Geschichte 19 - 199

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  • München * Die Brauereien stehen unangefochten an der Spitze der Münchner Wirtschaft.


  • München * In München treten „Volkssänger“ in etwa 80 „Singspielhallen“, Varietés“ und „Bierkellern“ auf.

    Insgesamt verfügt München etwa über 1.500 Gasthäuser.


  • Hackenviertel * Über eine Agentur in der Sendlinger Straße können Wirte „Singspielgruppen“ für 3 bis 5 Mark Tagesgage buchen.


  • München * Für Frauen im „Fernsprechdienst“ gelten folgende Einstellungsbedingungen: 

    • „Die Bewerberinnen - Mädchen oder kinderlose Witwen - müssen
    • zwischen 18 und 25 Jahre alt sein, 
    • eine gute häusliche Erziehung erhalten und
    • sich sittlich tadellos geführt haben,
    • von entstellenden Gebrechen frei und
    • körperlich vollkommen gesund sein,
    • namentlich ein gutes Seh- und Hörvermögen sowie
    • normale Atmungswerkzeuge besitzen und
    • nicht zu Ohrenleiden, Nervosität und Bleichsucht neigen.

    Zur Einstellung als Telegraphengehülfin ist im allgemeinen eine Körpergröße von mindestens 158 cm erforderlich.
    Die Bewerberinnen dürfen keine Schulden haben.
    Es können in der Regel nur solche Bewerberinnen angenommen werden, welche in dem Orte der Beschäftigung dauernd festen Familienanhalt durch nahe Verwandte haben und bei diesen wohnen.
    Ausnahmen hiervon unterliegen der Genehmigung der Ober-Postdirektion. [...]  

    Die Beschäftigung ist eine widerrufliche und gewährt keinen Anspruch auf Zulagen, Unterstützungen usw.
    Die Verheiratung hat den Verlust der Stelle zur Folge“
    .

    Neben den „günstigen Lohnkosten“ werden die Damen auch wegen ihrer - als „weibliche Sozialisation“ beschriebenen - geschlechtsspezifischen Eigenschaften wie „Einfühlungsvermögen“, „Aufmerksamkeit“, „Genauigkeit“, „Höflichkeit“, „Geduld“, einfach „die ausgleichenden und vermittelnden Qualitäten der Frau“, eingestellt.

    Gerade in der Anfangsphase des Vermittlungsdienstes müssen die Frauen die Pannen, Störungen und Kapazitätsprobleme der Technik mit ihrer „natürlichen Veranlagung“ ausgleichen.

    • Sie kommen meistens aus gutem Hause,
    • sind unverheiratet,
    • besitzen eine ordentliche Schulbildung - zum Teil sogar mit Fremdsprachenkenntnissen - und
    • verfügen über einen einwandfreien Leumund.

    Mit diesen Voraussetzungen garantieren sie ein adäquates Benehmen im Umgang mit den „sozial hochgestellten Telefonabonnenten“.

    Aus einer Vielzahl von Bewerberinnen können die bestqualifiziertesten Frauen ausgewählt werden, die aufgrund ihrer Vorbildung, Sozialisation und Jugend als hoch motivierte Arbeitskräfte mit wenig anderen Berufs- oder Aufstiegschancen anerkannt sind.

    Die jungen Damen haben eine Aufnahmeprüfung in Rechnen, Geographie und Aufsatz zu absolvieren.
    Nach einer halbjährigen Probezeit müssen sie eine mündliche Prüfung ablegen und praktisch beweisen, dass sie Telefon- und Telegrafenapparate bedienen können.

    Die Tätigkeit in der Telefonvermittlung wird jetzt als dauerhafte Beschäftigung für Frauen verstanden.

    Wie schwer der Beruf der Telefonistin war, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, beispielsweise von der Größe der Stadt und der Art der Vermittlungsstelle.

    Die Arbeit einer Ortsvermittlungskraft gilt als monoton und - darüber sind sich die Arbeitsmediziner einig - stellt hohe Anforderungen an das Nervensystem.
    „Eine über mehrere Jahre tätige Telephonistin musste einfach hysterisch werden“.

    Die wöchentliche Arbeitszeit schwankt - je nach Schwere des Dienstes - zwischen 42 und 48 Stunden und

    • nur jeder dritte Sonntag ist frei.
    • Die Dienstschicht dauert elf Stunden;
    • Urlaub gibt es keinen.

    Der Durchschnittsverdienst einer Telefonvermittlungskraft liegt etwas über dem von weiblichen Kaufhausangestellten und etwas unterhalb der Einkünfte von Lehrerinnen.
    Nur einzelne Kräfte können zur Aufsicht aufrücken.

    Während des Dienstes ist das Tragen einer einheitlichen Dienstbluse aus dunkelblauem Stoff vorgeschrieben, da man befürchtet, dass „bei der Eigenart der weiblichen Natur nur zu leicht ein gegenseitiges Überbieten in der äußeren Erscheinung Platz greifen würde“


  • Englischer Garten * Die „Ringbahn“ um den Münchner Norden wird gebaut.

    Das „Obersthofmeisteramt“ hatte sich lange Zeit den Planungen widersetzt, da diese Bahnstrecke die „Hofjagd“ stark beeinträchtigen würde.


  • Bogenhausen * Das „Betz‘sche Wirtshaus“ in Bogenhausen wird als repräsentative Gaststätte neu gebaut.

    In ihr gibt es die „Millionärs-Trinkstube“, in der sich unter anderen die „Heiligen Drei Könige von Bogenhausen“ treffen: Selmayr, Kaffl und der Wirt Betz.


  • Bayern * Die Anbaufläche für „Baierwein“ ist auf 50 Hektar geschrumpft.


  • Berlin - München * Das „Bürgerliche Gesetzbuch - BGB“ tritt inkraft und schließt eine „Neubegründung von Herbergen“ künftig aus.


  • München * Rund 12.000 Anwesen und damit 78 Prozent der Einwohner sind an das Abwassersystem angeschlossen.

    Die Abwasserrohre münden allerdings noch direkt in die Isar.


  • München * Der durchschnittliche Stundenlohn für eine „Speisträgerin“, ein „Mörtelweib“, liegt bei 22 Pfennige. Ein männlicher „Mörtelträger“ erhält für die gleiche Arbeit 50 Pfennige in der Stunde. Die „Mörtelweiber“ arbeiten im Akkord und bilden zu je Zweien eine „Partie“, die in einer Trage den „Mörtel“, auch „Speis“ genannt, zu den Maurern hinaufbringen. Besonders in den Bauboom-Jahren vor der Jahrhundertwende sind die „Mörtelweiber“ in ihren dicken, unförmigen und langen Röcken, ihren kalkzerfressenen Blusen und den straff gebundenen Kopftüchern, aus dem Münchner Stadtbild nicht wegzudenken. Den robusten und anspruchslosen Frauen und Mädchen, die für „Hungerlöhne“ Fronarbeit leisten, ist der Aufbau Münchens in der „Gründerzeit“ zu verdanken. Der Arbeitstag dieser Frauen begann um sechs Uhr früh; dabei befand sich die Baustelle oft in der entgegengesetzten Richtung, irgendwo in Schwabing oder in Nymphenburg, was erstmals einen - zum Teil - mehrstündigen Fußmarsch - schon vor Arbeitsbeginn - bedeutet. Zur Brotzeit „gönnt“ man sich eine Halbe Bier, ein paar „Maurerloabe und einige Radi“. Mittags gibts einen Krug Bier, mehrere Scheiben Brot und „ein Fünftel warmen Leberkäs’ minderer Sorte“. Das „Nachtessen“ besteht aus Bergen von gerösteten Kartoffeln mit Zwiebeln.


  • München * Der „Verein der Brauereibesitzer in München“ nennt sich in „Verein Münchner Brauereien“ um.


  • Bogenhausen * Das Bogenhausener Schulhaus am Kirchplatz 3 erhält einen Anbau, womit - vorübergehend - eine spürbare Verbesserung der Zustände eintritt.


  • Englischer Garten - Hirschau * Die 2.000. Lokomotive verlässt das „Maffei‘sche Werk“ und wird an die „Kgl. Bay. Staatsbahn“ geliefert.


  • Haidhausen * An der Orleansstraße wird eine Notkirche für die „Wolfgangskirche“ errichtet. 


  • Maxvorstadt * Das Wohn- und Geschäftshaus in der Richard-Wagner-Straße 27 ist bezugsfertig.

    Sein Eigentümer, Clemens Schuster, betreibt im Erdgeschoss sein „Geschäft für Polsterei, Tapeten und Linoleum“.


  • Paris - Haidhausen * Franz Stuck erhält auf der in Paris stattfindenden „Weltausstellung“ eine Goldmedaille für die Möbel im Empfangszimmer der „Villa Stuck“


  • Schwabing * Josef „Beppo“ Benz „erheiratet“ das Haus an der Leopoldstraße 50, in dem sich eine gutbürgerliche Gaststätte befindet.

    Die „Benz-Kleinkunstbühne“ wird bald zum Stammlokal von Ludwig Thoma, Ignatius Taschner, Albert Langen, Ferdinand von Reznicek, Rudolf Wilke und Dr. Georg Hirth. 


  • Schwabing * Das Haus Georgenstraße 8 wird nach dem Entwurf von Josef Hoelzle vollständig umgebaut.

    Das palastähnliche Bauwerk im „Wiener Ringstraßen-Stil“ wird dem „päpstlichen Nuntius“ Eugenio Pacelli als Residenz angeboten. Eine Kapelle befindet sich im Osttrakt des Bauwerks.


  • Maxvorstadt * Der „Installationsgeschäftsinhaber“ Otto Bohner lässt sich von Leonhard Romeis in der Richard-Wagner-Straße 16 und 18 ein Wohn- und Geschäftshaus erbauen.


  • Ludwigsvorstadt * Die „Spatenbrauerei“ wird Teilhaber am „Deutschen Theater“


  • München - Haidhausen - Perlach * Es gibt nur eine einzige evangelische Gemeinde in München.

    Danach wird für alle östlich der Isar gelegenen Stadtteile die Kirchengemeinde „St. Johannes“, mit der „Notkirche“ in der Haidhauser Preysingstraße, gebildet.

    Auch in Perlach gibt es viele evangelische „Linksrheiner“; doch diese gehören damals noch nicht in den Burgfrieden Münchens.


  • München * Die Fußball-Abteilung des „FC Bayern München“ wird gegründet.

    Während sich innerhalb des „Turnvereins München von 1860“ - wie er damals noch hieß - eine eigene Fußballriege herausbilden kann, die den aus England kommenden „Association Football“ pflegen, ist die Geburt des „Fußballclubs Bayern München“ etwas komplizierter.
    Zwar entstammen die Fußballer dem „Männerturnverein von 1879 - MTV“, der sich schon sehr früh dieser Sportart geöffnet hat und die Spiel- und Trainingsmöglichkeiten fördert.

    Zur Abspaltung der Fußball-Abteilung vom „MTV 1879“ kommt es aber, nachdem sich die „Deutsche Turnerschaft“ gegen diese ausländische „Kampfsportart“ ausspricht, eine Doppelmitgliedschaft im „Verband Süddeutscher Fußballvereine“ ablehnt und dem „Männerturnverein von 1879“ eine solche untersagt.
    Daraufhin treten die Fußballer aus ihrem bisherigen Verein aus und gründen den „Fußballclub Bayern München“, der die Landesfarben weiß-blau als Clubfarben übernimmt.


  • Hackenviertel * Als der Wiener Gemeinderat Lucian Brunner im Münchner „Kreuzbräu“ im Auftrag des Historikers und Pazifisten Ludwig Quidde für den liberalen „Demokratischen Verein“ einen Vortrag halten soll, kommt es durch Parteigänger der „Christlich-Sozialen-Vereinigung“ zu Ruhestörungen und einer Massenschlägerei.

    Als Quidde das Rednerpult betritt, „ging ein wütendes Gejohle und Gepfeife an, unterbrochen von Rufen: [...] „Raus mit dem Juden".

    Am Veranstaltungslokal bringen die Antisemiten ein Plakat mit folgender Aufschrift an: „Hier werden wegen Kohlemangels Juden verbrannt“.


  • München * In München wird der „Goethe-Bund zum Schutze freier Kunst und Wissenschaft“ gegründet.

    Ihm gehören unter anderen an: Paul Heyse, Max Halbe, Georg Hirth, Friedrich August von Kaulbach, Otto Falckenberg, Franz von Lenbach, aber auch der „Volkssänger“ Jakob Geis angehört.  

    Zweck ist es, „Angriffen auf die freie Entwicklung des geistigen Lebens, insbesondere von Wissenschaft, Kunst und Literatur gemeinsam entgegenzutreten“


  • Bogenhausen - Haidhausen * Der „Firma Heilmann und Littmann“ wird die Bauausführung für das neue „Festspielhaus“ am Prinzregentenplatz übertragen.


  • Bogenhausen - Haidhausen * Die „Firma Heilmann und Littmann“ beginnt mit den Erdaushubarbeiten für das neue „Festspielhaus“ am Prinzregentenplatz.


  • Bogenhausen * Zunächst verkauft Graf Maximilian Joseph von Montgelas gleichnamiger Sohn seine Bogenhausener Besitzungen an Herzog Max in Bayern.

    Über dessen Erben geht das Bauerwartungsland an die „Terrain-Aktiengesellschaft Herzogpark München-Gern“ von Jakob Heilmann und Max Littmann.
    Unter der Bezeichnung „Herzogpark“ wird es mit Villen für betuchte Münchner Bürger bebaut.


  • Hildesheim * Mit der Technik der „Strowger Automatic Telephone Exchange Company“ kann die „Reichstelephonverwaltung“ eine Versuchsvermittlungsstelle in Hildesheim für 400 Teilnehmer in Betrieb nehmen. 

    Diese ist jedoch noch ohne Verbindung zum öffentlichen Netz. 


  • Untergiesing * Der Bauplatz für das „Marianum für Arbeiterinnen e.V.“ an der Humboldtstraße 2 wird erworben und der Bau im Folgejahr fertiggestellt.

    Es dient Waisenkindern und behinderten Jugendlichen als Heim und Arbeitsstätte.

    Die Kosten für das Gebäude und den Bauplatz belaufen sich auf 270.000 Mark.
    Mehrere Lotterien unterstützten die Finanzierung der Sozialeinrichtung.
    Selbst eine „Amateur-Kunstausstellung“ sorgt für Geld in der Kasse.


  • München * Die „Augsburger Abendzeitung“ meldet, dass König Otto I. an „Blasenkrebs“ leidet.

    Die Meldung basiert auf Gerüchte. 


  • München * Der russische Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin trifft während seiner Emigration in München ein.

    Er lebt hier illegal unter dem Namen Meyer.


  • Berlin * Das Kuppelei-Gesetz „Lex Heinze“ tritt in abgeschwächter Form in Kraft. 


  • Bremerhaven * Kaiser Wilhelm II. hält in Bremerhaven seine berühmt-berüchtigte „Hunnenrede“.  

    Anlässlich der Verabschiedung des deutschen „Ostasiatischen Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstandes im Kaiserreich China“ spricht der Kaiser die Worte:

    „Pardon wird nicht gegeben!
    Gefangene werden nicht gemacht!“

    „Wie vor tausend Jahren die Hunnen [...] sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bestätigt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen“


  • Theresienwiese * Die „Pschorr-Alm“ befindet sich auf dem Budenplatz Nr. 19.


  • Graggenau * Die Familie Feuchtwanger zieht an die Galeriestraße 15 um. 


  • Au * In den aufgelassenen Räumen der „München-Dachauer-Aktiengesellschaft für Maschinenpapierfabrikation“, am Kegelhof 3 in der Au, wird das „Museum für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen“ eröffnet.

    Es ist das erste Museum dieser Art im deutschsprachigen Raum.


  • Obergiesing * Der „Ostfriedhof” wird eingeweiht.  

    Die Baukosten betragen 1.052.510 Mark und sind für damalige Verhältnisse sehr hoch.  

    Die Gräberanlagen werden nach Bedarf angelegt und deren Ausführung erst im Jahr 1912 abgeschlossen.  
    Der 28,43 Hektar große Friedhof wird dann Platz für 34.300 Gräber bieten.  

    Zum ersten Mal in Deutschland werden die „Grabdenkmäler“ und die „Grabbepflanzung“ einem strengen Reglement unterworfen, das gleichzeitig mit der Eröffnung des Friedhofs in Kraft tritt.  
    Der Architekt will dadurch die Gräber einer Sektion in einem Typus halten und die „Gleichheit der Menschen vor dem Tod“ auf dem Friedhof nicht durch prunkvollen und teuren Grabschmuck durchbrechen.  
    Seine Vorbilder sind die Friedhöfe von Glaubensgemeinschaften älterer Zeit und noch intakte Dorffriedhöfe in Oberbayern und Tirol.  

    Ein Zugeständnis an die bürgerliche Oberschicht Münchens schafft der Architekt Hans Grässel allerdings mit den „Gruftarkaden“ in den „Umfassungsmauern“ als traditionelle „Grabplätze für das reiche Bürgertum“.  
    Interessenten wird allerdings zur Verpflichtung gemacht, „den Grabplatz, sei es durch Aufführung einer Kapelle, sei es durch eine sonstige offene, den ästhetischen Anforderungen entsprechende Überdachung, abzudecken“, um eine einheitliche architektonische Wirkung zu erzielen.  
    Die Pläne mussten zur Baugenehmigung vorgelegt werden. 


  • Bogenhausen - Haidhausen * Mit einem gewaltigen Personaleinsatz von fünfhundert Arbeitern kann - trotz aller Widrigkeiten - der Rohbau für das neue „Festspielhaus“ am Prinzregentenplatz mit der „Hebefeier“ abgeschlossen werden.


  • Bayern * Das Königreich Bayern hat 6.176.057 Einwohner.


  • Maxvorstadt * Leonhard Romeis erhält in einer „Qualifikationsliste“ der Lehrer der „Kunstgewerbeschule“ in den Kategorien „Fleiß und Eifer“, „Lehr- und Erziehungsgabe“ und „Gesamtqualifikation“ jeweils das Prädikat „sehr gut“ ausgesprochen.


  • Hackenviertel * Für besonderes Aufsehen sorgen die in den Jahren 1901/02 im „Internationalen Handels-Panoptikum“ abgehaltenen „Damenringkämpfe“.


  • Haidhausen * Der „Salzburger Hof“ an der Rosenheimer Straße 1 kommt in den Besitz der Aktienbrauerei zum Eberl-Faber.


  • Maxvorstadt * Das „Panorama“ an der Theresienstraße 78 wird abgerissen.


  • Englischer Garten - Hirschau * Das „Wasser- und Dampfkraftwerk der Maffei-Eisenwerke“ wird erweitert.

    Dazu werden die das Fabrikgelände durchziehenden Wasserläufe zum „Eisbach“ vereinigt.
    In der neuen Kraftzentrale kommen drei „Francis-Turbinen“ mit einer Leistung von 1.000 PS zum Einsatz. 


  • Untergiesing * Durch den Neubau des „Marianums für Arbeiterinnen e.V.“ an der Humboldtstraße 2 kann die Zahl der aufzunehmenden Mädchen verdoppelt werden.

    Die Zahl der ständigen Heimbewohner wächst auf 43, wovon die Hälfte körperliche Gebrechen hat.

    Gearbeitet wird im „Nähsaal“, im „Goldsticksaal“, im „Weißsticksaal“, im „Blumenbindesaal“ oder in Einrichtungen zum „Wäschewaschen“ und „Feinbügeln“.

    Mehrfach betonten die Geschäftsberichte, dass die Tage, „für welche Herr Reichsrat Freiherr von Cramer-Klett Chokolade mit Kuchen stiftete, freudig begrüßt waren“.


  • Maxvorstadt * Die „weibliche Abteilung der Kunstgewerbeschule“ erhält in der Richard-Wagner-Straße 10 eine neue Unterkunft.

    157 „Schülerinnen“ nehmen am Unterricht teil. Der Architekt ist Leonhard Romeis.


  • Haidhausen * Der aufwändige, mit romanischen und gotischen Ornamenten geschmückte Schalenbrunnen aus dem „Münchner Glaspalast“ wird vor dem „Ostbahnhof“ aufgebaut. 


  • Au * Nach einer vierjährigen Odyssee durch die verschiedensten Wirtshäuser des Münchner Ostens gelingt es dem „Arbeiter-Turn-Verein München-Ost“ schließlich, im „Schleibinger Keller“ am Rosenheimer Berg, einen „großen Saal mit einem schönen Spielplatz“ anzumieten. 


  • Maxvorstadt * Zwischen 1901 und 1914 ist in dem Haus an der Richard-Wagner-Straße 27 das „Restaurant Richard Wagner“ untergebracht.


  • Untergiesing * Die „Baumschule Bischweiler“ wird vom damaligen „Stadtgartendirektor“ Jakob Heiler als Teil der „Frühlingsanlagen“ geplant.

    Ihren Namen hat die „Baumschule“ von der „Bischweilerstraße“ erhalten, die einst dort entlang führte. Die „Gartenanlage“ hat in ihrer Grundstruktur und ihrem Wegenetz die Zeiten überdauert.
    Heute kultiviert das „Baureferat“ dort die „Ziergehölze“ für die städtischen Beete.

    Doch trotz ihrer eher technokratischen Aufgabenstellung ist sie nicht nur eine „Baumschule“.

    In „Themengärten“ lassen sich Blumen und Pflanzen mit allen Sinnen erleben.
    Die „Stadtgärtner“ legten hier einen „Rosen- und Duftgarten“ an. Diese werden ergänzt durch einen „Tast-, Flieder- und Giftpflanzengarten“.

    Die „städtische Baumschule“ ist auf „Zier- und Klettergehölze“ spezialisiert.
    Über sechzig verschiedene Pflanzenarten und Sorten gibt es zu sehen.
    Sie bestechen durch auffällige Blüten, Früchte und Farben.

    Alle Pflanzen sind beschildert, sodass sich die Gartenfreunde Anregungen für ihren Garten holen können.


  • Haidhausen * Valentin Ludwig Fey arbeitet wieder als Geselle beim Schreinermeister Johann Hallhuber.

    Diesem entwendet er einen Nagel, „schlug ihn in die Wand und hing an demselben das goldene Handwerk der Schreiner für immer auf“.


  • Isarvorstadt - Museuminsel * Münchner Bürger beabsichtigen die Gründung eines „Brockenhaus-Vereins“.

    Da man anfangs jedoch gegenüber dem Projekt finanzielle Bedenken äußerte, übernahm zunächst Kommerzienrat Kaspar Baerwindt das geschäftliche Risiko der karitativen Einrichtung als persönlich Haftender.

    Die Stadt München stellt Räumlichkeiten auf der „Kohleninsel“ zur Verfügung.


  • Untergiesing * Eine „Herakles & Antäos-Gruppe“ wird von der Stadt München „für die städtischen Grünanlagen am rechten Isarufer“ erworben und auf einem eigens dafür angefertigten Sockel auf dem „Schyrenplatz“ aufgestellt.

    Die grimmige „Catcher-Gruppe“ stellt eine Begebenheit aus der griechischen Mythologie dar.
    „Antäos“, ein libyscher Gigant, war der Sohn des Meeresgottes „Poseidon“ und der Erdgöttin „Ge“.

    Da er seine Kraft durch die Berührung mit seiner Mutter, der Erde, erhielt und ständig erneuerte, besiegte er seine Gegner regelmäßig, um anschließend die Schädel seiner Opfer als „Dachziegel“ für den Tempel seines Vaters zu verwenden.

    Als er „Herakles“, den Sohn des „Zeus“ und der „Alkmene“, zum Ringkampf zwang, nahm dieser dem Giganten die Kraft, indem er ihn hochhob und in der Luft so lange quetschte, bis die Knochen des „Antäos“ brachen und dieser schließlich daran starb.

    Thematisch ergibt sich ein Zusammenhang durch die Nutzung von Platz und Gebäude für sportliche Zwecke.
    Der Standort der Gruppe hat sich seit dem Tag der Aufstellung nicht mehr verändert.


  • Au * Die Gebäude des „Bezirksamtes am Lilienberg“ werden renoviert.


  • Oberföhring * Der „Oberföhringer Bürgermeister und Ziegeleibesitzer“ Fritz Meyer antwortet dem „Bezirksamt“ auf detaillierte Beanstandungen folgendermaßen:

    „Für unsere italienischen Arbeiter [...], die sich vom frühen Morgen bis zum Eintritt der Dämmerung im Freien aufhalten und bei Eintritt der rauheren Jahreszeit wieder in ihre Heimat reisen, genügen die Dachschlafräume in den Trockenstädeln vollkommen. 

    Sie sind leicht ventilierbar und gegen Zugluft abgesperrt und wenn in denselben noch für genügend Abstand der Bettstellen, für mehr Licht, Ordnung und Reinlichkeit gesorgt wird, dann sind sie sogar gesund zu nennen.
    Auf alle Fälle sind sie viel gesünder als die Schlafstätten der meisten Arbeiter in München“

    Die Auflage nach stabil gebauten „Toiletten“ nannte er „sehr wohl gemeint, praktisch aber wirkungslos“, denn, so der „Ziegeleibesitzer“ weiter, „der Italiener kennt am Haus keinen Sitzabort und geht auch bei uns nur ungern in einen solchen und wenn er nicht in nächster Nähe ist, gar nicht, und die für unsere Landwirtschaft so wertvollen Fäkalien gehen verloren“.


  • Englischer Garten - Hirschau * Das „Maffei'sche Eisenwerk“ in der „Hirschau“ erhält einen vom Prinzregenten Luitpold genehmigten Gleisanschluss zum „Schwabinger Güterbahnhof“

    Bis dahin mussten über 2.000 Lokomotiven auf Straßenfahrzeuge verladen werden.
    Anfangs wurden die Maschinen von vielen Pferden, später von einer „Lokomobile“ durch die ganze Stadt zur „Zentralwerkstätte der Eisenbahn“ gezogen und dort mit den separat transportierten Radsätzen erneut zusammengebaut.


  • Englischer Garten - Hirschau * Der Pächter des Ausflugslokals in der „Hirschau“ beantragt „einen Umbau vornehmen zu dürfen, da das Gastlokal zwar bis zum vorigen Jahr genügte, jetzt aber der Andrang zu dem Mittagstische so groß wird, besonders seitens der Arbeiter der Maffei'schen Fabrik, daß sich der Raum als unzureichend erweist“.


  • Bogenhausen * Die „Max-Joseph-Brücke“, Bogenhausens fünfte Brücke, entsteht.

    Sie hält bis zum heuten Tag.


  • Bogenhausen - Haidhausen * Die „Actien-Ziegelei München“ beteiligt sich mit 130.000 Goldmark an der für den Bau des „Prinzregententheaters“ zuständigen Gesellschaft.


  • Kreuzviertel * Das „Hotel Oberpollinger“ wird an ein Textilunternehmen verkauft. 


  • Nymphenburg * Die „Eisenbeton-Bahn“ im „Nymphenburger Volksgarten“ wird wieder geschlossen.


  • Bogenhausen - Haidhausen * Beginn der „Stuckarbeiten“ für das neue „Festspielhaus“ am Prinzregentenplatz, die bereits Mitte April vollendet sind.


  • London * Nach dem Tod von Queen Victoria besteigt Edward VII. in London den britischen Königsthron. 


  • München * Max von Pettenkofer stirbt in München. 


  • Isarvorstadt - Untergiesing * Der Münchner Magistrat beschließt, den gesamten Isarbereich neu zu fassen und dabei die Brücken aus Stein zu erbauen.

    Als achte und vorläufig letzte Brücke soll „an Stelle der eisernen Wittelsbacherbrücke durch die Fa. Sager & Woerner eine massive Brücke mit einem Bogen über die große Isar, vier Bogen über die kleine Isar, sämtliche sichtbaren Bauteile in Stampfbeton mit Muschelkalkverkleidung, mit einer lichten Breite von 20 Metern erbaut werden“.


  • Geisenhofen * Der „Räuber“ Mathias Kneißl wird von einem aus 100 Mann bestehenden Polizeiaufgebot aufgespürt, niedergeschossen und gefangen genommen.

    Weil die Todesstrafe nur an gesunden Personen vollzogen werden darf, lästern die Bayern: „An Kneißl Hias hams zerst zuagricht, dann hamsn hergricht und erst dann hamsn higricht“.


  • Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ finden „Elite- oder Separatvorstellungen“ nur für männliche Personen und Mitglieder wissenschaftlicher Vereine unter dem Titel „20 schöne Mädchen“ statt.


  • München * Der „Civilingenieur“ Karl Müller wird in den Adelsstand erhoben. 

    Er nennt sich jetzt Ritter Karl von Müller.


  • Maxvorstadt * „Die Elf Scharfrichter“ eröffnen ihre Bühne in der Türkenstraße 28. 


  • Haidhausen * Erstmals dürfen sich die Bürger Münchens in die Fluten des „Müller‘schen Volksbades“ stürzen.


  • Haidhausen * In Haidhausen gibt es vier evangelische Knaben- und fünf evangelische Mädchenklassen. 

    Da aber die protestantischen Klassen in der Unterbringung gegenüber den katholischen Klassen wesentlich benachteiligt sind, fordert der „evangelische Kirchenbauverein“ die „Erbauung eines evangelischen Schulhauses in Haidhausen“


  • Berlin * Das „Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der Literatur und Tonkunst“ wird verabschiedet.


  • Haidhausen * Die „Lokalschulkommission“ entspricht dem Antrag des „evangelischen Kirchenbauvereins“ auf Errichtung einer„evangelischen Schule“ in Haidhausen. 


  • Bayreuth - Bogenhausen - Haidhausen * Cosima Wagner ist der zügig fortschreitende Baufortgang des „Prinzregenten-Theaters" ungeheuer.

    Protestierend legt sie „vor Gott und den Menschen“ einen schriftlichen Eid ab, in dem sie betont, dass es „des Meisters endgültiger Wille“ gewesen sei, dass „sein Theater einzig in Bayreuth stehe“.


  • Haidhausen * Der im Jahr 1879 demontierte „Glaspalastbrunnen“ wird vor dem „Ostbahnhof“ neu aufgestellt und in Betrieb genommen.


  • Bogenhausen - Haidhausen * Der fast 80-jährige Prinzregent Luitpold besucht erstmals das seinen Namen tragende Theater.

    „Von der Galerie über der Haupteinfahrt tönten während der Auffahrt Fanfaren und der Einzug der Götter in Walhall aus Rheingold“.
    „Generalintendant“
    Ernst von Possart hält eine Ansprache und der Prinzregent dankt ihm mit der Verleihung eines Ordens.


  • Bogenhausen - Haidhausen * Erstmals kann die Öffentlichkeit das neue „Prinzregententheater“ am Prinzregentenplatz besichtigen.


  • Bogenhausen - Haidhausen * Auf der Bühne des neuen „Festspielhauses“ am Prinzregentenplatz beginnt der Probenbetrieb für die „Festspiele“.


  • Bogenhausen - Haidhausen * Die gesamte Münchner Prominenz erscheint in feierlicher Garderobe zum „Eröffnungs-Festakt“ des neuen „Prinzregententheaters“.

    Die Besucher erhalten „eine mit vielen Illustrationen geschmückte prächtige Festschrift, den Damen spendet die aufmerksame und galante Intendanz reizende Bouquets mit Bandschleifen in den bayerischen Farben“.
    Danach werden sie mit den Klängen der Aufführung der „Meistersinger von Nürnberg“ verwöhnt.

    Der einheitliche Eintrittspreis für den Theaterbesuch beträgt 20 Mark.
    Das entspricht dem durchschnittlichen Wochenlohn eines Arbeiters.


  • Bogenhausen - Haidhausen * Die „Süddeutsche Bauzeitung“ schreibt über das „Prinzregenten-Theater“:

    „Das Amphitheater des Prinzregenten-Festspielhauses umfaßt 1.028 Plätze gegen 1.345 des gleich großen Bayreuther Hauses. [...]
    Die Begeisterung für den hohen Kunstgenuß kann nur bis zu einer gewissen Grenze über die Unbilden eines Martersitzes nach dem Bayreuther Muster hinwegtäuschen und die Durchschnittskorpulenz jener Gesellschaftsklassen, welche sich zur Ausgabe von M. 20 für die Karte und M. 30 für ein Zimmer versteigen können, erfordert gewisse Rücksichtnahmen“
    .


  • Theresienwiese * Das „Bräurosl-Festzelt“ wird mit elektrischen Glühbirnen beleuchtet.

    Die vom preußischen „Hofmaler“ Schultheiss gemalte „Bräurosl“ ziert die ehemalige „Pschorr-Alm“.

    Es soll sich um die Brauertochter Rosl Pschorr handeln, die jeden Abend ihre Runden auf einem Bräuross drehend eine Mass Bier geleert haben soll. Ob‘s wahr ist?


  • Theresienwiese * Das „Schottenhamel-Festzelt“ wird mit elektrischen Bogenlampen beleuchtet, was die Gäste „zu Begeisterungsstürmen hinreißt“.


  • Theresienwiese * In der „Ochsenbraterei“ wird der 200. Ochse gebraten.


  • Theresienwiese * Carl Gabriel präsentiert auf dem „Oktoberfest“ mit dem „Beduinen-Lager“ erstmals eine seiner berühmten „Völkerschauen“.

    Auf einem 7.500 qm großen „Karawanenplatz“ baut er ein „Beduinendorf“ auf und bietet damit seinen Besuchern neben speziellen Darbietungen aus einem Rahmenprogramm auch Einblicke in das Alltagsleben dieses „fremdartigen Volksstammes“.


  • Angerviertel * Das ehemalige „Frauenhaus“ (Stadtbordell) wird abgerissen.

    An seiner Stelle entsteht der Bau der „Städtischen Hauptfeuerwache“.


  • Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ in der Neuhauser Straße 1 bricht im 4. Stock ein Brand aus.

    Die städtische Feuerwehr schließt daraufhin seine Pforten.


  • Berlin * Gründung der „Anstalt für musikalisches Aufteilungsrecht“.


  • Maxvorstadt * „Kommerzienrat“ Emil Zeckendorf lässt das Anwesen Richard-Wagner-Straße 11 durch Leonhard Romeis bebauen.

    Der Mitbegründer der „Getreidegroßhandlung Bauer & Zeckendorf“ bewohnt mit seiner Frau, zwei Kindern und zwei weiblichen Dienstboten das Erdgeschoss und das „Piano Nobile“.

    Im 2. Stock lebt der „Kaufmann“ Markus Cohen mit fünf Personen, darunter ein Dienstmädchen.


  • Kreuzviertel * Die ältesten Münchner Filmaufnahmen entstehen.

    Sie zeigen die Fahrt einer „Pferdetrambahn“ am Promenadeplatz und am Maximiliansplatz.


  • Maxvorstadt * Leonhard Romeis baut für den „Rentier“ und „Kommerzienrat“ Adolph Brougier das Miethaus in der Richard-Wagner-Straße 3.

    Auf fünf Etagen sind neun Wohnungen untergebracht, in denen 49 Menschen, darunter zwölf weibliche Dienstboten, leben.


  • Maxvorstadt * Architekt Leonhard Romeis errichtet für den „Schankwirt“ Heinrich Nöhbauer das Anwesen Richard-Wagner-Straße 5.

    Auf fünf Stockwerken befindet sich je eine Wohnung.


  • Maxvorstadt * Leonhard Romeis bebaut für den „Ingenieur“ Karl Wildt das Anwesen Richard-Wagner-Straße 9.


  • Haidhausen * Die „Unionsbrauerei“ in Haidhausen beschäftigt 168 männliche und 5 weibliche Kräfte.


  • Haidhausen * Protestantischen Klassen werden in die „Wörthschule“ verlegt und dafür kleinere katholische Klassen der „Wörthschule“ in den von den evangelischen Kindern verlassenen Schulräumen an der Kirchenstraße übersiedelt. 


  • München * Fritz Gerlich wird Mitglied in der „Nationalsozialistischen Partei“ und ist längere Zeit ehrenamtlich als Sekretär des „Liberalen Arbeitervereins München“ tätig.


  • Leipzig * Der „Publizist“ Theodor Fritsch, der seine politischen Aktivitäten auf den Mittelstand konzentriert, gibt die Zeitschrift „Hammer, Blätter für deutschen Sinn“ heraus.

    Schon 1887 hatte er einen „Antisemiten-Katechismus“ verfasst, der anno 1907 neu überarbeitet unter dem Titel „Handbuch der Judenfrage“ neu erschienen war.

    Sein Leipziger „Hammerverlag“ verlegt nicht nur zahlreiche völkische Bücher und Zeitschriften, wie die „Antisemitische Correspondenz“, die „Deutschsozialen Blätter“ sowie den bereits erwähnten „Hammer, Blätter für deutschen Sinn“, sondern auch den „Deutschen Müller“, eine damals bekannte Wirtschaftszeitung.

    Schon vor dem Ersten Weltkrieg erzielen die Produkte des „Hammerverlags“ Aufmerksamkeit und hohe Auflagen.


  • Au *Der „Konsumverein München von 1864“ erwirbt ein Grundstück mit Bahnanschluss zum Ostbahnhof an der Auerfeldstraße und bringt dort zunächst einen geräumigen Holz- und Kohlenhof unter. 

    Später siedelt sich hier die ganze Zentrale an.

    Bis dahin war der Verein in der Au überhaupt nicht vertreten. 


  • Au * Karl Valentin beginnt mit dem Bau eines gigantischen, über 300 kg schweren Musikapparats, dem „Orchestrion“, das aus mehr als 20 Musikinstrumenten besteht.


  • Oberföhring * Ein Arbeitsvertrag der „Ziegelei Grimmeisen“ in Oberföhring legt die tägliche Arbeitszeit in den Monaten Mai mit August zwischen „4 Uhr früh und 9 Uhr abends“ fest.


  • Bogenhausen * Der Professor, Architekt und Bauunternehmer Max Littmann baut für sich und seine Familie in der Höchlstraße 2 die „Villa Lindenhof“.


  • Lehel - Kohleninsel * Auf dem nördlichen Teil der „Kohleninsel“ findet der Vergnügungsteil der „Auer Dult“ statt.

    Gegenüber dem „Münchner Arbeitsamt“ war ein Karussell und das „Schichtl-Varieté“ aufgestellt worden. Durch ihre Musik fühlten sich besonders die Arbeitgebervertreter gestört.


  • Bogenhausen * Benno Becker, „Landschaftsmaler“ und „Schriftführer der Münchner Secession“, lässt sich in der Maria-Theresia-Straße 26 eine Villa erbauen.

    Die Pläne stammen von Paul Ludwig Troost, der 30 Jahre später zum „Lieblingsarchitekten“ Adolf Hitlers aufstieg.


  • Englischer Garten - Hirschau * Durch einen ebenerdigen Anbau wird die „Schank- und Bierwirtschaft Hirschau nebst Kegelbahnen und Gartenbetrieb“ erweitert.


  • Hackenviertel * Erneut werden „Elite- oder Separatvorstellungen“ im „Internationalen Handels-Panoptikum“ gezeigt.

    Dieses Mal stellt man „24 Frauen und Mädchen, 4 Männer und 3 Kinder aus der deutschen Kolonie Togo“ zur Schau.


  • Au * Das „Zucht-, Arbeits- und Korrekturhaus Au“ wird aufgelöst und umgebaut.

    Die Gefangenen kommen in die aufgelassene „Klosterkirche der Benediktinerinnen am Lilienberg“.


  • Augsburg * Am Montag teilt die Gefängnisleitung dem „Räuber“ Mathias Kneißl mit, dass er am Freitag hingerichtet wird. 

    Sein Kommentar: „Sakradi, de Woch fangt scho guat o!“.


  • Augsburg * Der „Räuber“ Mathias Kneißl wird vom „Scharfrichter“ Franz Xaver Reichhart in Augsburg hingerichtet.


  • Isarvorstadt - Museumsinsel * Die erste Abhol-Aktion für das „Brockenhaus“ startet.


  • München * Valentin Ludwig Fey besucht bis August 1902 die „Münchner Varieté-Schule Lehmann & Grimm“.

    Die Ausbildung kostet 400.- Mark. Da Valentin noch nicht volljährig ist, unterschreibt sein Vater als „Erziehungsberechtigter“ den Vertrag und bezahlt die damals „stolze Summe“


  • Isarvorstadt * Provisorische Eröffnung des „Brockenhauses“ auf der „Kohleninsel“

    Die Initiative ist sofort erfolgreich und erwirtschaftet bereits im ersten Jahr ihres Bestehens einen Überschuss.


  • Isarvorstadt * Die „Neue Isarkaserne“ an der Zweibrückenstraße wird an die „Garnisonverwaltung“ übergeben.


  • Untergiesing * Die „Sechziger“ tragen auf dem „Schyrenplatz“ ihr erstes offizielles Fußballspiel gegen einen konkurrierenden Münchner Club aus.

    Gegner ist der „1. Münchner Fußball-Club von 1896 - 1. MFC“.
    Im gegenseitigen Einvernehmen wird kein „Wettspiel“ sondern ein „Gesellschaftsspiel“ abgehalten.
    Der „TVM 1860“ unterliegt mit 2 : 4 Toren.

    Der Erfolg lässt also noch auf sich warten; aber der Anfang ist immerhin gemacht.


  • Au * In einem Liebesbrief an seine spätere Ehefrau Gisela Royes schreibt Valentin Ludwig Fey:
    „Ich heiße jetzt und für immer KARL VALENTIN - Münchner Original Humorist“.

    Wirklich unveränderlich wird sein Name allerdings erst ab 1907.


  • Thersienwiese * Der Magistrat erlaubt dem „Schausteller-Unternehmer“ Carl Gabriel ein „Hippodrom“ auf dem Festplatz des „Oktoberfestes“ aufzustellen.

    Es ist seinem griechischen Namen entsprechend eine „Reitarena“. Im Inneren des Etablissements befindet sich eine 60 Meter lange „Pferdereitbahn“, in der Besucher des Restaurationsbetriebs gegen Bezahlung reiten können. Der Umritt dauert 5 Minuten und kostet 50 Pfennige.

    Der Bierausschank ist dem Inhaber anfangs verboten. Doch die Gäste können die Reitkünste der nicht immer nüchternen oder sich sonst nicht sonderlich geschickt anstellenden Damen und Herren bewundern.

    So manches Kleid rutscht hoch und gibt den Blick auf ein Damenbein frei.

    Kein Wunder, dass für das „Hippodrom“ bald der Name „Stilaugenzelt“ auftaucht. „Der unerschöpfliche Unterhaltungsstoff, den die erstmaligen Reitversuche von Herren und Damen den Zuschauern bieten, macht das Hippodrom zur ersten Volksbelustigung der Festwiese“.


  • Maxvorstadt * Der „Bankier“ und „Handelsrichter“ Theodor Klopfer lässt sich an der Ecke Brienner Straße 41 und Richard-Wagner- Straße eine Villa von Gabriel von Seidl erbauen.

    Das Haus hat 15 Zimmer.


  • Nürnberg * Karl Valentin tritt im Nürnberger „Zeughaus“ auf.

    Am 5. Oktober schreibt er an seine Eltern:
    „Mir geht es sehr gut.
    Ich bin unberufen sehr gesund und habe mir den ersten Abend Asthma geholt.
    Ein Zimmer habe ich, da ist unser Knechtzimmer ein Salon dagegen. -

    Das Programm besteht aus 8 Damen (keine Angst haben) und aus mir“


  • Nürnberg * Noch vor Vorstellungsbeginn erhält Karl Valentin ein Telegramm von  seiner Mutter, in dem sie ihm mitteilt, dass sein Vater plötzlich schwer erkrankt ist.

    Er macht sich sofort auf den Weg nach Hause.
    Doch als er am nächsten Morgen um 8 Uhr in München ankommt, ist Johann Valentin Fey bereits im Alter von 69 Jahren verstorben. 

    Karl Valentin muss sich jetzt um die „Firma Falk & Fey“ und um seine Mutter kümmern.

    Der in Geschäftsdingen nicht sonderlich glücklich agierende Valentin fährt das Unternehmen innerhalb von vier Jahren voll an die Wand, sodass nicht nur die Firma, sondern gleich das ganze Anwesen verkauft werden muss. 


  • Maxvorstadt * Franz von Lenbach erleidet einen Schlaganfall und ist kurzfristig linksseitig gelähmt.


  • Isarvorstadt * Der Verein „Münchner Brockenhaus“ wird gegründet.


  • Maxvorstadt * Der „Rentier“ und „Kommerzienrat“ Adolph Brougier ist Eigentümer des Anwesens Richard-Wagner-Straße 5.


  • Maxvorstadt * Joseph Schülein bewohnt das vierstöckige Haus in der Richard-Wagner-Straße 7, mit 12 Zimmern und 5 Kammern, mit seiner Familie und zwei weiblichen Dienstboten.


  • Maxvorstadt * Die „Metzgerswitwe“ Theresia Herzog lässt sich durch das „Baugeschäft Carl und August Zeh“ ein Mietshaus in der Richard-Wagner-Straße 15 mit 8 Wohneinheiten erbauen.


  • Straßburg - Speyer * Bis zu seiner Ernennung zum „Bischof von Speyer“ im Jahr 1911 ist Michael Faulhaber Inhaber eines „Lehrstuhls eines Professors für alttestamentarische Exegese und biblische Theologie“ an der „Kaiser-Wilhelm-Universität“ in Straßburg. 

    Bereits während dieser Zeit nimmt er ultrakonservative Positionen ein.
    Unter anderem stuft er Frauen als „Menschen zweiter Wahl“ ein, wenn er sagt: „Die hausrechtliche Stellung der Frau ist dem Gotteswort umzirkelt, das Weib soll die Gehilfin des Mannes sein. [...]
    Diese untergeordnete Stellung ist der ursprüngliche Wille des Schöpfers“
    .   

    Demzufolge ist auch die Entscheidung der „Reichsregierung“, wonach eine verheiratete Frau auch Lehrerin werden darf, gegen den Willen Gottes.
    Er bezeichnet die Regelung als eine „Missgeburt mit einem doppeltem Gesichte, weil man nicht im Nebenamt Mutter sein und weil eine Person nicht zwei Berufe erfüllen kann“.

    Natürlich hat die Kirche nichts gegen die „Frauenbildung“, doch auf den „Hochschulen“ sollen die Damen die Ausnahme und in der Kirche haben sie stumm zu sein.
    Gerne zitiert er das „Paulus“-Wort: „Wenn sie [die Frauen] lernen wollen, sollen sie zu Hause ihre Männer fragen.
    Es ist eine Schande, wenn in den gottesdienstlichen Versammlungen eine Frau das Wort nimmt“
    .


  • Schwabing * Der „Privatgelehrte“ Friedrich Wilhelm von Bissing erwirbt das Gebäude an der Georgenstraße 10 und lässt es nach seinen Vorstellungen umbauen.

    Es entsteht eine schöne Verbindung des Münchner Jugendstils mit traditionellen Elementen Altmünchner Bürgerhäuser.


  • Maxvorstadt * Die Anwesen in der Richard-Wagner-Straße 16 und 18 gehen in das Eigentum des „Großhändlers“ Heicheiner über.


  • Isarvorstadt - Museumsinsel * Die endgültige Nutzung der „Kohleninsel“ als Standort für das „Deutsche Museum“ wird vom Magistrat beschlossen.


  • Hackenviertel - Ludwigsvorstadt * Der Versuch des „Wachsplastikers“ und ehemaligen Betreibers des „Internationalen Handels-Panoptikums“ in der Neuhauser Straße 1, Emil Eduard Hammer, sein Unternehmen in einem Neubau an der Bayerstraße 13/15 fortzuführen, wird aus feuerpolizeilichen Gründen untersagt.


  • Kreuzviertel * Das „Hotel Oberpollinger“ wird abgerissen. 

    In zweijähriger Bauzeit erstellte die Firma Heilmann & Littmann ein Kaufhaus, dessen charakteristische Fassade an der Neuhauser Straße noch erhalten ist.


  • Maxvorstadt * Die Familie des Joseph Schülein bezieht eine Wohnung in der Richard-Wagner-Straße 18. 


  • Isarvorstadt - Museumsinsel * In den „Mittheilungen der Münchner Brockensammlung“ heißt es:

    „Die Münchner Brockensammlung erbittet und läßt kostenfrei durch ihre Leute abholen: Alte, auch zerbrochene Möbel, jeder Art gebrauchter Kleiderstücke, Wäsche, abgetragene Schuhe, Hüte, Strümpfe, alle Arten Bücher, Broschüren, Zeitungen, Papier, Marken, Zeugreste und Lumpen, Schirme, Zigarrenabschnitte, Korke, Staniolkapseln, Flaschen, Glas, Körbe, altes Werkzeug, Metall und Geschirre aller Art, Militär-Effekten, kurz alles, was im Hause unnütz umherliegt“.

    Da stellen also die wohlhabenden Bürger Münchens ihre ausgedienten oder aus der Mode gekommenen Möbel und Dinge des täglichen Bedarfs, kurz „all den Kram des Speichers und Kellers, der überflüssig, hindernd und störend im Wege liegt“, kostenlos zur Verfügung, um sie dann an Interessenten zu verkaufen oder - zu kleinsten Preisen - den Bedürftigen zur Verfügung zu stellen.

    Lumpen, Knochen und Altmetall werden in eigens aufgestellten Tonnen gesammelt und dann zur Weiterverarbeitung an einschlägige Unternehmer weiterverkauft.
    Die privaten Organisatoren geben die Gegenstände an die Bedürftigen ausdrücklich nicht gratis ab.

    Im Gegenteil, sie legen großen Wert darauf, dass die Käufer eine - wenn auch noch so geringe - Eigenleistung erbringen.
    Man will den Bedürftigen zwar tätige Hilfe zukommen lassen, ohne sie jedoch in die Rolle von würdelosen Almosenempfängern zu drängen.


  • Haidhausen * Die „Unionsbrauerei Schülein & Cie“ wird in eine „Aktiengesellschaft“ umgewandelt.

    Bis zum Jahr 1912 besteht der „Vorstand der AG“ lediglich aus Joseph und Julius Schülein.


  • Deutschland - Berlin * Bei den Wahlen zum „11. Deutschen Reichstags“ erringen die Sozialdemokraten 81 Mandate und bilden damit die zweitstärkste Fraktion.


  • Theresienwiese * Die Reitversuche der Damen und Herren im „Hippodrom“ sorgen für unendlichen Gesprächsstoff.

    Einem anderen Antrag auf Zulassung eines „Hippodroms“ eines anderen Schaustellers lehnt der Stadtmagistrat mit folgender Begründung ab: „Aus Sittlichkeitsgründen kann das Unternehmen keine Konkurrenz vertragen, das männliche Publikum geht sicher auch nur hinein, weil es vermutet, Pikantes erleben zu können“.


  • Theresienwiese * Carl Gabriel lässt ein „Aschanti-Dorf“ auf dem „Karawanenplatz“ auf dem „Oktoberfest“ errichten.


  • Starnberger See * Franz von Lenbach legt den Grundstein für eine Sommervilla am Starnberger See.


  • Au * Ludwig Weinberger senior karossiert seinen ersten Motorwagen.

    Damals sind Automobile überlicherweise noch zweigeteilt:

    • Es gibt einerseits das „Fahrgestell“ mit Motor und Kühler - das „Chassis“ - und dann noch
    • die „Karosserie“ als zweiten Bestandteil.

    Meistens werden beide Komponenten nicht vom selben Hersteller produziert, weshalb es den Beruf des „Wagenbauers“ gibt.  
    Eineinhalb Jahrzehnte lang gestaltet Ludwig Weinberger senior verschiedenste Fahrgestelle mit einzelgefertigten Aufbauten, ganz nach Wunsch des Kunden. 


  • Lehel * Adolf von Hildebrand entwirft im Auftrag des „Preußischen Gesandten“ Friedrich Graf von Pourtalès den Plan für einen Neubau der der „Preußischen Gesandtschaft“ und der „Schack-Galerie“ genügend Platz bietet.


  • Maxvorstadt * Der Architekt Ludwig C. Lutz plant ein zweistöckiges Wohnhaus in der Richard-Wagner-Straße 1, das der Arzt Dr. Heinrich Bock mit drei weiteren Erwachsenen und einem Kind unter 14 Jahren sowie zwei weiblichen und einem männlichen Dienstboten bewohnen wird.

    Im Haus befindet sich auch eine Arztpraxis.


  • Englischer Garten - Tivoli * Das am Ostrand des „Englischen Garten“ gelegene Ausflugslokal „Tivoli“ wird als „Ort der Mode“ beschrieben.

    „An schönen Sommerabenden war es mit zahlreichen Menschen angefüllt, die besonders dem Tanzvergnügen huldigten.
    An Werktagen fanden sich bis in unsere Zeit noch Beamte aus den höchsten Kreisen dort ein“
    .


  • Pullach * Das zweite „Isarkraftwerk“ der „Isarwerke GmbH“ wird mit der Bezeichnung „Zentrale II“ bei Pullach in Betrieb genommen.

    Es wird heute „Wasserkraftwerk Pullach“ genannt.


  • Graggenau * Karl Rosipal, ein vermögender und exzentrischer Münchner Kaufmann, spendet aus Anlass des hundertjährigen Bestehens seiner Modewarenfirma der Stadt München über 30.000 Mark für ein „Glockenspiel“ am „Neuen Rathaus“. 

    Er trägt damit zu einer der bekanntesten und meistfotografiertesten Sehenswürdigkeit Münchens bei.


  • Englischer Garten - Lehel * Der sogenannte „Kocherlball“ am „Chinesischen Turm“ im „Englischen Garten“ wird aus „Mangel an Sittlichkeit“ polizeilich verboten.

    Bis dahin vergnügten sich sonntags ab fünf Uhr früh die „Dienstboten“.


  • Bogenhausen * Da nach Auffassung des Bogenhausener Pfarrers das „Wirtshaus Neuberghausen“ zu Nahe an der Kirche, dem Friedhof und der Schule liegt, werden die beliebten Musik- und Tanzveranstaltungen, vor allem im Garten, nicht mehr gestattet.

    Nur sanfte Musik, ohne Blech- und Schlaginstrumente werden im Ausnahmefall genehmigt.

    Die Gastwirtschaft verliert dadurch ihre Attraktivität und Anziehungskraft, weshalb die Brauerei anno 1904 den Rückgang des Bierkonsums innerhalb von zwanzig Jahren auf ein Zehntel beklagen muss.


  • Maxvorstadt * Dem „Kaufmanns-Ehepaar“ Held gehört das Anwesen Richard-Wagner-Straße 9.


  • Au * Die „Pschorrbrauerei“ errichtet für die ehemalige Wirtschaft des Johann Georg Messerer einen Neubau, der im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wird.


  • Ludwigsvorstadt * Kommerzienrat Hans Wagner erwirbt das „Hotel Treffler“ in der Sonnenstraße 23 und benennt es in „Hotel Wagner“ um. 


  • Au * Ab 1904 bis zum Jahr 1917 kann der „Arbeiter-Turn-Verein München-Ost“ seinen Betrieb im „Schwanensaal“ des „Münchner-Kindl- Kellers“ abhalten.

    Ebenfalls im Jahr 1904 erfolgt der Eintrag ins amtliche Vereinsregister. 


  • Theresienhöhe * Die Stadt kauft vom „Landwirtschaftlichen Verein“ für 1,1 Millionen Mark Grundstücke auf der „Theresienhöhe“, um dort einen neuen „Ausstellungspark“ zu errichten.


  • Deutsch-Südwest-Afrika * Die „Herero“ erheben sich in „Deutsch-Südwest-Afrika“ gegen die deutsche „Kolonialpolitik“, die ihnen die Lebensgrundlagen als Viehhirten raubt.


  • München * Eine Kommission des Stadtmagistrats geht auf „Studienreise“ nach Stuttgart, Deidesheim, Mainz, Wiesbaden, Koblenz, Köln, Bremen, Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, Wien, Großinzersdorf und Salzburg begeben, „um Einrichtung und den Betrieb der Ratskeller einer Anzahl größerer Städte kennen zu lernen“.

    Ergebnis dieser „Studienreise“ war der Beschluss der „Gemeindekollegien“ dass im „Ratskeller“ nur noch „Pfalzweine, Rheinweine, Mosel- und Saarweine, Frankenweine, badische Weine, österreichische und ungarische Weine sowie Bordeaux-, Burgunder- und Schaumweine“ angeboten und verkauft werden durften, welche von einer vom Magistrat eingesetzten Kommission „nach vorgenommener Kostprobe angekauft und in der städtischen Weinkellerei eingelagert und behandelt worden sind“.

    Für die Auswahl der „ruhigen“ Weine war „vor allem maßgebend, dass die Weine naturecht, das heißt aus dem vergorenen Saft der Weintraube sind und keinerlei Zusatz an Zucker oder Zuckerwasser enthalten“.


  • Ebingen * Kurt Georg Kiesinger, der spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, wird in Ebingen in Württemberg geboren. 


  • London * Frankreich und Großbritannien vereinigen sich in London zur „Entente cordiale“ [= „Herzliches Einverständnis“ - „Entente“ = Bündnis]. 


  • Maxvorstadt * Der Kunstmaler Franz von Lenbach stirbt.


  • Angerviertel * Die „Hauptfeuerwache der Berufsfeuerwehr“ an der Blumenstraße 34 ist bezugsfertig.


  • Theresienwiese * Nach einem Beschluss des Magistrats soll der „Hauptsonntag“ des „Oktoberfestes“ - die Allerhöchste Genehmigung immer vorausgesetzt - in der Zeit zwischen dem 28. September und dem 4. Oktober liegen.

    Das bedeutet einen eine Woche früheren „Wiesnbeginn“.


  • Theresienwiese * Als sich der „Hungerkünstler“ Ricardo Sacco während des „Oktoberfestes“ zur Schau stellt, kommt es zu Protesten der Münchner Bevölkerung.

    Sie will es nicht dulden, dass ein Mensch inmitten der „Genüsse des Festes“ hungert.


  • Theresienwiese * Carl Gabriels „Völkerschau“ trägt den Titel „Tunis in München“ und konfrontiert die Besucher mit „Sitten und Gebräuchen“ der Nordafrikaner.


  • Theresienwiese * Josef Pravida lässt neben der „Augustiner-Festburg“ ein „Fischerhäuschen“ errichten und nennt sie „Fischerhütte zum Holländer“.

    Die Bedienungen sind in holländischer Tracht gekleidet.


  • Au * Das „Untersuchungsgefängnis Neudeck“ wird eröffnet.


  • Isarvorstadt * Die neue „Wittelsbacherbrücke“ wird der Öffentlichkeit übergeben.

    Sie ist eine frühe Stahlbetonkonstruktion. 
    Architekt ist der „Stadtbaumeister“ Theodor Fischer. 

    Ein Betonbogen trägt das „Reiterstandbild Ottos von Wittelsbach“.
    Erkerbauten mit Sitzbänken lockern den Brückenkörper insgesamt auf.


  • Deutsch-Südwest-Afrika * „Generalleutnant“ Lothar von Trotha erlässt den „Vernichtungsbefehl“.

    Circa 20.000 bis 25.000 „Herero“ werden in die Wüste getrieben und müssen unter furchtbaren Qualen verdursten, da sämtliche Wasserstellen von den Deutschen besetzt und verteidigt werden.


  • Haidhausen * Die „Flurschule“ wird als 5. Haidhauser Schule eröffnet. 

    Sie ist zugleich die 5. evangelische Schule in München.


  • Maxvorstadt * Leonhard Romeis stirbt an einem „akuten Nierenleiden“ in seiner Wohnung am Ferdinand-Miller-Platz.


  • Moosach * Leonhard Romeis wird auf dem „Moosacher Friedhof“, dem heutigen Moosacher Friedhof beigesetzt.


  • Au * Das „Landgerichtsgefängnis München II am Lilienberg“ wird geschlossen.


  • München * Sofie Gräfin von Moy gründet mit engagierten Münchner Bürgern den „Hauspflege-Verein München e.V.“


  • München - Haidhausen - Au * Die „Generalversammlung der Aktionäre der Münchner Kindl AG“ beschließt die Fusion mit der Haidhauser „Unionsbrauerei“

    Die neue „Unionsbrauerei“ steigt dadurch zu einer der fünf größten Münchner Brauereien auf.


  • Untergiesing * Das „Brausen- und Wannenbad“ an der Pilgersheimerstraße 5 wird durch den städtischen Baurat R. Schachner erbaut.


  • Wien * Die „Sektion Wien des Deutsch- und Österreichischen Alpenvereins - DuOeAV“, die aus dem „Turnverein“ hervor gegangen war, wird mit einem „Arier-Paragraphen“ gegründet.


  • Mittenwald * Das „letzte Floß“ verlässt Mittenwald in Richtung München. 


  • München * Die Isar hat sich in die „Flinzschicht“ eingegraben. 

    Die Eintiefung beträgt 8,5 Meter.


  • Berlin - Karlsruhe * Ein Firmenkonsortium unter der Leitung der Firma „L. Loewe & Co“ erhält den Auftrag über eine „Ortsvermittlungsstelle für Wählbetrieb“

    Der Fabrikationsauftrag für die Herstellung der „Strowger-Wähler“ und damit die Lizenz wird den zum „Loewe-Konzern“ gehörenden „Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken Berlin - Karlsruhe“ übertragen.

    Diese verfügen über entsprechend ausgebildetes Personal und über moderne feinmechanische Werkstätten.
    Die Erfahrung im Umgang mit elektrischen Schaltungen steuern Mitarbeiter der „Firma Siemens & Halske“ bei.

    Da alle angeschlossenen Teilnehmer sofort nach Inbetriebnahme der neuen Vermittlungsstelle ihren eigenen „Fernsprech-Selbstwählanschluss“ ausprobieren wollen, schmoren in der Folge von Überlastung und Blockade der Wähler in den ersten Betriebsstunden ständig die Sicherungen durch.

    Empörte Teilnehmer stürmen daraufhin das Dienstgebäude.
    Erst als diese wieder besänftigt waren, gelingt es dem Wartungspersonal die Schwachstellen des Systems abzustellen.
    Seither arbeitet die Anlage störungsfrei. 


  • München * Eine nicht datierte Aktennotiz vermerkt:

    Die „Zensur“ betrifft auch „das kleine Theaterwesen, die Varietées, Tingeltangel, Singspielhallen, Cabarets; ferner die Volkssänger, Komiker, Rezitatoren sind vermittels der Präventivzensur nach Möglichkeit in ordnungsgemäßen Bahnen zu halten, zumal da erfahrungsgemäß gerade auf diesem Weg die Kenntnis von Unsittlichkeiten und Unanständigkeiten aller Art in die breitesten Schichten der Bevölkerung getragen wird“.


  • Deutschland - Österreich * Hubert von Herkomer betreibt in den Jahren 1905 bis 1907 legendäre Automobilrennen, die „Herkomerkonkurrenz“, die durch Deutschland und Österreich führt.


  • Maxvorstadt * Neuer Eigentümer der Doppelhaus-Villa an der Brienner Straße 38/40 ist der „Fabrikant“ und „Leutnant a. D.“ Wilhelm Reischl.


  • Isarvorstadt * Die alte eiserne „Wittelsbacherbrücke“ wird an der Stelle der „Brudermühlbrücke“ neu montiert und dient bis zum Jahr 1905 - wegen fehlender Straßen - als Fußweg.


  • Berlin * Carl Gabriel eröffnet sein erstes „Kinematographentheater“ in Berlin.


  • Maxvorstadt * Das Haus Richard-Wagner-Straße 13, mit dem einladenden „Salve“ auf der Haustüre, wird gebaut.

    In den vier Stockwerken befindet sich jeweils eine Wohnung mit fünf Zimmern.


  • München * Die Zahl der „Weinwirtschaften“ in München ist auf 141 angewachsen.


  • Graggenau * Mit dem Ausbau des Neuen Rathauses wird der „Ratskeller“ von 956 qm auf 1.931 qm, und der „Regieweinkeller“ von 586 auf 1.697 qm vergrößert.


  • Obergiesing * Die Stadt wagt einen erneuten Vorstoß für ein „Krematorium“ - wieder ohne Erfolg. 


  • Maxvorstadt * Das „Rentier-Ehepaar“ Hanfstängl ist Eigentümer des Anwesens Richard-Wagner-Straße 9.


  • Bogenhausen * Die Kuppel der Bogenhausener „Georgskirche“ wird letztmals mit Schindeln gedeckt.


  • Der „Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt“ erlässt eine „Badeordnung“, die nur wenig mit den heutigen Vorstellungen von Freizeitvergnügen vereinbar ist. Es herrscht „Zucht und Ordnung“.
    Es gibt zum Beispiel eine eigens ausgewiesene „Einsprungstelle“ ins Becken. „Das Herumliegen auf dem Boden ist nicht gestattet“. Außerdem bestimmt die „Badeordnung“, dass „Zuschauer (...) keinen Zutritt in das Bad“ haben.
    Im Liegeraum darf man nicht lesen, „weil dies die Gehirntätigkeit beeinflußt“.
    Sogar einen Tipp gegen „Sonnenstich“ kann man der Anweisung entnehmen. Darin heißt es: „Den Gästen wird empfohlen, den Kopf mit einem Tuche zu beschatten und sich bei großer Hitze öfter abzubrausen“.
    Und sogar für schlechtes Wetter gibt die „Badeordnung“ den Freibadbenutzern eindeutige Verhaltensmaßregeln mit auf den Weg: „Wenn Regen eintritt“, heißt es hier, „so kann man sich noch ca. ¼ Stunde lang dem Regen aussetzen, dann aber ist der Körper zu bekleiden“.
    Natürlich gibt es auch Vorschriften über die angemessene Bekleidung in der Badeanstalt. Die „Badeordnung“ schreibt hierbei Folgendes vor: „Jeder Badende muß mit einer geordneten Badehose versehen sein, der Gebrauch von Schürzen und ähnlichen Bekleidungsstücken ist untersagt“.


  • Au * Fast jedes Jahr gründet der „Arbeiter-Turn-Verein München-Ost“ eine neue Abteilung oder nimmt eine weitere Sportart auf. 


  • München * Paul Nicolaus Cossmann konvertiert vom jüdischen zum katholischen Glauben.

    Während des Ersten Weltkriegs tauscht er seine liberalen Ideen gegen einen skrupellosen Nationalismus ein.

    In den „Süddeutschen Monatsheften“ wird er später verbissen die „Dolchstoß“-Theorie propagieren.


  • Isarvorstadt - Museumsinsel * In einem kleinen Ausstellungsbau auf der „Kohleninsel“ wird die Wanderausstellung „Die Volkskrankheiten und ihre Bekämpfung“ gezeigt.


  • Graggenau * Das „Münchner Kindl“ kommt auf die Spitze des zwölfstöckigen, 85 Meter hohen Turm des „Neuen Rathauses“.


  • Deutsch-Südwest-Afrika * In der entscheidenden Schlacht schlagen die deutschen „Kolonialtruppen“ die Aufständischen vernichtend.  

    Im Winter 1904/05 haben sich in „Deutsch-Südwest-Afrika“ die „Nama“, die von den Deutschen „Hottentotten“ genannt werden, erhoben.


  • Petersburg * Der „Petersburger Blutsonntag“

    Zaristische Truppen erschießen zahlreiche Demonstranten einer friedlichen Kundgebung in Petersburg.


  • Au * Im „Münchner-Kindl-Keller“ findet eine Solidaritätskundgebung zu Gunsten der Opfer der ersten Russischen Revolution statt.


  • Kreuzviertel * Das „Kaufhaus Oberpollinger“ der hanseatischen Kaufmannsfamilie „Emden & Söhne“ ist fertiggestellt.


  • Kreuzviertel * Das „Kaufhaus Oberpollinger“ wird „früh 8 Uhr“ eröffnet. 

    Die Menschen strömen in das neue Kaufhaus, „durch das der Atem der großen weiten Welt weht“


  • Berlin * „Reichskanzler“ Bernhard von Bülow gibt im „Reichstag“ bekannt, dass das „Deutsche Reich“ Schritte zur Verteidigung der Wirtschaftsinteressen in Marokko unternehmen wird.  

    Dabei hatte Deutschland bis dahin niemals Einwände gegen die von Frankreich ausgeübte Kontrolle des Militärs, der Polizei, der Verwaltung, der Banken und des Handels in Marokko erhoben. 


  • Tanger * Während seiner traditionellen Mittelmeerreise besucht Kaiser Wilhelm II. die marokkanische Hafenstadt Tanger.  

    In seiner Rede betont der deutsche Kaiser die „Unabhängigkeit des Scherifenreichs“ Marokko und bietet hierfür den „Schutz Deutschlands“ an.  
    Er beabsichtigt mit seiner Ansprache, Frankreich und Großbritannien über die „Marokkofrage“ zu spalten und fordert eine internationale Konferenz zur Regelung der „Souveränität Marokkos“.  

    Es kommt zur sogenannten „Marokko-Krise“, die, weil das deutsche Verhalten für Frankreich eine scharfe Provokation darstellt, sofort zu einem Krieg führen könnte.  
    Angesichts dieser drohenden Gefahr gehen die Großmächte auf die Forderung Deutschlands ein und rufen eine internationale Konferenz über die weitere Zukunft Marokkos zusammen. 


  • Lehel * Der „Schnitterin-Brunnen“ am Thierschplatz im Lehel geht in Betrieb.


  • Bayern * Bei den „Bayerischen Landtagswahlen“ erhält das „Zentrum“ 102 (bisher 83), die „Fortschrittspartei“ 22 (44), die SPD 12 (11) Mandate.


  • Eglfing * Die Kranken der „Kreis-Irrenanstalt für Oberbayern“ können in die neue Anstalt nach Eglfing verlegt werden.


  • Bayern * Die „Landtagswahlen“ sind von einem erneuten und ausgeweiteten „Wahlbündnis“ zwischen der „SPD“ und dem „Zentrum“ geprägt.  

    Die „Liberalen“ setzten ihren Abstieg fort und können nur noch 22 [- 22] Mandate erringen.  
    Doch damit ist der Weg für eine Zweidrittelmehrheit geebnet, welche zu einer „Wahlrechtsreform“ benötigt wird. 


  • Au * Johann Royes besucht seine 24-jährige Tochter Gisela, die spätere Ehefrau von Karl Valentin, in der Au.  

    Dabei bemerkt er die unübersehbare Schwangerschaft seiner Tochter. 

    Sie erhält von dem „frommen Katholiken“ eine saftige Watschn, nachdem er erfahren hat, dass der Vater des Kindes „bloß a luthrischer Komödiant“ sei.  
    Also ein Taugenichts und Habenichts. 


  • Schwabing - Maxvorstadt * Der „Kunstmaler“ und „Lehrer“ Anton Azbé stirbt im Alter von 43 Jahren.


  • Theresienwiese * Das „Oktoberfest“ dauert 16 Tage.

    Es beginnt am 3. September-Samstag um 12 Uhr - zunächst noch ohne feierliches Zeremoniell.


  • Kreuzviertel * Große Veränderung bringt die Sitzungsperiode des „34. Landtags“, der vom 28. September 1905 bis zum 23. März 1907 tagt. 


  • Aufhausen/Oberpfalz * Karl Valentins Freundin Gisela Royes bringt die gemeinsame uneheliche Tochter Gisela zur Welt. 

    Um kein Aufsehen zu erregen und weil das Kind zum unpassenden Zeitpunkt geboren wird, findet die Geburt in Aufhausen in der Oberpfalz statt. Das ist der Wohnsitz der Familie der Mutter.


  • Berlin * Allen Redakteuren beim „Vorwärts“ wird gekündigt, ihnen aber die Möglichkeit der Bewerbung um Wiedereinstellung gelassen.

    Kurt Eisner kündigt daraufhin von sich aus.


  • Kreuzviertel * Im bayerischen Abgeordnetenhaus wird ein „Wahlgesetz“ einstimmig angenommen.

    Es ersetzt die bisherige Landtagswahl mittels „Wahlmänner“ durch „direkte Wahl“.


  • München * Franz Stuck erhält das „Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone“ und damit den persönlichen Adel. 


  • Berlin * Der sogenannte „Schlieffen-Plan“ wird in Berlin vorgelegt.  

    Er sieht für den Fall eines „Zweifrontenkrieges“ vor,

    • die Masse des deutschen Heeres zunächst im Westen gegen Frankreich einzusetzen,
    • mit dem Nordflügel die französischen Befestigungen zu umgehen und
    • das französische Heer entscheidend im Rücken zu fassen.  

    Nach einem Sieg über Frankreich sollen die deutschen Truppen nach Osten verlegt werden, um dort gegen Russland vorzugehen.  

    Der preußische Offizier Alfred Graf von Schlieffen will auf diese Weise den Krieg gegen Frankreich und Russland in zwei aufeinander folgende Feldzüge aufzuteilen. 


  • München * In Deutschland setzt eine große Gründungswelle an „Kinematographentheatern“ ein.


  • Au * Der „Arbeiter-Turn-Verein München-Ost“ gründet eine „Damenabteilung“, die zugleich eine der Ersten im „Deutschen Reich“ ist. 


  • Ulm * Mit der Errichtung eines „Krematoriums“ in Ulm wird dann meist dieser Zielort gewählt.  

    Der Ulmer Gemeinderat lässt sich die Kosten für ihr „Krematorium“ durch die vielen Aufträge aus München finanzieren.  

    Anschließend wird die zurückgelieferte Urne in einem „Erdgrab“ bestattet.  
    Das heißt, es werden dafür - bis zum Jahr 1904 - die gleichen Kosten wie für einen Sarg berechnet. 


  • München - Obergiesing * Das Interesse an der „Feuerbestattung“ ist in München mittlerweile beträchtlich gestiegen, weshalb die Stadt erneut einen Antrag zur Errichtung eines „Krematoriums“ stellt.  

    Schließlich einigt man sich auf einen Kompromiss. 

    Der „Verein für Feuerbestattung“ pachtet von der Stadt München die auf dem „Ostfriedhof“ errichtete „Verbrennungsanlage für Sargbretter und Grabkränze“ und lässt die Anlage auf eigene Kosten zu einer „Leichenverbrennungsanlage“ umbauen. 


  • München - Au * Die drei Arbeiter-Sportvereine der linken Isarseite schließen sich zum „Arbeiter-Turnverein München“ zusammen.

    Der „Arbeiter-Turn-Verein München-Ost“ beharrt dagegen auf seine Eigenständigkeit.


  • Au * Ein Teil der Entenbachstraße wird in Zeppelinstraße umbenannt. 


  • Berlin * Der deutsche „Reichskanzler“ Bernhard von Bülow fordert „einen Platz an der Sonne“.  

    In Afrika hatte Deutschland seit den 1880er Jahren mit Deutsch-Ostafrika, Togo, Kamerun und Deutsch-Südwestafrika Gebiete an der Ost- und Westküste besetzen können.

    Deutschland wirft konkret ein Auge auf den belgischen und französischen Kongo. 


  • Untergiesing * Das „Brausen- und Wannenbad“ an der Pilgersheimerstraße wird durch den Einbau von Wannenbädern im Kellergeschoß erweitert.

    Es enthält jetzt zehn Wannenbäder für Männer und sechs für Frauen, sowie neun Brausenabteilungen für Männer und drei für Frauen.

    Die Anlage umfasst Keller- und Erdgeschoß, sowie ein Obergeschoß über dem Mitteltrakt, die als Badewärterwohnung dient.


  • Milbertshofen * Die Münchner bauen die größte, beste und schnellste „Radrennbahn der Welt“ in Milbertshofen.

    Auf ihr fährt der Franzose Paul Guignard mit 101,2 Stundenkilometern einen Aufsehen erregenden „Weltrekord“.


  • München * Nachdem die „Bayern“ mit dem „Münchner Sport-Club - MSC“ fusionieren, dabei aber ihre Eigenständigkeit und Verwaltung behalten, übernehmen die „Bayern, Fußballabteilung des Münchner Sport-Clubs“ die Spielkleidung des „MSC“ und begegneten künftig ihren Gegnern mit roten Hosen und weißen Hemden auf dem Spielfeld.


  • München * Franz von Stuck wird in die „Adelsmatrikel“ eingetragen. 

    Seither darf er den Namenszusatz „von“ führen. 


  • Algeciras * Die „Internationale Konferenz“ zur „Souveränität Marokkos“ beginnt im spanischen Algeciras. 


  • Kreuzviertel * Das neue bayerische „Landtagswahlgesetz“ tritt in Kraft. 

    Es sieht die „direkte Wahl der Abgeordneten“ vor.


  • Algeciras * Die „Internationale Konferenz“ im spanischen Algeciras endet.  

    Auf der Konferenz wird zwar die „Souveränität Marokkos“ formell anerkannt.  
    Doch die Polizei in den marokkanischen Häfen und das Bankwesen darf Frankreich gemeinsam mit Spanien verwalten.  
    Deutschland erhält keinen Zugriff auf diese Kontrollen Marokkos.  

    Damit hat Frankreich sein Hauptziel erreicht, während das „Deutsche Reich“ aufgrund seines aggressiven Vorgehens immer mehr an Ansehen verliert und zusehends in die außenpolitische Isolierung treibt.  
    Auch für die sich bildende marokkanische Unabhängigkeitsbewegung stellte das Konferenzergebnis eine Niederlage dar. 


  • Kreuzviertel * Der „Entwurf zum Wahlgesetz“ wird erstmals nicht von der Regierung eingebracht, sondern vom „Landtag“ in Form eines „Antrags“.  

    Der Vorsitzende des „Ministerrats“, Clemens Graf von Podewils, unterstützt das Anliegen.  
    In der „Kammer der Reichsräte“ bemüht sich besonders Prinz Ludwig [III.] um die Annahme des Entwurfs.  

    Damit wird die „direkte Wahl“ und die „gesetzlich geregelten Wahlkreise“ eingeführt.  
    Noch immer aber gilt das „relative Mehrheitswahlrecht“, das die kleineren Parteien benachteiligt. 


  • Hackenviertel * In der Kaufingerstraße eröffnet mit dem „Welt-Kinematograph“ das erste fest installierte Kino in München.


  • München * Der „Steyrer Hans“ stirbt und wird unter großer Anteilnahme der Münchner Bevölkerung am „Ostfriedhof“ beigesetzt.


  • Theresienwiese * Die „Festwiese“ des „Oktoberfestes“ hat die heutigen Ausmaße erreicht. 


  • München - Au * Der etablierte „Spediteur“ Jean Hopp stirb im Alter von 39 Jahren.

    Er kaufte kurz vor seinem Tod die „Firma Falk & Fey“ samt Inventar um 2.000 Mark.
    Der erst 1903 aus der damals bayerischen Rheinpfalz nach München zugewanderte Unternehmer wollte durch den Firmenkauf als „lange eingeführte Firma“ erscheinen.


  • Au * Das Fey-Anwesen in der Entenbachstraße 63 [später: Zeppelinstraße 41] wird um 74.018 Mark an den „Spediteur“ Adolf Weiß und seine Ehefrau Maria über.

    Nach Abzug aller ausstehenden Forderungen und Hypotheken, die noch der verstorbene Vater „infolge schlechten Geschäftsganges“ aufgenommen hat, verbleiben Karl Valentin und seiner Mutter etwa 6.000 Mark.


  • Obergiesing * Ludwig Thoma tritt eine sechswöchige Haftstrafe in der „Strafvollzugsanstalt Stadelheim“ an.

    Er war für schuldig befunden worden, mit seinem Gedicht „An die Sittlichkeitsprediger“ die Kirche beleidigt zu haben.


  • Isarvorstadt - Lehel * Kaiser Wilhelm II. eröffnet die provisorische Ausstellung des „Deutschen Museums“ im „Alten Nationalmuseum“ an der Maximilianstraße, dem heutigen „Völkerkundemuseum“.


  • Isarvorstadt * Kaiser Wilhelm II. legt im Beisein des Kronprinzen Ludwig III. von Bayern den Grundstein für das „Deutsche Museum“.


  • München - Zittau * Karl Valentin und seine Mutter melden sich in München ab und ziehen um nach Zittau.


  • Isarvorstadt * Vom 15. bis 30. November 1906 findet unter dem „Allerhöchsten Protektorat Seiner Königlichen Hoheit“, des Prinzregenten Luitpold, die „Erste bayerische Geweih-Ausstellung“ im „Pavillon an der Ludwigsbrücke“ statt.


  • Lehel * Das „Königlich Bayerische Arbeitermuseum“ in der Pfarrstraße 3 wird eröffnet.


  • Eckernförde * Das erste deutsche „U-Boot“ mit der Bezeichnung „SM U 1“ wird in Eckernförde in Betrieb gestellt. 


  • Wien * Die „Akademische Sektion Wien des DuOeAV“ nimmt den „Arier-Paragraphen“ in ihre Satzung auf.


  • München * Die Brauereien nehmen mit etwa 4.000 Beschäftigten den 9. Platz unter den wichtigsten Gewerbezweigen ein.


  • Lehel * Der palastartige Bau mit seiner Doppelfunktion als „Preußische Gesandtschaft“ und „Schack-Galerie“ wird bis 1909 verwirklicht.


  • London * Hubert von Herkomer wird die „englische Ritterwürde“ verliehen.

    Er darf sich jetzt Sir Hubert von Herkomer nennen.


  • München * Johann Dienstknecht gründet den „allerersten“ Filmverleih und wird damit bis zu seinem Tod im Februar 1910  der unumschränkte Herrscher auf dem Filmmarkt sein.


  • Maxvorstadt * Hermann Leveling, „Rentier, Ritter und Edler“ ist Eigentümer des Anwesens Richard-Wagner-Straße 9.


  • Lehel * Das „Königlich Bayerische Arbeitermuseum“ zählt 16.000 Besucher.


  • München * Spätestens ab jetzt ist Valentin Ludwig Feys Künstlername „Karl Valentin“ unveränderlich.


  • Isarvorstadt - Museumsinsel * Der Verkaufsraum der „Brockensammlung“ auf der „Kohleninsel“ ist zu klein, weshalb die karitative Einrichtung zusätzlich zwei Ställe der „Alten Isarkaserne“ erhält.


  • Isarvorstadt - Museumsinsel * Als neue Dienstleistung übernimmt das „Arbeitsamt“ für Frauen mit Kindern die Suche nach einer geeigneten „Koststelle“.


  • Haidhausen * Die „Straßenbahn-Direktion“ braucht neue Büroräume, die in der ehemaligen „Lackiererei“ - im ersten Stock des „Werkstättengebäudes“ - eingerichtet werden. 


  • Nürnberg * Kurt Eisner tritt in die Redaktion der SPD-nahen „Fränkischen Tagespost“ in Nürnberg ein.


  • Maxvorstadt * Fritz Gerlich legt sein Doktorexamen an der „Philosophischen Fakultät der Universität München“ ab.


  • Halle * Unter dem Pseudonym „Charles Fey - Musical-Fantast“ geht Karl Valentin mit seinem „Orchestrion“ auf Tournee. 

    Er will mit dem „Lebenden Orchestrion“ möglichst gleichzeitig bis zu zwanzig verschiedene Instrumente bedienen und damit ein großes Orchester imitieren.

    Am 16. März tritt „Charles Fey“ in Halle in „Süssmilch‘s Walhalla-Theater“ auf.


  • Halle * Die Geschäftsführung des „Süssmilch‘s Walhalla-Theaters“ in Halle kündigt dem „Musical-Fantast“ Charles Fey. 


  • Maxvorstadt * Carl Gabriel eröffnet in der Dachauer Straße 16 sein erstes Münchner Kino unter dem weltmännischen Namen „The American Bio-Cie./Carl Gabriel's Theater lebender Bilder“ mit 145 Plätzen. 
    Es ist Münchens viertes Kino.

    Es werden Stummfilme gezeigt, die von einem mehr oder weniger talentiertem Klavierspieler und einem „Explikateur“, einen „Filmerklärer“, begleitet werden.

    An den Lehnen der Vordersitze sind Drahtgestelle angebracht, in denen man seinen Masskrug abstellen kann.
    Statt Popkorn und Eis - wie heute - werden Schokolade und Wurstsemmeln verkauft.

    Nach 19 Uhr geht fast niemand mehr ins Kino, denn:
    „Der Münchner geht im Gegensatz zum Berliner, soweit er es ermöglichen kann, lieber Nachmittags ins Kino, weil er den Abend gern im Bierrestaurant verbringt“.

    Trotzdem suchen die „Gebildeten“ das Kino erst im Schutz der Dunkelheit auf.
    Etwaige Bekannte begrüßen sich - wenn überhaupt - mit einem verlegenem Lächeln.
    Es gibt „Logen“ mit einem Loch im Vorhang, von dem aus man zwar alles sehen kann, selbst aber nicht gesehen wird.

    Die Münchner Polizei besucht im „Auftrag der Obrigkeit“ regelmäßig die „Kinematographen“.
    Sie muss sicherstellen, dass im dunklen Kinosaal alles „sittlich“ und „mit rechten Dingen“ zugeht.


  • München * Dr. phil. Fritz Gerlich tritt im „Kgl. Allgemeinen Reichsarchiv“ seinen dreijährigen Vorbereitungsdienst an.


  • Bayern * Bei den bayerischen „Landtagswahlen“ erhalten das „Zentrum“ 98 (- 4), die „Fortschrittspartei“ 25 (- 3) und die SPD 20 (+ 8) Mandate.


  • Bayern * Die Wahlen werden erstmals nach dem neuen „Wahlgesetz“ durchgeführt.  

    Durch das „Mehrheitswahlrecht“ erreicht  

    • das „Zentrum“ mit 44 Prozent der Stimmen 60 Prozent der Mandate,  
    • die „Liberalen“ erhalten 16 Prozent der Mandate bei 24 Prozent der Stimmen,  
    • die „SPD“ benötigt für zwölf Prozent der Mandate 17,7 Prozent der Stimmen. 

  • Deutschland * Die Tournee des „Musik-Clowns“ Karl Valentin endet im Fiasko. 

    In einem „Anfall von einem Löwenbräubierriesenrausch“ zerstört er - angeblich - seinen Musikapparat.


  • München - Innsbruck * Die „Generalversammlung des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins - DuOeAV“ beschließt die Errichtung eines „Alpinen Museums“.

    Innsbruck und München bewerben sich.
    Die bayerische Hauptstadt erhält den Zuschlag.


  • Angerviertel * Karl Valentin ist wieder in München gemeldet.

    Sein erster Wohnsitz ist in der Bierwirtschaft „Stubenvoll“, in der Schlafstellen vermietet werden.

    Karl Valentin ist ein sogenannter „Schlafgänger“.
    Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mit Zithervorträgen in verschiedenen Lokalen.


  • Hirschau * Die „S 2/6“, eine speziell für Schnellfahrversuche bei Maffei in der „Hirschau“ gebaute Lokomotive erreicht mit einer Geschwindigkeit von 154,5 km/h einen Weltrekord, der bis 1936 Bestand hat.


  • Petersburg * In Petersburg tritt Russland der „Entente cordiale“ bei.  

    Frankreich, Großbritannien und Russland bilden damit die „Triple Entente“ [„Entente“ = Bündnis]


  • Theresienwiese * Josef Pravida nennt seine „Fischerhütte zum Holländer“ in „Fischer-Vroni“ um.

    Angeblich bezieht sich der Name „Vroni“ auf eine Bedienung Josef Pravidas, die im Wirtshaus „Zum goldenen Stern“ eine besonders herzliche Atmosphäre verbreitet und damit auch auf dem Münchner Oktoberfest die „gute Seele“ des Fischbrat-Unternehmens verkörpert.

    Seither befindet sich auch der alte „Fischerkahn“ am Seiteneingang der „Fischer-Vroni“. Er ist ein beliebter Treffpunkt.


  • Kreuzviertel * Der „35. Landtag“ dauert vom 27. September 1907 bis zum 14. November 1911.  

    Die „SPD“ will gemeinsam mit den „Liberalen“ und dem „Bauernbund“ das „Verhältniswahlrecht“ durchsetzen.  
    Doch so weit kommt es nicht. 


  • Zittau * Karl Valentin reist, von Schulden und ständigen Geldsorgen geplagt, zu seiner Mutter nach Zittau, um sich Geld von ihr zu leihen.

    Unverrichteter Dinge muss er jedoch wieder abreisen.


  • Au * Die „Brauerei zum Franziskaner-Leistbräu“ wird von Gabriel Sedlmayer in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

    Sie bleibt jedoch, von kleineren Beteiligungen abgesehen, in Familienbesitz.


  • Maxvorstadt - Lehel * Der Umzug der „Preußischen Gesandtschaft“ vom „Palais Dürckheim“ in der Türkenstraße 4 in die Prinzregentenstraße 9 erfolgt.


  • München * Der „Verband zur Wahrung und Förderung der Interessen der Münchner Volkssänger“ wird gegründet.


  • Haidhausen * Der Zustand der „Nicolai-Kirche“ am Gasteig ist derartig schlecht, dass ihr Abbruch ins Auge gefasst wird.

    Man einigt sich dann jedoch auf das Trockenlegen und Neuaufrichten der Wände.

    Das geschieht allerdings erst im Jahr 1912.


  • München * Karl Valentin tritt als „Blödsinnkönig Valentin“ auf.


  • München * Prinz Leopold ist ein gern gesehener Gast im „Imperial-Thater“.


  • München * Mit dem „Änderungsgesetz der Gewerbeordnung“ verschwinden die „Mörtelweiber“ von den Baustellen, da darin die Verwendung von Arbeiterinnen beim Transport von Materialien aller Art untersagt wird.

    Bis dahin betrug der „Frauenanteil im Baugewerbe“ knapp 10 Prozent.


  • Graggenau * Die zweite und überarbeitete Ausgabe des „Führers durch die Residenz zu München“ erscheint. 


  • München * Das „katholische Stadtpfarramt“ bekräftigt noch einmal ihre Haltung und verbietet jedem Katholiken die „Feuerbestattung“


  • Englischer Garten - Hirschau * Der von der „Maffei'schen Maschinenfabrik“ entwickelte neue Lokomotiventyp S3/6 ist mit einer „Heißdampfmaschine“ ausgerüstet.

    Sie kommt mit wesentlich weniger Kohle aus als vergleichbare Lokomotiven mit „Nassdampfmaschinen“ und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern.


  • Englischer Garten - Hirschau * Bisher hat die „Maffei'sche Maschinenbaufabrik“ in der „Hirschau“ insgesamt 8.165 Lokomotiven produziert.


  • Berg am Laim * Bis zur Änderung des „Kommunalwahlrechts“ ist die Stimmabgabe bei politischen Wahlen weitgehend an Besitz gebunden.

    Von den 2.200 Berg am Laimer Gemeindebewohnern dürfen nur 50 männliche Gemeindebürger wählen.

    Kein Wunder also, dass nahezu alle Bürgermeister betuchte „Ziegeleibesitzer“ sind und sich auch der „Gemeinderat“ zu etwa einem Drittel aus diesem Berufsstand rekrutiert.


  • Unterföhring * Die „Actien-Ziegelei München“ betreibt in Unterföhring ein Werk, in dem sie vor allem „Trottoir- und Klinkerwaren, Verblendsteine für Tiefbauten und Handmauersteine“ herstellt.


  • Maxvorstadt * Karl Valentin tritt mit dem selbstironischen „Ich bin ein armer magrer Mann“, vor allem aber mit seiner Geschichte vom „Aquarium“ beim „Baderwirt“ in der Dachauer Straße 1a auf.

    Ein Riesenerfolg!


  • München * Karl Valentin lebt für 3 Monate beim Ehepaar Greiner als „Zimmerherr“.
    Sie bringen ihn auf die „Straße des Erfolgs“.

    Ludwig Greiner erfindet die neue Bühnenfigur, den „Skelett-Gigerl“; Therese Greiner näht ihm die hautengen und viel zu kurzen Klamotten, die sein ausgezehrtes, klapperdürres Gestell in unnachahmlicher Weise zur Geltung bringen.


  • München * Ernst Philipp Fleischers Ehe wird „wegen Ehebruchs mit der früheren Modellsteherin Maria Reitmaier“ geschieden.


  • Au * Die Gebäude des ehemaligen „Landgerichtsgefängnisses München II am Lilienberg“ werden abgerissen.


  • Graggenau * Das „Glockenspiel“ am Turm des „Neuen Rathauses“ wird der Öffentlichkeit vorgeführt. 

    Die 37 Glocken sind eine „Stiftung“ des Münchner Geschäftsmannes Karl Rosipal.


  • Lehel * Der Wirtschaftsbetrieb im „Café Isarlust“ auf der „Praterinsel“ wird eingestellt. 

    Der neue Besitzer, der „Deutsche und Österreichische Alpenverein - DuOeAV“, verfolgt mit der Immobile andere Ziele. 


  • Gronsdorf * Der „Waldspielplatz“ des „Arbeiter-Turn-Vereins München-Ost“ in Gronsdorf kann eingeweiht werden. 


  • München * Hannes König, der spätere Begründer des „Valentin-Musäums“, wird in München geboren.


  • Angerviertel * Nach einer Textillehre bei der „Firma Eder“ am Viktualienmarkt erhält Elisabeth Wellano eine Anstellung im „Kaufhaus Hermann Tietz“.


  • Ludwigsvorstadt * Josef Durmer, der Besitzer des „Hotels Frankfurter Hof“, Schillerstraße 49, besuchte eine Veranstaltung von Karl Valentin und engagiert ihn umgehend für ein dauerhaftes Engagement an seiner renommierten „Volkssängerbühne“.

    Am 1. Juli tritt der 26jährige Künstler erstmals im „Frankfurter Hof“ für eine Gage von 5.- Mark am Abend auf.

    Zum gleichen Zeitpunkt meldet er sein Gewerbe als „Singen im Stadtbezirk“ an.
    Nun ist er „amtlich gemeldeter Volkssänger“.


  • München * Mit dem neuen „Bayerischen Gemeindewahlrecht“ wird die „Verhältniswahl“ eingeführt.


  • Theresienwiese * Das „Schottenhamel-Festzelt“ wird auf 8.000 Plätze erweitert. 


  • Wien - Petersburg * Österreich-Ungarn und Russland beschließen, dass Österreich Bosnien und Herzegowina erhält.

    Russland soll im Gegenzug die freie Durchfahrt durch den Bosporus und die Dardanellen erhalten. 


  • Au * Nachdem sich seine finanzielle Lage verbessert hat, holt Karl Valentin seine Mutter aus Zittau nach München.

    Sie wohnen in der Ackerstraße 1 in der Au.


  • Lehel * Lion Feuchtwanger zieht in die Gewürzmühlstraße 3. 


  • Österreich - Bosnien - Herzgowina * Österreich-Ungarn „annektiert“ - ohne Rücksprache mit den Großmächten - Bosnien und Herzegowina, gliedert sie also in die „k.u.k. Monarchie“ ein.  

    Die Großmächte Frankreich, England und Russland sowie die Balkanstaaten protestieren gegen die „österreichische Annektion“.  
    Ein Krieg wird nur verhindert, weil sich das „Deutsche Reich“ mit Hinweise auf die „Nibelungentreue“ auf die Seite von Österreich-Ungarn stellt. 


  • Au * Der von Hans Grässel geschaffene Neubau für die „Kreislehrerinnenbildungsanstalt für Oberbayern“ in der Frühlingstraße (heute: Eduard-Schmid-Straße) wird seinem Zweck übergeben. 


  • Au * Der „Brunnenweibchen-Brunnen“ an der Gebsattelbrücke geht in Betrieb.


  • Schwabing * Das in Schwabing befindliche erste vollautomatische Großstadtwählamt Europas macht eine Vielzahl von Vermittlungskräften überflüssig.

    Die Eröffnung des „Selbstwählamtes“ führt zu Protesten.
    In einem Gutachten äußert ein Münchner Arzt, „dass durch das Wählen die Fernsprechteilnehmer eine Schädigung ihres Nervensystems erfahren würden“.

    Die Aufregung legt sich erst, nachdem die „Telephonabonnenten“ die Vorteile des Selbstwählens erkannt haben. 


  • München * Elisabeth Wellanos 15jähriger Bruder xxx stirbt.


  • Untergiesing * Die „Zentrale der städtischen Abfallentsorgung“ wird in der Sachsenstraße eröffnet.

    Gleichzeitig werden die „Reparaturwerkstätten der städtischen Hausunratabfuhranstalt“ von der Landsberger Straße hierher verlegt. Es gibt bereits 650 „Harritschwägen“.

    Der damalige Jahresbericht erzählt von 19.631 „Pferdeschichten“ und 33.336 „Mannschichten“ die geleistet wurden, um 117.577 Tonnen „Unrat“ bei den 550.000 Münchnern einzusammeln.
    Rund 69.000 Fuhren werden per Bahn zur „Hausmüllverwertungsanlage“ nach Puchheim verfrachtet.

    Der Giesinger Wagenschmiedmeister Fischer darf nur die ersten 36 „Harritschwägen“ liefern.
    Alle weiteren bauen die Schmiede und Wagner der städtischen „Unratabfuhr“ selbst in ihren Werkstätten.

    Die Wägen bleiben Eigentum der Stadt und werden an private „Abfuhrunternehmer“ für die „Mülleinsammlung“ ausgeliehen.
    Diese haben eigene Stallungen und beschäftigen die „Harritschkutscher“.

    Um 6 Uhr in der Frühe müssen die „Müllmänner“ ihre Pferde striegeln und anschirren.
    Dann rücken die Gespanne unter Hufgeklapper aus.

    Dieses Müllsammlungs-, Verwertungs- und Beseitigungssystem ist in Deutschland einmalig und dient vielen Kommunen als Vorbild.
    Es funktioniert bis zum Zweiten Weltkrieg.

    Dann kommt die „Abfallsortierung“ in der Puchheimer „Verwertungsanlage“ aus Mangel an Ersatzteilen zum Erliegen.
    Damit hat München keine geordnete „Müllbeseitigung“ mehr.


  • Maxvorstadt * Der „Großhändler“ Theodor Geist ist Eigentümer der Anwesen Richard-Wagner-Straße 3 und 5.


  • Obergiesing * Der Umbau der „Verbrennungsanlage für Sargbretter und Grabkränze“ ist beendet.  

    Jetzt muss aber noch ein Gutachten abgewartet werden, das die „Geruchsbelästigung für die Anwohner“ prüft.  
    Die Prüfungen werden sich bis zum Jahr 1912 hinziehen. 


  • Bogenhausen * Es entstehen Planungen für einen Kirchenneubau der „Georgskirche“ nahe der heutigen „Gebeleschule“ in Bogenhausen.


  • Au * Der „Arbeiter-Turn-Verein München-Ost“ gründet eine Schülerinnen- und Schülerriege. 


  • Maxvorstadt * Noch zur „Jahrhundertfeier 1909“ lassen sich die Professoren der „Akademie der Bildenden Künste“ ihre „Festuniform“ nach den Vorgaben von 1808 schneidern.


  • Isarvorstadt - Museumsinsel * Die „Brockensammlung“ zieht von der „Kohleninsel“ in aufgelassene Räume der „Neuen Isarkaserne“ an der Kohlstraße.


  • Isarvorstadt * Der zweite Teil der provisorischen Ausstellung des „Deutschen Museums“ wird in den aufgelassenen Räumen der „Neuen Isarkaserne“ in der Zweibrückenstraße eröffnet.


  • Maxvorstadt * Lion Feuchtwanger organisiert als Vorsitzender der „Phoebus“-Gruppe zum Ausklang der Faschingssaison im „Löwenbräukeller“ einen aufwändigen Ball.  

    Weil sich der Sponsor der Veranstaltung als Betrüger herausstellt, kommt es zum Eklat.  
    Handwerker und Arbeiter reißen noch während des Faschingballs die Dekoration herunter und fordern ihre Löhne und die unbezahlten Rechnungen ein.  

    Feuchtwanger und seine Mitstreiter holen ein Großaufgebot der Polizei, was alles nur noch schlimmer macht.  
    Denn jetzt verlassen die Gäste den „Löwenbräukeller“ und fordern ihr Eintrittsgeld zurück.  
    Der „Phoebus-Skandal“ ist geboren.  

    Kurt Eisner, der spätere Revolutionär und „Ministerpräsident des Freistaates Bayern“ ist zu diesem Zeitpunkt Redakteur der SPD-Zeitung „Münchner Post“, bezeichnet den „Phoebus-Vorstand“ als „Margarine-Barönchen“.
    Sein Ball hätte so viel „mit Apollon zu tun, wie Herr Lion Feuchtwanger mit der Literatur oder sein Vater mit der Naturbutter“


  • München * Der „Bildhauer“ Anton Heß stirbt.


  • Bogenhausen * Die Arbeiten zum 108 x 29 Meter messenden „Fleischer-Schlössl“, auf dem 2,38 Hektar großen Parkgrundstück in Bogenhausen beginnen.

    Das Hochparterre sollte eine Wohnfläche von 1.600 qm bieten. Das Atelier wäre 150 qm groß geworden.


  • München * Elisabeth Wellanos Mutter stirbt.


  • Bozen * Ritter Karl von Müller, der „Sponsor“ des Volksbades, stirbt.


  • Berlin * Theobald von Bethmann Hollweg wird in Berlin zum „Reichskanzler“ ernannt. 


  • Theresienhöhe * Das „Zentral-Landwirtschaftsfest“ findet erstmals im „Städtischen Ausstellungspark auf der Theresienhöhe“ statt.


  • Au * Karl Valentin tritt - neben vielen anderen Künstlern - beim „Bürgerrechts-Verein München-Ost“ und dem „Sozialdemokratischen Verein, Sektion München-Ost“ im „Münchner-Kindl-Keller“ - an herausgehobener Position - als „Instrumental-Karikaturen-Komiker“ auf. 


  • Maxvorstadt * Die Familie des Joseph Schülein bezieht ihr Haus in der Richard-Wagner-Straße 7.

    Joseph Schülein wird dort bis an sein Lebensende [9. September 1938] wohnen. 


  • Lehel * Der Deutsche Kaiser und König von Preußen, Wilhelm II., eröffnet die „Schack-Galerie“ an der Prinzregentenstraße 9.

    Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ schreiben:
    „Als Kunstfreund und Mäcen ist der Kaiser bei uns erschienen, nachdem er erst als oberster Kriegsherr, umgeben vom Glanz seines militärischen Gefolges, die friedlichen Schlachtfelder im Frankenland verlassen“.

    Im Giebelfeld des neuen „Kultur-Tempels“, das von massigen Säulen getragen wird, befindet sich der preußische Adler und die Inschrift: „Kaiser Wilhelm II. der Stadt Muenchen zur Mehrung ihres Ruhmes und grossen Kuenstlern zum Gedaechtnis“.

    In diesem Sinne ist auch die kaiserliche Eröffnungsrede gehalten, in der er die wohlgesetzten Worte spricht:
    „Ich weiß mich eins mit der vaterländischen Gesinnung des Münchner Bürgertums, auf welches ganz Deutschland, von der Meeresküste bis zu den bayerischen Bergen, ein Recht hat, stolz zu sein“.


  • München * In zwölf Großgaststätten werden Kinofilme gezeigt:

    • im „Gasthaus Herzogpark“ an der Mauerkirchener Straße,
    • im „Mühldorfer Hof“ an der Einsteinstraße,
    • in den „Unionsbräuhallen“ an der Einsteinstraße,
    • im „Münchner-Kindl-Keller“ an der Rosenheimer Straße,
    • im „Franziskaner-Keller“ an der Hochstraße,
    • im „Salvatorkeller“ an der Hochstraße,
    • im „Bergbräukeller“ an der Tegernseer Landstraße,
    • in den „Bergbräubierhallen“ an der Bergstraße im Münchner Osten und
    • im „Schwabingerbräu“ an der Leopoldstraße,
    • in der „Gaststätte zur Blüte“ in der Blütenstraße,
    • im „Alten Hackerkeller“ an der Bayerstraße und
    • im „Neuen Hackerkeller“ auf der Theresienhöhe im Westen.

  • Lehel * Karl Valentin zieht mit seiner Mutter von der Ackerstraße 1 in die Kanalstraße 16 (27/I) im Lehel um.


  • München * Die Schulden des „Märchenkönigs“ Ludwig II. sind auch mit den Geldern seines Bruders Otto restlos getilgt. 

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