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Seite 9
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Das Isar-Thor

Abbildung zum Eintrag

Beynahe das nämliche Schicksal der Zerstörung wäre auch diesem von den ehemaligen 4 äus=sern Hauptthoren Münchens am Anfange dieses Jahrhunderts zu Theil geworden, wie dem Schwabinger Thore, oder wie an dem Sendlinger Thore bereits mit dem mittlern Thurme begonnen, dem Neuhauser Thore, nebst den 3 noch vorhandenen Nebenthoren, nämlich dem Anger=, Kost= u. Einlaß=Thore, vorläufig zugedacht gewesen. Letzteres war bis zum Abbruche mit einem angemalten Löwen geziert, zum Andenken eines Kriegs=Ereignisses vom Jahre 1405. Abgerissen von den Stadtmau=ern, und unförmiglich vereinigt standen die 3 alten Festungs=Thürme des Isar=Thores, 2 rund=eckige, und ein den Thorbogen bildender im länglichten Vierecke von ziemlicher Höhe. Da befahl König Ludwig nicht nur die planmäßige Beräumung und Wiederherstellung dieser Thürme, sondern auch die Ausschmückung der quer laufenden Mauer von einem Seitenthurm zum andern mit einem hi=storischen Freskogemälde, eine der merkwürdigsten Erinnerungen enthaltend, nämlich den siegreichen Einzug Kaisers Ludwig des Bayers nach der, an Ort und Stelle durch eine Feldkapelle verewig=ten, glänzend gewonnenen Schlacht wider den Gegenkaiser Friedrich den Schönen von Oesterreich zwischen Ampfing und Mühldorf, zu München im Jahre 1322. Eine, auf diese Schlacht bezügliche Scene befindet sich in einem Wandgemälde unter den Arkaden des Hofgartens. Bekannt=lich war diesem herrlichen Siege jener bey Moosburg und Gammelsdorf im Jahre 1310 voraus=gegangen. Ein altes Freskogemälde, das Andenken an diesen großen Kaiser verewigend, welchem die Stadt so viele stattliche Rechte, Freiheiten, Verschönerungen und milde Stiftungen verdankt, sah man an dem längst abgebrochenen obern Thorthurm, auch Kaufinger=Thor, in der Folge der öde Thurm, und endlich von obigem Gemälde der schöne Thurm genannt, mit der Jahreszahl 1381. An dem gegenwärtigen langen Mauerbilde erblickt man den Kaiser im Ornat mit Krone, Scepter und Reichsapfel zu Pferd, vor ihm Herolde und Bannerträger, nach ihm seine tapfern Waffenge=fährten, Trophäen und Kriegsleute. Geistlichkeit und Bürgerschaft empfängt hier den Sieger ehr=furchtvoll. Die Geschlechter=Wappen der Helden des Tages, 32 an der Zahl, prangen oben an den Seitenthürmen rings herum angemalt, das bayer’sche und Stadt=Wappen an dem Hauptthurme. Zwischen den 3 Aus= und Eingangs=Bögen stehen die, 8½ Schuh hohen Steinbilder der heiligen Michael und Georg, oben erscheinen Maria mit dem göttlichen Kinde Jesus auf der einen, der heil. Benno auf der andern Seite, als Land = und Stadt=Patronen, angemalt. Die babei angebrachten Verzierungen sind durchaus gothisch.

Rechts und links des Isar=Thores laufen außerhalb die Herrn= und Frauen Straßen ab, während in grader Richtung von dem Isar=Strome her die Zweibrücken=Straße durch das nämliche Thor in das Thal (wo die erste herzogliche Wohnung sich befand) über die Hochbrücke dem Rathhaus=Thurme (ehemals Thalburger = oder unteres Thor) zuführt. Letzteres ist mit dem vordern Schwabynger Thor=Thurm, nachher der Muggenthaler=, dann Lorenzí Thurm, der einzige, welcher von den 5 alten innern Stadt Thoren noch stehen blieb.