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Seite 7
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Malerische Topografie des Königreichs Bayern

Angerthor

Abbildung zum Eintrag

Dieser ehrwürdige Ueberrest hohen Alterthums erneuert die traurige Erinnerung an die mehrhun=dertjährige häusliche Fehden, welche durch die unselige Landestheilungen veranlaßt, die Vergrößerung des Hauses Wittelsbach, wozu sich so manche gerechte und günstige Gelegenheit darbot, immer ver=hindert, Bayern gegen Bayern bewaffnet, Land und Leute durch Brand, Raub und Mord unglück=lich gemacht haben, und nicht einmal durch die von Herzog Albrecht IV. am 8. July 1506 wohl=thätig wieder hergestellte Untheilbarkeit, und das zugleich eingeführte Erstgeburtsrecht ganz gehoben werden konnten.

Nach dem Tode Herzogs Johann, im August 1397, war Münchens Besitz der Zankapfel zwischen dessen Söhnen Ernst und Wilhelm und dem Herzoge Stephan II. und seinem Sohne Lud=wig dem Bärtigen. Wohl scheint das Recht mehr auf Seite der Herzoge Ernst und Wilhelm ge=wesen zu seyn; aber Stephans und Ludwigs populäres, gefälliges, freundliches Benehmen hatte ih=nen die Herzen der Bürger gewonnen. Eine große Mehrheit erklärte sich für dieselbe, und es kam endlich so weit, daß Ernst und Wilhelm sich bewogen fanden, die Stadt zu verlassen, und das Schloß Wolfratshausen bewohnten, daß ihre wichtigsten Anhänger verbannt, und deren Güter eingezogen, andere um schwere Geldsummen gestraft, viele durch die Flucht sich zu retten gezwun=gen wurden. Doch büßten auch von der andern Parthey schon im Jahre 1400 drey der angese=hensten Bürger, die durch sie bewirkten Umtriebe, mit dem Verlust ihrer Köpfe. Endlich gelang es der Klugheit des allseitig zum Schiedsrichter erlesenen Burggrafens Friedrich von Nürnberg, durch Spruchbrief zu Freisingen 31. May 1403 Friede und Ruhe zurück zu führen. München huldigte den Herzogen Ernst und Wilhelm neuerdings, und die Verbannten kamen zurück, die Abtheilung der bayerischen Linien München und Ingolstadt war vollendet.

Durch diese Vorfälle soll die Sperre des Angerthors veranlaßt worden seyn. Solches blieb bis zu unsern Tagen vermauert, und das Innere wurde zum Auslassen des Unschlittes benützt. Nunmehr ist durch dessen Wiedereröffnung auch für diesen Theil der Stadt der lebhafte Verkehr hergestellt.