassung „minderwertigen Nachkommen“ verhindern.

    Das Gesetz verbietet in einer Reihe von Fällen die Eheschließung.
    Deshalb müssen die „Verlobten“ vor der Eheschließung „durch ein Zeugnis des Gesundheitsamtes [Ehetauglichkeitszeugnis] nachweisen, daß ein Ehehindernis nach § 1 nicht vorliegt“.

    • Als „Ehehindernis“ gilt, wenn einer der Partner an einer mit Ansteckungsgefahr verbundenen Krankheit leidet, die nach nationalsozialistischer Ansicht eine erhebliche gesundheitliche Schädigung des Partners oder der Nachkommen befürchten ließ.
    • Darüber hinaus wurde mit dem „Ehetauglichkeitszeugnis“ bescheinigt, dass die Eheschließung nicht gegen das „Blutschutzgesetz“ verstößt.
    • Das „Ehegesundheitsgesetz“ schreibt ja vor: „Eine Ehe soll ferner nicht geschlossen werden, wenn aus ihr eine die Reinhaltung des deutschen Blutes gefährdende Nachkommenschaft zu erwarten ist“.
    • Damit ist nicht nur das Verbot der Ehe zwischen „Juden“ und „Nicht-Juden“ gemeint, sondern nach dem Gesetzeskommentar auch die Verheiratungen mit „Negern und Zigeunern“.

    Später wurde die Vorschrift noch auf die Eheschließung zwischen Deutschen und Angehörigen osteuropäischer Volker ausgedehnt.


  • Berlin * Heinrich Himmler bestimmt die Aufgaben des „Lebensborn e.V.“ im Detail. 

    Mindestens vier Kinder sollen in jeder SS-Familie aufwachsen, da die „Frage vieler Kinder [...] nicht Privatangelegenheit des einzelnen, sondern Pflicht gegenüber seinen Ahnen und unserem Volk“ ist. „Falls unglückliche Schicksalsumstände der Ehe eigene Kinder versagen, soll jeder SS-Führer rassisch und erbgesundheitlich wertvolle Kinder annehmen und sie im Sinne des Nationalsozialismus erziehen [...]“

    Punkt 2 bestimmt als Aufgabe des Vereins: „Rassisch und erbbiologisch wertvolle werdende Mütter unterzubringen und zu betreuen, bei denen nach sorgfältiger Prüfung der eigenen Familie und der Familie des Erzeugers [...] anzunehmen ist, daß gleich wertvolle Kinder zur Welt kommen“

    Wenn schwangere Frauen nachweisen können, dass unter ihren Vorfahren keine „Juden“ sind, und wenn ihnen zudem „SS-Ärzte“ ihre so genannte „erbbiologische Gesundheit“ bestätigen, wird ihnen - um eine Abtreibung zu verhindern - die Aufnahme in ein „Entbindungsheim“ des „Lebensborn e.V.“ versprochen. 

    Die Verwirklichung der rassischen Komponente der NS-Weltanschauung zielt auf die Ablösung der alten Führungsschichten durch eine neue, biologisch geformte nationalsozialistische Elite.


  • München * Pater Rupert Mayer predigt

    • gegen den „Schulkampf“ der Nazis,
    • gegen die „Ausschlachtung“ der Sittlichkeits- und Devisenprozesse gegen Ordensleute,
    • gegen die nationalsozialistischen Presseerzeugnisse und vor allem
    • gegen die „Entkonfessionalisierung“.

  • München-Maxvorstadt * Zwischen 1939 und 1941 lassen sich in dem Anwesen Richard-Wagner-Straße 11 insgesamt 22 jüdische Menschen nachweisen, die hier untergeracht worden sind.

    Es handelt sich ausnahmslos um Personen, die aus ihren eigenen Wohnungen vertrieben worden sind und von der Richard-Wagner-Straße 11 aus entweder ins Altenheim wechselten oder ins „Sammellager Milbertshofen“ an der Knorrstarße gebracht werden.


  • München * Der erste Luftangriff auf München. München wird von sechs Luftangriffen heimgesucht. Diese bringen aber nur geringe Zerstörungen. Noch kursiert hier der Kinderreim: „Bomben auf Berlin / Rosen auf Wien / München wollen wir schonen / da wollen wir später wohnen“. Von einem Krisenbewusstsein ist nichts zu spüren und die zunehmende Mobilisierung für Luftschutzübungen werden von der Einwohnerschaft häufig nur als lästige Beeinträchtigung des gewohnten Lebensablaufes empfunden.  

    Noch immer glauben die Münchner dem Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels und dem Reichs-Luftmarschall Hermann Göring, die dem Volk versprochen haben, dass kein feindliches Flugzeug nach Deutschland durchkommen wird.

    Göring, der der Zivilbevölkerung den absoluten Schutz vor Bombenangriffen garantiert hat, will sogar „Meier“ heißen, sobald ein feindliches Flugzeug deutsches Territorium überfliegen würde. Kein Wunder, dass der Oberbefehlshaber der Luftwaffe im Volksmund bald nur noch der „Herr Meier“ war. Auch der Name Tengelmann ist für ihn geläufig, „hatte er ja schließlich in jeder größeren Stadt Deutschlands eine Niederlage“.  

    Die Münchner Stadtverwaltung macht sich dagegen mehr Gedanken und Sorgen, weil sie für München als Hauptstadt der Bewegung eine erhöhte Bombengefährdung sieht.


  • München-Untergiesing * Die „Braunauer Eisenbahnbrücke“ wird durch Bomben beschädigt.


  • München-Untergiesing * Die Bevölkerung des dicht besiedelten Untergiesing ist durch die Nähe zum Gauleiterbunker im bombensicheren Kellermassiv im Nockherber“ und der Isar, an der sich die alliierten Bomber orientieren, stark bedroht. 

    In der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 1943 ereignet sich in der Kühbachstraße eine Tragödie. Im Keller des Anwesens Nr. 18 und 20 ertrinken 47 Menschen in dem durch geplatzte Hydranten hereinstürzenden Wasser. Es handelt sich dabei um eine Hochzeitsgesellschaft, die in dem Gasthaus feiert. 

    Da die Geladenen während des Bombenalarms nicht extra in den Bunker an der Sachsenstraße laufen wollten, gehen sie in den Keller, den sie nicht mehr lebend verlassen können. Ihre zum Teil weit entfernten Heimatwohnorte weisen die Toten als Münchenbesucher aus.


  • München-Untergiesing * Die „Braunauer Eisenbahnbrücke“ wird erneut durch Sprengungen beschädigt.


  • Bayern - Amerikanische Besatzungszone * Nach dem Einmarsch der Amerikaner in München holt man den „Scharfrichter“ Johann Reichhart aus seinem Haus im Gleißental.

    Er muss jetzt für die Besatzungsmacht arbeiten und auf Befehl der amerikanischen Militärregierung bis 1947 weitere 156 Hinrichtungen vollziehen.

    Den „Mastersergant“ Hazel Woods hat er in der „Kunst des schnellen Tötens am Galgen“ einzuweisen.

    Woods erhängt die im „Nürnberger Prozess“ verurteilten „Hauptkriegsverbrecher“.


  • München * Die Hörfunkserie des Bayerischen Rundfunks „Es dreht sich um Karl Valentin“ wird nach Protestbriefen aus Hörerkreisen nach der fünften Folge wieder eingestellt.


  • München-Maxvorstadt * Im Anschluss an die „Mai-Kundgebung“ des „Deutschen Gewerkschaftsbundes - DGB“ auf dem Königsplatz bewegt sich ein Protestzug mit Transparenten zum „freien Samstagsnachmittag“ durch die Luisenstraße in Richtung Bahnhofsplatz.

    Da sich der Protestzug nach der polizeilichen Aufforderung nicht auflöst, greift die Staatsmacht auf der Höhe des „Luisenbunkers“ mithilfe eines „Wasserwerfers“ ein. 
    Die mit Stahlhelm und Karabiner bewaffnete „Bereitschaftspolizei“ löst mit Kolbenhieben den Protestzug auf. 

    Vom Wasserwerfer gejagt bricht der 59-jährige Bahnangestellte Georg Bachl an der Ecke Luisen-/Prielmayerstraße tot zusammen.


  • München-Großlappen * Nach nur viermonatiger Bauzeit wird in Großlappen eine „Großanlage für Müllverwertung“ in Betrieb genommen.

    Sie ist für eine Jahreskapazität von 500.000 Kubikmetern ausgelegt und soll die Abfallentsorgung und Verwertung für die kommenden Jahrzehnte sicherstellen.

    Das Kernstück der Anlage ist eine „Sortierhalle“, in der Magnete das Eisen aus dem „Müll“ fischen. Die anderen zur Verwertung geeigneten Altstoffe wie Buntmetalle, Papier, Textilien, Bettfedern, Glas und Schweinefutter - es gibt eine eigene „Schweinemästerei“ - werden von Hand aussortiert.

    Damit kann die in der „Deponie Großlappen“ endgültig auszulagernde Restmüllmenge beachtlich reduziert werden.


  • Schloss Nymphenburg - München-Isarvorstadt * Die Statue von König Ludwig II. auf der Corneliusbrücke ist im Mai 1942 ein Opfer der Kriegsindustrie geworden. Da sich bisher keine offizielle Stelle um die Wiederkehr eines König-Ludwig-Standbildes bemüht, bildet sich an Ludwigs 70. Todestag in Schloss Nymphenburg ein Komitee, das den Freistaat und die Stadt auf den leeren Platz an der Isarbrücke hinweisen will.


  • München-Untergiesing - München-Isarvorstadt * Die Deutsche Bundesbahn baute die „Braunauer Eisenbahnbrücke“ in ihre heutige Form um.

    Dabei verbreitert man die Pfeiler in nördlicher Richtung und verschiebt eine Hälfte der Gitterträgerbrücke dorthin. Auf der südlichen Seite errichtet man zwei neue Fahrbahnen für die Eisenbahn.
    Den alten Brückenteil vermietet die Bundesbahn anschließend an den „Schlacht- und Viehhof“, der ihn seither für Rangiermöglichkeiten für Viehtransporte benutzt.

    Die Fachwerkkonstruktion an der stromabwärts gerichteten Seite der „Braunauer Brücke“ ist noch im Original erhalten und stammt aus dem Jahr 1868.


  • London - München * Um 11:20 Uhr heben die Beatles mit dem Flug BE502 mit der BEA-Linienmaschine Comet IV vom Londoner Flughafen ab, um um 12:56 Uhr in München-Riem zu landen. Endlich sind sie da. George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und Ringo Starr treffen erstmals und höchstpersönlich in München ein.

    Und als „die vier Sängerknaben mit der Mädchenfrisur“ das Flugzeug verlassen, werden sie „von lustigen Teenagern zumeist“ begeistert empfangen. Man hat sie bis zur Landung des Flugzeugs mit Beatmusik bei Laune gehalten. Die Mädchen tragen Pony, die Haare hochtoupiert, sowie bonbonfarbene, schenkelkurze Op-Art-Kleidchen und Pumps. Die Burschen bekleiden sich mit hautengen Jeans und schwarzen T-Shirts oder geblümten Hemden. Ihre Haare bedecken zwar die Ohren, reichen aber noch nicht bis zur Schulter. Dazwischen sind auch „einige wüstere Typen mit verfilztem, schulterlangem Haar, im obligatorischen Snow Coat mit aufgemalten Atomwaffengegner-Abzeichen“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.

    Die Mädchen halten bemalte Schilder hoch und alles sieht friedlich aus. Doch es muss schon ein sehr trügerischer Friede sein, denn auf je fünf Fans kommt ein Polizist. 200 Staatliche Ordnungskräfte sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Außerdem ist die Straße rechts vom Hauptgebäude auf einer Länge von fast einhundert Metern abgesperrt worden.  

    Noch auf der Rolltreppe werden die Fab Four mit extrem saublöden Fragen interviewt. Ringo Starr antwortet auf dem Flughafen auf die Frage eines Reporters: „Warum stehen Sie immer so spät auf?“ mit der Gegenfrage: „Wollen Sie schon in aller Frühe unseren Lärm hören?“ Total unverständlich findet der Münchner Merkur die Popularität der Beatles, da die Vier doch nur Nachteile vorzuweisen hätten: „Der kurzsichtige John Lennon, der Linkshänder Paul McCartney, George Harrison mit den abstehenden Ohren und Ringo Starr mit der übergroßen Nase“

    Außerdem überreicht man ihnen Lederhosen mit Hirschknöpfen und weiße leinene Trachtenhemden. Schon während des Flugs hat man ihnen einen Tirolerhut übergeben, den der „großnasige“ Ringo beim Verlassen des Flugzeugs zu seiner braunen Lederjacke trägt.  

    Mit einem Autotorso, bestehend aus fünf weißen Mercedes-Limousinen und einem VW-Bus, werden die Fab Four zum Hotel Bayerischer Hof gebracht. Die Polizei fährt mit einem Lautsprecherwagen voran und fordert die Verkehrsteilnehmer laut vermerkbar auf: „Machen Sie Platz für die Beatles!“. Die Ampeln sind für die vier Musiker auf Grün gestellt. So fahren sie über die Prinzregentenstraße, vorbei an den Vieltausenden, Fähnchen schwenkenden, „Yeah-yeah-yeah!“ kreischenden Münchner Beatles-Fans. Es herrscht einfach eine freundliche Stimmung an diesem 23. Juni 1966. 

    In dem Auto mit dem Kennzeichen M-TX 107 sitzen die Beatles. Um den wartenden Fans zu entkommen, fährt der Mercedes die Tiefgarage von hinten an, sodass die Gruppe um 13:45 Uhr das Hotel durch den Lieferanteneingang betreten kann. Während die Musiker durch den Hintereingang verschwinden, warten auf dem Promenadeplatz etwa 3.000 Fans und Neugierige mit Transparenten. Neun Hausdiener und eine Handvoll Polizisten sollen den Bayerischen Hof gegen den Ansturm der Beatles-Fans verteidigen. „Die Scheiben sind vorsorglich beim Glaser bestellt“, diktiert Hotelchef Falk Volkhardt einem Reporter in den Block. 

    Nichts passiert. Nur junge Frauen und Männer warten auf dem Promenadeplatz sehnsüchtig auf den Augenblick, dass sich ihre Idole an einem der Fenster zeigen. Oben im fünften Stock tun diese den Fans ein einziges Mal den Gefallen und treten ans Fenster, um ein paar Autogramme auf die Straße zu werfen.  

    Für 16:00 Uhr ist im Nachtclub des Hotels Bayerischer Hof eine Pressekonferenz anberaumt. Diese beginnt 20 Minuten später, weil der Fahrstuhl stecken bleibt. Statt der erlaubten 10 haben sich 15 Personen in den Aufzug gequetscht. Zuerst werden Fotos der Fab Four geschossen, danach dürfen die Journalisten die Beatles 13 Minuten befragen. Dazwischen bekommen sie noch den „Goldenen BRAVO Otto“ in der Kategorie Beste Beatband überreicht.  

    Zur gleichen Zeit tagt im Polizeipräsidium an der Ettstraße ein Krisenstab, denn den deutschen Behörden und der Polizei waren Popstars samt den kreischenden Fans ausgesprochen befremdlich. Aus Anlass des Beatles-Gastspiels richtet man in München einen Krisenstab ein, dem der Polizeipräsident, zwei Einsatzleiter und ein erst kurz zuvor installierter psychologischer Fachmann angehören. Deeskalation fordert der Psychologe, was natürlich umfangreiche polizeiliche Vorbereitungen notwendig macht, um Massenaufläufe möglichst zu verhindern oder zumindest unter Kontrolle zu halten. 

    So bekommen die Beatles die Kehrseite ihres Ruhmes zu spüren. Ihnen wird ein abendlicher Schwabing-Bummel aus Sicherheitsgründen verboten, weshalb sie die ganze Zeit ihres München-Aufenthaltes im Bayerischen Hof verbringen müssen. Die Abendzeitung schreibt beschwichtigend: „Die Herren tragen zwar unorthodoxe Haartracht und veranstalten einen für musikalische Ohren beschwerlichen Lärm, aber im Grunde sind sie harmlos und übermütig, und in ihren Liedern kommt nichts Unanständiges vor“. Die Polizei hat eine Fälscherbande hochgenommen, die 125 gefälschte Eintrittskarten für die „Beatles-Konzerte“ zu Horror-Preisen verkauft hat.  

    Am frühen Abend machen die Beatles eine Generalprobe auf ihrem Zimmer, da sie bis zum 21. Juni 1966 jeden Tag mit den Aufnahmen zur LP Revolver  beschäftigt waren. Gegen 21:30 Uhr betreten die vier Beatmusiker das 16 Meter lange Schwimmbad auf dem Dach des Hotels Bayerischer Hof, das extra für die Beatles reserviert und eigens für diesen Zweck mit neuem Wasser gefüllt worden war. Der einzige Schwimmer ist Paul, der sich mit einer geliehenen Badehose in die Fluten stürzt, während die drei anderen „kühles Nass aus Whiskeyflaschen“ vorziehen. 

    Fortsetzung folgt !


  • Rishikesh * George und Pattie Harrison sowie John und Cynthia Lennon reisen nach Rishikesh in Indien, um dort für drei Monate beim Maharishi „transzendale Meditation“ zu üben. 


  • München-Obergiesing * An der Martin- Luther-Straße 26 eröffnet McDonalds seine erste deutsche Filiale. Dass die US-amerikanische Fleischpflanzl-Braterei gerade in Giesing ihr erstes Lokal eröffnet, liegt an der Nähe des Stadions an der Grünwalder Straße und der leichten Erreichbarkeit mit dem Auto. Einen sicheren Kundenstamm hat man zudem mit den zahlreichen Amerikanern, die im Südosten Münchens ihre Militär- und Wohnanlagen unterhalten und in McDonalds ein Stück Zuhause vorfinden. Das anfängliche Angebot umfasst Hamburger, Cheeseburger, Pommes Frites, Cola, Limo und Kaffee. Ein Hamburger kostet 95 Pfennige. Die Käsescheiben werden noch mit der Hand vom Block geschnitten, die Kartoffeln für die Pommes ebenfalls von Hand geschält und geschnitten. Der schlagartig einsetzende Erfolg gibt den Marktstrategen mit ihrer Standortwahl Deutschland recht: Bereits im ersten Monat beträgt der Umsatz des Lokals 110.000 DMark. Diese typisch amerikanische Esskultur erfährt Ablehnung von konservativen wie auch linksintellektuellen Kreisen, die ihren emotionalen Anti-Amerikanismus an McDonalds festmachen. Die Firma wird als vermeintlich kurzlebige Modeerscheinung belächelt und als Unkultur verdammt.

  • München-Haidhausen * Mit der Eröffnung der „S-Bahn“ nimmt die neue Schalterhalle im „Ostbahnhof“ neben dem alten Bahnhofsgelände ihren Betrieb auf. 


  • Bonn * Nach dem Rücktritt von Willy Brandt wird Helmut Schmidt [SPD] zum 5. Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt.  

    Die größten Herausforderungen während seiner Amtszeit sind die weltweite Wirtschaftsrezession und die Ölkrisen der 1970er Jahre, die die Bundesrepublik unter seiner Führung besser überstand als die meisten anderen Industriestaaten. 


  • München-Kreuzviertel * Die „Gedenktafel“ für Kurt Eisner wird am Promenadeplatz, einige Meter vom Tatort entfernt, auf einer vorwiegend von Hundehaltern beachteten Fläche zwischen den Trambahngleisen und dem Bürgersteig, in den Rasen einzulassen und an diesem Tag enthüllt.

    Die Stelle wird von vielen als skandalös empfunden, da die „Gedenkplatte“ an dieser Stelle ganz stark an ein „Marterl“ für ein Unfallopfer der Straßenbahnlinie 19 erinnert.

    Die Inschrift der „Gedenkplatte“ lautet: „Zur Erinnerung an den Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, der am 21. Februar 1919 vor dem Montgelas-Palais ermordet wurde“.  

    Sie liegt bis zum 25. April 2005 an dieser Stelle. 


  • München-Theresienwiese * Freitag, 22:19 Uhr: Am Haupteingang der Wiesn explodiert ein Sprengsatz. 

    Der Feuerball unterbricht die ausgelassene Volksfeststimmung auf dem Oktoberfest und tötet 13 Menschen. 211 Personen werden verletzt, davon 68 schwer. 

    „Menschen wirbeln durch die Luft, Blut spritzt, zerfetzte Gliedmaßen, unglaubliche Schmerzen und verzweifelte Schreie, die nur die hörten, denen nicht gleich das Trommelfell platzte“.

    Einer der Toten ist der Geologiestudent Gundolf Köhler (21).

    Als die Rettungskräfte am Tatort eintreffen, finden sie in einem Umkreis von bis zu 23 Metern Verletzte und Tote verstreut auf der Straße liegen. 
    ​Die die Detonation begleitende Druckwelle ist gewaltig gewesen. 

    Noch in der Nacht stehen für die Bayerische Staatsregierung die Schuldigen fest:
    Die RAF und linke Terroristen müssen für das Massaker verantwortlich sein.

    Ministerpräsident Franz Josef Strauß steht mitten im Wahlkampf.
    Er will Helmut Schmidt (SPD) als Bundeskanzler ablösen und hat sich selbst als starker Law-and-Order-Mann positioniert.

    Nun sieht Franz Josef Strauß seine Stunde gekommen.
    Er greift Innenminister Gerhard Baum (FDP) an, der für den „Spiegel“ eine Diskussion mit dem RAF-Anwalt und Ex-Terroristen Horst Mahler geführt hat.

    Strauß machte Baum für das Attentat mitverantwortlich, weil er den Terrorismus quasi salonfähig gemacht hat.
    Strauß fordert, dass sofort Flugblätter produziert werden, die Baum im Gespräch mit Mahler zeigen.

    Doch die Attacke gegen Links wird sich bald als Bumerang erweisen. 

    Auf den Verdacht hin, dass es sich um einen Terrorakt handelte, leitet „Generalbundesanwalt“ Kurt Rebmann zusätzlich ein Ermittlungsverfahren gegen „Unbekannt“ ein. 
    Die Untersuchung liegt damit federführend beim Bund. 

    Nach intensiven Beratungen mit Politikern, dem Polizeipräsidenten und den Veranstaltern entscheidet Oberbürgermeister Erich Kiesl noch mitten in der Nacht, das Oktoberfest nicht abzubrechen, sondern nur einen Trauertag zu veranstalten. 
    Man wolle und dürfe sich dem Terror, gleich von welcher Seite, nicht beugen.  

    Bei dieser nicht unumstrittenen Entscheidung hat man auch das Beispiel der „XX. Olympischen Spiele“ in München vor Augen, die trotz eines Terroranschlages zu Ende geführt worden waren.


  • München * Im „Bauausschuss“ einigt man sich, den Entwurf der Münchner Künstlerin Erika Maria Lankes für ein „Kurt-Eisner-Denkmal“ zur Annahme zu empfehlen.

    Die prinzipiellen Bedenken gegen ein „Denkmal für einen Bürgerschreck“ sind in der Zwischenzeit offensichtlich überwunden.  

    Herausgekommen war ein für Bayern typischer politischer Kuhhandel: ein „ebenerdiges Bodendenkmal“, eine lebensgroße in Eisen gegossene Umrisszeichnung des erschossenen „Ministerpräsidenten“ auf dem Gehweg.

    Damals ist noch nichts von dem Hauptargument der Verhinderer der „Stolpersteine“ zu hören, dass „Antidemokraten und Faschisten“ ihre „Springerstiefeln“ an dem ermordeten jüdischen Sozialdemokraten abwischen könnten. 


  • München-Graggenau - München-Angerviertel * Im Valentin-Musäum wird wieder einmal der Blödsinnstaler für den größten Blödsinn des Jahres vergeben. Es ist der „Gebissersatz Marke Seehofer“ - ein Fleischwolf, der die Speisen so zerkleinert, dass sie auch ohne Zähne verspeist werden können. 


  • Karlsruhe * Die letzten Asservate des „Wiesn-Attentats“, wie Bombensplitter und Körperteile, die sich keinem Opfer zuweisen lassen, werden vernichtet. 

    Bei geklärten Fällen ist das gängige Praxis.


  • München-Ludwigsvorstadt * Die vom Stadtrat gebilligte „Mindestsanierung“ für das „Deutsche Theater“ soll 79,5 Millionen Euro kosten, inklusive Risikoreserve.

    Später wird das Budget wegen der Preisentwicklung auf 86 Millionen Euro aufgestockt.
    Bis zum Herbst 2011 soll alles fertig sein.


  • München-Theresienwiese * Die Wiesnbesucher verspeisen 111 Ochsen in der Ochsenbraterei.


  • München-Englischer Garten - Lehel * Das „Eisbach-Surfen“ auf der „stehenden Welle“ beim Eintritt des „Eisbachs“ an der Prinzregentenstraße in den „Englischen Garten“ ist offiziell erlaubt. 
    Das Baden ist dagegen verboten!

    Die Surfer reisen aus der ganzen Welt an.
    Und die Passanten können das ganze Jahr von der Brücke aus dem nassen Vergnügen zusehen.


  • Mount Hagen * In Mount Hagen in Papua Neu-Guinea wird die zwanzigjährige Leniata Kepari bei lebendigem Leib als „Hexe“ verbrannt.  

    Die junge Frau soll einen Knaben verhext haben.  
    Der Sechsjährige hat zuvor über Schmerzen in Magen und Brust geklagt und ist daraufhin in das Krankenhaus gebracht worden.  
    Am nächsten Tag stirbt er.  

    Die Männer ziehen die mutmaßliche „Hexe“ aus, foltern sie mit einer erhitzten Eisenstange, fesseln sie und übergießen sie mit Benzin.  
    Danach wird Kepari Leniata ins Feuer geworfen.  

    Sie verbrennt bei lebendigem Leib.  
    Bilder zeigen sie unter einem brennenden Lkw-Reifen, der offenbar noch auf sie geschmissen wurde.
    Sie selbst ist Mutter eines acht Monate alten Mädchens.  

    Polizisten und Feuerwehrleute schreiten nicht ein.  
    Angeblich lässt die Meute ihr Einschreiten nicht zu. 


  • München-Untergiesing * Die Bahn verspricht einen besseren Lärmschutz entlang der „Braunauer Eisenbahnbrücke“.

    Die Bauarbeiten können allerdings erst 2015 beginnen, da die Streckensperrung erst auf internationaler Ebene abgesprochen werden muss.


  • München * Nachdem das Bayerische Innenministerium im Herbst 2013 die Badeverordnung hat auslaufen lassen, endet in Bayern auch der darin enthaltene „Zwang zur Badekleidung“. Das Münchner Kreisverwaltungsreferat will das Nacktbaden in der Stadt auf insgesamt fünf Bereiche festschreiben. Das sind jene Orte, an denen der hüllenlose Bade- und Sonnengenuss auch bisher schon erlaubt war und deren Adressen sich seit Jahren in diversen Reiseführern wiederfinden.  

    Gerade die Nackerten im Englischen Garten sind - vor allem bei Besuchern aus Ländern, in denen solche textilfreien Zonen als „unsittlich“ gelten - eine bekannte Touristenattraktion. Und das sind die künftigen „Nackerten-Paradiese“:

    • Im Englischen Garten auf der Schönfeldwiese hinterm Haus der Kunst, innerhalb des Ovals der Reitbahn. Die sogenannte „Poebene“
    • In der Schwabinger Bucht, zwischen Sulzbrücke und Alte-Heide-Steg im nördlichen Teil des Englischen Gartens.
    • Am Ostufer der Isarinsel Oberföhring.
    • Bei Maria Einsiedel im westlichen Hochwasserbett der Isar.
    • An der Brudermühlbrücke im östlichen Hochwasserbett der Isar bis hinauf zur Braunauer Eisenbahnbrücke
    • Am Südufer des Feldmochinger Sees dürfen die Münchner auch künftig auf ihre Badekleidung verzichten. 
    • Und selbst am Flaucher, dem Nacktbadestrand Nummer Eins, an dem bisher - sehr zur Verwunderung der Stadtpolitiker - Textilzwang bestand, dürfen jetzt offiziell die letzten Hüllen fallen. 

  • München * Die Wiesnwirte beschließen in ihrer Sitzung, den neuen Betreiber des Marstall, Siegfried Able, nicht in ihrem Kreis aufzunehmen. Das Verhältnis der Wiesnwirte zu Able ist seit längerem angespannt, nachdem er bereits im November 2013 ein neues großes Zelt in Auftrag gegeben hat und sich nicht mehr auf sein bisheriges kleines Wiesnzelt Kalbskuchl beworben hat. Dieses Vorgehen führte zu dem Vorwurf, dass Able eindeutige Absprachen mit der Stadt getroffen hätte.  

    Noch mehr dürfte den Sprecher der Wiesnwirte, Toni Roiderer, und die anderen Festwirte ärgern, dass Siegfried Able für seinen Marstall eine abwechslungsreichere Speisenkarte wie in den anderen Zelten angekündigt hat.

    Erst nach dem Oktoberfest 2014 wollen die Wiesnwirte über die Aufnahme Ables in ihren Kreis endgültig beschließen. Dieser Zusammenschluss der Wiesnwirte ist allerdings keine offizielle Vereinigung, sondern lediglich eine privater Club, die sich seit etwa 40 Jahren um seine eigenen Interessen kümmert und diese nach Außen vertritt. 


  • München-Untergiesing * Die Arbeiten für den Lärmschutz entlang der „Braunauer Eisenbahnbrücke“ sollen beginnen.

    Die durch die Bauarbeiten verursachte Streckensperre muss zuvor erst auf internationaler Ebene abgesprochen werden.

© Rudolf Hartbrunner

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